Eiskalte Traurigkeit

Zum Tod meines Freundes Rainer Dubberstein, Münster –

Da ist sie wieder,

diese innere Traurigkeit,
die emotionale Entwurzelung,
das innere Zittern und eisige Kälte, die meine Herzwand berührt
und den Schmerz verursacht,
des Abschieds,
des endgültigen….


Fast 50 Jahre war ich mit Rainer befreundet, wir lernten uns in unserer Berufausbildung 1978 kennen.
Er war Auszubildender bei der Handwerkskammer Münster, ich bei der Kreishandwerkschaft Gelsenkirchen.
Im Januar 1981 machten wir beide vorzeitig unsere Abschlussprüfung.
Später arbeiteten wir oft zusammen und daraus entstand eine sehr persönliche Freundschaft, die bis zu seinem Tod Bestand hatte.
Wir trafen uns, bis zum Beginn meines Long-Covid, mindestens ein Mal im Jahr, manchmal auch zwei Mal.
Alle drei bis vier Monate führten wir lange, ausführliche Telefonat (selten unter 90 Minuten!).
Rainer las auch regelmäßig meine Blog-Beiträge und teilte mir dazu auch seine Gedanken.

Obwohl in der (relativen) Ferne, waren wir uns persönlich immer sehr nah.
Sein Tod erschüttert mich, denn ich hätte nie gedacht, dass er so früh stirbt.
Er war sportlich, lief seit Jahren Marathon, in Münster, anderorts aber auch im Ausland.
Er reiste gerne und liebte die Stadt Wien. In den letzten Jahren wuchs auch seine Liebe für Osteuropa, besonders auch für Polen.
Mit ihm starb ein Teil meines eigenen Lebens und meiner Biographie.
Ich bin unendlich traurig und bin zugleich so dankbar für das große Geschenk dieser langjährigen, sehr persönlichen Freundschaft.

Rainer war – wie ich ihm häufiger persönlich bekannte – eine durch und durch „treue Seele“.

Nun ist er Ende August von uns gegangen.

Lieber Rainer, ich werde dich nie vergessen, die gemeinsamen Unternehmungen, die vielen tiefgehenden Gespräche und die ellenlangen Telefonate, die wir mehrmals im Jahr geführt haben.

Mir bleibt nur ein stilles und schmerzlich-trauriges: „Adieu!“

Du,
treue Seele,
guter Freund,

fast fünfzig Jahre lang …!
Dein Lebensbuch
schloss sich zu früh!
Adieu!
Ich weine um dich!

Foto: Bild von Daria Głodowska auf Pixabay, Text: Gerd Wittka




Gaudete

Bild von Herbert auf Pixabay

Besinnliche Texte zum dritten Adventssonntag – Lesejahr A –

Wo die Wüste zu singen beginnt – Zur Lesung von Jesaja 35, 1-6b.10

Die Wüste atmet auf.
Dort, wo Staub die Sonne schluckte
und Stille schwer auf dem Horizont lag,
regt sich ein erstes Grün –
zart wie ein Flüstern,
das noch nicht weiß,
dass es ein Lied werden wird.

Vertrocknete Hände heben sich,
müde Knie richten sich auf.
Ein Mut wächst,
der längst vergessen schien.
Denn einer spricht: „Fürchtet euch nicht.“
Und dieses Wort geht wie Wasser
über dürre-rissige Erde.

Dann kommt es –
wie ein Licht, das niemand festhalten kann:
Augen öffnen sich,
Ohren hören wieder,
Zungen lösen sich
und finden den Ton der Freude.
Die Lahmen tanzen
und tragen die Hoffnung vor sich her
wie ein frisch entzündetes Feuer.

Bild von AZArtist auf Pixabay

Die Steppe blüht,
als hätte sie auf diesen Moment gewartet
seit Anbeginn der Welt.

Und die Heimkehrenden gehen los –
auf einem Weg, der heilig genannt wird,
weil er zurückführt
in das Herz Gottes.

Kein Räuber hält sie auf,
kein Schatten legt sich ihnen in den Weg.
Freude holt sie ein,
und Schmerz und Seufzen
fallen von ihnen ab
wie altes Laub.

Am Ende ist nur noch Jubel,
der Himmel und Erde füllt –
und eine Wüste,
die endlich weiß,
dass auch sie
für die Blumen geschaffen ist.

