Papst Franziskus – inspiriert!

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Ich habe am vergangenen Samstag im Gottesdienst angekündigt, zu erzählen, was mich für meinen Dienst am Pontifikat von Papst Franziskus inspiriert hat.


1. Abschaffung überflüssiger Ehrentitel

Im Jahr 2014 hat Franziskus entschieden, die Ehrentitel „Apostolischer Protonotar“ und „Ehrenprälat“ nicht mehr zu vergeben. Auch der Monsignore-Titel wird heute nur noch ganz zurückhaltend an verdiente Priester ab 65 Jahren verliehen.
Diese Entscheidung ist auch uns Einladung, jene Haltung Jesu zu leben, der Seine Jünger ermahnte: „Ihr sollt nicht Rabbi genannt werden, denn einer ist euer Meister“ (Mt 23,8).
In meiner Seelsorge ermutigt mich das, Menschen nicht über Titel zu definieren, sondern der Mensch bekommt seine ganze und einzigartige Würde allein aus dem Umstand, dass er Mensch ist.
So verstanden bin ich auch einfach ‚Bruder‘ unter den Geschwistern unserer Kirche.

2. Kritik am Klerikalismus

Franziskus spricht offen an, dass Kleriker sich nicht abheben dürfen. Er verwendet das Bild des „Stallgeruchs“, den auch Kleriker anzunehmen bereit sein müssen, um uns daran zu erinnern, uns dort aufzuhalten, wo Leben geschieht: in den Familien, auf den Straßen, in den Sorgen und Freuden der Menschen.
Ich erlebe immer wieder, wie wertvoll es ist, im Krankenhaus, bei Hausbesuchen oder im Gespräch einfach präsent zu sein, ohne jeden klerikal-geistlichen Firlefanz, denn wir alle sind ‚Geschwister‘!
Klerikalismus gibt es aber nicht nur bei Klerikern, sondern bei allen Gläubigen, die manchmal die Kleriker ‚in den Himmel heben‘.
Formulierungen wie „Hochwürden“ sind für mich ein Beispiel dafür.

3. Öffnung des innerkirchlichen Diskurses

Selten wurde es in der Kirchengeschichte so offen geduldet, verschlossene Türen aufzutreten und auch schwierige Fragen der Kirche und in der Kirche zur Sprache zu bringen. Diese Einladung zu ehrlichem Austausch hat für mich immer wieder neue Horizonte geöffnet, denn dort, wo wir miteinander ringen, wird Gottes Geist kreativ.

4. Aufwertung der Frau in der Kirche

a) Maria Magdalena, die erste Zeugin der Auferstehung, wird von Franziskus als „Apostelin der Apostel“ gefeiert. Ihr Gedenktag ist nun ein Fest, und in der Präfation heißt es: „Du hast sie zur Verkünderin gemacht, die alle Menschen zur Begegnung mit Dir führt.“ Das gibt uns zu denken: Wer in unserer Gemeinde übernimmt eigentlich den Platz der Verkünderin und Verkündiger – und erkennen wir ihre Sendung an?

b) Erstmals leitet eine Frau ein Dikasterium im Vatikan. Für mich zeigt das: Gottes Ruf geht nicht nach Geschlecht, sondern nach Liebe und Kompetenz. In unserer Gemeinde und Gemeinschaft ermutige ich Frauen, Verantwortung zu übernehmen – sei es im Dienst als Lektorin, Kommunionhelferin, Gottesdienstleiterin oder im Leitungsteam von gemeindlichen Gemeinschaften.
Sie erinnern sich daran, dass ich mich z.B. auch dafür stark gemacht habe, dass bei der Lesung der Passion, eine Frau den Part Jesu übernommen hat, so selbstverständlich, wie ein Mann den Part der Frauen in der Passion übernommen hat, wo es um die Verleugnung des Petrus geht.

5. Erneute Schritte bei der Aufarbeitung von Missbrauch

2015 richtete Papst Franziskus Gericht ein, das Bischöfe bei Miss­brauchs­vertuschung bestraft; 2016 weitete er dies auf alle Pflichtverletzungen mit Amtsverlust aus. Diese entschiedene Haltung erinnert mich daran, stets aufmerksam und sensibel zu bleiben, Betroffene mutig zu begleiten und jede Form von sexuellem oder geistlichem Missbrauch — auch bei bestehendem Priester- und Personalmangel — klar und ohne Relativierung zu verurteilen.

