Der Geist wird euren Leib lebendig machen

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Impuls zum 14. Sonntag – Lesejahr A – 2026 in Verbindung mit Röm 8, 9.11-13

Die heutige Lesung aus dem Römerbrief spricht eine große Zusage aus:
Der Geist Gottes, der Jesus von den Toten auferweckt hat, wohnt in uns.
Und dieser Geist schafft Leben – nicht erst am Ende der Zeiten, sondern schon jetzt.

Paulus beschreibt damit eine Hoffnung, die das Herz des christlichen Glaubens bildet:
• Gott lässt das Leben nicht im Tod enden.
• Er führt es zur Vollendung.
• Und er beginnt damit bereits hier, mitten im Alltag.

Diese Hoffnung kann man nicht einfach voraussetzen.
Viele Menschen stellen sich – bewusst oder leise – die Frage:
Was wäre, wenn es das Ewige Leben nicht gäbe?
Was bliebe dann vom Glauben?

Diese Frage ist kein Ausdruck von Unglauben.
Sie ist ein ehrlicher Versuch, den Glauben von innen her zu prüfen.
Der Theologe Hans Küng hat das einmal so formuliert:
„Selbst wenn ich die Wette, dass es Gott gibt, im Tod verlöre, hätte ich für mein Leben nichts verloren.“

Dieser Gedanke zeigt:
Der christliche Glaube ist nicht nur eine Hoffnung für das Jenseits.
Er ist eine Lebensform, die schon jetzt trägt.

Was schenkt dieser Glaube?
Er lehrt die Liebe – zu sich selbst und zum Nächsten.
Er erinnert daran, dass jeder Mensch Würde hat, unabhängig von Leistung.
Er eröffnet die Möglichkeit des Neubeginns, weil Fehler nicht das letzte Wort haben.
Er schafft Frieden durch Vergebung.
Er ruft zur Freiheit, die aus der inneren Würde kommt.
Und er verbindet uns mit der ganzen Schöpfung und weckt Verantwortung für sie.

All das ist Ausdruck des Geistes Gottes, der in uns wohnt.
Dieser Geist macht lebendig – auch in Situationen, die schwer sind, auch in Zeiten der Unsicherheit.

Darum ist die christliche Hoffnung mehr als eine Wette auf das Ewige Leben.
Sie ist eine Kraft, die das Leben verwandelt.

Und wer die Frage „Was wäre, wenn…?“ zulässt, kann entdecken:
Der Glaube ist sinnvoll.
Er trägt.
Er macht das Leben menschlicher.
Er öffnet Wege, die ohne ihn vielleicht verschlossen blieben.

Paulus sagt:
Gottes Geist macht lebendig.
Das ist die Zusage, die uns heute geschenkt wird.
Sie gilt für das Leben nach dem Tod – und sie gilt für das Leben davor.

Darum halten wir fest:
Dieser Glaube ist Hoffnung für die Zukunft und Kraft für die Gegenwart.
Er führt in die Freiheit der Kinder Gottes.




Was wäre, wenn …?!

oder: ‚Gefährliche‘ Gedankenspiele

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Dieses Zitat fand ich am 25.6.2026 im „Te Deum beten“ in der Juni-Ausgabe 2026 und es hat mich sofort angefixt.
Denn es entspricht dem, was ich auch für mein Leben und meinen Glauben erkannt habe.

Ja, ich glaube weiterhin an die Auferstehung der Toten und das Ewige Leben.

Die Überzeugung, dass mein christlicher Glaube aber auf alle Fälle sinnvoll ist, ist mir erst dann richtig bewusst geworden, als ich mich selbst ermächtigt habe, die Frage zuzulassen: „Was wäre, wenn…?“

„Was wäre, wenn es das Ewige Leben nicht gäbe? – Was würde dir dann dein ganzer christlicher Glaube bedeuten?“

Oft trauen wir uns nicht, diese Frage offen und ehrlich zu stellen, weil wir meinen, wir würden dadurch unseren Glauben an die Auferstehung bezweifeln.

