In dunklen Zeiten, wo Hass und Hetze uns entgegenwehen, ruft der Heilige Geist – manchmal mit leiser aber fester Stimme: Du bist berufen, Mitgefühl zu leben, Botin und Bote der Liebe in einer Welt zu sein, die vom Sturm der Vorurteile zerrissen wird.
Die Schatten des Extremismus verdunkeln den Tag, doch der Glaube an Menschlichkeit leuchtet wie die Morgenröte, dringt die Todeskälte und durchbricht die starre Nacht, in der sich Angst ausbreitet, wie wucherndes Dornengestrüpp
Strecke die Hände aus, wo Mauern des Hasses stehen, sprich Worte der Hoffnung und Bestärkung und nicht des Zweifels und der Missgunst.
Gemeinsam wollen wir weben ein Band aus Geschwisterlichkeit, ein Netz, das selbst den tiefsten Abgrund mit Hoffnung und Liebe überbrückt.
Wenn der Wind des Extremismus uns entgegenweht, stehen wir fest – mit Herzen, die im Takt der Liebe schlagen.
Denn in der Nächstenliebe liegt unser aller Zukunft, die eine Welt erschafft, in der wir alle als geliebte Kinder des einen Gottes ein Zuhause finden.
Impuls zur Lesung am 6. Sonntag im Jahreskreis – C – 2025: 1 Kor 15, 12.16-20
Ich erinnere mich, dass ich vor ein paar Monaten in einem kurzen Impuls gesagt habe, dass der Sinn unseres christlichen Glaubens nicht nur darin liegt, was nach dem Tod passiert, sondern auch, wie wir unsere Welt heute gestalten.
Für Christen darf die Frage nach dem Lebenssinn nicht nur darauf abzielen, was im Jenseits kommt.
Wir leben in dieser Welt und stehen täglich vor ihren Herausforderungen. Nur so können Werte wie Nächstenliebe, Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und der Schutz der Schöpfung hier auf der Erde wirklich Bedeutung erlangen. Heute weist Paulus in seiner Lesung genau auf einen anderen wichtigen Aspekt hin.
Er sagt: „Glauben wir nicht an die Auferstehung und werden Tote nicht auferweckt, dann ist auch nicht Christus auferweckt worden. Ist Christus aber nicht auferweckt worden, dann ist (der christliche) Glaube nutzlos.“
Damit meint Paulus: Wenn alles, was wir als Christen tun, nur für unser irdisches Leben wichtig wäre, bräuchten wir uns nicht als Christen zu bezeichnen. Dann wäre unser Glaube nur eine Form von Humanismus, der sich nur um das Menschliche in unserer Zeit kümmert und dabei seine tiefere Bedeutung verliert.
Ich freue mich über diese klaren Worte von Paulus. Sie zeigen mir, dass wer sein Leben nach christlichen Werten ausrichten will, dies in der Spannung des Kreuzes tun muss.
Das will ich kurz erklären:
Man kann das Leben in der Spannung des Kreuzes so verstehen:
• Die waagerechte Seite steht für die Zeit – also Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Das bedeutet, dass wir unser Leben bewusst im Lauf der Zeit gestalten und dies durch die Werte Nächstenliebe, Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und der Schutz der Schöpfung, …
• Die senkrechte Seite symbolisiert, dass unser Leben nicht nur auf das Irdische beschränkt ist, sondern auch den Blick in den Himmel und auf die Ewigkeit richtet.
Zusammen zeigen beide Seiten, dass christliches Leben heißt: bewusst in unserer Zeit zu handeln und gleichzeitig an das zu glauben, was über unser irdisches Leben hinausgeht.
07.02.2025
Seit dem 5.2. habe ich wieder einen ‚crash‘, weil ich mich bei einem Studientag als Proband völlig übernommen habe. Das Thema hat mich angesprochen und wie Adrenalin in meinem Körper gewirkt. Ich war extrem wachsam und fokussiert, mit einem Energieschub, der mir half, schnell und effektiv zu reagieren. Dabei habe ich leider meine Grenzen an dem Tag nicht wahrgenommen, konnte auf sie nicht hören und nicht entsprechend reagieren. Nachmittags zuhause dann der Zusammenbruch: ‚crash‘ genannt.
Das dauerte bis zum gestrigen Tage an.
Eine Chorprobe, zu der ich mich aufgerafft hatte, lag dazwischen. Doch auch das war nicht gut für mich. Daraus entstanden folgende Zeilen:
Crash – ein stummer Knall im Nichts, ein Zerreißen des Gewohnten.
