Weisheit und Erkenntnis Gottes

Impuls zum 21. Sonntag im Jahreskreis A – 2026

Beim letzten Gottesdienst haben wir Maria-Himmelfahrt gefeiert.
Im Zentrum stand ihr ‚Magnifikat‘ – ‚Meine Seele preist die Größe des Herrn‘.
Wie radikal sind da ihre Worte gewesen:
„Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten.
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen…“

Stellen Sie sich heute mal vor die Paläste und Machtzentren unserer Welt und halten Sie diese Worte in heutiger Sprache z.B. auf Demonstrationsplakaten hoch:

„Zerstreut den Hochmut – stärkt die Erniedrigten!“

„Stürzt ungerechte Macht von Thron – erhebt die Niedrigen hoch!“

„Gebt den Hungernden das Nötige – stoppt den Überfluss für Wenige!“

„Reichtum umverteilen – Gerechtigkeit verwirklichen!“

Was meinen Sie, was wohl z.B. in den USA oder in Russland passieren würde?!
Nicht lange, und Sie würden von sogenannten ‚Sicherheitskräften‘ eingekesselt sein, auf deren Rücken die Aufschriftenen wie ‚ICE‘ „Immigration and Customs Enforcement (Einwanderungs- und Zollbehörde der Vereinigten Staaten)“ oder in Russland „ОМОН“ (schwer bewaffnete Sondereinheit der russischen Polizei) stehen würde.
Mit äußerster radikaler Gewalt würde man Sie verfolgen.

So etwas haben wir letzte Woche im Magnifikat des Evangelium gehört!

Doch angesichts der Realitäten in der Welt könnte man schlichtweg verzweifeln!
Da ist wenig von dem sichtbar, was im Magnifikat besungen wird.

Wo greift denn Gott wirklich ein und zerstört diese Ungerechtigkeiten?!
Es passiert ja offenbar nichts und die Reichen und Mächtigen können weiterhin walten und schalten, wie ihnen beliebt, sie können weiterhin wüten und töten!

Ich spüre – je älter ich werde – eine deutliche Diskrepanz.
Einerseits spüre ich, wie radikal und umstürzlerisch das Magnifikat in Wahrheit ist und zugleich, wie wenig davon heute in der Welt sichtbar wird.

Es ist manchmal zum Verzweifeln mit diesem Gott!
Kein Wunder, warum Menschen auch immer wieder fragen:
„Wo ist denn dieser mächtige Gott?“ – „Warum tut er nichts?!“

Vielleicht erinnern Sie sich: Ich habe Ihnen schon einmal den Spruch von Karl Rahner zu meiner Priesterweihe mitgebracht. Er lautet:

„Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes aushalten – ein Leben lang!“

Genau dieser Spruch kommt mir bei der heutigen Lesung wieder in den Sinn. Dort hören wir:

„Wie unerschöpflich ist Gottes Reichtum, seine Weisheit und sein Wissen! Niemand kann seine Entscheidungen völlig begreifen oder seine Wege vorhersehen. Wer kennt schon die Gedanken des Herrn?“

Für mich macht Paulus hier eines ganz deutlich: Er akzeptiert, dass wir Gott mit unserem menschlichen Verstand einfach nicht erfassen können.

„O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“

Es klingt vielleicht ein bisschen paradox, aber:
Wer wirklich anfängt, Gott zu verstehen, merkt erst recht, wie geheimnisvoll er eigentlich ist.
Wahre Weisheit bedeutet also zuzugeben, dass Gott nicht in unsere Schubladen passt.
Er „tickt“ einfach nicht immer nach unseren Vorstellungen.

Gott zu kennen heißt auch, immer damit rechnen zu müssen, dass er ganz andere Pläne hat, als wir uns das gerade wünschen.

Der Kern unseres Glaubens ist also folgender:
Wir verstehen Gottes Gedanken oft nicht.
Wir durchschauen seinen Willen nicht.
Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – vertrauen wir darauf, dass er am Ende alles zum Guten wendet.

Fragen Sie mich bitte nicht, wie das im Alltag immer klappen soll.
Ich übe das selbst noch jeden Tag!

Aber schauen wir auf Paulus:
Dieser Mann hat unendliche Strapazen und viel Leid ertragen.
Am Ende ist er für seinen Glauben sogar gestorben.