Ich denke aber, dass das nicht ein Bezweifeln unseres Glaubens ist, sondern ein ‚in Zweifel ziehen‘ ist.

Ich mache im Denken ein Unterschied zwischen ‚bezweifeln‘ und ‚in Zweifel ziehen‘.

Wenn ich etwas „in Zweifel ziehe“, bedeutet das für mich einen bewusst gesteuerten Denkprozess: Ich lasse alternative Überlegungen zu, spiele verschieden Möglichkeiten durch und hinterfrage eine angenommene Wahrheit absichtlich und mit klarem Verstand.
Der Sinn eines solchen Hinterfragens ist der Versuch, die Gewissheiten meines Lebens auch mal bewusst von der anderen Seite zu beleuchten, und zwar der Art, in dem ich mal davon ausgehe, dass es diese Gewissheiten nicht geben würde.
Das bedeutet die Frage: „Was wäre, wenn ….?“

Bezweifeln hat für mich eine andere Dimension.
Es zeigt, dass frühere Glaubensgewissheiten nicht mehr tragen. Dann spüre ich innerlich – und auch in meinem religiösen Empfinden – eine Verunsicherung: Ist das, was wir bisher geglaubt haben, wirklich „wahr“?

Dieses Bezweifeln fühlt sich für mich wie eine Art „Entmachtung meiner spirituellen Überzeugung“ an.
Damit meine ich: Wer seinen christlichen Glauben bezweifelt, erlebt eine tiefe Erschütterung seiner bisherigen Gewissheiten.

Ein solcher Mensch verliert den festen Boden seiner religiösen Überzeugung – oder er beginnt zumindest zu wanken.
Der Boden wird weich und unsicher, wie im Moor, wo jeder Schritt zeigt, dass der Untergrund nicht mehr zuverlässig trägt.


Warnhinweis!
In einer Lebensphase meines Glaubens, in der ich meinen christlichen Glauben recht fest und unerschütterlich glaubte, habe ich mich auf dieses Gedanken-Experiment eingelassen.
Nicht, dass ich diesen Impuls nicht schon früher gehabt hätte.
Aber ich hatte es mir nicht gestattet.
Einmal aus einer falschen Sicht, dass man nicht einfach so den eigenen Glauben hinterfragen darf. Weil das schon ein ‚Zeichen für Unglauben‘ sein könnte.
Aber auch, weil ich wusste, auf welch gefährliches Experiment ich mich da einlasse.
Denn ich ahnte schon: was wäre, wenn ich meinen christlichen Glauben in seinem tiefsten und existentiellen Punkt nicht mehr bejahen könnte? Was würde das dann für mein Leben, das in wesentlichen Teilen auf meinen christlichen Glauben aufgebaut ist, dann noch sinnvoll erscheinen lassen?
Es drohte dann eine Glaubens- und Existenskrise.
Die Frage zuzulassen: „Was wäre, wenn …?“ ist also eine wirklich ‚gefährliche‘ Frage und man sollte sich vorher gut überlegen, ob man für diese Frage bereit ist und auch womögliche Konsequenzen tragen kann?
Sinnvoll ist es auch, sich dieser Frage nicht allein, sondern im Zusammenhang einer ‚geistlichen Begleitung‘ zu stellen.


Irgendwann habe ich mich innerlich und spirituell stark genug gefühlt, um diese Frage wirklich zuzulassen – nicht nur theoretisch, sondern existentiell.

Und nach einem längeren inneren Prozess habe ich für mich erkannt:
Mein christlicher Glaube wird im Tiefsten davon getragen, dass mit dem Ende meines irdischen Lebens nicht alles vorbei ist.
Ich glaube, dass etwas kommt, das mich persönlich betrifft – und dass dieses „Danach“ eine Beziehung bedeutet: eine Beziehung zu Gott und zu den Menschen, die mir in meinem Leben wichtig waren.

