Vom Narrativ zur hohen Theologie: alles Weihnachten
Gestern habe ich eine Hausandacht zur Verfügung gestellt, in deren Mitte zwei sogenannte „Wort-Wolken“ standen. Das Evangelium des Tages war die Weihnachtsgeschichte nach Lukas, wie sie dort im 2. Kapitel zu finden ist.
In sehr anschaulichen Bildern ‚berichtet‘ uns Lukas von der Geburt Jesu Christi; was in Wahrheit gar kein Bericht im sachlichen Sinne ist, denn niemand von den Autoren des Neuen Testamentes war dabei oder konnte sich auf historische Zeug:innen der Geburt Jesu von Nazareth berufen. Die Geburtsgeschichte Jesu in dieser erzählenden Form geschieht einerseits auf dem Hintergrund der Erzählkultur des Nahen Ostens und des Orients und andererseits ermöglicht sie uns einen ‚herzlichen‘ Zugang zur Geburt des Erlösers Jesu Christi. ‚Herzlich‘ nenne ich den Zugang deshalb, weil die Weihnachtsgeschichte nach Lukas wirklich ‚zu Herzen geht‘, auch mir. Sie gehört für mich zum unverzichtbaren Bestandteil des jährlichen Weihnachtsfestes.
‚Herzlich‘ nenne ich sie deshalb auch, weil der theologische Zugang zum Weihnachtsfest nicht nur über die hohe Theologie führt, sondern auch über das Herz, über Emotionen/Gefühle. Es ist dieser ‚herzliche Zugang zum Geheimnis der heiligen Nacht‘ den A. de St. Exupery in seinem Werk ‚Der kleine Prinz‘ in die Worte fasst:
„Man sieht nur mit dem Herzen gut; das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar.“
A. de St. Exupery, Der Kleine Prinz
Dieser Zugang zum ‚Geheimnis der heiligen Nacht‘ ist sicherlich auch der Grund, warum so viele Menschen gerade zu Weihnachten unsere Gottesdienste mitfeiern (sei es als Präsenzveranstaltung oder auch über die verschiedensten Medien).
Vielleicht nennen viele Weihnachten auch deshalb das „Fest der Liebe“.
Wer die Weihnachtsgeschichte nach Lukas liest oder hört, der wird das, um was es bei Weihnachten geht, mit dem Herzen erfassen – meist auf direktem Weg vom ‚Ohr ins Herz‘. Dabei spielen natürlich auch unsere Gefühle als ein Element, unser Leben zu deuten und zu verstehen, eine ganz maßgebliche Rolle.
Ver-dichtung
Heute, am 1. Weihnachtstag, dem eigentlichen „Hochfest“ steigt uns das Evangelium buchstäblich zu Kopfe. Heute hören wir die Weihnachtsbotschaft nach Johannes, die im strengen Sinne keine ‚Geschichte‘ ist, deshalb nenne ich sie auch nicht ‚Weihnachtsgeschichte nach Johannes‘.
Denn dieser Text spricht eine ganz andere Sprache: es ist die Sprache des Verstandes, der Philosophie, der Kunst der Dichtung und insofern eine pure ‚Verdichtung‘ des Weihnachtsereignisses.
Wer heute ‚verstehen‘ will, braucht schon etwas Zeit und Ruhe, um den Text auf sich wirken zu lassen. Dann aber explodiert der Text mit seinen vielen Facetten und Aussagen (darauf möchte ich jetzt hier aber nicht näher eingehen).
Einen Schlüssel möchte ich aber dennoch ‚an die Hand geben‘: vergleichen Sie den Anfang des Johannes-Evangeliums mal mit der Schöpfungsgeschichte nach Genesis (1 Mose), und achten auf die ‚Funktion‘ des Wortes. Ent-decken Sie etwas?
Erinnern Sie sich noch an die Überschrift über diesen Beitrag?
Da steckt das Wort „Wortneuschöpfung“ drin. Darunter verstehen wir eigentlich, wenn ein ganz neues Wort in unserer Sprache geschaffen wird: ein neues Wort ist da und kann in unseren Wortschatz und Sprachgebrauch aufgenommen werden. Besonders die Jugendsprache ist sehr kreativ in Wortneuschöpfungen.
Bei Weihnachten geht es aber um keine ‚Wortneuschöpfung‘ sondern um wort.neu.schöpfung.
Die Welt, die am Anfang allen Seins durch Gottes Wort geschaffen wurde (vgl. Genesis/ 1 Mose), wird nun durch das menschgewordene Wort Gottes = Jesus Christus neu geschaffen.
Durch Weihnachten bricht eine ’neue‘ Schöpfung an, die alle menschliche Existenz und die ganze Schöpfung nicht der Hoffnungslosigkeit und der Unendlichkeit des Todes überlässt, sondern der ‚Anfang der Ewigkeit‘ wird.