6. Zulassung zur Beichte und Kommunion für wiederverheiratet Geschiedene

Mit seinem päpstlichen Schreiben ‚Amoris laetitia‘ öffnete der Papst 2017 die Tür für eine Einzelfallentscheidung: im pastoralen Begleitgespräch wird in den Blick genommen und gewürdigt, ob Gewissen und Lebenssituation die Zulassung möglich machen.
Das geschieht nicht pauschal, sondern in liebevoller Einzelfallbegleitung. In meiner Seelsorge habe ich schon einige Gespräche geführt, in denen Menschen durch diesen Weg neu die Nähe Jesu erfahren durften.

7. Segnung von Lebensgemeinschaften

In einer Erklärung des Glaubens-Dikasteriums, die Franziskus ausdrücklich befürwortet hat, ist die Segnung unverheirateter und gleichgeschlechtlicher Paare erlaubt. Dabei betonte er: Es geht nicht um ein Sakrament und nicht um Ersatz für die Ehe, sondern um das Anerkennen einer auf Liebe und Verantwortung gegründeten Lebensform.

Ich mache mich persönlich seit vielen Jahren für diese Segnung stark und habe erlebt, wie diese Segnungen Menschen tief bewegen und sie neu von dieser göttlichen Zusage erfüllt und gestärkt werden, auf ihrem Weg.

8. Stärkung der Laien im kirchlichen Engagement

In Deutschland werden heute schon Laien an der Leitung einer Pfarrei beteiligt, und in unserem Bistum probieren wir verschiedene Leitungs-Modelle im Team aus. Diese Entwicklung spiegelt das biblische Bild wider, dass jeder Getaufte eine Sendung besitzt, mit priesterlicher Würde:

Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“ (vgl. 1 Pt 2,9).

Ich nenne unsere Helferinnen und Helfer bewusst „ehrenamtliche Mitarbeitende“, weil sie mit persönlichen und teils beruflichen Fachwissen und Herzblut die Kirche mitgestalten – nicht nebenbei, sondern als lebendiger Teil des Leibes Christi.
Ihr Engagement müssen wir deshalb mehr wertschätzen und unterstützen.

9. Sorge um Ausgegrenzte und die Bewahrung der Schöpfung

Franziskus ruft uns auf: „Die Armen warten nicht!“.
Er fordert uns auf, den Blick zu weiten: für Flüchtlinge, für Menschen in wirtschaftlicher Not, für Opfer politischer Gewalt – und gleichzeitig für die bedrohte Schöpfung.

Zugleich ermutigt er uns, die sozial-karitative Dimension unseres Glaubens stärker in Staat und Gesellschaft einzufordern, damit wir als Gesellschaft solidarischer sind mit jenen, die unsere tatkräftige Hilfe brauchen.

Schon in der früheren Pfarrei „St. Hippolytus“ habe ich mich an einem Ökologie-Projekt „Der grüne Hahn“ beteiligt, das die ökologische Verantwortung unseres Christseins stärker in den Blick nimmt.
Und die seine Ermutigung um die Sorge der Zukunft und Bewahrung der Schöpfung treibt mich auch heute weiter an.

10. Bekenntnis zur Demokratie

Obwohl die Kirche selbst keine Demokratie im inneren Aufbau hat, bekennt sich Franziskus klar zu zivilen demokratischen Werten. Im Sommer 2024 schrieb er: „Demokratie lebt vom Konsens und bekundet die Würde jedes Einzelnen im Miteinander.“ Das ermutigt mich, mich auch persönlich und in politischen Gesprächen für Demokratie, Freiheit, Gleichberechtigung, unsere freiheitliche-demokratische Grundordnung und gegen Diskriminierung, Ausländerhass, Vorurteile und Stigmatisierung von Menschen einzusetzen.


Ich bin sicher, dass wir erst richtig erkennen werden, was Franziskus uns gegeben hat, wenn sein Amt von seinem Nachfolger ausgefüllt wird.
(Gerd A. Wittka)





3. Sonntag der Osterzeit

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Leere -> Fülle – Versagen -> Heilung

Impuls zu Johannes 21, 1-19

Heute stehen wir am See von Tiberias.
Hier treffen menschliches Bemühen und Gottes Kraft auf besondere Weise zusammen.

