nicht nur für die Vielen, die unbekannten, die unter Naturkatastrophen leiden die unter Stürmen zittern, in Trümmern schweigen, die durch Gewalt und Krieg zu Staub geworden sind
beten auch für die Vielen, dir mir bekannt sind, die meine Wege kreuzten früher und heute die zu tragen haben an ihrem Schicksal, ihrem Leid, ihrer Krankheit ihrer Trauer die still vorübergingen und doch geblieben sind.
beten
so ruft die Zeit so ruft mein Herz
Denn Beten fordert Zeit Geduld Liebe Kraft
und am Anfang und Ende Anfang
– GOTT
(c) Gerd A. Wittka, 04.04.2025, am Todestag von Martin Luther King
Ich möchte Sie für einen kleinen Augenblick einladen, einmal kurz inne zu halten und in sich hinein zu spüren; Sie dürfen – wenn Sie mögen – auch einen Augenblick die Augen dabei schließen um ganz bei sich selber sein zu können. Am Ende der kleinen Übung werde ich Sie anleiten, wie Sie gut diese kleine Übung beenden können.
Setzen Sie sich – wenn möglich – aufrecht auf Ihren Stuhl. Lehnen Sie sich mit dem Rücken gut an, damit Sie im Rücken guten Halt finden. Mit beiden Füßen sollten Sie gut den Boden berühren. Die Hände können Sie auf den Oberschenkeln ablegen. Spüren Sie, wie Sie vom Stuhl gut getragen werden. Wenn Sie mögen, schließen Sie jetzt Ihre Augen und lassen sich etwas von mir durch diese Übung führen.
Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Evangelium, das wir gerade gehört haben. Erinnern Sie sich an Szenen, die Sie besonders angesprochen haben. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die handelnden Personen. • Da ist der Vater, der sein Erbe auszahlt. • Da ist der jüngere Sohn, der seinen Erbteil nimmt und sich von zu Hause löst. • Da ist der ältere Sohn, der ortstreu bleibt und sich an die Familientradition gebunden fühlt.
Spüren Sie einen Augenblick mal bitte in sich hinein und fragen Sie sich, welche Person Sie in diesem Evangelium besonders angesprochen hat? Und welche Person behagt Ihnen gar nicht? In welcher Person haben Sie sich persönlich am ehesten entdeckt? Welche Person würden Sie gerne sein?
Bewerten Sie diese Feststellung nicht. Nehmen Sie nur war, mit welcher Person Sie sich leichter einfühlen können?
Und jetzt versuchen Sie, mit Ihren Gefühlen in Kontakt zu kommen. Zu den Gefühlen rechnen wir Angst, Ärger, Wut, Zorn, aber auch Freude, Dankbarkeit, Liebe, sich-geliebt-fühlen, …
Bewerten Sie die Gefühl nicht. Sie sind da und haben ihre Berechtigung. Welche Gefühle nehmen Sie bei sich wahr, wenn Sie das heutige Gleichnis hören?
Oder spüren Sie sogar körperliche Empfinden, Befindlichkeiten oder Missempfindungen, wie innere Unruhe, Wärme und Entspannung im Bauchraum, aber vielleicht auch Anspannung oder Verspannung. Wo nehmen Sie diese Empfindungen wahr? Im Kopfbereich, in der Brust oder in der Bauchgegend? Auch diese Empfindungen bitte nicht bewerten, nur wohlwollend wahrnehmen.
Vielleicht können Sie auch im Moment gar nichts wahrnehmen. Dann ist es auch nicht schlimm. Versuchen Sie, auch das nicht zu bewerten.
Bleiben Sie einen kurzen Augenblick bei dem, was gerade bei Ihnen ist. Gönnen wir uns einen Augenblick der Stille ….
….
Nun möchte ich Sie anleiten, mit Ihrer Aufmerksamkeit wieder in diesen Raum zurück zu kehren. Lassen Sie noch die Augen geschlossen, wenn Sie sie geschlossen hatten.
Ballen Sie nun Ihre Hände zu Fäusten zusammen, auch gerne etwas kräftiger, damit Ihr Kreislauf wieder in Schwung kommt. Ziehen nun langsam und kräftig ihre Fäuste und Unterarme an die Oberarme heran und Sie dürfen sich jetzt auch räkeln, wie wenn Sie morgens erwachen. Dann öffnen Sie langsam wieder Ihre Augen und finden sich hier in der Kapelle wieder…
Vielleicht fragen Sie sich: Was soll das alles?!