Gerd Wittka, 25.12.2021
Ich möchte Sie heute einfach mal einladen, sich einen Augenblick der Ruhe, Stille und Besinnung zu nehmen und Sie bitten, mal über Folgendes nachzudenken:
Wo sehne ich mich danach, dass etwas ’neu‘ in meinem Leben geboren werden soll?
„Das Wort, das dir hilft, kannst du dir nicht selber sagen!“ – so ein Sprichwort. Welche Zusagen, Impulse oder Ermutigungen brauche ich dazu? Von wem kann ich solche Ermutigungen annehmen und auch ‚zu Herzen nehmen‘?
Konkret: An welche Worte Jesu erinnere ich mich und welche Worte Jesu gehen mir ‚zu Herzen‘, sprechen mich an und motivieren mich in meinem Glauben?
Ich wünsche Ihnen an diesem ersten Weihnachtstag, dass Ihr Leben von dieser wort.neu.schöpfung berührt wird, es in Ihnen neu geboren werden kann und Sie in Ihrem Leben begleitet und stärkt.
Es heißt: im Anfang war das Wort –
mir deucht: im Anfang war die Liebe.
Luise Baer (19./20. Jhdt.), deutsche Schriftstellerin – Quelle: Baer, Jahresgedanken einer Frau, 1921
Werde still … und staune
Corona-Weihnacht 2021
Anmerkung: Aus urheberrechtlichen Gründen kann ich hier nur zu Weihnachtsliedern verlinken, die z.B. bei youtube zu finden sind.
Musik zur Einstimmung: „Maria durch ein Dornwald ging“
Gebet am Beginn: Gott, in dieser Stunde kommen wir zu dir. Wir wollen Weihnachten feiern, indem wir die Frohe Botschaft dieser Heiligen Nacht hören. Sie stellt uns den Anfang unserer Erlösung vor Augen, die ihren Ursprung allein in dir und deiner Liebe zu uns Menschen hat. Öffne unseren Geist und unser Herz, damit auch in diesem Jahr wir wieder froh dieses Weihnachtsfest begehen. Darum bitten wir dich durch Christus im Heiligen Geist. Amen.
Geistlicher Impuls: Wie fühlen Sie sich gerade, an diesem Weihnachtsfest? Wie haben Sie sich gefühlt in den Tagen vor Weihnachten und als auch bei Ihnen die Frage hoch kam, wie Sie dieses Jahr Weihnachten feiern wollen oder können?
Auch in diesem Jahr findet unser Weihnachten 2021 wieder ganz unter dem Vorzeichen der Corona-Pandemie statt. – Ja, auch ich bin es langsam leid. Ich bin es leid, dass die Adventszeit so wenig adventlich für mich war, mit so wenigen Gottesdiensten und schönem Adventsgesang. (Allein singt es sich nicht so schön und gerne zuhause). Auch ich bin es leid, dass ich nicht ohne Bedenken und Befürchtungen in einen weihnachtlichen Gottesdienst gehen kann; dass ich ohne ‚meine‘ Gemeinde aus der Krankenhauskapelle diesen Heiligen Abend begehen muss.
Die Herausforderung für uns alle ist: unter diesen Bedingungen wieder einmal das christliche Weihnachtsfest gut feiern zu können. Ich denke aber, die Chancen stehen gar nicht mal so schlecht.
Dazu möchte ich Sie auf ein Experiment einladen. Schauen Sie sich mal bitte einen Augenblick die folgende ‚Wortwolke’ an:
Copyright: Gerd Wittka
(Für jene, die sie nicht gut lesen können) – Sie besteht aus folgenden Wörtern:
Nacht Armut bitter Bitterkeit Blut Elend Finsternis Furcht Gefangen Jammertag klein Knecht Kälte Not Schmerzen Schuld Sünde Tod Todesnacht Verlorenheit Winter Gericht Armut Niedrigkeit
Bringen Sie diese Begriffe mit Weihnachten in Verbindung?! Oder vermissen Sie darunter nicht vielleicht ganz andere Worte?
Vielleicht überrascht es Sie (oder auch nicht): aber diese Wörter kommen alle in dem einen oder anderen uns sehr bekannten Weihnachtslied vor, von denen viele auch gerade am Heiligen Abend in den Christmetten gesungen werden. Alle finden sich im Stammteil unseres „Gotteslob“.
Ich finde es sehr interessant, weil eben nicht das gute und sorgenfreie Leben, Wohlstand, Friede, Freude, Gesundheit, Ehre und Ansehen den Hintergrund bilden, auf dem uns die Botschaft der Heiligen Nacht erreichen soll.
Die Botschaft der Heiligen Nacht ist eine Botschaft, die sich an Menschen richtet, auf die mindestens einer der genannten Begriff in ihrer Lebenssituation zutrifft.
Die Botschaft der Heiligen Nacht ist die Botschaft auf dem Hintergrund des Leidens, der Belastungen und Herausforderungen unseres Lebens.