Wenn ausgerechnet er uns sagt, dass wir Gott vertrauen sollen, dann bin ich fest überzeugt:
Gottes Weisheit stellt unsere menschliche Logik wirklich komplett auf den Kopf.


Alle Bilder: Gerd A. Wittka, 16.8.2026, erstellt mittels KI




Glaube – Würde oder Bürde?

Kurzpredigt zum 17. Sonntag im Jahreskreis – A – 2026
Lesungstext: Römerbrief 8,28-30

Der deutsch-italienische Theologe Romano Guardini war ein wichtiger Vordenker der Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil.
Er hat einmal gesagt, dass er – wenn er vor Gott stehen werde – ihn etwas fragen möchte.
Nämlich, warum er selbst die Gnade des Glaubens bekommen habe, aber manche seiner Freunde nicht?
Diese Frage klingt auch im heutigen Römerbrief an.
Warum glauben manche – und andere nicht.

Eine schnelle Antwort gibt es nicht.
Aber Paulus deutet etwas an, das uns weiterhelfen kann.

Er sagt: Gott hat Menschen berufen, „damit sie an Wesen und Gestalt seines Sohnes teilhaben“.
Das heißt: Glaube ist nicht zuerst ein persönlicher Vorteil und kein spiritueller Besitz.

Glaube ist Teilhabe.
Teilnahme.
Mitgehen mit Christus.

Thomas von Kempen nannte das die Imitatio Christi: ein Leben, das sich an Jesus orientiert – im Denken, Reden, Handeln und Beten.

‚ICH habe keine anderen Hände,
als die euren!‘

– Bild: www.pixabay.com

Wenn man das ernst nimmt, wird klar:
Glaube ist nicht nur Würde, sondern auch Bürde.
Nicht nur Geschenk, sondern auch Aufgabe.
Nicht nur Trost, sondern auch Verantwortung.

Vielleicht zeigt sich darin, warum nicht alle Menschen berufen sind, diesen Weg zu gehen.
Nicht jeder kann diese Nachfolge tragen, und nicht jeder möchte es.
Aber wer glaubt, dem traut Gott zu, ein Stück Christus in die Welt zu bringen.

Jesus benutzt dafür ein ganz einfaches Bild:
Sauerteig.
Oder Salz.
Beides braucht man nur in kleinen Mengen.
Ein wenig genügt, damit etwas Größeres entstehen kann.

Bild von Thomas Bock auf Pixabay

Vielleicht liegt darin der tiefste Sinn von Berufung:
Nicht alle müssen glauben.

Aber einige sollen so glauben und leben, dass andere durch sie spüren, wie gut es tut, wenn Liebe und Güte Raum bekommen.

Darum ist es auch irreführend, wenn manche Menschen den Glauben zur reinen Privatangelegenheit erklären wollen.
Glaube hat immer eine Wirkung nach außen.
Er ist Verantwortung gegenüber der Welt und den Menschen – und deshalb nie nur „privat“.

Und damit sind wir bei einer kleinen Geschichte:

Ein Bäcker in einem kleinen Dorf hatte die Angewohnheit, jeden Morgen ein Stück Sauerteig an seine Nachbarn zu verschenken.
„Damit euer Brot gelingt“, sagte er.
Manche nahmen es dankbar an, manche winkten ab, manche vergaßen es auf der Fensterbank.
Aber in fast jedem Haus gab es irgendwann ein Brot, das ein wenig von diesem Sauerteig in sich trug – und die Menschen sagten:
„Es schmeckt anders. Irgendwie wärmer und heimeliger.“

Der Bäcker lächelte nur.
Er wusste: Der Sauerteig war nicht für ihn allein.
Er war dafür da, dass das Dorf ein wenig mehr nach Heimat schmeckte.

So gesehen ist mein Glaube, unser Glaube etwas Kleines, das Größeres möglich macht.
Er ist nicht, was uns in erster Linie zu Ehre gereicht.
Sondern: Ein bisschen wie ein Stück Sauerteig, das Gott uns zutraut – und das die Welt ein wenig freundlicher werden lässt.




