Österl. Bußzeit und Ramadan


erstellt mit KI (copilot)

Christliche Fastenzeit und Ramadan

Es gibt Jahre, in denen der Kalender uns kleine Geschenke macht. Dieses Jahr gehört dazu: Christinnen und Christen beginnen heute mit dem Aschermittwoch ihre Fastenzeit – und gleichzeitig treten Musliminnen und Muslime in den heiligen Monat Ramadan ein. Zwei Traditionen, zwei Wege, zwei Rhythmen. Und doch: ein gemeinsamer Herzschlag.

Unterschiedliche Formen – ein gemeinsamer Geist

Die christliche Fastenzeit umfasst vierzig Tage, wobei die Sonntage ausgespart bleiben. Sie sind kleine Ostertage, Tage der Freude, an denen das Fasten bewusst unterbrochen wird. Der Ramadan hingegen dauert einen Mondmonat und kennt das tägliche Fastenbrechen nach Sonnenuntergang.

Doch jenseits dieser äußeren Unterschiede verbindet beide Traditionen etwas Tiefes:
Fasten ist nie nur Verzicht. Fasten ist ein Weg der Hinwendung – zu Gott, zu den Menschen, zu sich selbst. Werke der Barmherzigkeit, Nächstenliebe, innere Erneuerung: All das gehört untrennbar dazu.

Fasten ohne finsteres Gesicht

Wir Christinnen und Christen haben uns manchmal schwergetan mit dieser Freude. Zu oft stand das äußere Fasten im Vordergrund, manchmal mit einem Hauch von moralischem Ernst, der eher belastet als befreit. Dabei sagt Jesus selbst ganz klar, worauf es ankommt:

„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht … salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht.“

Fasten soll nicht zur Selbstdarstellung werden. Es soll nicht beschweren, sondern befreien. Es soll uns nicht enger machen, sondern weiter.

Benedikt: Fasten in der Freude des Heiligen Geistes

Der heilige Benedikt hat das wunderbar auf den Punkt gebracht. In seiner Regel lädt er dazu ein, in der Fastenzeit „in aller Lauterkeit auf unser Leben zu achten“ und Gott „in der Freude des Heiligen Geistes“ etwas darzubringen.
Nicht die Strenge steht im Mittelpunkt, sondern die geistliche Sehnsucht. Nicht der Verzicht, sondern die Beziehung. Nicht die Askese, sondern die Freude.

Beten, Lesen der Schrift, innere Sammlung – all das bekommt Vorrang vor dem rein körperlichen Fasten. Und genau darin liegt die Schönheit dieser Zeit.

Wenn die Natur aufblüht – und wir mit ihr

Die Fastenzeit fällt in jene Wochen, in denen die Natur langsam wieder erwacht. Knospen brechen auf, Licht kehrt zurück, Farben melden sich zurück. Warum nicht dieses äußere Aufblühen als Bild für unser Inneres nehmen?

Fasten kann ein Raum sein, in dem wir neu aufblühen:
in unserer Beziehung zu Gott,
in unserer Aufmerksamkeit für andere,
in unserer Dankbarkeit für das Leben.

Ein gemeinsamer Wunsch

Ich wünsche allen Menschen christlichen und muslimischen Glaubens eine gesegnete Fastenzeit und einen gesegneten Ramadan.
Mögen diese Wochen uns näher zu Gott führen – zu dem Gott Abrahams, der uns alle trägt.
Mögen sie uns inspirieren zu guten Taten, zu Frieden, zu Verständnis und zu einem liebevollen Umgang mit der ganzen Schöpfung.

Fastenzeit und Ramadan: zwei Wege, die uns einladen, leichter zu werden, freier zu werden, tiefer zu leben.
Vielleicht ist das das schönste Geschenk dieser besonderen Zeit.