Dieser Gedanke nährt meinen Glauben im Innersten.


Ich habe für mich entdeckt: Selbst wenn sich der zentrale christliche Glaube an die Auferstehung und das Ewige Leben als nicht „wahr“ herausstellen sollte, kann ich dennoch sagen, dass mein Leben durch den christlichen Glauben sinnvoll und lebenswert geworden ist – und es weiterhin ist.

Denn der christliche Glaube vertröstet nicht nur auf das Jenseits.
Das ist zwar über viele Jahrhunderte so gelehrt worden, oft auch aus machtpolitischen Gründen.
Aber im Kern geht es um etwas anderes, etwas viel Größeres und Lebensnahes.

Was der christliche Glaube meinem Leben schenkt

  • Die Botschaft der Selbst- und Nächstenliebe:
    Sie zeigt mir, wie Beziehungen gelingen können und wie ich mit mir selbst menschlich umgehen kann.
  • Die Überzeugung, dass jedes Leben wertvoll ist – einfach, weil es existiert:
    Nicht wegen Leistung, Erfolg oder Perfektion, sondern weil jeder Mensch Würde hat.
  • Die Einsicht, dass Fehler zum Menschsein gehören:
    Und dass wir – trotz dieser Fehler – immer wieder neu anfangen dürfen.
  • Der Glaube an Liebe, Barmherzigkeit und Vergebung:
    Diese Haltungen schaffen Frieden. Sie öffnen Wege, wo vorher Mauern waren.
    Sie erinnern mich daran, dass wir alle Teil einer einzigen Menschheitsfamilie sind.
  • Die Überzeugung, dass wir zur Freiheit berufen sind:
    Eine Freiheit, die uns niemand nehmen kann, weil sie aus unserer tiefsten Würde kommt.
  • Das Bewusstsein, dass wir untrennbar mit allen Geschöpfen und der ganzen Schöpfung verbunden sind:
    Daraus erwächst eine ökologische Verantwortung – nicht als Last, sondern als Ausdruck dieser Verbundenheit.

Ein einfacher, aber tragender Gedanke

All das zusammen lässt mich sagen:
Mein christlicher Glaube gibt meinem Leben hier und jetzt Sinn.
Er gibt mir – und andere – die Möglichkeit in Liebe, Frieden und Solidarität leben, mit allen Menschen und mit der ganzen Schöpfung.

Und allein deshalb kann und will ich an diesem Glauben festhalten.


Zusammenfassung:

Am Ende bleibt für mich eine einfache, aber tragende Einsicht:
Selbst wenn sich im Tod herausstellen sollte, dass meine Hoffnung auf Gott und das Ewige Leben eine verlorene Wette wäre, hätte ich für mein Leben nichts verloren.

Mein christlicher Glaube hat mein Leben schon jetzt reicher, freier und menschlicher gemacht. Er ist wie ein Kompass, der mir Richtung gibt – auch dann, wenn der Horizont unscharf und das Ziel undeutlich wird.

Die Frage „Was wäre, wenn…?“ hat mich nicht vom Glauben weggeführt, sondern tiefer hineingeführt.
Sie war wie ein Gang über eine schwankende Brücke: riskant, aber notwendig.
Und auf der anderen Seite habe ich entdeckt, dass dieser Glaube mein Leben schon hier trägt – unabhängig davon, was nach dem Tod kommt.

Darum halte ich fest:
Dieser Glaube ist sinnvoll – nicht erst im Jenseits, sondern mitten im Leben.




Kannst du gut …

… für dich sorgen?!

Diese Tage mit ihrer Hitze stellen mich persönlich schon vor gewaltige Herausforderungen.
Nicht nur, dass wir eine bisher nie da gewesene Hitzephase mit Temperaturen um die 40 Tage erleben, und das sogar drei Tage lang.
Nein, auch, weil diese Hitze keine Bagatelle mehr ist!
Das ist die erlebbare Klimakrise – und das ist erst der Anfang!