Der Geist wird euren Leib lebendig machen

Bild: www.pixabay.c0m

Impuls zum 14. Sonntag – Lesejahr A – 2026 in Verbindung mit Röm 8, 9.11-13

Die heutige Lesung aus dem Römerbrief spricht eine große Zusage aus:
Der Geist Gottes, der Jesus von den Toten auferweckt hat, wohnt in uns.
Und dieser Geist schafft Leben – nicht erst am Ende der Zeiten, sondern schon jetzt.

Paulus beschreibt damit eine Hoffnung, die das Herz des christlichen Glaubens bildet:
• Gott lässt das Leben nicht im Tod enden.
• Er führt es zur Vollendung.
• Und er beginnt damit bereits hier, mitten im Alltag.

Diese Hoffnung kann man nicht einfach voraussetzen.
Viele Menschen stellen sich – bewusst oder leise – die Frage:
Was wäre, wenn es das Ewige Leben nicht gäbe?
Was bliebe dann vom Glauben?

Diese Frage ist kein Ausdruck von Unglauben.
Sie ist ein ehrlicher Versuch, den Glauben von innen her zu prüfen.
Der Theologe Hans Küng hat das einmal so formuliert:
„Selbst wenn ich die Wette, dass es Gott gibt, im Tod verlöre, hätte ich für mein Leben nichts verloren.“

Dieser Gedanke zeigt:
Der christliche Glaube ist nicht nur eine Hoffnung für das Jenseits.
Er ist eine Lebensform, die schon jetzt trägt.

Was schenkt dieser Glaube?
Er lehrt die Liebe – zu sich selbst und zum Nächsten.
Er erinnert daran, dass jeder Mensch Würde hat, unabhängig von Leistung.
Er eröffnet die Möglichkeit des Neubeginns, weil Fehler nicht das letzte Wort haben.
Er schafft Frieden durch Vergebung.
Er ruft zur Freiheit, die aus der inneren Würde kommt.
Und er verbindet uns mit der ganzen Schöpfung und weckt Verantwortung für sie.

All das ist Ausdruck des Geistes Gottes, der in uns wohnt.
Dieser Geist macht lebendig – auch in Situationen, die schwer sind, auch in Zeiten der Unsicherheit.

Darum ist die christliche Hoffnung mehr als eine Wette auf das Ewige Leben.
Sie ist eine Kraft, die das Leben verwandelt.

Und wer die Frage „Was wäre, wenn…?“ zulässt, kann entdecken:
Der Glaube ist sinnvoll.
Er trägt.
Er macht das Leben menschlicher.
Er öffnet Wege, die ohne ihn vielleicht verschlossen blieben.

Paulus sagt:
Gottes Geist macht lebendig.
Das ist die Zusage, die uns heute geschenkt wird.
Sie gilt für das Leben nach dem Tod – und sie gilt für das Leben davor.

Darum halten wir fest:
Dieser Glaube ist Hoffnung für die Zukunft und Kraft für die Gegenwart.
Er führt in die Freiheit der Kinder Gottes.




Jeden Tag …

ein bisschen mehr!

Ich bin heute auf einen Song gestoßen, der mich echt bewegt hat.
Er bewegt mich, weil das Thema (nicht nur) mich betrifft.
Es betrifft so viele Menschen,
vor allem jene,
die grundweg
nicht so akzeptiert werden,
wie sie sind


und sich deshalb
nur auf ihre Selbstliebe verlassen können
und diese stärken müssen.

Und es ist auch was Wahres dran.
Alles hat zwei Seiten:
mit einer dünnen Haut
erlebt man Vieles
viel intensiver.

Eine sprichwörtliche ‚Elefantenhaut‘
macht vieles nur vordergründig
leichter.
Sie verhindert auch Vieles,
besonders
die Intensität des Lebens an sich.

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unreifes Kind

Symbolbild, Bild von Michal Renčo auf Pixabay

Der US-amerikanische Präsident erscheint mir
wie eine kleines Kind,
das Mist gebaut hat,
unheimlich großen Mist gebaut hat,
und nun diesen Mist
und die massiven negativen Folgen wahrnimmt,
sich dann auf den Boden schmeißt
Hilfe von den Erwachsenen einfordert
und dann noch sauer ist,
wenn diese Erwachsenen es sagen,
dass es die Konsequenzen tragen
und erst mal selber versuchen muss,
die Folgen zu beseitigen.