Die Botschaft der Heiligen Nacht geht deshalb auch nicht in erster Linie in das Getümmel und in den Rummel von Weihnachtsmärkten, Weihnachtsfeiern mit vielen anderen Leute, in Jubel und Trubel dieser winterlichen Zeit. Sie drängt vielmehr in Situationen von Stille, Einsamkeit, Sorgen und Angst. Diese sind die Rahmenbedingungen, unter denen die Weihnachtsbotschaft sich Gehör verschaffen möchte.
Auch dazu möchte ich Ihnen eine Wortwolke präsentieren:
Auch das wieder alles Begriffe, die in unseren allseits bekannten Weihnachtsliedern vorkommen.
Diese beiden Wortwolken machen deutlich, mit welchen Begrifflichkeiten die Botschaft der Weihnacht erfüllt ist:
Copyright: Gerd Wittka
liebe friede freude hoffnung licht gott himmel stern heiland kunde jubel jauchzen heilig retter lob botschaft wärme helligkeit engel gloria ehre glanz froh dankeslieder geburt duft süße rose heiland kunde jubel christkind erlösung stärke sonne leben wonne schein knieen beten wunder geheimnis jauchzen heilig
Was kann das für unser Weihnachtsfest 2021 bedeuten, das wir wieder einmal unter Corona-Bedingungen feiern?
Zu Weihnachten 2013 sagte Papst Franziskus folgende Worte:
„Weihnachten ist oft ein lautes Fest: Es tut uns aber gut, ein wenig still zu werden, um die Stimme der Liebe zu hören.“ (Papst Franziskus, Weihnachten 2013)
Mir sagen diese Worte: • es ist egal, wenn wir auch in diesem Jahr vertraute Formen des Weihnachtsfestes entbehren müssen; • es ist egal, wenn wir nicht im Kreis vieler lieber Menschen diese Weihnachtstage begehen.
Das alles wird uns nicht daran hindern, frohe und gesegnete Weihnachten feiern zu können.
Wir können gerade dann erfüllte Weihnachten feiern, wenn wir alles das, was uns in diesem Jahr „fehlt“, einmünden lassen in Augenblicke der Stille, der Ruhe, um auf die Stimme der Liebe Gottes zu lauschen, mit der er heute durch den Engel zu uns spricht:
„Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; ER ist der Christus, der Herr.“
Vielleicht hilft es auch, in diesem Jahr ein Wort von Angelus Silesius wieder neu zu ver-innerlichen, das die Sichtweise auf Weihnachten nicht nach außen, sondern nach innen lenken will:
Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, und nicht in dir: Du bliebest doch in alle Ewigkeit verloren. Angelus Silesius
Nicht erst heute, im Jahr 2021, erfahren wir, dass das Wesentliche der Heiligen Nacht in uns selber stattfindet und nicht von Äußerlichkeiten abhängig ist.
Wenn wir in dem Adventslied „Macht hoch die Tür“ den Text singen „… mein Herzens Tür dir offen ist…“, dann geht es genau darum: Die weihnachtliche Botschaft zu hören und zugleich mit zu hören, dass Jesus in dieser Zeit auch in uns geboren werden möchte, damit wir mehr und mehr von ihm und seiner Liebe erfüllt werden und diese Liebe gerade auch in Zeiten der Herausforderungen nach außen sichtbar werden lassen können.
Ich möchte mit einem Gedicht von Hermann Hesse enden, das auch nichts an Aktualität verloren hat: Weihnachten von Hermann Hesse
Ich wünsche Ihnen und allen Ihren Lieben in diesem Sinne und von Herzen ein frohes, gesegnetes und trostreiches Weihnachten 2021. Möge die Wärme und das Licht der Heiligen Nacht ihre Nächte, Ihre Sorgen und Ihre ganze Lebenszeit erfüllen.
Guter Gott, in dieser hochheiligen Nacht ist der Welt, Christus das Licht, aufgestrahlt, um all unsere Dunkelheit zu erhellen. Er will hinweg nehmen, allen Kummer, alle Trauer und allen Schmerz.
Wir schließen in unsere Gedanken und unser Gebet alle Menschen ein, die weltweit unter Krieg und Naturkatastrophen leiden; deren Leben bedroht wird und die um ihr Überleben kämpfen.
Wir denken in diesem Augenblick auch an alle, die allein zuhause dieses Weihnachtsfest feiern müssen und die die gewohnte Gottesdienstgemeinde an diesem Abend vermissen.
Wir beten auch für die vielen Menschen, die sich nach Frieden sehen, in der Familie oder auch in sich selbst.
Wir beten für jene, die die Corona-Pandemie ganz besonders in Anspruch nimmt und herausfordert: für das medizinische und pflegerische Personal in den Krankenhäuseren, für jene, die sich in Impfzentren und Arztpraxen an der Impfkampagne beteiligen, für jene die in Wissenschaft und Politik nach angemessenen Lösungen zur Bekämpfung der Pandemie suchen.
Wir beten für jene, die sich solidarisieren und aus einem gemeinsamen Verantwortungsbewusstsein heraus solidarisch gegen die Pandemie kämpfen und wir bitten für jene, die sich dieser Solidarität entziehen.