Zurecht wird seitens von MedizinerInnen darauf hingewiesen, dass dies eine medizinische Notfall-Situation ist.

Ich selber merke es – vielleicht noch einmal mehr – wegen meines Long-Covids.

Long-Covid verträgt keinen Stress, Long-Covid verträgt keine Anstrengung, die über den Rahmen hinausgeht, den ich sonst beim Pacing einhalten würde.
Vielleicht ist es auch ein Glück, dass ich viel stärker diese Belastung spüre und somit auch viel deutlicher mit der inneren Stimme konfrontiert werde: „Sorge gut für dich!“.

Aber: das ist leichter gesagt, als getan.

Denn:
Da gibt es dann noch die inneren Stimmen, die mich mahnen, doch auch meinen ‚Pflichten‘ nach zu kommen, sei es im dienstlichen wie im privaten Kontext.
Da ist die Frage, in welchem Rahmen ich noch verantwortlich Gottesdienst feiern kann, wenn die Krankenhaus-Kapelle innen über 30 Grad hat und das Öffnen der Fenster bei fast 40 Grad Außentemperatur zumindest ein fataler Fehler, wenn nicht sogar eine Verantwortungslosigkeit wäre.
Da ist die Frage, ob ich an einem Konzert unseres Chores teilnehmen werde, das zwar in einer Kirche ist.
Diese wird vielleicht etwas kühler sein, als die Außentemperaturen.
Nur: die letzten Tage haben mich und meine Gesundheit geschwächt.
Eine Urtikaria (wohl eine Hitzeurtikaria), die vor einigen Jahren ausgebrochen ist und ich dann wieder ganz gut im Griff habe, überfällt seit vorgestern meinen Körper wieder. Kleine, stark juckende Pusteln an Unterarmen und Unterschenkeln zeigen mir: ‚Meinem Körper geht es nicht gut!‘.

Wie reagiere ich auf diese Warnsignale des Körpers?
Oder sind die inneren Gegenstimmen der ‚Pflicht‘ so groß, dass ich diese Warnzeichen ignorieren möchte oder sogar ignoriere?

Nach einem inneren Kampf habe ich mich dazu entschieden, den Gottesdienst morgen ausfallen zu lassen.
Nach einem inneren Kampf habe ich mich dazu entschieden, beim Konzert heute Abend nicht mitzusingen.

Aber …

ja, es ist dieses permanente „ABER“ in meinem Kopf, das mir das Gefühl gibt, nicht mit einer gewissen Selbstsicherheit zu meinen vernünftigen Entscheidungen zu stehen und innerlich mit diesen Entscheidungen die Ruhe gefunden zu haben.

Ich will es dennoch durchhalten, denn ich bin – bei aller gesundheitlichen Beschwerden – dankbar, dass mein Körper es noch nicht aufgegeben hat, mit mir zu kommunizieren und sich mir mitzuteilen. was gut und was schlecht für mich ist.

Warum offenbare ich mich hier so?
Weil ich sicher bin, dass ich nicht der/die Einzige bin, der es momentan so geht.

Was gibt dir eine innere Sicherheit und Standhaftigkeit für deine vernünftigen Entscheidungen?




Erinnere dich …

… an das, was dich trägt

Impuls zum 11. Sonntag im Jahreskreis – A –

Das nachfolgende Lied von Peter Maffay und Noa erzählt von einem Menschen, der sich wie in einer inneren Wüste fühlt: erschöpft, ausgetrocknet, orientierungslos.
Er ruft Gott als seinen Retter an — den, der sich zu ihm verströmt und ihn trägt.
Und mitten in dieser Leere spricht Gott ein einziges Wort: „Erinnere dich.“
Erinnere dich an das Heilige, an die Quelle, die bleibt, auch wenn alles andere versiegt.