© Gerd Wittka, Dezember 2025


Zum ‚Gaudete‘-Sonntag

Foto: Gerd Wittka, 2024

Der dritte Advent trägt eine andere Farbe als die Tage zuvor:
ein zartes Rosa, das wir hier wirklich nur an der Farbe der Hintergrundbeleuchtung und an dieser rosafarbenen Kerze auf dem Altar erkennen und das
aufscheint wie das erste Licht des Morgens
am Rand einer langen Nacht, wie wir es auch am vergangenen Montag und Dienstag draußen erleben konnten.

„Gaudete – Freuet euch!“
So klingt es an diesem Sonntag im Advent –

und doch scheint die Welt ringsum es eher lauter zu übertönen:
volle Straßen, eilende Schritte,
Listen, Termine, Erwartungen;
als müssten wir Weihnachten herbeischaffen,
anstatt es zu empfangen.

Doch gerade hier,
mitten in der Geschäftigkeit,
beginnt die Freude,
von der die kirchliche Verkündigung heute spricht.

Es ist keine laute Freude,
keine, die übertönt oder überstrahlt.

Es ist die Freude der leisen Töne, die dort wächst,
wo wir still werden, wo wir uns Auszeiten nehmen,
zum Innehalten in diesen dunklen Tagen und wir darüber nachdenken, was es für uns heißen kann, dass Gott in Christus zu uns kommt und uns für seine frohe Botschaft begeistern möchte.

Diese leise Freude kann dort aufbrechen, wo ein Mensch für einen Augenblick in sich hinein horcht und die Worte meditiert:
„ER kommt.“

Der Verheißene,
der Retter,
der unser Herz berühren und bewegen wird
wie eine Hand, die sanft Türen öffnet.

„Machet die Tore weit“,
singt der Psalm,
„und die Türen in der Welt hoch, damit der König einziehe …“

Das ist keine praktische Bauanleitung, jetzt in der kalten Jahreszeit tatsächlich Türen und Tore zu öffnen.
Das wäre energetisch auch ziemlich widersinnig!

Und die wir diese Zeilen aus dem Psalm lesen und beten, wissen das selbstverständlich und verstehen darin die Bild-Sprache, die eine Einladung an unsere Seele ist:

• Schaffe Raum in dir und um dich herum, der dir Befreiung und Weite schenkt, 
• Leere in deinem Leben, was vollgestopft ist.
• Verliere dich nicht in dem,

was angeblich jetzt so wichtig ist.

Denn der König, oder besser: dein Erlöser, der kommen will,
tritt nicht ein
durch geschmückte Eingangshallen,
sondern durch die stille Kammer deines Herzens.

Er findet Wege,
wo du ihm Wege freigibst,
durch Ruhe,
durch Einkehr,
durch das stille Hoffen auf seine Wohltaten,
die er der „aufgescheuchten Seele schenken möchte, für das Heil, das er uns bereitet hat“, wie Dietrich Bonhoeffer in seinem bekannten Lied schrieb.

Gaudete –
Freut euch!

Weil die Freude nicht das Ziel,
sondern die Frucht des Wartens ist.
Weil Gott selbst im Kommen begriffen ist,
auch wenn wir es noch nicht sehen.

Weil ein leises, unscheinbares Licht
bereits den Horizont berührt
und uns zuflüstert:
Die Nähe Gottes wächst –
und mit ihr
die wahre Freude.




10.12.2025

Bild von ibrahim abed auf Pixabay

Es gibt Momente am Tag, in denen ich auftreten kann wie jeder andere.
Für kurze Zeit kann ich arbeiten, mit Menschen sprechen und unter ihnen sein.
Dann wirkt alles normal, und niemand sieht, welche Prozesse in mir ablaufen,
die mir Kraft rauben und mich Energie kosten.

Doch wenig später kann alles kippen:
Die Erschöpfung kommt, die Müdigkeit breitet sich aus,
und plötzlich schaffe ich kaum noch einen Schritt.
Ich muss mich zurückziehen, hinlegen, verschwinden – aus dem Wahrnehmungsfeld meiner Umwelt.

So entsteht dieser Zwiespalt meines Alltags:
Wenn man mich sieht, sieht man meine Krankheit nicht.
Und wenn meine Krankheit sich zeigt,
sieht man mich nicht.