„Warum?!“

Lesungstext: Jesus Sirach 15, 16-21

Es ist eine der großen offenen Fragen der Menschheit.
Die Frage nach dem Leid.
Die Frage: „Warum?!“

Bild von Tumisu auf Pixabay

Wenn Menschen – direkt oder indirekt – Leid erfahren, dann schreien sie diese Frage manchmal förmlich heraus: Warum?!

Diese Frage enthält eigentlich zwei Fragen:
Erstens: Woher kommt das Leid?
Und zweitens: Welchen Sinn hat das Leid?

Die zweite Frage ist wohl die schwierigere.
Sie ist so komplex, dass sie den Rahmen einer Predigt sprengen würde.

Darum wage ich mich heute nur vorsichtig an die erste Frage heran: nach dem Ursprung des Leids.
Nicht mit fertigen Antworten, sondern mit Gedankenanstößen.

Solche Gedanken können helfen, eigenes Leid besser einzuordnen, es vielleicht eher anzunehmen – oder zumindest zu erkennen, was wir dem Leid entgegensetzen können.

Ein erster Grund des Leidens liegt in unserer Geschöpflichkeit, also darin, dass wir vergänglich sind.
Alles, was geschaffen ist, ist dem Werden und Vergehen unterworfen.
Das können wir überall beobachten. Leben ohne Leid gibt es nicht.

Schon am Anfang des Lebens steht Schmerz: bei der Geburt.
Neues Leben entsteht – ganz natürlich – nicht ohne Schmerzen.

Und auch jetzt, wo der Frühling langsam vor der Tür steht, sehen wir es wieder: Was im Herbst und Winter abgestorben ist, beginnt neu zu wachsen.
Ohne Sterben kein neues Leben.

Doch genau in dieser Vergänglichkeit liegt auch ein Grund des Leidens der ganzen Schöpfung.
Darum sehnt sich unser Glaube nach Vollendung: nach einer Wirklichkeit, in der es kein Werden und Vergehen mehr gibt, sondern nur noch die Ewigkeit, dieses große „Jetzt“, in dem das Leid aufgehoben sein wird.

Ein zweiter, ganz entscheidender Grund des Leidens begegnet uns in der heutigen Lesung – und er betrifft etwas, das ganz wesentlich zum Menschsein gehört: die Freiheit.

Menschliche Freiheit gibt es nicht ohne Risiko.
Wo Menschen frei handeln können, da besteht immer auch die Möglichkeit von Leid und Not.
Überall dort, wo wir menschengemachtes Leid sehen, hat es seinen Ursprung in dieser Freiheit.

Und diese Freiheit ist ein Geschenk Gottes.

Wenn wir also angesichts von Leid, das Menschen verursachen, Gott fragen: „Warum lässt du das zu?“, dann sollten wir bedenken:
Wir klagen damit auch über das Geschenk der Freiheit selbst.

Freiheit ist nicht zu haben ohne die Möglichkeit, sie missbräuchlich zu nutzen.

Darum kann es hilfreich sein, bei erfahrenem Leid zuerst zu fragen:
• Welchen Anteil hat der Mensch daran?
• Und hätte es eine Möglichkeit gegeben, anders zu handeln?

Wo das der Fall ist, stehen wir vor dem Problem – oder besser: vor dem Wagnis – der Freiheit.

Der Preis der Freiheit ist hoch.
Sie ist nicht zum Nulltarif zu haben.
Das zu erkennen, kann uns auch wachsam machen, wenn Freiheit bedroht oder eingeschränkt wird – sei es offen oder schleichend.

Freiheit hat das Potential, zerstörerisch zu sein.
Sie kann Ursache von Leid und Tod werden.
Aber sie schenkt uns zugleich die Möglichkeit, für das Gute einzustehen.

Sie gibt dem Guten überhaupt erst eine Chance.

Darum ist die menschliche Freiheit für den einen Fluch, für den anderen Segen.
In jedem Fall aber eröffnet sie uns allen die Möglichkeit, immer wieder neu nach dem Guten zu streben und der Liebe zum Durchbruch zu verhelfen.