Die Jünger sind nach einer langen, anstrengenden Nacht aufs Wasser hinausgefahren.
Sie haben gefischt – und nichts gefangen.
Ihre Netze bleiben leer.
Ihre Hände sind müde, ihre Hoffnungen enttäuscht.

Am Ufer aber steht Jesus.
Er sagt nur: „Werft das Netz auf der rechten Seite aus!“ (Joh 21,6)
Dieses eine Wort ändert alles.
Die Jünger folgen, und plötzlich ziehen sie so viele Fische ins Boot, dass das Netz fast reißt.
Aus Leere wird Fülle, aus Mühe Überfluss.

Ähnlich geht es uns oft: Wir arbeiten hart und sehen keinen Erfolg.
Dann kann ein einziger Hinweis von außen uns eine neue Perspektive geben.
Wir merken, dass wir nicht allein kämpfen.
Das Netz, das wir auswerfen, ist ein Bild dafür, wie wir mit Jesus zusammenarbeiten – auch wenn es uns seltsam vorkommt.

Nach diesem reichen Fang wendet sich Jesus an Simon Petrus.
Er fragt ihn dreimal: „Liebst du mich?“ (Joh 21,15–17)
Dreimal erklingt die Frage – fast wie ein Echo auf Petrus’ dreimaliges Verleugnen.

Doch hier geht es nicht um Schuld, sondern um Heilung und Nähe.

So auch in dem Film „Die zwei Päpste“ aus dem Jahr 2019 mit Anthony Hopkins als Papst Benedikt und Jonathan Pryce als Kardinal Bergoglio, dem späteren Papst Franziskus.
Dort begegnen sich Papst Benedikt XVI. und Kardinal Bergoglio.
In einem eindrücklichen Gespräch sprechen sie über Schuld, Sünde und Vergebung – vor dem Hintergrund des Versagens der Kirche auch im Umgang mit sexuellem Missbrauch.
Besonders bewegend ist Bergoglios Einsicht, dass Sünde mehr ist als ein Fleck, der sich einfach abwischen lässt. Er sagt:

„Sünden sind keine Flecken, die man einfach entfernt, sondern Wunden; sie müssen geheilt werden.“

Diese Worte führen uns mitten in das Herz unseres Glaubens: Wahre Heilung beginnt dort, wo wir Schuld nicht verdrängen, sondern sie ansehen, anerkennen – und heilen lassen.

Dies geschieht heute im Evangelium mit Petrus.


Diese Szene im heutigen Evangelium zeigt uns noch ein anderes:

Nachfolge ist keine einmalige Entscheidung.

Jedes „Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe“ lässt Petrus sein Herz neu entdecken.
In jeder Wiederholung spürt er, wie seine Liebe zu Jesus wächst.
Und immer wieder hört er den Auftrag: „Weide meine Schafe.“

Unser Weg führt immer wieder ans Ufer – zu unseren leeren Netzen: wir sehen keinen Erfolg, in unserem Bemühen der Nachfolge.
Aber jedes Mal, wenn wir auf Jesus hören und unser Netz ein zweites, drittes Mal auswerfen, kann unser Leben neuen Sinn und neue Fülle bekommen.

Auch wir haben Phasen, in denen unsere Netze leer bleiben: in Freundschaften, in Projekten, in unserem Glauben.
Vielleicht erinnert uns dann eine kleine Stimme daran, wie Gott uns schon einmal geholfen hat.
Vielleicht war es ein Wort, das uns neuen Mut gab, oder ein Moment, in dem wir Trost spürten.

Wenn wir ohne großen Plan aber mit offenem Herzen unser Netz erneut auswerfen, merken wir oft: Gehorsam im Glauben ist manchmal schwer, kann aber auch befreiend sein.

Die gute Nachricht durchdringt unser Leben.
Sie füllt unsere leeren Räume und schenkt Überfluss.

So lädt uns die Geschichte am See und das Gespräch zwischen Jesus und Petrus ein, nicht an unserem Scheitern festzuhalten.
Vielmehr dürfen wir offen sein für Jesu behutsames Fragen und seine sanfte Führung.
In dieser Offenheit liegt Lebendigkeit.
Sie verbindet uns mit Christus – und untereinander.
Gemeinsam werfen wir unser Netz aus – um den Reichtum Gottes immer wieder neu zu entdecken.

