1. Fastensonntag – A – 2026

Riesige Sanddünen einer Sandwüste, darin winzig klein zu sehen: ein einsamer Wanderer.
Bild von Wolfgang_Hasselmann auf Pixabay

Bibeltext: Matthäus 4, 1-11

Stellen wir uns eine Landschaft vor, in der alles Überflüssige verschwindet:

Weite. Steine. Sand. Trockenheit.
Die Sonne sticht am Tag, nachts wird es bitterkalt.
Der Himmel ist groß, der Boden hart.
Vierzig Tage – und dabei fasten.
Die Schritte werden langsam.
Kein Geräusch außer dem eigenen Atem.
Keine Ablenkung.
Nur das Nötigste zählt: Wasser, Schutz, ein Platz zum Ausruhen, der nächste Schritt.
Eine Wüste ist ein Ort, an dem nichts geschönt ist.

Ein Ort, an dem man auf sich selbst zurückgeworfen ist – mit dem, was einen lockt, mit dem, was Angst macht, mit der Frage:
Was trägt mich wirklich?

Solche Erfahrungen kennen wir alle, auch ohne echte Wüste.
Ich habe noch nie wirklichen Hunger erlebt, weiß also nicht um die existentielle Not um Nahrung und Brot.
Aber ich kenne Situationen, in denen ich mit mir selbst konfrontiert war:
mit meinen Fragen, meinen Grenzen, meinen Sehnsüchten.

Mit der Frage: Was gibt meinem Leben Halt? Was schenkt mir Kraft? Wer lässt mein Herz leicht werden?

Wir nennen solche Zeiten „Wüstenerfahrungen“.
Manche suchen sie bewusst – als Exerzitien.
Andere geraten hinein: durch Krankheit, Überforderung, Einsamkeit, einen Bruch im Leben.

In der gestrigen Sendung „Kölner Treff“ (20.02.2026) war auch Kevin Kühnert zu Gast. Nachdem er aus der Politik herausgegangen ist, hat er sich zwei Monate Auszeit genommen, um die Alpen zu durchqueren – allein.
Während dieser Zeit war er ganz auf sich zurück geworfen.
Es lohnt sich, seine Ausführungen ab Minute 58:10 zu verfolgen.


Das Evangelium erzählt heute von Jesu Wüstenerfahrung.
Und es zeigt drei Versuchungen, die auch uns betreffen – damals wie heute.

  1. Die Versuchung rund um das Existenzielle
    Mach aus diesen Steinen Brot.“

Es geht um Grundbedürfnisse: Sicherheit, Versorgung, Halt.
Die Versuchung lautet: „Sorge zuerst für dich – koste es, was es wolle.“

Heute begegnet uns das so:
– Wenn die Angst, zu kurz zu kommen, uns antreibt:
Wir sichern ab, kontrollieren, horten – nicht aus Vernunft, sondern aus innerer Unruhe.

– Wenn wir aus Erschöpfung zu vermeintlich schnellen Lösungen greifen:
zu viel Alkohol, um runterzukommen;
zu viel Ablenkung, um nicht spüren zu müssen, wie es uns wirklich geht.

– Wenn wir meinen, wir müssten alles allein schaffen, weil wir sonst „nicht genügen“.

Jesus sagt: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot.“
Er sagt nicht: Brot ist unwichtig.
Er sagt: Es ist nicht alles.

2. Geistlich‑religiöse Versuchungen
Stürz dich hinab – Gott wird dich schon auffangen.“

Das ist die Versuchung, Gott für die eigenen Zwecke einzuspannen.
Die Versuchung, Glauben zu benutzen statt zu leben.

Heute zeigt sie sich so:

– Wenn wir meinen, wir hätten Gott „auf unserer Seite“ – und andere damit klein machen.
– Wenn wir fromme Worte benutzen, um uns selbst zu erhöhen oder Konflikten auszuweichen.
– Wenn wir Gott testen wollen: „Wenn du wirklich da bist, dann…“

Jesus antwortet: „Du sollst Gott nicht auf die Probe stellen.“
Glaube ist Beziehung, nicht Manipulation.

