Heute begehen die jüdischen Menschen ihr Neujahrsfest ‚Rosh ha shana‘. Ich wünsche ihnen ein gutes und gesegnetes neues Jahr. Ich wünsche ihnen, dass sie auch außerhalb von Israel in mehr Sicherheit und Frieden leben können und wir gemeinsam den Antisemitismus, der immer noch weit verbreitet ist, besiegen.
Ich freue mich, dass jüdisches Leben auch bei uns in Deutschland wieder gegenwärtiger ist, weil jüdische Mitmenschen und ihre Kultur eine wichtige und wertvolle Bereicherung darstellen.
Ein herzliches „Rosh ha shana“ also von mir zu diesem besonderen Tag im jüdischen Leben und Glauben!
Exkurs:
Jedes Mal, wenn wir uns zu Silvester/Neujahr einen „guten Rutsch“ wünschen, dann nehmen wir den Gedanken an das jüdische Neujahrsfest mit auf. Denn unser Wunsch zum neuen Jahr ist eine Entlehnung aus dem Jüdischen, das sich vom heutigen „Rosh ha shana“ ableitet.
Michail Gorbatschow (1931-2022)
Präsident Ronald Reagan (USA – links) und Präsident Michail Gorbatschow (UdSSR – rechts) – Quelle: Bild von Andre Drechsel auf Pixabay
Gestern, am 30.08.2022 starb der ehemalige Präsident der UdSSR, Michail Gorbatschow. In Deutschland ist dieser Politiker von besonderer Bedeutung, hat doch seine Politik der Perestroika die Chance der Wiedervereinigung Deutschlands ermöglicht.
Ich maße mir nicht an, ihn politisch zu würdigen.
Aber die Erinnerung an diesen Mann erscheint mir unverzichtbar, darf er doch zu Recht als einer der bedeutendsten Politiker des 20. Jahrhunderts gesehen werden, weil durch ihn der Lauf der Geschichte, gerade auch in Europa fundamental verändert wurde.
Er wird seine letzte Ruhestätte an der Seite seiner geliebten Frau Raissa Maximowna Gorbatschowa finden, die bis zu ihrem Tod bei uns in Deutschland, in der Uniklinik Münster (Westfalen) an ihrer Krebserkrankung behandelt worden war.
Eine Lawine rollt auf uns zu
Bislang nur die Spitze des Eisbergs
Sexualisierte Gewalt in Institutionen, Vereinen und Verbänden
Was schon lange vorausgesagt war, aber wovor viele in Staat und Gesellschaft den Blick abgewendet haben, wird nun offen–sichtlich: Sexualisierte Gewalt, die institutionell unter den Teppich gekehrt wurde, ist nicht nur ein Problem von Kirche(n) oder Internaten.
Langsam und allmählich melden sich immer mehr Opfer sexualisierter Gewalt, die auch im Sport, seinen Institutionen und Verbänden stattgefunden hat.
Vor wenigen Tagen hat der frühere Weltklasse-Turmspringer Jan Hempel öffentlich gemacht, wie er jahrelang von seinem Trainer missbraucht wurde. Hempel hat auch auf den Umgang mit solchen Verbrechen im Verband hingewiesen, die – ähnlich wie wir es zuvor schon von den Kirchen kennen – verschwiegen und vertuscht wurden.
Das Schlimmste jedoch für mich ist, dass man schon jetzt versucht, das Thema „Prävention“ abzuwiegeln.
So schreibt der DSV (Deutscher Schwimmverband) nach sportschau.de, “ … dass die Prävention im Sport „im Ehrenamt schwer zu bewältigen sei“.
Hier muss es einen gewaltigen Aufschrei in Staat und Gesellschaft geben! Denn diese Ansicht ist ein Abschieben von Schuld und Verantwortung!
Gerade die Kirchen, die wesentlich von ehrenamtlicher Mitarbeit leben, zeigen, dass Prävention auch im Ehrenamt bewältigt werden kann und muss! Da sind die Kirchen genauso in der Pflicht, wie andere Institutionen, Vereine und Verbände!
Schon seit Jahren gibt es Präventionsverordnungen in den Kirchen, die in den letzten Monaten noch einmal ziemlich konkretisiert wurden, die zeigen, dass Prävention gerade dort wichtig ist, wo verbandliche Arbeit durch viel ehrenamtliches Engagement geleistet wird.