Das bringt die heutige Lesung sehr ermutigend auf den Punkt:

„Wenn du willst, wirst du die Gebote bewahren.
Er hat dir Feuer und Wasser vorgelegt –
wonach du greifst, das wird dir gehören.
Vor den Menschen liegen Leben und Tod.
(…) Keinem befahl Gott, gottlos zu sein,
und keinem erlaubte er zu sündigen.“

Auch das gehört zur Erzählung von der Erbsünde: Erst durch die Freiheit des Menschen war es möglich, dass Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis aßen.
Mit dieser Erkenntnis erhielt der Mensch die Fähigkeit, Gut und Böse zu unterscheiden – und damit auch das Werkzeug für Leid und Not oder für Heil und Segen in die Hand.

Die Frage bleibt also offen – und sie richtet sich an uns selbst:

Wonach wollen wir in unserem Leben greifen,
damit Leid und Not in dieser Welt zumindest weniger werden?




all.eins.sein

Manche Menschen
essen allein.
Sie wohnen allein,
gehen ihre Wege allein,
entdecken die Welt mit ihren eigenen Augen
und wachsen still, Schritt für Schritt,
in der Gesellschaft ihrer selbst.

Alleinsein ist kein Mangel.
Es ist kein leiser Ruf nach fehlender Nähe.
Oft ist es vielmehr ein Raum,
weit und offen,
in dem ein Mensch sich selbst begegnet.

Allein zu sein heißt:
bei sich anzukommen,
die eigene Stimme zu hören,
das eigene Tempo zu finden.

Nicht jeder, der allein ist, ist einsam.
Aber fast jeder, der allein ist,
hat die Chance,
sich selbst nicht zu verlieren.

(Gerd A. Wittka, 07.02.2026)




christlich.leben.mittendrin – 2

Impuls zum 5. Sonntag – A – 2026

Christlich leben – mittendrin.

Dieses Leitwort begleitet die Veränderungen in unserer Kirche hier in Oberhausen und im ganzen Bistum Essen.
Es ist ein schönes Wort. Und zugleich ein anspruchsvolles.

Denn „mittendrin“ heißt: nicht am Rand stehen.
Nicht zuschauen.
Sondern leben – in einer Welt, die sich spürbar verändert.

Vieles, was früher selbstverständlich war, trägt nicht mehr.
Sicherheiten bröckeln.
Routinen lösen sich auf.
Das gilt für die große Weltpolitik ebenso wie für das Leben vor Ort – hier bei uns im Pott.
Alles ist in Bewegung.
Und wir sind es auch.

Alles Leben ist Veränderung.
Und wir stehen nicht außerhalb davon.
Wir stehen mittendrin.

Da stellt sich ganz automatisch eine Frage:
Was ist meine Berufung – heute?

Paulus hat uns am letzten Sonntag eingeladen, auf unsere Berufung zu schauen.
Nicht im Sinne eines einmaligen Moments, der irgendwann abgeschlossen wäre.
Sondern als etwas Lebendiges.
Als etwas, das sich mit unserem Leben mitentwickelt.

Ich merke das sehr deutlich in meinem eigenen priesterlichen Dienst.
Als ich mich Ende der 1980er Jahre entschied, Theologie zu studieren und Priester zu werden, hatte ich ein Bild vor Augen.
Ein Bild davon, wie meine Berufung aussehen könnte.
Wie Kirche für mich war und wie ich mir meinen Dienst in ihr vorgestellt habe.
Heute, viele Jahre später, schaue ich auf mein damaliges Bild zurück, mit der Erkenntnis, dass Berufung wachsen darf und sich mit dem Leben verändert.

Heute weiß ich:
Berufung erschöpft sich nicht in einer Entscheidung von damals.
Ich musste und muss immer wieder neu hinschauen.
Immer wieder neu fragen:
Was hat Gott jetzt mit mir vor?
In dieser Zeit.
Mit diesen Erfahrungen.
Mit diesen Grenzen.


