atem.los.singen

Ich habe heute über eine Mitsänger in unserem Junger Chor Beckhausen ein Video geteilt bekommen, das mir echt unter die Haut geht.
Ich verlinke es hier mal:

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Ja, wir nehmen gerade dieses Lied in einer geänderten Fassung in unser Repertoire auf.
Aber das ist es nicht, was mir nahe geht.

Mir geht es nahe, dass dieser Sänger mich an PatientInnen in unserer Lungenklinik erinnert, die ebenfalls solche Sauerstoffgeräte brauchen.
Ich weiß, wie anstrengend für sie oft das Atmen bzw. die Sauerstoffversorgung ist.

Dieses Lied im Video zeigt mir, dass es auch bei solchen Erkrankungen Lieder gibt, die mit solchen Einschränkungen gesungen werden können!

Ich wünsche allen PatientInnen, die an verschiedensten Lungenerkrankungen leiden und denen oft die Luft bzw. der Sauerstoff zum Atmen fehlt, dass sie dennoch entdecken, wozu sie vielleicht noch fähig sind, und wenn es nur ein gehauchtes Lied ist, das aus dem Herzen kommt und zu Herzen geht.




christlich.leben.mittendrin – 2

Impuls zum 5. Sonntag – A – 2026

Christlich leben – mittendrin.

Dieses Leitwort begleitet die Veränderungen in unserer Kirche hier in Oberhausen und im ganzen Bistum Essen.
Es ist ein schönes Wort. Und zugleich ein anspruchsvolles.

Denn „mittendrin“ heißt: nicht am Rand stehen.
Nicht zuschauen.
Sondern leben – in einer Welt, die sich spürbar verändert.

Vieles, was früher selbstverständlich war, trägt nicht mehr.
Sicherheiten bröckeln.
Routinen lösen sich auf.
Das gilt für die große Weltpolitik ebenso wie für das Leben vor Ort – hier bei uns im Pott.
Alles ist in Bewegung.
Und wir sind es auch.

Alles Leben ist Veränderung.
Und wir stehen nicht außerhalb davon.
Wir stehen mittendrin.

Da stellt sich ganz automatisch eine Frage:
Was ist meine Berufung – heute?

Paulus hat uns am letzten Sonntag eingeladen, auf unsere Berufung zu schauen.
Nicht im Sinne eines einmaligen Moments, der irgendwann abgeschlossen wäre.
Sondern als etwas Lebendiges.
Als etwas, das sich mit unserem Leben mitentwickelt.

Ich merke das sehr deutlich in meinem eigenen priesterlichen Dienst.
Als ich mich Ende der 1980er Jahre entschied, Theologie zu studieren und Priester zu werden, hatte ich ein Bild vor Augen.
Ein Bild davon, wie meine Berufung aussehen könnte.
Wie Kirche für mich war und wie ich mir meinen Dienst in ihr vorgestellt habe.
Heute, viele Jahre später, schaue ich auf mein damaliges Bild zurück, mit der Erkenntnis, dass Berufung wachsen darf und sich mit dem Leben verändert.

Heute weiß ich:
Berufung erschöpft sich nicht in einer Entscheidung von damals.
Ich musste und muss immer wieder neu hinschauen.
Immer wieder neu fragen:
Was hat Gott jetzt mit mir vor?
In dieser Zeit.
Mit diesen Erfahrungen.
Mit diesen Grenzen.


[Heute, am 10.02.2026, möchte ich noch eine Ergänzung hinzufügen:
Mir sind heute noch mal wieder Menschen in Erinnerung gekommen, die eine frühere Entscheidung zu einer bestimmten Form der Berufung im kirchlichen Dienst revidiert haben.
Manchmal denke ich auch bei mir: es hätte so viele Stellen gegeben in meiner Biographie, wo meine frühere Berufungsentscheidung angefragt wurde, wo ich selber mich gefragt habe:
‚Kannst du noch bleiben? – Ist das System Kirche wirklich dein Ort, wo du deinen Dienst glaubwürdig verrichten kannst?‘ –
Das meine ich damit, wenn ich oben geschrieben habe, dass ich immer wieder neu „Ja“ sagen können muss, auch wenn es manche Gründe dagegen gibt.
Und ich kann es immer nur wiederholen, was mir hilft, zu dieser gewählten Entscheidung auch heute noch ‚Ja‘ sagen zu können:
Es ist der HERR und meine tiefste Überzeugung, dass ER mich ruft.
Und so, wie damals die Berufung seiner Jünger nicht an einem Ort stattgefunden hat, an dem die Jünger verweilt haben, gleichsam eine ’stabilitas loci‘ aufgebaut haben, sondern mit dem Herrn mit gezogen sind, unterwegs waren und später auch allein oder zu zweit unterwegs waren, so ist auch mein Weg der Berufung und Nachfolge geprägt von dem ständigen Unterwegssein.
Ich spüre für mich: ich kann nicht Berufen sein, ohne zugleich auch immer wieder unterwegs zu sein.
Dazu gehört, mich ständig an neuen Orten oder in neuen Umständen meines Dienstes zu sehen und auch den Mut und die Bereitschaft zu haben, mich darauf einzulassen – auch wenn es oft Kraft und Nerven kostet.
Doch: ER ist es mir wert!]