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Die Worte aus der heutigen Lesung sind eine solche Erinnerung.
Gott lässt durch Mose sein Volk zurückschauen: auf den Weg, den es gegangen ist, auf die Katastrophen, die es überstanden hat, und auf den, der es durch all das hindurchgeführt hat.
Gott hat einen Plan, und er weiß, was er will.
Er will dieses Volk als sein auserwähltes Volk, als einen heiligen Priesterstamm, damit ER in seiner Nähe lebt.

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Doch dieses Auserwähltsein, diese besondere Stellung in den Augen Gottes, kann im Alltag leicht verblassen.
Wenn Sorgen uns in Anspruch nehmen, wenn Ablenkungen uns zerstreuen, wenn wir uns selbst dabei ertappen, wie wir Zeit verlieren an Dinge, die uns eigentlich gar nicht guttun.

Ich kenne das aus meinem eigenen Leben.
Ich nutze das Internet viel – beruflich, aber auch zur Unterhaltung.
Und nicht alles, was da aufploppt, ist harmlos.
Manches ist banal, manches nur darauf ausgelegt, mich festzuhalten, meine Aufmerksamkeit zu binden, um daraus Profit zu schlagen.
Und manchmal erschrecke ich richtig, wie schnell ich wieder hineingeraten bin.

Aber es gibt diese Ablenkungen nicht nur digital.
Auch im analogen Leben gibt es genug, was uns wegzieht von dem, was wirklich zählt.

Und manchmal, so empfinde ich es, ist es wie ein kleiner Stoß des Heiligen Geistes, wenn ich plötzlich merke, womit ich gerade wieder meine Lebenszeit vergeude.

Ich bin sicher, dass das früher nicht anders war.
Auch das Volk Israel war in Gefahr, Gott aus dem Blick zu verlieren – nicht nur wegen der widrigen Umstände, sondern auch wegen all der kleinen Dinge, die sich zwischen Gott und das Herz schieben können.
Und so wird Mose zum Erinnernden, fast wie eine Stimme, die ruft:
„Hallo… ich bin auch noch da! Ich war immer da. Und ich möchte nicht nur helfen und retten, sondern eine Beziehung mit euch leben.“

Gott hat es nicht leicht mit uns.
Immer wieder wirbt er um uns, um unser Vertrauen, um unser Herz.
Und wir?
Mitten im Alltag, mitten in unseren Beschäftigungen und Zerstreuungen – nehmen wir dieses Werben wahr?

Auch Jesus spürt später, dass die Menschen seiner Zeit Gott aus dem Blick verlieren.
Er verurteilt sie nicht.
Er sieht ihre Müdigkeit, ihre Erschöpfung, ihre Lasten.
Und er sieht auch ihre Sehnsucht.
Denn sonst wären sie nicht in solcher Zahl zu ihm gekommen, um ihn zu hören, um etwas von Gott zu spüren.

Und heute?
Wir kennen diese Müdigkeit.
Wir kennen die Erschöpfung.
Wir kennen die Ablenkungen, die uns wegziehen von dem, was uns eigentlich trägt.
Und wir sehen sie auch bei anderen.

Doch Jesus bleibt nicht bei der Diagnose stehen.
Er sendet seine Jüngerinnen und Jünger in genau diese Welt hinein – in die Müdigkeit, in die Erschöpfung, in die Zerstreuung.
Nicht als Moralapostel, nicht als Besserwisser, sondern als Menschen, die etwas von Gottes Nähe spürbar machen.
Als Menschen, die die Sehnsucht nach Gott wahrnehmen und behutsam wachhalten.

Bild von Ben auf Pixabay

Dafür braucht es nicht zuerst Hauptamtliche.
Dafür braucht es uns alle, die wir glauben.
Menschen, die sich selbst und andere daran erinnern, was Gott schon getan hat, wo er Halt war, wo er uns durchgetragen hat.
Menschen, die erzählen können, dass dieses Angebot Gottes allen gilt.