3. Die Versuchung von Macht, Einfluss und Geltung
All das will ich dir geben…“

Diese Versuchung kommt oft leise daher.
Sie sagt: „Du kannst groß rauskommen – du musst nur ein bisschen deine Werte beugen.“

Heute begegnet sie uns so:

Wenn wir uns wichtiger machen, als wir sind:
indem wir übertreiben, um Eindruck zu machen, oder so tun, als hätten wir alles im Griff.

Wenn wir andere übergehen, um selbst zu glänzen:
etwa wenn wir im Team die Idee eines anderen als unsere eigene verkaufen.

Wenn wir uns von Anerkennung oder Karriere treiben lassen:
wenn wir Entscheidungen nicht nach dem treffen, was richtig ist, sondern nach dem, was uns beliebt macht.

Wenn wir uns anpassen, um dazuzugehören – obwohl es uns innerlich gegen den Strich geht:
wenn wir schweigen, obwohl wir spüren: „Das ist nicht in Ordnung.“

Jesus sagt: „Nur Gott sollst du anbeten.“
Treue zu Gott und zu sich selbst – das ist das Ziel.

Was wir von Jesus lernen können

Auffällig ist: Jesus antwortet aus seinem Glauben heraus.
Er lässt sich nicht treiben, nicht locken, nicht einschüchtern.
Sein Glaube gibt ihm Klarheit und Standfestigkeit.
Er hilft ihm, Versuchungen zu durchschauen und ihnen die Macht zu nehmen.
Am Ende steht der Versucher sprachlos da.

Was heißt das für uns?

Fastenzeit heißt nicht: „Werde perfekt.“
Fastenzeit heißt: „Schau ehrlich hin.“
Schau hin auf das, was dich lockt, was dich schwächt, was dich antreibt.
Schau hin auf das, was dir wirklich wichtig ist.
Schau hin auf das, was dich trägt.

Vielleicht ist die Fastenzeit eine Einladung, die eigene „innere Wüste“ nicht zu fürchten, sondern als Chance zu sehen:
als Ort der Klärung,
als Ort der Wahrheit,
als Ort, an dem Gott uns neu begegnen kann.

Denn Jesus zeigt:

Man kann Versuchungen bestehen.
Nicht, weil man stark ist,
sondern weil man sich halten lässt
und sich gehalten weiß.




Kairos

Foto: Gerd A. Wittka, 19.01.2026

Manchmal
braucht es den ‚richtigen Kairos‘,
den günstigen,
den entscheidenden,
den ‚richtigen‘
Augenblick.

Das lehrt mich dieses Situation,
die ich schnell im Bild festgehalten habe.

SEIN
Gesicht wird von der Sonne
fokussiert
angestrahlt.
Nur in diesem Augenblick
stehen die Ikone
und die Sonne
im richtigen Winkel,‘
um
SEIN Gesicht
zum leuchten zu bringen

… und in diesem
Moment
zieht diese Ikone
zieht ER
meine
Aufmerksamkeit
auf sich!

Und ich
antworte
entzünde eine Räucherkerze
IHM zu Ehren.

Es ist so,
als würde ER
mich lehren:

Alles zu seiner Zeit!
Hab‘ Geduld,
es kommt
der ‚richtige Kairos‘

(Gerd A. Wittka, 19.01.2026)




Un-glaublich

Bild von Marc Pascual auf Pixabay

Un-glaublich

Kann man die Dreifaltigkeit Gottes
den Menschen leicht verständlich machen?
Nein!

Kann man die Gegenwart Christi in der
hl. Kommunion leicht verstehen?
Nein!

Kann man Gott verstehen,
der den Menschen unbedingt liebt,
trotz seiner Schuld, trotz seines Versagens,
trotz seiner mangelnden Liebe?
Nein!

Kann man verstehen, dass Jesus Christus
den Tod am Kreuz auf sich genommen hat,
um uns zu retten?
Nein!

Kann man jemals in religiöser Bildung,
in Katechese, Glaubensgesprächen und
Predigten dies alles verständlich machen?
Nein!

Kann man deshalb nicht lieber den
christlichen Glauben ganz aufgeben,
weil er nicht zu fassen ist?
Nein!

Warum?