Paulus bringt es in der heutigen Lesung auf den Punkt.
In aller Klarheit.
Fast schon ernüchternd einfach.
„Ich hatte mich entschlossen, nichts zu wissen außer Jesus Christus – und zwar den Gekreuzigten.“

Das ist der Kern jeder Berufung:
Jesus Christus immer im Blick.
Verwundbar.
Hingebend.
Ganz auf den Menschen hin.

Das Evangelium greift diesen Gedanken auf und führt ihn weiter.
„Ihr seid das Salz der Erde.“
„Ihr seid das Licht der Welt.“

Oder mit Angelus Silesius:
„Mensch, werde wesentlich.“

„Wesentlich“ hat im Deutschen zwei Bedeutungsebenen
Zum einen meint es das, was zum Wesen einer Sache gehört.
Das Unverzichtbare.
Das, ohne das alles andere seinen Sinn verliert.

Zum anderen ist es eine Steigerung:
Etwas ist „wesentlich“ spürbarer, wirksamer, bedeutsamer.

Beides passt gut zu diesem Evangelium.

Eine Kerze zum Beispiel.
Sie kann wunderschön sein.
Kunstvoll gestaltet.
Aber sie erfüllt ihren Sinn erst, wenn sie angezündet wird.
Wenn sie Licht gibt.
Wenn sie sich ein Stück weit verzehrt.
Bleibt sie nicht entzündet, bleibt sie un-wesentlich.

Oder denken wir an Salz.
Niemand isst es pur.
Es drängt sich nicht in den Vordergrund.
Aber fehlt es, merkt man es sofort.
Es macht den Unterschied – behutsam dosiert.

Dazu ein paar ganz konkrete Beispiel aus unserem möglichen Alltag:

Christen sind wesentlich,
wenn sie im Krankenhaus, im Pflegeheim oder zu Hause
Zeit schenken, wo Zeit knapp ist.
Nicht nur medizinisch korrekt.
Sondern menschlich, herzlich, aufmerksam.
Ein Blick.
Ein Name.
Ein: „Ich bin später noch einmal bei Ihnen.“

Christinnen und Christen sind wesentlich,
wenn sie im Verein, in der Schule oder im Stadtteil
nicht fragen: Was habe ich davon?
Sondern: Was wird hier gerade gebraucht?
Wenn jemand Verantwortung übernimmt,
obwohl es mühsam ist
und niemand dafür applaudiert.

Christen sind wesentlich,
wenn sie bei all den großen Krisen unserer Zeit
– Krieg, Klimawandel, soziale Spaltung –
nicht abstumpfen.
Wenn sie spenden, teilen, verzichten.
Nicht aus schlechtem Gewissen.
Sondern aus Überzeugung.

Und Christen sind wesentlich,
wenn sie in ihrer eigenen Verletzlichkeit ehrlich bleiben.
Wenn sie nicht so tun, als hätten sie alles im Griff.
Sondern sagen können:
Ich weiß es gerade auch nicht. Aber im Vertrauen auf Gott, mache ich weiter.

Das ist Salz.
Das ist Licht.
Das ist wesentliches Leben.

Christlich leben heißt nicht, alles im Griff zu haben.
Sondern sich immer wieder neu senden zu lassen.
Mitten in eine Welt im Wandel.
Mitten ins eigene Leben.

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Wenn andere schweigen …

Foto: www.pixabay.com

Heute habe ich im Tagesevangelium gelesen:

Jesus wandte sich an die Gesetzeslehrer und die Pharisäer und fragte:
Ist es am Sabbat erlaubt zu heilen, oder nicht?
Sie schwiegen.
Da berührte er den Mann, heilte ihn und ließ ihn gehen.

(Lukas 14, 3–4)

Diese wenigen Sätze haben mich heute tief getroffen.
Ich merke, wie sie in mir nachhallen – weil sie so viel mit dem zu tun haben, was ich in letzter Zeit selbst erlebe und beobachte.