ADVENT ist im Dezember

„Advent ist im Dezember“ – so lautete eine Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland aus dem Jahr 2004.
Diese Aktion wollte darauf hinweisen, dass der Dezember in erster Linie vom Advent her geprägt ist; nicht schon von Weihnachten her.
Vorfreude und Vorbereitung, der Stille und der Erwartung – das sind die Begriffe, die die Zeit des Advents prägen.

Doch in unserem Alltag sieht es längst anders aus: schon vor dem Ewigkeitssonntag (auch Totensonntag, bei uns KatholikInnen „Christ-König-Sonntag“) sind viele Vorgärten, Häuser und Wohnungen schon explizit weihnachtliche geprägt und gestaltet, mit den typischen Symbolen von Weinachten, wie Tannenbaum und Sternen, weniger die christliche Krippe, dafür mehr der kommerzialisierte ‚Weihnachtsmann‘.

Nun könnte man sagen: ‚Ja, das hängt auch mit der Kommerzialisierung von Weihnachten zusammen. Die Geschäfte müssen für den Einkauf für Weihnachten werben – und das geht nur mit weihnachtlichen Attributen.‘
Aber das stimmt nicht so ganz!

Ich erinnere mich noch an Zeiten, auch gerade aus Kindertagen, wo bei den großen Kaufhäusern vor dem Geschäft und in den Geschäften traditionelle Adventskränze hingen, und jede Woche eine (elektrische) Kerze mehr eingeschaltet wurde.
Weihnachtsgeschäft ging damals auch mit adventlicher Symbolik.

Doch wenn die Geschäftswelt uns in der adventlichen Weihnachtszeit mit weihnachtlichen Symbolen und weihnachtlicher Musik lockt und in Einkaufsstimmung versetzen will, ist das das Eine!

Das andere aber ist, wenn wir in der christlichen Religion und in unseren christlichen Kirchen selber den Unterschied zwischen Advents- und Weihnachtszeit (noch dazu ungezwungen!) aufgeben!

So in diesen Tagen geschehen in einer katholischen Pfarrei, die schon wenige Tage nach dem 1. Adventssonntag (!) ihre hauptamtlichen Mitarbeitenden in der Seelsorge zu einer „Weihnachtsfeier“ einlädt!

Da fehlt es mir an Verständnis und Akzeptanz!
Denn es wird völlig unglaubwürdig, wenn wir in diesen Tagen des beginnenden Adventes in unseren Gottesdiensten die Themen: „Wachsamkeit“, „Vorbereitung“, „Sammlung, Besinnung und Stille“, und alle anderen erdenklichen adventlichen Themen und Motive in den Mittelpunkt unserer christlich-spirituellen Verkündigung stellen, aber zugleich schon zum Beginn dieser Vorbereitungszeit selber zu einer „Weihnachtsfeier“ einladen!

Was ist mit der guten, alten und sinnvollen Tradition der „Adventsfeiern“, bei denen adventliche Texte vorgetragen und adventliche Lieder gesungen werden, wo es einen Tannenzweig auf dem Tisch gibt (gerne auch mit einer Kerze) und es (hoffentlich jetzt erst!) die ersten vorweihnachtlichen und weihnachtlichen Gebäckspezialitäten gibt?!

Wir berauben uns einer wertvollen christlichen Tradition und vor allem einer wertvollen geistlichen Vorbereitungszeit, wenn wir völlig unsensibel und unüberlegt die kommerziellen und weltlichen Tendenzen und neuzeitlichen Bräuche übernehmen, die diametral unserer christlichen Verkündigung entgegen stehen, denn:

ADVENT ist im Dezember!


Alle Bilder: www.pixabay.com


Wer die Adventszeit als wirklich besinnliche Vorbereitungszeit nutzen möchte, findet viele Anregungen und Tipps mittlerweile im Internet.
Hier gibt es die Broschüre der Evangelischen Kirche zur Initiative „Advent ist im Dezember“ zum Download!




Wachsamkeit und ‚guter Schlaf‘

Impuls zum 1. Advent 2025

Vielleicht erinnern Sie sich an einen der ersten Adventssonntage Ihrer Kindheit:
Draußen war es noch dunkel, auf dem Esstisch brennt schon eine Kerze, und es duftet noch nach etwas Süßem, was am Vortag im Backofen buk.
Man war noch müde, ein bisschen verschlafen – und trotzdem war da dieses Gefühl:

Heute beginnt etwas Besonderes.