[Heute, am 10.02.2026, möchte ich noch eine Ergänzung hinzufügen:
Mir sind heute noch mal wieder Menschen in Erinnerung gekommen, die eine frühere Entscheidung zu einer bestimmten Form der Berufung im kirchlichen Dienst revidiert haben.
Manchmal denke ich auch bei mir: es hätte so viele Stellen gegeben in meiner Biographie, wo meine frühere Berufungsentscheidung angefragt wurde, wo ich selber mich gefragt habe:
‚Kannst du noch bleiben? – Ist das System Kirche wirklich dein Ort, wo du deinen Dienst glaubwürdig verrichten kannst?‘ –
Das meine ich damit, wenn ich oben geschrieben habe, dass ich immer wieder neu „Ja“ sagen können muss, auch wenn es manche Gründe dagegen gibt.
Und ich kann es immer nur wiederholen, was mir hilft, zu dieser gewählten Entscheidung auch heute noch ‚Ja‘ sagen zu können:
Es ist der HERR und meine tiefste Überzeugung, dass ER mich ruft.
Und so, wie damals die Berufung seiner Jünger nicht an einem Ort stattgefunden hat, an dem die Jünger verweilt haben, gleichsam eine ’stabilitas loci‘ aufgebaut haben, sondern mit dem Herrn mit gezogen sind, unterwegs waren und später auch allein oder zu zweit unterwegs waren, so ist auch mein Weg der Berufung und Nachfolge geprägt von dem ständigen Unterwegssein.
Ich spüre für mich: ich kann nicht Berufen sein, ohne zugleich auch immer wieder unterwegs zu sein.
Dazu gehört, mich ständig an neuen Orten oder in neuen Umständen meines Dienstes zu sehen und auch den Mut und die Bereitschaft zu haben, mich darauf einzulassen – auch wenn es oft Kraft und Nerven kostet.
Doch: ER ist es mir wert!]


Paulus bringt es in der heutigen Lesung auf den Punkt.
In aller Klarheit.
Fast schon ernüchternd einfach.
„Ich hatte mich entschlossen, nichts zu wissen außer Jesus Christus – und zwar den Gekreuzigten.“

Das ist der Kern jeder Berufung:
Jesus Christus immer im Blick.
Verwundbar.
Hingebend.
Ganz auf den Menschen hin.

Das Evangelium greift diesen Gedanken auf und führt ihn weiter.
„Ihr seid das Salz der Erde.“
„Ihr seid das Licht der Welt.“

Oder mit Angelus Silesius:
„Mensch, werde wesentlich.“

„Wesentlich“ hat im Deutschen zwei Bedeutungsebenen
Zum einen meint es das, was zum Wesen einer Sache gehört.
Das Unverzichtbare.
Das, ohne das alles andere seinen Sinn verliert.

Zum anderen ist es eine Steigerung:
Etwas ist „wesentlich“ spürbarer, wirksamer, bedeutsamer.

Beides passt gut zu diesem Evangelium.

Eine Kerze zum Beispiel.
Sie kann wunderschön sein.
Kunstvoll gestaltet.
Aber sie erfüllt ihren Sinn erst, wenn sie angezündet wird.
Wenn sie Licht gibt.
Wenn sie sich ein Stück weit verzehrt.
Bleibt sie nicht entzündet, bleibt sie un-wesentlich.

Oder denken wir an Salz.
Niemand isst es pur.
Es drängt sich nicht in den Vordergrund.
Aber fehlt es, merkt man es sofort.
Es macht den Unterschied – behutsam dosiert.