Da sind Menschen in meinem Umfeld, die hart getroffen werden.
Ohne Feingefühl, ohne Anteilnahme werden ihnen Dinge angetan, die ihr ganzes Leben verändern.
Kein Blick, kein Wort der Wertschätzung.
Einfach nur: Das ist jetzt so.

Und ich sehe, wie unterschiedlich Menschen damit umgehen.
Manche schweigen.
Sie nehmen das hin, lassen alles über sich ergehen – auch dann, wenn es ihnen weh tut.
Sie funktionieren weiter, so wie immer.
Vielleicht auch, weil sie meinen, dass es ‚das System so verlangt‘?


Und dann sind da die anderen.
Die, die nicht schweigen.
Die sagen, was sie empfinden.
Die das Unrecht benennen, das ihnen widerfährt.
Die ihren Schmerz zeigen, ihre Wut, ihre Enttäuschung.

Sie lassen zu, dass man sieht, wie sehr sie etwas trifft – und genau dadurch beginnen sie, sich zu verändern.
Sie folgen nicht ‚dem System‘ sondern folgen ‚dem Leben‘.
Sie bleiben nicht stehen.
Sie fangen an, etwas zu tun.
Sie ziehen Konsequenzen, gehen neue Wege, suchen nach dem, was ihnen guttut.

Foto: www.pixabay.com

Vielleicht ändert sich ihre äußere Situation kaum.
Aber sie selbst ändern sich.
Sie ergeben sich nicht ihrem Schicksal, sondern spüren wieder, dass in ihnen Lebenskraft ist – selbst dann, wenn diese Kraft aus Wut oder Empörung kommt.
Und sie handeln.
Nicht immer nur für andere – manchmal einfach für sich selbst.

Und das ist okay.
Das ist Selbstliebe.

Diese Menschen machen mir Mut.
Und auch Jesus macht mir Mut.
Er hätte damals ebenfalls schweigen können.
Aber er tat es nicht.
Er handelte.
Er heilte – einfach, weil es richtig war.

Das erinnert mich daran:
Wenn andere schweigen, kann ich immer noch handeln.
Ich kann mich, oder auch andere, zurück ins Leben bringen.

Das lerne ich heute – aus diesen wenigen Versen.
Und aus dem Leben selbst.

Wenn andere schweigen …
werde ich handeln ?(!)




Hingabe


Wenn der Weg unbequem wird – über innere Überzeugung und geistliche Standhaftigkeit

„Ich glaube, dass die großen Propheten unseres Jahrhunderts ihren Kampf in großer Einsamkeit vor Gott und ihrem Gewissen haben durchstehen müssen – ohne auch nur ein Hauch eines Applauses von Seiten ihrer Umwelt zu verspüren.“
(Fritz Köster, 1934–2014, Pallottiner und katholischer Theologe, aus: TE DEUM, Oktober 2025, 307)

Diese Worte fand ich heute Morgen am Ende der Laudes.
Sie haben mich tief berührt – vielleicht, weil sie mich an Situationen aus dem Leben anderer Menschen erinnerten, die ich begleiten darf, aber auch an Momente meines eigenen Lebens.

Da gibt es Zeiten, in denen man von ganzem Herzen von einer Sache überzeugt ist. Man spürt eine innere Stärke, die einen ermutigt, sich einzusetzen, Zeit und Energie zu investieren, weil man weiß: Das ist es wert.
Gerade, wenn man mit Menschen zu tun hat, wenn man für Menschen arbeitet, ist dieses innere Bewusstsein entscheidend – es ist der Motor, der unentwegt läuft, die Wurzeln, die Halt und Stand geben, wenn die äußeren Umstände schwierig werden.

Bild von Holger Schué auf Pixabay

Für mich persönlich entspringt diese Motivation meinem Glauben.
Mein Christsein ist für mich keine Theorie, sondern eine lebendige Wirklichkeit – eine Botschaft für das Leben, hier und jetzt, und zugleich mit Blick auf das ewige Leben.

Auch wenn mein Wirkungsfeld klein ist, geht es mir darum, dass die Menschen, mit denen ich zu tun habe, gestärkt und ermutigt werden. Ich wünsche mir, dass ihr Leben gelingt und sie es als sinnvoll erfahren.
Dabei spielen Werte wie Menschenwürde, Gerechtigkeit, Ethik, Moral, Sinn, Glück und Liebe eine zentrale Rolle.

Doch wer sich für andere stark macht, wer Missstände benennt oder sich für Gerechtigkeit und Teilhabe einsetzt, der wird manchmal unbequem.
Man eckt an.
Man wird zum sogenannten „Störenfried“, gerade dann, wenn man das eigene System kritisch betrachtet, in dem man sich engagiert. Das kostet Kraft – emotional, geistlich, menschlich.