Damit würde in unserem Beispiel
das Kind zeigen,
dass es lernt, Verantwortung,
Eigenverantwortung
zu übernehmen!

Ob dieses Kind noch mal
erwachsen wird?!




Falsche Frömmigkeit

oder: wenn jemand die Religion für seine Macht missbraucht

Manche erinnern sich an das – für mich verstörende – Bild, wie Donald Trump sich vor der Kamera von über einen Dutzend evangelikaler AmtsträgerInnen ’segnen‘ ließ.
Wenige Tage später zieht Trump in den Krieg gegen den Iran, eigenmächtig, ohne sich mit Verbündeten aus EU und NATO zu besprechen, geschweige denn zu beraten.
Denn: nein, ein Donald Trump, selbstherrlich und egomanisch wie er nun mal zu sein scheint, hat das ja offenbar nicht nötig.

Dort heißt es in den Versen 28 und 29:

Und anschließend bezieht Jesus diesen Vergleich explizit auch auf die Absicht, in einen Krieg ziehen zu wollen.

Jetzt ist genau das geschehen:
zwar hinter vorgehaltener Hand, lacht man über Donald Trump, man verspottet ihn und nimmt ihn jetzt erst recht nicht mehr ernst.

Bild von Pascal auf Pixabay

Besonders profitiert dabei z.B. Putin über diesen irrsinnigen Krieg Trumps gegen den Iran.
Putin kann sich genüsslich zurück lehnen: Die Ukraine und sein völkerrechtwidriger Angriff gegen die Ukraine ist von den Schlagzeilen etwas verdrängt worden. Die Ölpreise steigen und Putin kann noch mehr Geld in seine Kriegskasse scheffeln.
Putin muss Trump nur machen lassen, denn Trump unterstützt – gewollt oder ungewollt – offensichtlich das miese Geschäft anderer Kriegstreiber und Verbrecher.

Erst gestern sprach ich mit ganz normalen Menschen, wie du und ich.
Sagte eine Frau zu mir: „Als ich von dem Angriff gegen den Iran hörte, schoss es mir gleich durch den Kopf: ‚die Straße von Hormus'“
Ganz normale Menschen wissen um die strategische immens wichtige Bedeutung der Straße von Hormus für den Iran.
Sollte der Präsident der USA nicht einmal um dieses strategische Basiswissen verfügen?
Wenn ja, dann ist er es nicht wert, Präsident einer solch großen Nation zu sein!
Und wenn er es weiß, dann stellt sich doch die Frage, ob nicht ganz andere persönliche Absichten hinter diesem irrwitzigen Tun stecken?

Auch seine vermeintliche ‚Kritik an NATO-Staaten‘:

Ist Trump wirklich so dumm, dass er nicht verstanden hat, was die NATO von ihrem Wesen her ist: Ein VERTEIDIGUNGSBÜNDNIS ?!
Die NATO ist keine Gemeinschaft von Staaten, die Angriffskriege unterstützen!

Sollte Trump wirklich so dumm sein, das nicht zu wissen oder zumindest so dumm sein, das zu ignorieren?!
Ist Trump wirklich nicht bewusst, dass sein Angriff auf den Iran völkerrechtlich mindestens fragwürdig, wenn nicht sogar völkerrechtswidrig ist?
Und wenn dieser Angriff völkerrechtswidrig ist, ist dann Trump nicht besser als Putin?

Man kann es drehen und wenden wie man will: der derzeitige Präsident der USA wird wohl in die Geschichte eingehen, als der unfähigste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
Und seine Unfähigkeit und seine Fehler werden sich noch lange auf die Geschichte der USA, vielleicht auch vieler anderer Regionen der Erde auswirken.

Womit hat die Welt das verdient?
Und vor allem:

Warum lässt man diesen Präsidenten weiter gewähren?
Wo sind die vernünftigen und anständigen Menschen, auch unter den Republikanern in den USA?!

Ich denke:
Alle, die die Macht und den Einfluss haben, sich gegen Trump zu positionieren, es aber nicht tun, sind mitschuldig an dieser gegenwärtigen gefährlichen Situation, die vom Präsidenten der USA noch geschürt wird.