„Jesus lebt!“ – Bild von PublicDomainPictures auf Pixabay



Barmherzigkeitssonntag – Weißer Sonntag

Ein expressionistisches Gemälde voller Leben:
Wir sehen eine moderne Großstadt im Frühling.
Es geht geschäftig und bunt zu.
Autos in leuchtenden Farben rollen durch die Straßen, Radfahrer flitzen dazwischen hindurch, und Menschen eilen zu Fuß – einige mit dem Blick fest auf ihr Handy geheftet.
Die Farben der Stadt sind intensiv, grell, fast überwältigend – als wolle das Bild uns sagen:
Hier passiert etwas.

Es ist Frühling.
Die Bäume entlang der Straßen blühen, einige in strahlenden Farben, andere tragen frisches, sattes Grün.
Es ist die Zeit des Neuanfangs, des Aufatmens, der Hoffnung.
Alles wirkt wie ein leiser Hinweis:
Hier beginnt neues Leben.
Doch erkennen wir es?
Oder ist es für uns schon zu alljährlich geworden, um es als etwas Besonderes zu empfinden?

Und da – mitten in diesem Trubel, ganz am Rand, steht jemand, der nicht ins Bild zu passen scheint: Jesus Christus, der Auferstandene.

Nicht wie aus einem alten Gemälde, sondern ganz heutig.
Er trägt eine kurze, moderne Jeanshose, seine Narben von der Kreuzigung sind deutlich zu sehen – an Händen, Füßen, an der Seite.
Ein stilles Zeichen für all das Leid, das er durchlebt hat.
Und doch: Er steht dort ganz ruhig.
Kein Schmerz in seinem Gesicht, sondern Frieden.
Er wirkt gelöst, als hätte er das Schwere hinter sich gelassen: er-löst!

Aber niemand bemerkt ihn.
Die Menschen gehen an ihm vorbei:
zu sehr mit sich selbst beschäftigt, mit Gedanken, Terminen, Sorgen.
Es scheint, als hätte niemand Zeit für das Wunderbare, mitten unter ihnen.

Und wir?! -Würden wir es glauben, wenn wir IHN sehen würden, dass ER – der Auferstandene – es wirklich ist, wenn Jesus plötzlich vor uns stünde – lebendig, gegenwärtig, echt?!

Das Bild verbindet die schnelle Welt unserer Zeit mit tiefer geistlicher Bedeutung.
Es erinnert an die Geschichte der Jünger auf dem Weg nach Emmaus: Auch sie sahen Jesus doch erkannten ihn nicht.
Erst als er mit ihnen sprach, ihre Fragen ernst nahm und das Brot mit ihnen brach, ging ihnen ein Licht auf.

Vielleicht ist es heute ähnlich.
Vielleicht braucht es Menschen, die wie Jesus zuhören, fragen, Gespräche möglich machen;
Menschen, die anderen helfen, ihre Sorgen und Zweifel auszusprechen; Menschen, die nicht gleich eine Antwort parat haben, sondern Raum schaffen für echte Begegnung.

Denn dann kann etwas in Bewegung kommen.
Dann kann Auferstehung ganz real erfahrbar werden – nicht nur als alte Geschichte, sondern als neues Leben, als neue Lebensmöglichkeiten und als neue Sichtweisen: hier und jetzt.

Wir Christinnen und Christen haben heute die Möglichkeit, anderen Jesus erfahrbar zu machen:
Indem wir Anteil nehmen.
Indem wir einladen, zuhören, mittragen.

Wenn wir das tun, können Menschen wieder aufatmen, neue Kraft finden, neuen Sinn entdecken.
Dann verwandelt sich vielleicht Ratlosigkeit in Hoffnung, Traurigkeit in Lebensfreude, Stillstand in Bewegung.

Das wäre heute Auferstehung mitten in unserem Alltag.


Bild: copyright by Gerd Wittka, 2025, erstellt mit KI




Karsamstag – Tag der Grabesruhe

Es ist alles getan …

In Zeiten von Post-Covid und meinem Fatigue (Erschöpfungssyndrom) feiern sich für mich die Kar- und Ostertage deutlich anders.
Ich habe so eine ähnliche Phase schon einmal erlebt, als ich Anfang 2020 an einer Depression erkrankt war.