Wir denken an jene, die unter vielfältigsten Krankheiten leiden und denen manchmal die Lebensfreude zu schwinden droht.
Und wir schließen in unser fürbittendes Gebet auch all unsere Verstorbenen ein, die dieses Weihnachtsfest nun in deiner Gegenwart feiern.
Für Sie alle beten wir und für unsere persönlichen Anliegen, in dem wir nun gemeinsam das Vaterunser beten:
„Vater unser im Himmel, …“
Abschluss-Gebet: Guter Gott, dieses Weihnachtsfest drängt uns wieder einmal besonders deutlich, für uns die Frage zu beantworten, was uns an Weihnachten wichtig und wesentlich ist? Vielleicht stupst uns auch dieses Corona-Weihnachten wieder mit der Nase drauf, worauf es bei Weihnachten wirklich ankommt. Lass uns für diese geistliche Lektion dankbar sein und uns auf die Botschaft konzentrieren, die den Kern der Heiligen Nacht ausmacht. Erfülle uns dafür mit deinem Heiligen Geist, damit Christus auch in uns wieder neu geboren werden kann und wir ihm in der Krippe unseres Herzens neuen Raum schaffen. Denn ihm sei die Ehre, unser Lobpreis und unser Dank in dieser heiligen Nacht. Amen.
Segen:
Guter Gott, du hast uns deinen Sohn gesandt, damit es im Dunkel unserer Tage licht und hell wird. Segne uns und unsere Welt, damit Hass und Zwietracht in Frieden gewandelt wird. Segne die traurigen und hoffnungslosen Menschen, damit sie Freude finden. Dein Segen bewahre uns an diesem Weihnachtsfest und im neuen Jahr in deiner Gnade. Amen.
In der heutigen Laudes vom 10.12.2021 bete ich als Canticum diesen Text aus dem Buch der Weisheit. Für mich ist dieses Buch ein ‚gutes‘ Buch im Alten Testament. Was dort über die ‚Weisheit‘ gesagt wird, übertrage ich gerne auf den Heiligen Geist. Anstelle des Wortes „Weisheit“ füge ich oft „Heiliger Geist“ ein.
Und dann bekommt dieser Text für mich eine ganz neue Prägung.
Ich bin ja – nach wie vor – der Meinung, dass der Heilige Geist und seine Verehrung in unserem christlichen Glauben viel zu kurz kommt.
Dabei ist schon im Schöpfungsbericht von ihm die Rede:
Genesis (1 Mose) 1,1-2: „Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Die Erde war noch leer und öde, Dunkel bedeckte sie und wogendes Wasser, und über den Fluten schwebte Gottes Geist.„
Belastendes und Demotivierendes
Für mich sind, gerade auch in der heutigen Zeit, solche biblischen Texte entlastend und motivierend. Gestern noch sprach ich im Rahmen einer Fachkonferenz mit Kolleg:innen in einem Jahresrückblick darüber, was alles in diesem Jahr 2021 gelaufen war. Dabei fiel mir auf, dass eigentlich alle – durch die Bank – erwähnten, wie besonders diese gegenwärtige Zeit, die letzten zwei Jahre, durch die Corona-Pandemie geprägt sind. Vieles, was wir angegangen und geplant haben, war zumindest ‚vorläufig‘ oder provisorisch, manches vermeintlich auch ‚für die Katz‘, weil Geplantes kurzfristig abgesagt oder zumindest verschoben werden musste. Bilder oder Begrifflichkeiten, die die Instabilität der Lebens- und Arbeitsumstände ins Wort brachten, wurden genannt.
Ich denke, dass es anderen Menschen in ihrem eigenen Leben (ob beruflich oder privat) nicht viel anders ergangen ist – vielleicht manchen sogar noch schlechter, weil Lebensfundamente weggebrochen sind. Besonders hart traf und trifft es die Opfer der Flutkatastrophe im Sommer dieses Jahres.
Angesichts solcher Situationen stellt sich zumindest bei mir immer wieder die Frage: „Wie schaffe ich das alles?“ – „Woher nehme ich noch die Motivation?“ – „Was kann ich gegenEntmutigungs- oder Ermüdungserscheinungen tun?“
Dazu kommt auch, dass dieser Stress mental und emotional auch Folgen hat – ich spüre es zumindest bei mir: ich werde dünnhäutiger und leichter reizbar. Wenn ich etwas als ungerecht oder falsch empfinde, bringt mich das persönlich mehr auf die Palme als sonst.
Mir und anderen gerecht werden – aber wie?
Wenn ich dann wieder herunter komme und zur Ruhe kommen kann, geht es mir damit nicht unbedingt viel besser. (Es ist ja schon mal gut, dass es in solchen Zeiten überhaupt noch Gelegenheiten gibt, selber zur Ruhe zu kommen, um Zeiten des Gebetes, der Meditation und der Reflexion zu finden.)
Denn: wer kann schon damit zufrieden sein, wenn es nicht so läuft, wie man es geplant oder sich gedacht hat? Ich bin es zumindest nicht. Das liegt vielleicht auch darin, dass ich eher Perfektionist bin. Gelassenheit und Langmut sind nicht meine eingeborenen Stärken.