Und dann kommt unweigerlich die Frage:
Warum mache ich das eigentlich?

Diese Frage ist keine Schwäche, sondern eine wichtige Form der Selbstreflexion.
Sie wirkt wie ein innerer Kompass, der hilft zu erkennen, ob man noch auf dem richtigen Weg ist.
Äußerer Widerstand kann dabei sogar hilfreich sein – weil er einen zwingt, die eigenen Motive und Wege neu zu prüfen.

Leider geschieht diese selbstkritische Auseinandersetzung heute viel zu selten – auch in kirchlichen Strukturen.
Ich erlebe manchmal, dass Menschen in höheren kirchlichen Positionen meinen, sie müssten sich weniger der Kritik stellen. Doch genau das Gegenteil ist wahr:
Je höher die Verantwortung, desto größer sollte die Bereitschaft zur Selbstprüfung sein.
Gerade dort, wo Macht und Einfluss bestehen, braucht es die Demut, auch Impulse „von außen“ anzunehmen. Darin zeigt sich wahre geistliche Reife.

Wenn ich auf die Geschichte unserer Kirche schaue, denke ich an Persönlichkeiten wie Hildegard von Bingen.
Sie waren unbequem, mutig, kritisch – und gerade deshalb prophetisch.
Sie „störten“ einen Frieden, der mehr einer Totenruhe glich, und entfachten mit ihren Worten das Feuer des Evangeliums neu: das Feuer der Liebe, der Gerechtigkeit, des Lebens.

Ihre Störfeuer waren keine Zerstörung, sondern heilsame Impulse – Impulse, die wachrütteln, damit das Evangelium nicht verlischt.

Darum:
Wenn du aneckst, wenn du spürst, dass deine Überzeugung andere herausfordert, dann prüfe, aus welcher Quelle du deine Kraft schöpfst.
Bitte Gott um seinen Heiligen Geist – dass er dich führt, stärkt und dir die nötige Standhaftigkeit schenkt, wenn es unbequem wird.

Bild von Holger Schué auf Pixabay

Ich erinnere mich an eine Zeile aus einem Neuen Geistlichen Lied, das mich schon in meiner Jugend begleitet hat:

„… den Weg wollen wir gehen, die Liebe geht mit uns,
auf dem langen und steinigen, auf dem weiten und unbequemen,
auf dem Weg, der die Mühe lohnt …“

(aus der Erinnerung zitiert)

Vielleicht ist das die entscheidende Frage:
Lohnt sich dein Weg der Mühe, die du aufwendest?
Was ist die Quelle, aus der du deine Kraft und deinen Mut schöpfst – den Mut, auch dann standhaft zu bleiben, wenn der Weg steinig wird?

Bild von Alexander Fox | PlaNet Fox auf Pixabay

Möge Gott dir – und uns allen – immer wieder diese Quelle lebendig halten.
Denn dort, wo unsere Überzeugung aus der Liebe Gottes fließt, dort geschieht Segen – auch mitten im Widerstand.




Ehrenamt – Verantwortung – Professionalität

Kolleg:innen, Bild von Oleksandr Pidvalnyi auf Pixabay

Seit Anfang der 1990er Jahre beschäftigt mich das Thema: „Ehrenamt und Verantwortung“ sehr.
Es wurde damals angestoßen, als ich selber ehrenamtlich in der kirchlichen AIDS-Arbeit tätig war und dann später auch eine Ehrenamtlichen-Gruppe in der kirchlichen AIDS-Arbeit geleitet habe.
Schon damals habe ich mich z.B. dafür eingesetzt, dass man nicht mehr salopp über „die Ehrenamtlichen“ gesprochen hat, sondern auch andere Begrifflichkeiten nutzt, wie „ehrenamtliche Mitarbeiter:innen“ oder „ehrenamtliche Kolleg:innen“.
So konnte besser auch deren Kompetenz und Mit-Verantwortung deutlich werden.
In den letzten Jahren ist für mich der Aspekt der Professionalität in der ehrenamtlichen Arbeit (in der Kirche und Seelsorge) dazu gekommen.

Daraus ist in den letzten Monaten eine kleine Abhandlung entstanden, die nun fertig ist und die ich uns zur Verfügung stellen möchte.

Vielleicht bereichert es unsere Überlegungen auch in der Frage nach der Zukunft unserer Kirche(n) und ihren seelsorglichen Herausforderungen.


Wegen der besseren Lesbarkeit und auch der Berücksichtigung der Quellen, veröffentliche ich diese Abhandlung hier als .pdf-Dokument, das hier heruntergeladen werden kann.

Für Rückmeldungen bin ich sehr dankbar; auch für öffentliche Rückmeldungen im Kommentarbereich.




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