Mir steht momentan nur Energie-Reserven für ca. drei Stunden zur Verfügung, bevor ich wieder in die Erschöpfung falle.
Um also diese Feiertage auch mit meinem Dienst gut in Einklang bringen zu können, ist gute Planung nötig.

Da trifft es sich gut, dass ich persönlich am Gründonnerstag und Karfreitag keine liturgischen Dienste wahrnehmen musste.

Es ist alles getan ….?!

Leider trifft das nicht für jene zu, die im kirchlichen Dienst stehen, als Küster:in, als Kirchenmusiker:in, als Gottesdienstleiter:innen oder Seelsorgende (ob hauptberuflich oder ehrenamtlich!).

Für mich als Krankenhausseelsorger fallen damit verschiedene Aufgaben an:

  • Inhaltliche Vorbereitung der Gottesdienste
  • Vorbereitung und Gestaltung von Gottesdiensträumen und Seelsorgewände in den Krankenhäusern
  • praktische Arbeiten für die Gottesdienste (Kapellengestaltung, liturgische Vorbereitungen von Liturgiegeräten, Messbuch und Lektionaren, andere organisatorische Arbeiten, …)

Deshalb habe ich Gründonnerstag und Karfreitag ganz bewusst persönlich spirituell begangen mit Schriftlesungen, Stundenliturgien, Betrachtungen …

Es ist alles getan …

Weil dem nicht so ist/war, musste ich gestern am Karfreitag Abend mich schon auf den Weg machen, um in beiden Krankenhäusern Vorbereitungen für Ostern zu treffen.
Zwar widerstrebt mir das innerlich, bereits am Karfreitag Kapellen – wenn auch nicht vollständig – ‚österlich‘ herzurichten. Aber wenn es dann Ostern fertig sein soll, geht es nicht anders.
Also war ich gestern Abend unterwegs und habe begonnen, im Johanniter-Krankenhaus die Kapelle umzugestalten und auch die Seelsorge-Wand im Bereich des ehemaligen Cafés.

Heute Abend, nach dem Gottesdienst im AMEOS-Klinikum St. Clemens, werde ich dort noch Blumen und Kerzen auf dem Altar stellen.
Dann ist diese Kapelle fertig – in der leider keine Gottesdienste zu Ostern stattfinden.

Anschließend fuhr ich noch ins AMEOS-Klinikum St. Clemens Oberhausen.
Auch dort gibt es eine Kapelle, in der am Karsamstag – bereits um 16.00 Uhr – der erste Ostergottesdienst gefeiert wird.
Ich bin froh und sehr dankbar, dass ich dort heute zwei Herren haben werde, die mich vor Ort unterstützen werden, sowohl in der Sakristei als auch während des Gottesdienstes.
Insgesamt haben wir eine Frau und vier Männer, die grundsätzlich und ehrenamtlich für Küsterdienste, Lektorendienste, Kommunionhelfer:innen-Dienst und was sonst noch so nötig ist, bereit stehen.

In der Kapelle hatten wir noch die Gestaltung von Palmsonntag.

Das musste natürlich abgebaut und aufgeräumt werden. Einige Palmzweige hatten sich allmählich in der Kapelle verteilt …

Damit ich heute nicht zu viel machen musste, hatten wir – mein Kollege in der Krankenhaus-Seelsorge und ich – schon letzte Woche die Osterkerzen vorbereitet.
Nun wollte ich noch in Ruhe andere Vorbereitungen erledigen, wie liturgische Bücher präparieren, Give-aways (Eier und Postkarten) vorbereiten und was man sonst schon so tun konnte.
Auch der Altarraum wurde schon etwas österlich dekoriert: das Kreuz bekam eine Stola und Palmzweige, der Altar eine festliche Tischdecke.

Heute werden dann mit Hilfe der Helfer dieses alles in der Kapelle bereitet und dazu kommt noch besondere Festtagsbeleuchtung, die während des Ostergottesdienstes in der Kapelle für eine Effektbeleuchtung sorgen werden.

Nach über drei Stunden war ich dann wieder ziemlich erschöpft und kam gegen 21.30 Uhr gestern nach Hause.
Danach ging es nur noch auf die Akupunkturmatte und dann ins Bett. Leider fand ich erst gegen 01.30 Uhr heute Morgen Schlaf und war wieder um 7.45 Uhr wach.
Aber so ist das mit Post-Covid.
Doch ich verließ die Kapelle mit einem tiefen Eindruck von Karsamstag, wie das nachfolgende Bild zeigt:

Dieses Bild symbolisiert für mich den heutigen Tag.