Ein gutes Wort zur richtigen Zeit
Da sind solche Worte, wie heute in der Laudes für mich persönlich das ‚gute Wort zur rechten Zeit‘! Da ist von der Weisheit die Rede, die Gottes ständige BegleiterIN ist und die Gott auch den Menschen zur Seite stellen will. Der Mensch, hier der Protagonist des Betenden, weiß um seine Aufgabe und seine göttliche Sendung. Zugleich weiß er aber auch um seine Begrenztheiten, seine Schwächen und seine Unvollkommenheit.
Allein das einzugestehen – ist das nicht schon Werk der Weisheit? – Ich denke schon!
Für den Betenden aus diesem Canticum ist die Weisheit von Anfang an und mit einem klaren ‚Auftrag‘, nämlich einsichtig zu machen, was Gott gefällt und recht ist nach seinen Geboten.
Die Weisheit ist also die Begleiterin Gottes, die alles in ein anderes Licht und in größere Zusammenhänge setzen kann.
Um diese Begleitung betet unser Protagonist im heutigen Text, in dem Wissen, dass auch sie ihm Einsicht schenken kann und sogar „alle Mühe mit“ ihm „teilen“ kann.
In dem Wissen, dass geteilte Mühe halbe Mühe ist, so wie geteiltes Leid halbes Leid ist (Volksmund), so vertraut der Betende darauf, dass die Weisheit und ihr Wirken entlastend sein kann, damit man wieder den „Kopf frei bekommt“.
Die Weisheit, die „alles weiß und alles versteht“ hat auch die Kraft, „mich in meinem Tun besonnen zu leiten und mich in ihrem Lichterglanz (zu) schützen…“.
Die Weisheit Gottes hat also etwas Erhellendes, gerade dort, wo wir Dunkelheit spüren, wo unsere Wege nicht klar erkennbar sind.
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Gottes Weisheit, Du heilige Geistkraft, die du von Anfang an warst und auch heute noch bist.
Die du geschaffen hast und Einsicht schenkst; die du Mühen teilst und mich besonnen leiten möchtest,
öffne mich auf dich hin, damit ich dich, die Schöpferin, Geistbewegerin und Schützerin sehnsuchtsvoll erwarte, dass du ankommen darfst in mir und mich führst und entlastest und ermutigst für meine nächsten Schritte.
Ja, der November und der Anfang des Dezembers gehören zu den Zeiten im Jahr, in der die Tage kürzer und die Nächte länger werden. Die Dunkelheit nimmt zu und prägt unseren Alltag und unser Leben.
Das fängt schon ganz banal damit an, dass wir morgens, wenn wir vom Schlaf aufstehen, viel mehr oder häufiger Licht einschalten müssen, als zu anderen Jahreszeiten. Auch andere Phasen des Alltags werden geprägt und beeinflusst durch die Dunkelheit: der Weg zur Arbeit (sei es zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto …) – irgendwie ist es alles unsicherer.
Kein Wunder, dass jetzt die Zeit der Kerzen und anderer dekorativer Beleuchtungen Hochkonjunktur hat.
In der Kultur- und Religionsgeschichte der Menschheit wird diese Zeit auch von besonderen Traditionen und Bräuchen geprägt.
Heute, am 1. Adventssonntag können wir es sehen, wie in unseren Kirchen aber auch in vielen Haushalten Adventskränze oder -gestecke mit vier Kerzen zum ersten Mal entzündet werden.
Heute feiern aber auch unsere jüdischen Schwestern und Brüder ein Glaubensfest, welches mit einer hohen Lichtsymbolik einhergeht: Chanukka. Es ist das Tempelweihfest und erinnert an den erfolgreichen Aufstand der Makkabäer gegen die Herrschaft der Seleukiden und die im Jahr 165 v. Chr. erfolgte Wiederaufnahme des Tempeldienstes in Jerusalem. Nach der Überlieferung fand man in dem entweihten Tempel nur noch einen einzigen unversehrten Ölkrug dessen Inhalt, der eigentlich nur für einen Tag gereicht hätte, acht Tage lang für den siebenarmigen Tempelleuchter gereicht hat. Leuchtendes Symbol dieses – mehrere Tage dauernden – Festes ist der Chanukka-Leuchter.
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Für uns ist es das zweite Jahr, wo wir diese Jahreszeit unter dem Einfluss der Corona-Pandemie verleben werden. Diese Zeit ist geprägt von Verunsicherungen, Sorgen, aber auch von Konflikten sowie Streit, ja sogar Hass, die allesamt um das Thema kreisen, wie wir diese Pandemie gut überstehen oder sogar überleben können.
Auch ich bemerke in meinem Leben die steigende Unsicherheit und wie die Pandemie meinen Alltag nachhaltig und negativ beeinflusst. Manchmal ist es wirklich stressig. Dazu dann noch die vielen Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit, Gesellschaft, Politik und Kirche nach dem richtigen, angemessenen Umgang. Die Frage, wo die Grenzen der persönlichen Freiheit sind und die Solidarität den Vorrang bekommen soll oder sogar muss?