Ich möchte Sie ermutigen, das Evangelium nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Herzen zu erleben. Oft nähern wir uns solchen Texten nur sachlich und theologisch. Aber Jesus erzählte Gleichnisse, um direkt unsere Gefühle anzusprechen – er wollte, dass wir mit unserem Herzen, also mit unseren Emotionen, berührt werden. Obwohl er Rabbi genannt wurde, sah er sich nicht als einen rein akademischen Lehrer. Es tut uns also gut, wenn wir uns heute den Evangelien so nähern wie Jesus es tat.
Haben Sie beim Hören des Evangeliums gute, positive Gefühle empfunden? Dann: Glückwunsch! Das Evangelium – die Frohe Botschaft – hat bei Ihnen bereits seine Wirkung entfaltet.
Falls Sie aber eher unangenehme Gefühle hatten, etwa weil Sie den älteren Sohn und seine Empfindung von Ungerechtigkeit verstehen, machen Sie sich keine Sorgen. Genau solche Menschen wollte Jesus mit seinem Gleichnis ansprechen.
Viele von uns, mich eingeschlossen, können sich in der Reaktion des älteren Sohnes wiedererkennen. Er hielt sich immer an die Tradition, doch für ihn blieb das Fest der Freude aus. Das ist für ihn unverständlich! Wo bleibt da der Lohn der Treue und des Gehorsams?!
Nur: so geht es zu, auf dem Erlösungsweg Gottes!
Auch wenn wir den älteren Sohn verstehen, dürfen wir versuchen, uns zu freuen, denn Jesus hat dieses Gleichnis für uns gedacht. Er möchte uns lehren, uns für die grenzenlose und bedingungslose Liebe und Fürsorge des Vaters zu öffnen.
Ich könnte noch viel mehr über das Evangelium sagen, aber eines möchte ich besonders betonen:
Erinnern Sie sich an die Worte des Vaters: „… dieser, dein Bruder, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden…!“ Das ist der zentrale Satz dieses Evangeliums.
Heute feiern wir den Laetare-Sonntag – das bedeutet „Freue dich!“. Der letzte Satz des heutigen Evangeliums gibt uns einen Hinweis auf Ostern, auf die Auferstehung. In diesem Gleichnis hören wir von einer Auferstehungsgeschichte, die in den kommenden Wochen in anderen Formen immer wieder auftaucht.
Der Laetare-Sonntag ist der Übergang von dem Teil der Fastenzeit, in der wir über unsere Umkehr nachgedacht haben, zu den nächsten Wochen, in denen wir das Leiden Christi verstärkt betrachten.
Dieses Evangelium und dieser Sonntag erinnern uns daran: Wenn in den nächsten Wochen viel über Leid gesprochen wird, ist das nur der Auftakt. Christus blieb nicht am Kreuz – sein Leiden führte direkt zur Auferstehung. In diesem Geist lade ich Sie ein, die kommenden Wochen in diesem Bewusstsein zu begehen, bis wir in großer Freude das Osterfest feiern können.
„Das Gleichnis vom barmherzigen Vater lehrt mich, dass wir immer mit der größeren Liebe und Barmherzigkeit Gottes rechnen dürften und sollten; selbst dann, wenn wir – aus menschlicher Perspektive – dafür keine guten Gründe mehr finden können.“ (Gerd A. Wittka, 30.03.2025)
Fastenzeit – Prüfen
… um zu verstehen
Im Krankenhaus widmen wir uns von der evangelischen und katholischen Krankenhaus-Seelsorge der diesjährigen Jahreslosung und schauen uns einige Aspekte der Jahreslosung etwas näher an. Mit Texten laden wir die Besucher:innen der Krankenhaus-Kapelle zu Besinnung und zum Nachdenken ein.
Hier veröffentliche ich einige Texte, die ich dazu geschrieben habe:
Mit bebendem Herzen und funkelndem Blick trete ich aus dem Schatten des Bekannten hervor, hinterfrage das Dröhnen des Alltäglichen und lausche dem Ruf der verborgenen Wahrheiten.
In jedem Zweifel liegt ein Samen, bereit zu erblühen im klaren Licht der Erkenntnis. Ich wage mich ins Dickicht der Fragen, denn in der Ungewissheit wohnt die Möglichkeit eines neuen, leuchtenden Pfades.
