Oster-Aufstand

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Ostern 2026 – Friede und verschlossene Türen


Es ist eine der zärtlichsten und zugleich radikalsten Szenen der Bibel:
Der Auferstandene tritt durch verschlossene Türen.
Er sucht Menschen auf, die sich verstecken, die fliehen, die resigniert haben.
Menschen, deren Hoffnung mit dem Tod Jesu zerbrochen ist wie Glas.

Bild: (c) Gerd Wittka, 31.3.2026, erstellt mit Hilfe von KI


Und mitten hinein in ihre Angst spricht er Worte, die wie ein Wunder klingen:
„Friede sei mit euch.“


Nicht als Floskel.
Nicht als spirituelle Beruhigungstablette.
Sondern als Auftrag, als Zumutung, als Weckruf.


Ostern feiern heißt:
Dem Frieden den Vorrang geben.
Nicht theoretisch. Nicht symbolisch.
Sondern existenziell.


Vielleicht müssten wir es sogar noch schärfer sagen:
Ostern feiern geht nur mit einer echten Friedensgesinnung.
Denn wer dem Auferstandenen begegnet, begegnet dem, der den Frieden nicht nur zusagt,
sondern ihn einfordert.
„Suchet den Frieden und jaget ihm nach!“ (Psalm 34,15)
So steht es in der Schrift.
Nicht: „Wartet, bis er euch in den Schoß fällt.“
Nicht: „Hofft, dass andere ihn herstellen.“
Sondern: Jagt ihm nach.
Mit Herz. Mit Verstand. Mit Mut.


Und dann schauen wir auf unsere Welt im Jahr 2026.

Eine Welt, in der Kriege brennen wie offene Wunden.
In der Menschen sterben, weil andere ihre Macht sichern wollen.
In der Einflusszonen wichtiger sind als Tränen.

Viele Menschen sehen politische Führungsfiguren, die Konflikte anheizen oder verschärfen, die religiöse Bilder nutzen, um sich selbst zu inszenieren.
Sie sehen einen russischen Präsidenten, der einen Krieg begonnen hat
und sich zugleich in orthodoxen Kirchen zeigen lässt.
Sie sehen einen amerikanischen Präsidenten,
der politische Entscheidungen trifft, die auf dem Rücken anderer ausgetragen werden, und sich gleichzeitig öffentlich von religiösen Leitungsfiguren segnen lässt.

Das ist
eine Instrumentalisierung des Heiligen
für weltliche Machtspiele.
Und das steht diametral im Widerspruch zu dem,
was Ostern bedeutet.

Denn Ostern ist kein religiöses Dekor.
Kein spirituelles Feigenblatt.
Ostern ist Gottes Nein zur Gewalt.
Gottes Nein zur Machtgier.
Gottes Nein zur Instrumentalisierung des Glaubens.
Ostern ist Gottes Ja zum Leben – kompromisslos.

Ostern 2026


Vielleicht ist das unsere Aufgabe in diesem Jahr:
Nicht nur Eier zu bemalen, sondern Wunden zu benennen.
Nicht nur „Halleluja“ zu singen, sondern „Warum?“ zu rufen.
Nicht nur die Auferstehung zu feiern, sondern den Frieden zu suchen,
den Christus uns zumutet.
Wir dürfen – ja, wir müssen – darum bitten,
dass der Heilige Geist uns erfüllt
mit einer Sehnsucht nach Frieden,
die stärker ist als Resignation,
mutiger als Angst,
beharrlicher als die Logik der Gewalt.

Eine Sehnsucht, die ihren Ursprung hat
in jenem Satz, der durch verschlossene Türen drang
und bis heute durch die Welt hallt:
„Der Friede sei mit euch.“