Weil ich hinter all diesem Un-glaublichen
eine große Liebe und Sehnsucht
Gottes nach den Menschen erahne,
die mich gerade deshalb an das
Un-glaubliche glauben lässt.

Denn dieses Un-glaubliche zu glauben,
bedeutet für mich, dass das Un-glaubliche wahr sein kann!




Palmsonntag

Nach dem Triumph von Jerusalem werden die Palmen schnell am Boden liegen – zertreten und zerstampft.

Nach dem Triumph in Jerusalem wird Jesus bald am Boden liegen – dreimal

um auch sein Leben zertreten und zerstampfen
zu lassen.

Zuerst riefen sie in Jerusalem:
„HOSIANNA dem Sohne Davids“,
um wenige Tage danach zu brüllen:

„KREUZIGE IHN!“

Herr und Gott,
in Jerusalem zeigst du uns:
du bis in Jesus Christus wahrhaft Mensch geworden!


Fotos: Die Bilder entstanden bei der Liturgie zum Palmsonntag am 12.04.2025 in der Krankenhaus-Kapelle des AMEOS Klinkums St. Clemens, Oberhausen-Sterkrade




Heilige Woche

Palmsonntag –

Ein Tag in einer Stadt voll Hitze.
Menschen strömen durch die Straßen Jerusalems,
und Jesus, der auf einem Esel sitzt,
wird von Jubel und Anerkennung getragen.
Kleider und Zweige liegen auf dem Pflaster –
eine einfache Einladung,
ein stiller Applaus für den, der anders ist.

Gründonnerstag –

Am Tisch, der mehr als nur Essen teilt,
versammelt sich eine Gruppe, die noch nicht weiß,
dass dies ein einmaliger Moment ist.
Brot, Wein und leise Worte werden zum Abschied,
das letzte gemeinsame Mahl mit den Vertrauten,
ohne zu ahnen, wie sehr sich alles verändern wird.

Karfreitag –

Dann kommt der Augenblick,
der alles in Bewegung setzt.
Ein Verrat, der in den Gesichtern
ein falsches Lächeln trägt,
und Jesus geht einen Weg,
den er längst vorhergesehen hat –
einen Weg voller Schmerzen
und Momenten voller Hohn
Leugnung und Tränen.

Unter den kritischen Blicken,
inmitten von Spott und Ablehnung,
sind da auch leise Akte der Menschlichkeit:
Frauen, die am Straßenrand weinen,
und Veronica,
die ihm ein Schweißtuch reicht,
als stumme Geste, als Versuch,
den Schmerz erträglicher zu machen.

Zum Schluss stehen nur die ganz Treuen:
Maria, die mütterlich schweigend aushält,
Maria von Magdala,
die mehr sieht als nur den Moment,
und Johannes,
dessen stille Nähe mehr sagt als Worte.
Und während das Leben an IHM zu zerbrechen scheint,
hallt leise ein Satz durch die Menge –
ein Soldat, der erkennt:
„Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn!“

Doch hier endet die Geschichte nicht.

Karsamstag –

der Tag der Grabesruhe,
ist kein leiser, endgültiger Abschied,
sondern das Versprechen eines neuen Anfangs.
Denn am Ende hat das Leben
das letzte Wort –
eine Auferstehung, die alle Schatten vertreibt,
ein Beweis,
dass das Licht
immer
über den Dunkelheit triumphiert.

© Gerd A. Wittka, 12.04.2025




beten 2

beten

nicht nur für die Vielen,
die unbekannten,
die unter Naturkatastrophen leiden
die unter Stürmen zittern,
in Trümmern schweigen,
die durch Gewalt und Krieg
zu Staub geworden sind

beten
auch für die Vielen,
dir mir bekannt sind,
die meine Wege kreuzten
früher und heute
die zu tragen haben
an ihrem Schicksal,
ihrem Leid,
ihrer Krankheit
ihrer Trauer
die still vorübergingen
und doch geblieben sind.

beten

so ruft die Zeit
so ruft mein Herz

Denn Beten
fordert
Zeit
Geduld
Liebe
Kraft

und am Anfang
und Ende Anfang


GOTT


(c) Gerd A. Wittka, 04.04.2025, am Todestag von Martin Luther King