In dieser Welt finde ich einen bunten Strauß aus Stimmen und Farben, und ich, ein neugieriger Wanderer, öffne die Türen, die lange verschlossen schienen, um zu erfahren, was jenseits des Sichtbaren liegt.
Ich wage es, zu prüfen! Nicht, um zu zerstören, sondern um zu verstehen, um die Schichten des Verborgenen zu lüften und in der Tiefe des Seins das unendliche Licht der Wahrheit zu finden.
Heute begegnen uns in der Lesung von Jesus Sirach 27, 4–7 Worte, die uns zu einer wachsamen und tiefgründigen Lebenshaltung aufrufen. Sirach mahnt uns, nicht nur an der Oberfläche zu bleiben, sondern hinter die Fassade der Worte und Taten zu blicken, um die wahre Absicht und den inneren Wert zu erkennen. Dies ist besonders bedeutsam in einer Zeit, in der manipulative Falschaussagen und trügerisches Lob – oft genutzt als Mittel, um eigene Interessen zu verschleiern – zunehmend verbreitet sind.
So passt dieser Text auch gleichzeitig zu der diesjährigen Jahreslosung. „Prüfet alles und behaltet das Gute!“ lädt uns ein, inmitten zahlreicher Informationen und Stimmen genau hinzusehen. Sie erinnert uns daran, dass wir nicht alles ungeprüft annehmen dürfen.
Gerade wenn falsches Lob im Umlauf ist, das manchen Menschen dazu dient, andere über ihre wahren Absichten hinters Licht zu führen, müssen wir uns fragen: • Was ist wirklich gut? • Welche Worte tragen zur Wahrheit bei, und welche sind nur Schall und Rauch?
Wir leben in einer Zeit, in der Manipulation und Täuschung allgegenwärtig scheinen. Ob in den Medien, im Internet oder in der öffentlichen Politik – wir werden oft mit Aussagen konfrontiert, die nicht das Spiegelbild der Wirklichkeit sind. Es gibt Menschen, die durch übertriebenes, fast schon falsches Lob ihre eigenen Interessen fördern wollen. So wird beispielsweise immer wieder berichtet, dass auch in der politischen Arena manipulatives Lob verwendet wird, um bestimmte Ziele zu erreichen.
So wird beispielsweise immer wieder berichtet, dass auch in der politischen Arena manipulatives Lob verwendet wird, um bestimmte Ziele zu erreichen. Manche Beobachter weisen in diesem Zusammenhang auf das Verhalten von Persönlichkeiten wie Donald Trump hin, der häufig mit überhöhten Komplimenten und manipulativem Lob zu agieren scheint, um von seinen wahren Absichten abzulenken. So lobte Trump vor wenigen Tagen Saudi-Arabien und dessen Kronprinzen, der aber 2018 seine Finger bei der brutalen Ermordung des regimekritischen Journalisten Khashoggi in diesem grausamen Spiel gehabt haben soll. So lobt Trump den Kronprinzen beim diesjährigen Welt-Wirtschaftsgipfel in Davos als einen „fantastischen Kerl“! Der Absicht Trumps dürfte klar sein: Er möchte an die 600 Milliarden Dollar von Investitionen Saudi-Arabiens kommen. Da ist es für Trump offenbar moralisch vertretbar, solche zweifelhaften Investoren mit Schmeicheleien und Lobhudelei zu umgarnen.
Jesus Sirach fordert uns in seinen Versen dazu auf, nicht von oberflächlichen Worten geblendet zu werden. Er lehrt uns, dass hinter jedem Lob und jeder Aussage ein tieferer Sinn liegen kann – sei es ehrlich und aufbauend oder aber täuschend und eigennützig.
Als Christen sind wir berufen, die Wahrheit zu suchen und das Gute zu bewahren. Unsere Urteilsfähigkeit, geschärft durch den Glauben und das Gebet, soll uns helfen, die trügerischen Stimmen von denen zu unterscheiden, die uns manipulieren wollen.
Die Botschaft der Jahreslosung verbindet sich hier wunderbar mit der Lehre des Sirach: Wir sind aufgerufen, alles zu prüfen – nicht aus Skepsis, sondern aus Liebe und dem aufrichtigen Wunsch heraus, das Wahre und Gute in unser Leben aufzunehmen.
Es bedeutet, in jeder Begegnung und jedem Wort innezuhalten, zu reflektieren und zu hinterfragen. Nur so können wir verhindern, dass falsches Lob und manipulative Falschaussagen unsere Gemeinschaft spalten und unsere Herzen vernebeln.