Es ist alles getan …

Ja, es ist alles getan.
Ich werde nicht mehr durch die Geschäfte hetzen, mich nicht hinreißen lassen zu Hektik und Stress.

Stattdessen habe ich heute morgen in aller Ruhe die Laudes gebetet, etwas Klaviermusik gehört und dann gefrühstückt.
Draußen singen die Vögel und ich höre auch das geschäftige Treiben – den regen Autoverkehr in den benachbarten Straßen.
Doch für mich ist (fast) alles getan.
Gleich singe ich noch mal das Exultet … und dann ist es gut.

Der Karsamstag ist für mich – wenn auch kein ganzer Tag – ein wirklicher Tage der Grabes-RUHE!
Und wenn ich intensiv in mir hineinhorche, dann ist das eine verheißungsvolle Ruhe und eine erwartungsvolle Stille.
Ich warte ruhig und geduldig auf den Augenblick, wo wir feiern werden, weil uns allen

DAS LEBEN BLÜHT!


Alle Fotos: copyright by Gerd A. Wittka, 2025




Heilige Woche

Palmsonntag –

Ein Tag in einer Stadt voll Hitze.
Menschen strömen durch die Straßen Jerusalems,
und Jesus, der auf einem Esel sitzt,
wird von Jubel und Anerkennung getragen.
Kleider und Zweige liegen auf dem Pflaster –
eine einfache Einladung,
ein stiller Applaus für den, der anders ist.

Gründonnerstag –

Am Tisch, der mehr als nur Essen teilt,
versammelt sich eine Gruppe, die noch nicht weiß,
dass dies ein einmaliger Moment ist.
Brot, Wein und leise Worte werden zum Abschied,
das letzte gemeinsame Mahl mit den Vertrauten,
ohne zu ahnen, wie sehr sich alles verändern wird.

Karfreitag –

Dann kommt der Augenblick,
der alles in Bewegung setzt.
Ein Verrat, der in den Gesichtern
ein falsches Lächeln trägt,
und Jesus geht einen Weg,
den er längst vorhergesehen hat –
einen Weg voller Schmerzen
und Momenten voller Hohn
Leugnung und Tränen.

Unter den kritischen Blicken,
inmitten von Spott und Ablehnung,
sind da auch leise Akte der Menschlichkeit:
Frauen, die am Straßenrand weinen,
und Veronica,
die ihm ein Schweißtuch reicht,
als stumme Geste, als Versuch,
den Schmerz erträglicher zu machen.

Zum Schluss stehen nur die ganz Treuen:
Maria, die mütterlich schweigend aushält,
Maria von Magdala,
die mehr sieht als nur den Moment,
und Johannes,
dessen stille Nähe mehr sagt als Worte.
Und während das Leben an IHM zu zerbrechen scheint,
hallt leise ein Satz durch die Menge –
ein Soldat, der erkennt:
„Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn!“

Doch hier endet die Geschichte nicht.

Karsamstag –

der Tag der Grabesruhe,
ist kein leiser, endgültiger Abschied,
sondern das Versprechen eines neuen Anfangs.
Denn am Ende hat das Leben
das letzte Wort –
eine Auferstehung, die alle Schatten vertreibt,
ein Beweis,
dass das Licht
immer
über den Dunkelheit triumphiert.

© Gerd A. Wittka, 12.04.2025




beten 2

beten

nicht nur für die Vielen,
die unbekannten,
die unter Naturkatastrophen leiden
die unter Stürmen zittern,
in Trümmern schweigen,
die durch Gewalt und Krieg
zu Staub geworden sind

beten
auch für die Vielen,
dir mir bekannt sind,
die meine Wege kreuzten
früher und heute
die zu tragen haben
an ihrem Schicksal,
ihrem Leid,
ihrer Krankheit
ihrer Trauer
die still vorübergingen
und doch geblieben sind.

beten

so ruft die Zeit
so ruft mein Herz

Denn Beten
fordert
Zeit
Geduld
Liebe
Kraft

und am Anfang
und Ende Anfang


GOTT


(c) Gerd A. Wittka, 04.04.2025, am Todestag von Martin Luther King