Vielleicht gingen wir auch voller Spannung zum Adventskalender, der damals noch lediglich aus Papier bestand und bei dem sich hinter jedem Türchen ein neues Bildchen verbarg.
Mehr war damals nicht.

Damals nannte es niemand „Wachsamkeit“.
Und doch waren wir es: wachsam und aufmerksam für jedes Geräusch, für heimelige Düfte von Kerzen, Tannen und Backwerk, für jedes Licht, für jedes kleine Zeichen von Nähe und Wärme.
Wir waren wach – nicht, weil wir nicht geschlafen hatten, sondern weil unser Herz und unsere Sinne offen und ganz neu sensibilisiert waren.

Bild von Andreas Göllner auf Pixabay

„Seid wachsam!“, ruft Jesu uns im heutigen Evangelium zu.
Und der Prophet Jesaja lädt uns ein, sich eine Welt vorzustellen, in der Schwerter zu Pflugscharen werden – eine Zukunft, die Frieden möglich macht.
Beides zusammen bildet den Herzschlag des Advents: wach sein für das, was werden kann.

Aber Wachsamkeit hat nichts mit Schlaflosigkeit zu tun.
Seitdem ich seit drei Jahren unter Long-Covid leide, kenne ich das nur zu genüge.

Ich gehe abends hundemüde ins Bett, doch ich finde einfach keinen Schlaf.
Wenn ich dann endlich eingeschlafen bin, endet die Nacht viel zu früh – oft schon gegen fünf Uhr bin ich wieder wach.
In solchen Nächten liege ich lange wach, aber wachsam bin ich deswegen noch lange nicht.
Im Gegenteil: Diese Schlaflosigkeit erschöpft mich, lässt mich müde bleiben und raubt mir die Kraft für echte Aufmerksamkeit, für Wachsamkeit.

Manchmal ist es gerade die Erschöpfung und Müdigkeit, die unsere Augen und unseren Geist trübt und unseren Blick verengt.

Ich bin mittlerweile mehr und mehr davon überzeugt:

guter Schlaf und und echte Wachsamkeit sind sich näher, als wir manchmal meinen – wie zwei Geschwister, die einander brauchen.

Wachsam wird, wer Raum schafft:
weniger Lärm im Kopf, weniger Ablenkung, weniger dieses rastlose Hin-und-Her;
dafür mehr Momente, in denen wir wirklich anwesend sind.
Ein paar Minuten Stille am Morgen.
Ein Gespräch, das nicht oberflächlich bleibt.
Ein Gebet – allein oder gemeinsam -, das uns erdet;
kleine geistliche Pausen, die uns wieder spüren lassen, was wirklich wichtig ist.

Bild von Helena Jankovičová Kováčová auf Pixabay

Und zugleich:
Der Advent lebt auch von dem, was uns seit Kindertagen trägt:
vom Ritual des Kerzenanzündens, von Liedern, die man auswendig kann, vom Plätzchengeruch, der sofort innere Bilder weckt.

Diese einfachen Dinge haben uns damals geholfen, die Zeit bis Weihnachten zu „spüren“, ohne dass wir vom Verstand her erfasst hätten, was die Menschwerdung Gottes bedeutet.
Vielleicht dürfen wir sie heute wieder neu zulassen – nicht aus Nostalgie, sondern weil sie unser Herz empfänglich machen für das, was Gott sagen will.

Wenn wir beides verbinden – die bewusste Wachsamkeit der Erwachsenen und das staunende Herz unserer Kindheit –, dann kann dieser Advent mehr sein als nur Vorweihnachtstrubel.

Er kann eine Zeit werden, in der wir entdecken, wie Gott mitten in unserem Alltag leise Schritte macht.
Eine Zeit, in der wir lernen, zu horchen, zu hoffen und uns berühren zu lassen.
Eine Zeit, in der wir wach werden – für das Licht, das unterwegs ist zu uns.





Christ König …

… neu interpretiert

Bild: www.pixabay.com

Wie man es auch dreht und wendet: Der heutige Sonntag ist so ein sogenanntes „Ideen-Fest“, ähnlich wie das Herz-Jesu- oder das Herz-Mariä-Fest. Das Problem bei diesen Festen sind die Bilder, mit denen sie arbeiten. Die stammen aus einer anderen Zeit, in der solche Symbole noch leicht zu verstehen waren. Heute versteht das kaum noch jemand — und wenn man Missverständnisse vermeiden will, taugen sie oft nicht viel.