Auf einmal: Forderung nach staatlicher Leistung
Es ist auch interessant, dass der DSV in diesem Zusammenhang eine „finanzielle Ausstattung durch die öffentliche Hand“ fordert.
Irgendwie kommt mir das wirklich doppelzüngig vor!
Als die Verbrechen im Raum der Kirche(n) bekannt wurden, war der Aufschrei (zu Recht!) groß. Und man forderte die Kirchen auf, nicht nur moralisch, sondern auch finanziell für diese Verbrechen einzustehen, mit Präventionsmaßnahmen, deren Kosten die Kirchen allein zu tragen haben und – vor allem – auch mit Entschädigungsleistungen, die ebenfalls die Kirchen zu tragen hätten.
Doch jetzt, wo zutage tritt, was gesellschaftlich schon längst vorhersehbar ist – dass nämlich sexualisierte Gewalt Verbrechen sind, die alle Bereiche unserer Gesellschaft (ob institutionell oder privat) durchzieht, kein Nischenproblem von Kirchen oder Internaten ist – wird die Forderung laut, der Staat und die Gesellschaft müsse für die Aufarbeitung finanzielle Mittel bereitstellen!
Hier erwarte ich, dass auch alle anderen Institutionen, die sich ebenfalls durch wissentliche Ignoranz oder Vertuschung mitschuldig gemacht haben, auch ihren immateriellen und materiellen Beitrag zur Aufarbeitung, Prävention und Entschädigung leisten!
Es ist eine Frage des sozialen Friedens und der Gerechtigkeit, dass alle Institutionen, Vereine und Verbände nicht umhinkommen, sich ihrer Verantwortung für Verbrechen zu stellen, die sie bei einem sensibleren Umgang hätten verhindern oder zumindest eindämmen können!
Ja, wir alle werden nicht umhin kommen: wir müssen sparen; sparen an Energie wegen der gestiegenen Gas- und Strompreise, sparen am Sprit wegen der gestiegenen Benzinpreise, sparen an Lebensmitteln wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise.
Ja, wir werden sparen müssen.
Nur: unter dem Diktat es „müssen“ zu müssen haben viele von uns Schwierigkeiten damit. Etwas tun zu müssen, bedeutet für viele, dass sie sich ihrer ‚Freiheit‘ beschränkt oder gar beraubt fühlen.
Dennoch: wenn notwendiges Sparen auf breite Akzeptanz stoßen soll, dann ist es wichtig, dass die Menschen auch wissen und bejahen, wofür sie sparen!
Bei vielen Wellness-Methoden stehen auch die Begriffe ‚Entschleunigung‘, ‚Entlastung‘, ‚Entschlackung‘, ‚Vereinfachung‘ oder ‚Genügsamkeit‘ auf dem Plan!
Wie einfach könnte es also sein, wenn wir diese Begriffe positiv belegen bei unserem Bemühen, sparen zu müssen?
Versuchen wir einfach mal, einige Sparbegriffe mit positiven Wellness-Gedanken zu verknüpfen:
Höchstgeschwindigkeit drosseln = CO2-Belastung reduzieren, Umwelt schonen, Entschleunigen, mehr Sicherheit im Straßenverkehr, …
Heizenergie einsparen durch Temperatursenkung = Ressourcen bewahren, CO2 und andere klimaschädlichen Immissionen reduzieren, Lebensräume für Natur erhalten, Geld sparen, …
Alternative Verkehrsmittel nutzen (Fahrrad, ÖPNV, …) : Entschleunigung, Stressverringerung, Umwelt und Klima schützen, …
…
Ökum. Gottesdienst zum Ruhr-Pride 2022
„Ich sehe was, was du nicht siehst – Vielfalt wahrnehmen!“ – so das Motto des diesjährigen ökumenischen Gottesdienstes am Freitag, den 05.08.2022 um 18.00 Uhr in der evangelischen Marktkirche in Essen-Mitte.
In unserem Vorbereitungskreis, bei dem die Aidshilfe Essen e.V., die katholische Beratungsstelle „Die Schleife“, die alt-katholische Kirche, die evangelische Kirche und die römisch-katholische Kirche mit von der Partie sind, haben wir uns davon ansprechen lassen, dass viele Queer-People sich nicht gemeint fühlen, wenn von Queer-People die Rede ist. Wir denken da an Trans-, Inter, Bi-, A-sexuelle, nonbinäre Personen und viele andere mehr.
