„Siehe, ich mache alles neu!“

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Quelle: https://www.jahreslosung.eu/downloads/2026/VaB_JL2026-720×300@2x.jpg
  1. allgemeiner Impuls zur Jahreslosung 2026

„Siehe, ich mache alles neu!“ (Offenbarung 21,5)

„Siehe, ich mache alles neu!“ – dieses Wort aus der Offenbarung des Johannes (21,5) steht als ökumenische Jahreslosung über dem neuen Jahr 2026.
Wer diese Losung liest, wird sie unwillkürlich im Licht der eigenen Biographie und vielleicht auch des vergangenen Jahres verstehen.

Für manche klingt diese Losung wie eine Lösung.
Besonders dann, wenn das bisherige Leben oder das vergangene Jahr so verlaufen ist, dass man spontan sagen könnte: „Es kann ja nur noch besser werden!“

Für andere dagegen hat dieser Satz etwas Bedrohliches.
Das gilt für Menschen, die in ihrem Leben oder im vergangenen Jahr etwas erreicht haben, worauf sie lange hingearbeitet haben, die von sich sagen können, dass es ein erfolgreiches Leben oder zumindest ein erfolgreiches Jahr war. Für sie ist es deutlich schwerer, sich darauf einzulassen, dass „alles neu werden wird“. Denn der alte Satz gilt immer noch: „Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach.“

Daneben gibt es Menschen, die dieser Losung mit Argwohn begegnen.
Ihnen ist zwar vom Verstand her klar, dass alles – oder doch zumindest vieles – neu werden müsste.
Aber aus Bequemlichkeit oder festgefahrenen Routinen heraus möchten sie lieber alles beim Alten lassen.
Auch für diese Haltung gibt es ein Sprichwort: „Watt der bur net kennt, dat frett er net!“
Das beschreibt sehr gut, dass man zwar die Notwendigkeit von Veränderungen erkennt, dass einen das Neue und Unbekannte aber gleichzeitig ängstigt.
Und aus Angst – die schon immer ein schlechter Ratgeber war und es bis heute ist – verweigern sie sich dem Neuen.

Doch an dieser Stelle ist die Reihe der möglichen Reaktionen auf die Losung noch längst nicht zu Ende.

Es gibt auch jene, die tief im Inneren, vielleicht sogar unbewusst, spüren, dass es etwas Neues braucht, um ein besseres Leben führen zu können.
Damit ist sowohl das eigene Leben gemeint als auch das Leben unserer Gesellschaft und unser Leben als Teil der Schöpfung, zu der wir in Verantwortung stehen. Trotzdem stehen diesem Empfinden häufig eingefahrene Verhaltensmuster, vermeintliche Sachzwänge, Konventionen oder Erwartungen entgegen.
Diese Erwartungen kommen nicht nur von außen, sondern sind uns – bildlich gesprochen – wie mit der Muttermilch eingeflößt worden.
Und wir wollen sie manchmal „auf Gedeih und Verderb“ nicht aufgeben.

Das ist tragisch, manchmal beinahe dramatisch: Es gibt Lebensweisen oder Zustände, die uns oder anderen nicht guttun.
Dennoch klammern wir uns daran fest.
Wir wissen es zwar vielleicht nicht klar mit dem Kopf, aber wir spüren es innerlich. Manche Menschen treiben diese innere Ablehnung und der Kampf mit sich selbst so weit, dass sie schließlich in einer psychiatrischen Klinik landen.
Gott sei es geklagt: In den letzten 15 Jahren habe ich einige solcher Menschen kennengelernt.

Ein weiterer wichtiger Aspekt ergibt sich aus der Quelle dieser Losung – der Bibel.
Es ist der Aspekt der Verheißung.
Dabei geht es nicht in erster Linie darum, ob wir diesen Satz als Einladung oder als Bedrohung empfinden.
Vielmehr werden wir auf etwas hingewiesen, das sich unserer eigenen Verfügung entzieht und nicht in unserer Hand liegt.

In diesem Zusammenhang lohnt es sich, noch einmal auf das Wort „neu“ zu schauen.

Was könnte dieses „neu“ bedeuten?

Ist es im Sinn einer Restaurierung gemeint – also so, wie ein altes Objekt oder Gebäude in seinen ursprünglichen historischen Zustand zurückversetzt wird?

Oder geht es um Modernisierung, wenn etwa ein bestehendes Gebäude auf den neuesten Stand gebracht wird, zum Beispiel bei Wärmedämmung oder technischer Ausstattung?

Oder meint es eine Sanierung, bei der Mängel behoben und die Bausubstanz verbessert wird, ohne die eigentliche Struktur zu verändern? Handelt es sich also um eine Transformation?
Wird das ursprüngliche Werk dabei nur so verändert, dass es in neuer Form weiterbesteht?
Oder entsteht etwas völlig Neues, das mit dem alten Werk nichts mehr zu tun hat und es nicht mehr benötigt?

An dieser Stelle möchte ich den heutigen Impuls zur Jahreslosung 2026 unterbrechen.
In einem ersten Schritt wollte ich zeigen, wie ein scheinbar einfacher Satz auf ganz unterschiedliche Weise betrachtet und bedacht werden kann.
Im Laufe dieses Jahres möchte ich einige der heute angedeuteten Gedanken noch vertiefen.

„Siehe, ich mache alles neu!“ –
Grundgütiger, was gibst du uns damit auf den Weg!