Und wenn wir im Evangelium hören, dass Jesus seine Jüngerinnen und Jünger zunächst nur „zu den verlorenen Schafen Israels“ sendet, dann wissen wir zugleich:
Er hat später erkannt, dass Gottes Liebe größer ist als jede Grenze.
Dass sie allen Menschen gilt.
Auch denen, die damals „Heiden“ genannt wurden.
Wäre das nicht so, säßen wir heute nicht hier.

Das ist die eigentliche Erinnerung dieses Sonntags:
dass Gott uns nicht aus den Augen verliert – auch dann nicht, wenn wir ihn aus den Augen verlieren.
Und dass er uns immer wieder anrührt, damit wir uns erinnern können.




Nur diesen Tag …

Mein ‚Wunsch‘ für heute

Am Anfang dieses Tages, weiß ich nicht, wie gut ich diesen Tag überstehen werde.
Gestern war ich mental ziemlich in Anspruch genommen.
Und auch das wirkt sich eher negativ auf meine Long-Covid aus.
Ich merke es sehr deutlich am ‚tired and wired‘, also an einer Müdigkeit und Erschöpfung, die mich ins Bett drängt, aber ich finde keinen Schlaf.

Nach einer wirklich nicht guten Nacht, die viel zu kurz war, habe ich für heute nur diesen einen Wunsch:

Diesen Tag zu meistern!

Zwei wichtige Termine/Dienste stehen in meinem beruflichen Kalender.
Wenn ich die gut gemeistert habe, dann bin ich schon sehr zufrieden.

Bei Long-Covid (resp. Post-Covid) lebt man häufig ‚von der Hand in den Mund‘.
Mehr geht nicht.
Und wenn ich lerne, damit schon zufrieden zu sein,
dann werde ich am Ende des Tages vom Tag nicht enttäuscht sein.




Dreifaltigkeit

Eine Annäherung für unseren alltäglichen Glauben

Bildquelle: Autor/-in unbekanntUnknown author, Public domain, via Wikimedia Commons, Bildquelle!

Wenn wir heute das Fest der Dreifaltigkeit feiern, stehen wir vor einem der größten Geheimnisse unseres Glaubens. Und vielleicht fragen Sie sich – wie ich auch immer wieder –: Was kann man darüber eigentlich sagen, ohne sich zu verrennen?

Wir glauben an einen Gott, der uns auf drei verschiedene Weisen begegnet:

– als Vater, der Himmel und Erde geschaffen hat, alles Sichtbare und Unsichtbare,

– als Sohn, der wirklich Mensch geworden ist und uns erlöst hat,

– und als Heilige Geistkraft, die uns begleitet, stärkt und führt.

Das klingt vertraut. Und doch spüren wir: Ganz fassen können wir dieses Geheimnis nicht.

Ein Bild aus der Natur – und ein kleines Wunder der Physik

Wir suchen oft nach Bildern, die uns helfen, der Dreifaltigkeit näherzukommen.

Eines davon ist das Wasser: Es kann fest sein wie Eis, flüssig wie Wasser und gasförmig wie Dampf. Drei Erscheinungsweisen – und doch bleibt es immer Wasser.

Als ich einmal mit einem befreundeten Professor und Naturwissenschaftler über das Thema ‚Dreifaltigkeit‘ sprach, erzählte er mir von einem faszinierenden Experiment:

Unter ganz bestimmten Bedingungen kann Wasser alle drei Aggregatzustände gleichzeitig haben. Eis, Wasser und Dampf – nebeneinander, im selben Augenblick. Die Physik nennt das den Tripelpunkt.

Das hat mich beeindruckt. Denn es zeigt:

Manchmal gibt es in dieser Welt Dinge, die gleichzeitig verschieden und doch eins sind. Dinge, die wir nicht erklären müssen, um sie staunend wahrzunehmen.