Doch in dieser Zeit gehen viele andere Dinge einfach so weiter wie bisher – allesamt geprägt durch die Pandemie. Ich denke da natürlich auch aufgrund meines Berufes an die vielen kranken und alten Menschen, an jene, die von einer lebensbedrohenden Krankheit betroffen sind und deren Tage und Wochen so unendlich wertvoll werden lassen. Ich denke an diese Menschen und frage mich, wie sie ihren Tagen mehr Leben geben können unter solchen Umständen?
Ich denke an die Familien mit Kindern, die zum größten Teil noch nicht geimpft sind, weil sie einfach noch zu jung sind. Ich denke daran, dass nun auch Kinder ab fünf Jahren geimpft werden können. Welche Entscheidungen werden ihre Eltern für sie treffen? Werden sie später einmal diese Pandemie gut verarbeiten können?
Ich denke an die Wissenschaftler:innen und die Politiker:innen, die tagein tagaus versuchen, die besten Wege aus dieser Pandemie zu finden. Ich denke aber besonders an jene von ihnen, die so unsäglich viel angefeindet werden. In welch einer Gesellschaft leben wir, wo das redliche Mühen anderer Menschen für so viele nicht gewürdigt wird, ja wo diese Menschen sogar verunglimpft, beschimpft und manchmal sogar bedroht werden.
In diesem Zusammenhang denke ich natürlich auch an all die Menschen, die am meisten von der Pandemie betroffen sind, die Pfleger:innen in unseren Krankenhäuseren, hier besonders auf den Covid-19-Stationen oder auf den Intensivstationen. Welche unfassbar gewaltige Aufgabe leisten sie Tag für Tag, Stunde um Stunde? Und: warum schenken wir Ihnen so wenig Anerkennung, z.B. durch angemessene Bezahlung, durch zumutbare Arbeitszeiten und Schichtplanungen, durch wertschätzendes und dankbares Verhalten von uns allen?
Ich habe ganz besonders die ‚dunklen Seiten‘ der Pandemie angesprochen, obwohl ich auch weiß, dass es da viel Helligkeit gibt.
Ich habe die dunkle Seite der Pandemie angesprochen, weil diese beginnenden Adventszeit und dieses Chanukka-Fest uns einladen können, diese Zeit besonders und bewusster mit freundlichen Lichtritualen zu füllen, die Balsam für unsere Seele sind.
Es geht aber hier – meine ich – um das warme Leuchten eines Lichtes, dass sich beruhigend auf unsere Psyche auswirkt. Ich meine damit nicht die bisweilen schrillen Lichterattacken, die man zuweilen auch an und in Häusern in dieser Zeit beobachten kann.
Ja, es ist gut, dass wir als Christ:innen nun in den Advent eintreten und uns damit vorbereiten auf das Weihnachtsfest und auf die Ankunft dessen, der unser aller Erheller sein will, unser Licht, dass uns leuchtet in der Dunkelheit des Lebens, wo auch immer:
Eine dauerhafte Botschaft
Tief in uns muss Weihnachten sein. Nur im Herzen kann sie werden und von hier aus Licht der Erden dauerhafte Botschaft sein.
Nicht das Wort, das sich bekennt laut und prahlend vor der Menge sprengt des Herzens dumpfe Enge, daß es still sein Heil erkennt.
Laß die Weihnacht in dich ein, daß ihr Licht dich ganz erfülle! Und du darfst Gelaß und Hülle ihrem ew’gen Wunder sein. (unbekannt)
Segen
Licht um dich her
Segen sei mit dir, der Segen strahlenden Lichtes, Licht um dich her und innen in deinem Herzen.
Sonnenschein leuchte dir und erwärme dein Herz bis es zu glühen beginnt wie ein großes Torffeuer, und der Fremde tritt näher, um sich daran zu wärmen.
Aus deinen Augen strahle gesegnetes Licht wie zwei Kerzen in den Fenstern deines Hauses, die den Wanderer locken, Schutz zu suchen dort drinnen vor stürmischer Nacht.
„… Und er stellte ein Kind in ihre Mitte, nahm es in seine Arme …“ (Mk 9, 36)
Wieviele Frauen und Männer, Jugendliche und Kinder werden – wenn sie an diesem Sonntag diese Schriftstelle hören – innerlich zusammen zucken?! Wieviele Menschen wird in den Sinn kommen, was an zigtausenden Kindern, Jugendlichen und Schutzbefohlenen durch kriminielle Verbrechen sexualisierter Gewalt in der Vergangenheit durch kirchliche Amtsträger an Leid geschehen ist?!
Auch wenn ich als Theologe weiß, dass es bei diesem Beispiel Jesu um was ganz anderes geht, kamen mir an dieser Textstelle die unzähligen Nachrichten von sexualisierter Gewalt und deren Vertuschung in den Sinn.