Dazu ein paar ganz konkrete Beispiel aus unserem möglichen Alltag:

Christen sind wesentlich,
wenn sie im Krankenhaus, im Pflegeheim oder zu Hause
Zeit schenken, wo Zeit knapp ist.
Nicht nur medizinisch korrekt.
Sondern menschlich, herzlich, aufmerksam.
Ein Blick.
Ein Name.
Ein: „Ich bin später noch einmal bei Ihnen.“

Christinnen und Christen sind wesentlich,
wenn sie im Verein, in der Schule oder im Stadtteil
nicht fragen: Was habe ich davon?
Sondern: Was wird hier gerade gebraucht?
Wenn jemand Verantwortung übernimmt,
obwohl es mühsam ist
und niemand dafür applaudiert.

Christen sind wesentlich,
wenn sie bei all den großen Krisen unserer Zeit
– Krieg, Klimawandel, soziale Spaltung –
nicht abstumpfen.
Wenn sie spenden, teilen, verzichten.
Nicht aus schlechtem Gewissen.
Sondern aus Überzeugung.

Und Christen sind wesentlich,
wenn sie in ihrer eigenen Verletzlichkeit ehrlich bleiben.
Wenn sie nicht so tun, als hätten sie alles im Griff.
Sondern sagen können:
Ich weiß es gerade auch nicht. Aber im Vertrauen auf Gott, mache ich weiter.

Das ist Salz.
Das ist Licht.
Das ist wesentliches Leben.

Christlich leben heißt nicht, alles im Griff zu haben.
Sondern sich immer wieder neu senden zu lassen.
Mitten in eine Welt im Wandel.
Mitten ins eigene Leben.

christlich.leben.mittendrin




christlich.leben.mittendrin

„Seht auf eure Berufung, Geschwister!“ (1 Kor 1,26)

Bild von Tyli Jura auf Pixabay

Mit diesem Satz trifft Paulus einen Nerv – damals wie heute.
Er erinnert uns daran, worum es im Kern unseres Christ*in-Seins geht: um Berufung.

Nicht um Zuständigkeiten, nicht um Rollen, nicht um Titel.
Und schon gar nicht um die Unterscheidung zwischen „denen da vorne“ und „denen da hinten“, zwischen Haupt- und Ehrenamt, zwischen Klerus und Laien.

Paulus kennt diese Trennlinien nicht. Er kennt nur eines: Jede und jeder ist berufen.

Diese Berufung ist uns mit der Entscheidung für den Glauben anvertraut worden – in Taufe und Firmung.
Und genau deshalb darf sie in all unseren Beratungen über die Zukunft von Kirche und Pfarreien nicht nachgeordnet sein. Sie ist der Ausgangspunkt.
Nicht die Struktur, nicht die Finanzierung, nicht die Frage nach Gebäuden.
All das ist wichtig – aber es ist Mittel, nicht Ziel. Mittel, um unserer Berufung gerecht zu werden.
Nicht mehr und nicht weniger.

Darum braucht es in jeder Beratung, in jedem Strategiepapier, in jedem Reformprozess zuerst und immer wieder diese eine Frage:
Wozu sind wir berufen – als Einzelne und als Pfarrei?

Paulus geht noch einen Schritt weiter.

Er traut die Antwort auf diese Frage nicht allein den „Fachleuten“ zu.
Nicht nur denen, die rechnen können, verwalten, analysieren, theologisch argumentieren.
Er setzt bewusst einen Kontrapunkt und schreibt provozierend:
„Das Törichte in der Welt hat Gott erwählt … das Schwache … das Niedrige … das Verachtete.“

Warum diese Radikalität?
Weil genau diese Menschen oft näher dran sind am Wesentlichen.
Sie wissen, was es heißt, angewiesen zu sein – auf andere, auf Solidarität, auf Hoffnung.
Sie wissen, was ein gutes Leben wirklich braucht: nicht nur materiell, sondern menschlich, sozial, geistlich.
Und sie wissen – oft wortlos –, was der Mensch von Gott her braucht.

Wer das weiß, kann sich hineinversetzen in die Sehnsüchte anderer.
Und wer die Sehnsüchte anderer versteht, entdeckt leichter die eigene Berufung:
nämlich dazu beizutragen, dass Menschen leben können – anständig, erfüllt, menschenwürdig.
Sozial und caritativ.
Religiös und spirituell.
Mit Hoffnung, mit Sinn, mit Würde.