Vielleicht hilft uns dieses Bild, wenn wir weiter über die Dreifaltigkeit nachdenken.

Ein Gott der Beziehung

    In den Evangelien der letzten Wochen haben wir gehört, wie eng Vater, Sohn und Geist miteinander verbunden sind. Jesus sagt:

    – „Ich und der Vater sind eins.“

    – „Wer mich sieht, sieht den Vater.“

    – „Ich lasse euch nicht allein – ich sende euch den Beistand.“

    Unser Gott ist ein Gott der Beziehung.

    Die drei Personen sind miteinander verbunden – und jede von ihnen sucht Beziehung zu uns.

    Unser Glaube an die Dreifaltigkeit zeigt sich also nicht darin, dass wir alles erklären können, sondern darin, wie wir mit Gott leben.

    Augustinus am Strand – und die Grenzen unseres Verstandes

      Denn eine Legende aus dem Leben des heiligen Augustinus macht mir etwas deutlich:

      Eines Tages spazierte Augustinus am Strand entlang, während er mitten in den Vorbereitungen für sein Buch über die Heilige Dreifaltigkeit stand. Plötzlich entdeckte er einen Jungen, der mit einem Löffel immer wieder Meerwasser in ein kleines, selbst-gegrabenes Loch schaufelte.

      Neugierig hielt Augustinus an und fragte den Knaben, was er da tue. Der Junge erklärte, er wolle das Meer austrocknen, indem er es in dieses Loch gieße.

      Amüsiert und ein wenig mitleidig lächelnd, wies Augustinus darauf hin, dass das Meer dafür viel zu groß sei. Doch der Junge konterte: „Wahrscheinlicher wirst du das Meer auf diese Weise leer bekommen, als du mit deinem Verstand das Geheimnis der Dreifaltigkeit auch nur annähernd ergründen kannst. Es ist einfach zu groß.“

      Dabei verglich der Knabe das Meer mit der Dreifaltigkeit, sein Loch, das er aushob, mit Augustinus’ entstehendem Buch und den Löffel mit dessen Verstand.

      Diese Geschichte zeigt:

      Wir können Gott nicht in unser kleines Denk-Loch schaufeln.

      Und das ist völlig in Ordnung.

      Was bedeutet die Dreifaltigkeit für mein Leben?

        Ich habe im Studium die Trinitätslehre nie vollständig verstanden.

        Aber ich habe etwas anderes verstanden:

        Die Dreifaltigkeit hat mit meinem Leben zu tun. Mit meiner Beziehung zu Gott.

        Ich glaube an Gott, den Vater.

        Wenn ich staune über die Natur, über die Vielfalt des Lebens, über die Geheimnisse der Biologie, Physik und Chemie – dann spüre ich:

        Da ist ein Ursprung.

        Da ist einer, der uns geschaffen hat und uns Verantwortung für diese Welt anvertraut.

        Ich glaube an Gott, den Sohn.

        Jesus hat uns gezeigt, wie Gottes Liebe aussieht – menschlich, nahbar, verletzlich.

        Er kennt unsere Schwächen und unsere Schuld.

        Und er zeigt uns:

        Gottes Liebe lässt uns nicht fallen.

        Ich glaube an die Heilige Geistkraft.

        Sie ist die Kraft, die mich tröstet, wenn ich zweifle.

        Die mich stärkt, wenn ich müde bin.

        Die mich führt, wenn ich nicht weiß, wohin.

        Sie ist Gottes Nähe in meinem Alltag.

        So glaube ich an den dreifaltigen Gott

        An den Vater, der mich geschaffen hat.

        An den Sohn, der mich erlöst.

        An die Heilige Geistkraft, die mich begleitet.

        Ein Gott – drei Weisen, wie er mir begegnet.

        Ein Geheimnis – und doch ganz nah.

        Ein Gott, der mein Leben umgibt, vom Anfang bis zur Vollendung.

        Foto: Gerd A. Wittka, 2025