Symbolbild, Quelle: www.pixabay.com
Dabei war es früher einmal ganz anders. Als Kind und Jugendlicher – als ich noch nichts wusste von diesen abscheulichen Verbrechen – war diese Textstelle der Inbegriff einer herzlichen und liebevollen Begegnung zwischen dem Kind und Jesus. Hier ging es um Ansehen, Respekt und Würde auch eines noch so kleinen Wesens, das aus gesellschaftlicher Sicht kaum Beachtung fand.
Auch ohne dem Hintergrund von sexualisierter Gewalt würden wir heute wahrscheinlich etwas skeptischer auf ein solches Verhalten Jesu blicken. Denn heute wissen wir, dass Übergriffigkeit schon sehr schnell geschehen kann. Sie kann schon geschehen, wenn man ein Kind – ohne dass es damit einverstanden ist – „in ihre Mitte“ stellt und es so ungefragt „in seine Arme“ nimmt.
Ja, ich höre sie schon, jene, die mir unterstellen, man dürfe es auch nicht übertreiben!
Ich finde, die Ereignisse und Nachrichten der letzten Jahre – gerade auch aus dem Umfeld der Kirche, aber auch darüber hinaus – können uns gar nicht sensibel genug werden lassen für das Thema „Übergriffigkeit“.
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Von Erwachsenen selber gar nicht so empfunden, können sie für Kinder verstörend sein.
Apropos „Ansehen, Respekt und Würde“: Ich finde mehr und mehr, dass man schon bei Begegnungen mit Kleinkindern und Kindern dem heute eher gerecht wird, wenn ich sensibel darauf achte, welche Signale von Kindern ausgehen, wenn sie anderen Menschen begegnen? Sind sie erfreut und offen, gehen sie vielleicht selber auf Erwachsene zu, oder machen sie hingegen einen verunsicherten oder gar ängstlichen Eindruck? Schauen sie mich musternd und skeptisch an mit versteinerter Miene oder sind sie unbefangen oder gar fröhlich.
Ich jedenfalls würde heute Kinder – so ohne Weiteres – nicht in die Arme nehmen, wie wir es heute von Jesus hören.
Ein Beispiel: Wenn Eltern mit ihren Kindern zur Kommunionempfang kommen aber offensichtlich ist, dass das Kind noch nicht zur Kommunion gegangen ist, dann ist es mittlerweile gute Angewohnheit, diese Kinder an der Hand ihrer Eltern nicht unbeobachtet zu lassen, sondern sie zu segnen. Manche, die die Kommunion austeilen, tun dies selbstverständlich und ohne großes Fragen, machen dem Kind ein Kreuzzeichen auf die Stirn und … fertig!
Ob das Kind es gewollt hat?! Sicher ist man sich da nur, wenn man eindeutige Signale von es bekommen hat, dass es das auch möchte.
Seit Jahren habe ich es deshalb bei mir zur Regel gemacht, selber in diesem Augenblick in die Knie und auf Augenhöhe mit dem Kind zu gehen (sofern das noch mein rechtes Kniegelenk einigermaßen geschickt zulässt) und das Kind zu fragen, ob ich es segnen darf. Zumeist verbinde ich damit auch dann die Frage, ob es mir seinen Namen sagen würde? Nennt es mir dann seinen Namen, lege ich dem Kind eine Hand auf und spreche – unter Namensnennung – einen Segen.
Symbolbild, Quelle: www.pixabay.com
Ich habe für mich gefunden, dass das ein respektvoller Umgang mit dem Kind ist. Was denken Sie darüber?
Kommen wir aber zur Schriftstelle dieses Sonntags zurück:
Jesus will ein Beispiel setzen, dass er sich mit den Kleinen und Geringgeachteten solidarisiert. Er will deutlich machen, wer Menschen aufnimmt, die wenig geschätzt und geachtet werden, der nimmt IHN gleichsam selber auf.
Eine Heiligenlegende eines Volksheiligen, des hl. Martin von Tours, der seinen Mantel mit einem Bettler teilt, weil dieser sonst zu erfrierend droht, ist ein gutes Beispiel für die Übersetzung des heutigen Evangeliums in unseren Alltag.
Doch leider können wir – unter dem Zeichen der Verbrechen sexualisierter Gewalt in den Kirchen – und auch anderswo – so unbefangen auch diese Textstelle nicht mehr lesen, ohne uns darüber Rechenschaft ablegen zu müssen, wie wir die Würde jener zum Recht verhelfen, die klein, hilfsbedürftig, entrechtet werden, um an und mit ihnen ein Beispiel zu geben, wie wir ihnen das Ansehen verschaffen, dass ihnen von Gott gegeben ist und sie in SEINEN Augen groß sein lässt.
Ich finde, wenn uns diese Textstelle des heutigen Sonntags hilft, sensibler mit den Themen „Übergriffigkeit“, „Respekt“, „Missbrauch“ und „sexualisierter Gewalt“ umzugehen, dann kann ich gut damit leben, wenn es auch nicht das zentrale Thema dieser Textstelle ist.