In unserer heutigen Welt, in der Worte oft als Waffe eingesetzt werden, um zu manipulieren und zu täuschen, ist diese Fähigkeit zur Unterscheidung unerlässlich. Wir dürfen uns nicht von glänzenden Fassaden und schmeichelhaften Worten blenden lassen, sondern müssen stets bereit sein, mit kritischem Geist und im Licht des Evangeliums zu prüfen.
Es ist unsere Aufgabe, uns nicht von äußeren Einflüssen fehlleiten zu lassen, sondern in der Begegnung mit Christus die Kraft zu finden, das Gute zu erkennen und daran festzuhalten.
In dunklen Zeiten
ein Zuhause bauen – für alle
In dunklen Zeiten, wo Hass und Hetze uns entgegenwehen, ruft der Heilige Geist – manchmal mit leiser aber fester Stimme: Du bist berufen, Mitgefühl zu leben, Botin und Bote der Liebe in einer Welt zu sein, die vom Sturm der Vorurteile zerrissen wird.
Die Schatten des Extremismus verdunkeln den Tag, doch der Glaube an Menschlichkeit leuchtet wie die Morgenröte, dringt die Todeskälte und durchbricht die starre Nacht, in der sich Angst ausbreitet, wie wucherndes Dornengestrüpp
Strecke die Hände aus, wo Mauern des Hasses stehen, sprich Worte der Hoffnung und Bestärkung und nicht des Zweifels und der Missgunst.
Gemeinsam wollen wir weben ein Band aus Geschwisterlichkeit, ein Netz, das selbst den tiefsten Abgrund mit Hoffnung und Liebe überbrückt.
Wenn der Wind des Extremismus uns entgegenweht, stehen wir fest – mit Herzen, die im Takt der Liebe schlagen.
Denn in der Nächstenliebe liegt unser aller Zukunft, die eine Welt erschafft, in der wir alle als geliebte Kinder des einen Gottes ein Zuhause finden.
Impuls zur Lesung am 6. Sonntag im Jahreskreis – C – 2025: 1 Kor 15, 12.16-20
Ich erinnere mich, dass ich vor ein paar Monaten in einem kurzen Impuls gesagt habe, dass der Sinn unseres christlichen Glaubens nicht nur darin liegt, was nach dem Tod passiert, sondern auch, wie wir unsere Welt heute gestalten.
Für Christen darf die Frage nach dem Lebenssinn nicht nur darauf abzielen, was im Jenseits kommt.
Wir leben in dieser Welt und stehen täglich vor ihren Herausforderungen. Nur so können Werte wie Nächstenliebe, Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und der Schutz der Schöpfung hier auf der Erde wirklich Bedeutung erlangen. Heute weist Paulus in seiner Lesung genau auf einen anderen wichtigen Aspekt hin.
Er sagt: „Glauben wir nicht an die Auferstehung und werden Tote nicht auferweckt, dann ist auch nicht Christus auferweckt worden. Ist Christus aber nicht auferweckt worden, dann ist (der christliche) Glaube nutzlos.“
Damit meint Paulus: Wenn alles, was wir als Christen tun, nur für unser irdisches Leben wichtig wäre, bräuchten wir uns nicht als Christen zu bezeichnen. Dann wäre unser Glaube nur eine Form von Humanismus, der sich nur um das Menschliche in unserer Zeit kümmert und dabei seine tiefere Bedeutung verliert.
Ich freue mich über diese klaren Worte von Paulus. Sie zeigen mir, dass wer sein Leben nach christlichen Werten ausrichten will, dies in der Spannung des Kreuzes tun muss.
Das will ich kurz erklären:
Man kann das Leben in der Spannung des Kreuzes so verstehen:
• Die waagerechte Seite steht für die Zeit – also Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das bedeutet, dass wir unser Leben bewusst im Lauf der Zeit gestalten und dies durch die Werte Nächstenliebe, Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und der Schutz der Schöpfung, …
• Die senkrechte Seite symbolisiert, dass unser Leben nicht nur auf das Irdische beschränkt ist, sondern auch den Blick in den Himmel und auf die Ewigkeit richtet.
Zusammen zeigen beide Seiten, dass christliches Leben heißt: bewusst in unserer Zeit zu handeln und gleichzeitig an das zu glauben, was über unser irdisches Leben hinausgeht.