Die Vielfalt der verschiedenen Banner für diese Sexualitäten zeigt dies sehr deutlich. Mittlerweile ist daraus die so genannte „Progress Pride Flag“ entstanden:
Progress pride flag
Wir erkennen, dass diese Vielfalt unter den queerpeople auch wahrgenommen werden will.
Mit unserem Gottesdienst wollen wir auf diese gottgewollte Vielfalt aufmerksam machen und für Respekt und Anerkennung dieser Vielfalt werben.
Totenkopf als Mode
Skurrilität oder kollektive Verdrängungsstrategie?
Solche Modeartikel mit Totenkopfmotiv, womöglich auch voll Glitzer und Glimmer gibt es schon seit etlichen Jahren auf dem Markt. Ob als Ohr-, Hals- oder Fingerschmuck, ob auf t-shirts, Schuhen oder Taschen: vielfältig ist das Sortiment, das einen Totenkopf ‚ziert‘.
Auseinandersetzung mit der Endlichkeit oder doch nur ‚dead sells‘?
In meiner Tätigkeit als Krankenhaus-Seelsorger erlebe ich immer wieder, wie den Themen Sterben und Tod ausgewichen oder sie verdrängt werden. Das gilt bei der Diagnose einer lebensverkürzenden oder sogar unheilbar tödlich verlaufenden Erkrankung. Das gilt aber auch für Menschen in allen Lebensphasen. Ich finde wenig Menschen, die – auch wenn es keine lebensbedrohende Umstände gibt – sich hin und wieder mit dem eigenen Sterben oder Tod beschäftigen.
Aber auf den Straßen sehen wir die vielfältigsten Symbole des Todes auf ‚modischer‘ Kleidung oder auf Freizeitgegenständen.
Seitdem es dieses Modemotiv flächendeckend gibt, kann ich trotzdem nicht erkennen, dass die Auseinandersetzung mit Sterben und/oder Tod zugenommen hat. Noch immer erschrecken viele Menschen so sehr bei diesen Themen, dass sie ausweichen oder es gar tabuisieren.
Dabei ist der Tag unserer Geburt der erste Tag, der uns dem eigenen Sterben und Tod näher bringt! Klingt krass, ist aber – bei genauer Betrachungsweise – so!
Corona-Schutz-Maske mit Totenkopf-Motiv! Einfach nur unsensibel angesichts der vielen Corona-Toten! – Bild von flockine auf Pixabay
Auch für mich sind diese Themen keine ’schönen‘ Themen; aber wenn ich versuche, ihnen auszuweichen, geht es mir nicht besser und eine Stimme in meinem Kopf fragt mich: ‚Warum? Irgendwann wird es auch dich erwischen!‘
Natürlich habe ich auch keine Lust mich permanent und ständig mit diesen Themen zu beschäftigen. Mit Leichtigkeit und Fröhlichkeit möchte ich auch mein Leben genießen. Und ich liebe es; ich liebe mein Leben so sehr, dass ich auch keine Böcke habe, schon bald diese Erde zu verlassen.
Nur: es wird wohl nicht nach mir gehen.
Gebeinhaus, offenbar mit Toten auch aus den Kriegen – Bild von Wolfgang Sojer auf Pixabay
Also stelle ich mich hin und wieder diesen Themen und schaue, welche Impulse sich für mich daraus für mein Leben ergeben.
Doch gerade, weil diese Themen so existentiell für mich sind, käme es mir nicht in den Sinn, sie leichtfertig für eine oberflächliche Modeinszenierung zu verwenden. Vielleicht liegt es daran, dass es eine gewisse ‚Ehrfurcht‘ vor diesen Themen gibt, die für mich so bedeutsam sind, dass ich sie auf dem Altar der Oberflächlichkeit nicht opfern mag!
Manchmal reizt es mich innerlich, Menschen die Totenkopf-Mode tragen, konkret zu fragen, was Sterben und Tod für sie selbst bedeutet und ob sie – abhängig von ihren Antworten – solche Mode wirklich bewusst tragen?
Aber da ich weiß, dass solche Fragen zu persönlich wären, schreibe ich hier einfach über dieses Thema und jede/r kann für sich selbst entscheiden, ob sie/er sich damit konfrontieren lassen möchte.
Jene aber, die solche Mode tragen, können nun wissen, was Totenkopf-tshirt und Co. bei mir auslösen.