Aber angesichts der Schwere dieser Verbrechen gegen Kinder, Jugendliche und Schutzbefohlenen darf uns kein Text aus dem Evangelium dafür zu schade sein, diesen Text auch unter diesem Vorzeichen zu lesen, zu interpretieren und zu verstehen!
Liebe wirkt …
… befreiend
Sprüche 10,12: „…Liebe deckt alle Vergehen zu“
Die beiden heutigen Tagesheiligen – Kornelius und Cyprian – verbindet eine Angelegenheit: während ihres Lebens ging es um die Frage, wie mit Christ:innen umzugehen sei, die – meist unter Drohung – den heidnischen Göttern geopfert hatten. Könne man diesen Schwestern und Brüdern vergeben und sie wieder in die volle Gemeinschaft der Gläubigen aufnehmen?
Im heutigen Tagesevangelium (Lukas 7, 36-50) – das wohl ‚passend‘ zu diesen Tagesheiligen ausgesucht worden ist -, finden wir im Handeln Jesu eine Antwort => Wem viel Schuld vergeben wurde, kann viel lieben!
Ich stelle mir aber zugleich die Frage, ob diese ‚Wahrheit‘ auch in umgekehrter Richtung gilt: Wer viel liebt, dem wird viel vergeben?
Im Buch der Sprüche finden wir den Vers, den ich oben über den Beitrag gesetzt habe: „(Die) Liebe deckt alle Vergehen zu.“
Offenbar gibt eine wechselseitige Beziehung zwischen Liebe und Vergebung.
Quelle: www.pixabay.com
Vor einige Tagen ’sah‘ ich einen Teil einer ‚Soap‘. Dort wurde erzählt, dass eine Ehefrau ihren Ehemann ‚betrogen‘ hatte, ausgerechnet auch noch mit ‚dem besten Freund‘ ihres eigenen Mannes. Der Ehemann setzt deshalb alles dran, die Scheidung der Ehe voran zu treiben. Im Verlauf der Folge wird angedeutet, dass es zwischen dem beiden Ehepartnern aber nicht mehr so richtig gut lief; die gegenseitigen Bedürfnisse gerieten wechselseitig aus dem Blick.
Quelle: www.pixabay.com
An dieser Stelle kam mir der Gedanke: die Ehe hätte vielleicht noch eine gute Chance gehabt, wenn beide offen über diesen Zwischenfall gesprochen und vielleicht auch heraus gefunden hätten, dass das eine ‚Dummheit‘ gewesen ist, die auch aus einer menschlichen Schwäche heraus entstanden ist. Dabei spielt es keine Rolle ob und wer die Schuld hat.
Vielleicht hätte es gereicht, dass beide eingesehen hätten, dass niemand ohne Fehler und ohne Schwächen ist; dass ein einmal gegebenes Versprechen auch so unter Druck geraten kann, dass es – zumindest kurzzeitig – nicht gehalten werden kann.
Mit dem Auge der Liebe hätten beide erkennen können, dass sie auch nur Menschen mit Fehlern und Schwächen sind. Mit den Augen der Liebe hätten beide erkennen können, was sie sich noch immer beide für einander bedeuten (was auch zum Ende der Folge deutlich wird).
„Die Liebe deckt alle Vergehen zu“ – das meint für mich mehr als nur stickum ‚den Mantel des Schweigens‘ darüber zu legen. Das meint, einen Konflikt, eine fehlerhafte Situation gemeinsam aus der Liebe heraus anzuschauen, darüber zu sprechen und sich bewusst zu werden, wie sehr wir gegenseitig auf Vergebung und Liebe angewiesen sind.
„Liebe deckt alle Vergehen zu“ meint dann, eine Kraft, eine Macht in einem Konflikt zu besitzen, die über meine eigene Befindlich- und Verletzbarkeit hinaus reicht und die trotz einer persönlichen Verletzung verzeihen kann.
Quelle: www.pixabay.com
Mich bewegen immer wieder Begegnungen mit Paaren, die schon Jahrzehnte miteinander verbunden sind; darunter manche, die fünfzig oder sechzig Jahre oder noch mehr miteinander verheiratet sind.
Ich glaube, ich brauche kein Hellseher zu sein, wenn ich behaupte, dass es auch in diesen Beziehungen Augenblicke des Streits, der Konflikte und der gegenseitigen Enttäuschung oder vielleicht sogar Verletzungen gegeben hat. Ich glaube, ich brauche kein Hellseher zu sein, um erahnen zu können, dass viele dieser Herausforderungen in der Beziehung nur dann ‚gelöst‘ werden konnten, weil das Paar gegenseitig bereit war, sich von Fehlern gegenseitig los-zu-sprechen und Schuld zu ver-geben.
Ein Blick in unseren Alltag stellt uns sicherlich viele Gelegenheiten vor Augen, wo wir erkennen können:
„Wem viel Schuld vergeben wurde, kann viel lieben!“ aber auch: „Wer viel liebt, kann viel Schuld vergeben!“