Besonders sichtbar wird es beim heutigen Christ-Königs-Fest.

Denn echte Könige gibt es kaum noch, und wo von Herrschaft die Rede ist, denken wir bestenfalls an Demokratien oder – dort, wo es sie nicht gibt – an Diktaturen, Autokratien und Komitees, die nur vorgeben, demokratisch zu sein.

Gerade deshalb wirkt das Bild des Königs heute missverständlich.

Es ruft Bilder von Machtstrukturen auf, die für den christlichen Glauben problematisch sind.

Und selbst wenn das im politischen Alltag nicht so wäre: Auch innerhalb der Kirche hat die dunkle Seite der Macht in den letzten Jahren eine bedrückende Klarheit bekommen.

Ich denke an vielfältigen Machtmissbrauch – geistliche und an sexualisierte Gewalt –, der endlich stärker ins Bewusstsein gerückt ist und deshalb bekämpft werden kann.

All das zeigt: Das Christ-Königs-Fest lässt sich heute nicht einfach als frohe Botschaft von einer heilsamen Herrschaft Christi hören.

Zumal das Verhalten Jesu, wie es die Evangelien zeigen, dem Königtumsbild radikal widerspricht:

Sein Weg war geprägt von Hingabe, Liebe, Dienen, Heilen und der Bereitschaft zur Aufopferung bis ans Kreuz.

Johannes fasst das zusammen mit Jesu Wort an Pilatus: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“

Bild von wal_172619 auf Pixabay

Es gibt also Momente, in denen alte Bilder nicht mehr selbsterklärend sind.

Das Wort „König“ weckt in unserer Zeit Macht- und Herrschaftsvorstellungen, die weder zu Jesus passen noch unserem Glauben dienen.

Deshalb sage ich es deutlich:

Für unsere Zeit taugt dieses Bild nicht mehr viel, wenn wir ausdrücken wollen, wer Christus für uns ist und wie er wirkt.

Doch wie dann sprechen?

Welches Sprechen kann das Unvergleichliche ausdrücken, wenn wir gerade unverständliche Vergleiche vermeiden wollen?

In meiner Suche bin ich bei einem abstrakten, vielleicht sperrigen Begriff gelandet – aber einem, der das Wesentliche meinem Glauben nach – deutlicher macht:

Wirkmächtigkeit.

Dieses Wort sagt:

Christus herrscht nicht – aber er wirkt.

Er regiert nicht – aber er verwandelt.

Er steht nicht über der Welt – und doch bringt er eine Kraft in sie hinein, die aus keiner Weltordnung stammt. Sein Reich ist nicht von dieser Welt, aber sein Wirken ist für diese Welt.

Wie wirkt Christus?

Nicht wie ein König auf einem Thron, sondern wie ein Licht, das Wege sichtbar macht.

Wie ein Mittelpunkt, der verbindet.

Wie eine Quelle, an der erschöpfte Menschen sich laben und erfrischen können.

Wie ein Resonanzraum eines Musikinstruments, der das Gute im Menschen zum Klingen bringt.

Christus ist kein Herrscher.

Er ist eine Gegenwart, die Wirklichkeit veränderteine Kraft, die nichts erzwingt und dennoch vieles möglich macht.

Eine Wirkmacht, die Menschen
aufrichtet,
Versöhnung schenkt,
Hoffnung nährt und
die Liebe ins Leben ruft.

Vielleicht ist das „Reich Christi“ genau das:

kein Gebiet, kein System, kein Thron,

sondern eine Dynamik, die Menschen neu sehen lässt und neu glauben lässt, dass Heil möglich ist, Gerechtigkeit wachsen kann und aus Brüchen Neues entstehen darf.

Und überall dort, wo das geschieht, wirkt Christus.

Nicht als König über uns, sondern als Kraft in uns und als Licht unter uns.

So wird dieser Festtag, ohne Herrschaftssprache, zu einem Bekenntnis:

Christus ist da. ER lebt und wirkt – in uns!

Er wirkt – leise, aber wirkmächtig;
unsichtbar, und doch unübersehbar.

Und wer sich dieser Wirkmächtigkeit öffnet, findet Wege, die er vorher nicht sah, und eine Hoffnung, die stärker ist als die Welt.