Wenn wir also ernsthaft an einer Kirche der Zukunft bauen wollen, dann sollten wir den Mut haben, unsere Perspektive zu wechseln.
Die Sichtweise der vermeintlich „Törichten“, „Schwachen“ und „Niedrigen“ nicht nur anzuhören, sondern zu unserer eigenen zu machen.

Denn erst von dort aus wird klar, wofür wir Strukturen brauchen, warum wir Immobilien erhalten oder aufgeben und wohin unsere finanziellen Mittel fließen sollen.

Nicht um Kirche zu verwalten –
sondern um unserer Berufung treu zu bleiben:
christlich.leben.mittendrin.




worte.heilen.bedeutsam

Dieser Impuls ist für den 4. Sonntag im Jahreskreis im Lesejahr A, den wir am 31.01./01.02.2026 begehen.
Wir hören im Evangelium die Bergpredigt und nach dem Gottesdienst wird – im Vorgriff auf den 03.02., dem Gedenktag des hl. Blasius – der Blasius-Segen gespendet.

Der nachfolgende Impuls versucht eine Verbindung der Bedeutung aus der Bergpredigt zu dem Blasius-Segen zu schaffen.


„How many roads must a man walk down …?“
Viele kennen dieses Lied von Bob Dylan, „Blowing in the Wind“.
In einer deutschen Übertragung heißt es an einer Stelle:
„Wie viele Worte macht heut mancher Mann
und lindert damit keine Not?“

Bild von Thomas G. auf Pixabay

Diese Zeile hat nichts von ihrer Aktualität verloren – vielleicht ist sie heute sogar noch treffender als damals.
Auch heute wird viel geredet. Sehr viel.
Aber oft wird dabei erstaunlich wenig gesagt.

Und das sage ich nicht ohne eine gewisse Selbstkritik.
Auch ich selbst merke, wie schnell ich mich im Reden verliere,
wie Worte produziert werden, ohne wirklich etwas zu verändern.

Vieles bleibt folgenlos.
Und genau damit sind wir wieder bei diesem Lied.

Ganz anders die Worte, die wir heute in der Bergpredigt hören.
Sie sind von einem anderen Kaliber.
Keine langen Erklärungen, keine ausschweifenden Reden –
sondern kurze, klare, zugespitzte Sätze.

Es sind relevante Worte.
Worte, die vielleicht nicht sofort äußere Umstände verändern,
aber die innere Haltung,
die Sicht auf das eigene Leben,
die Art, wie ich mit dem umgehe, was mir zugemutet ist.

Die Worte der Bergpredigt tun gut.
Sie können stärken, geduldig machen, helfen auszuhalten.
Sie lehren, nicht vor der Wirklichkeit des eigenen Lebens zu fliehen –
weder in eine Traumwelt noch in eine virtuelle Scheinwelt.
Sie machen widerstandsfähiger, weil sie Hoffnung zusprechen.

Darum sind diese Worte für mich relevant:
weil sie Worte der Hoffnung sind,
Worte einer heilsamen Zusage.

Eine solche heilsame Zusage begegnet uns heute auch im Blasius-Segen,
den Sie am Ende des Gottesdienstes empfangen können.
Er steht nicht in Konkurrenz zur medizinischen Heilkunde –
sondern ergänzt sie.
Er legt uns die Verheißung auf den Kopf:
Du bist nicht allein.
Dein Leben wird gesegnet sein, weil GOTT es so will!

Vielleicht ist das die Einladung dieses Sonntags an uns:
den wirklich relevanten Worten mehr Raum zu geben
als dem belanglosen Geschwafel.
Worten, die tragen.
Worten, die heilen.
Worten, die Leben verändern –
mitunter leise, aber nachhaltig.

Berg der Seligpreisungen – Bild von dozemode auf Pixabay