Ich sehe einen Text, Buchstaben tanzen auf dem Rand des Verstehens, doch ihr Sinn entgleitet wie Nebel in einer mondlosen Nacht.
In meinem Kopf kommt nichts an – nur ein endloses Echo von Leere, wo Worte sich verlieren und Bedeutungen verhallen.
Lieder ohne Melodie, Noten, zu stumm, schwarze Zeichen auf kaltem, weißem Grund, die mein Hirn nicht fassen kann, wie Schatten, die sich weigern, Form zu geben.
Ein Gespräch, ein flüchtiges Flüstern der Erinnerung an vorgestern, doch der Zugang zu dem, was war, ist versiegelt im Labyrinth der Zeit – keine Worte finden den Weg heraus.
Ich weiß, was war, doch das Blatt bleibt leer: der Kopf verharrt in Schweigen, der Mund schweigt – und all die Zeichen, unsichtbare Botschaften, verweben sich im geheimnisvollen Dunkel einer unentdeckten Melodie.
(Gerd A. Wittka, 07.02.205)
Geheimnis: Veränderung
Textstelle: Lukas-Evangelium 2, 22.39-40
Die Szene, die uns das Evangelium heute zeigt, ist vielen von uns vertraut: Maria und Josef bringen Jesus in den Tempel, um ihn Gott zu weihen – so, wie es das Gesetz vorschreibt. Ja, vielleicht war es nur ‚religiöse Pflicht‘, vielleicht aber auch mehr? Die Darstellung Jesu im Tempel kann Zeichen des Vertrauens in Gott sein, mit dem Josef und Maria ausdrücken: Sie wissen ihr Kind in Gottes Händen am besten aufgehoben. Dann bricht der Erzählfaden ab.
Hier möchte ich auch eine Zäsur machen und einen Text von Bertolt Brecht zitieren, den ich im jugendlichen Alter zuerst gelesen und seitdem nicht mehr vergessen habe:
Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: „Sie haben sich gar nicht verändert.“ „Oh!“ sagte Herr K. und erbleichte.
Bertolt Brecht, aus dem Gedächtnis heraus zitiert!
Bertolt Brecht ist der Überraschungseffekt mit diesem „Oh“, des Herrn Keuner gelungen.
Wir können darüber nicht hinweg lesen und müssen uns fragen, warum Herr K. „Oh!“ sagt?
Das Kompliment „Sie haben sich gar nicht verändert“ kann schmeichelhaft sein, wenn es sich auf das äußere Erscheinungsbild bezieht. Herr K. jedoch hört darin den Stillstand – nicht nur äußerlich, sondern vor allem geistig. Die wahre Gefahr liegt in der Bequemlichkeit des Denkens, in festgefahrenen Mustern ohne Offenheit für Neues. In einer Zeit des ständigen Wandels ist es essenziell, geistig beweglich zu bleiben und andere Perspektiven in Betracht zu ziehen.
Andere Situationen kennen wir vielleicht auch. Da sehen sich Menschen nach langer Zeit wieder und es sagt der eine zu dem anderen: „Mensch, was hast du dich verändert! – Davon habe ich gar nichts zwischendurch mitbekommen!“
Menschen verändern sich, ob es andere wahrnehmen oder nicht. Menschen verändern sich, ob immer nur zum Guten, darf bezweifelt werden. Menschen verändern sich, manchmal für andere unbemerkt. Das kann daran liegen, weil man lange Zeit keinen Kontakt mehr hatte. Menschen verändern sich aber auch für andere unbemerkt, weil diese Veränderungen nicht gleich sichtbar, sondern eher innere Prozesse sind.
An solche Situationen musste ich denken, als ich die Zeilen des heutigen Evangeliums las. Da ist von der Darstellung des Herrn im Tempel die Rede und dann so mir nichts dir nichts wird von dem Entscheidenden berichtet: Jesus wächst heran, wird stark, erfüllt mit Weisheit, und Gottes Gnade ruht auf ihm. Hier wird deutlich: Wachstum geschieht nicht allein durch menschliche Anstrengung, sondern auch durch Gottes Gnade. Das kann entlastend sein, wirft aber auch neue Fragen auf in den Fällen, wo Menschen sich nicht zum Guten entwickeln.
• Wo ist da die Gnade Gottes? • Hat sie nicht erreicht, was sie erreichen wollte? • Oder erfordert das erfolgreiche Wirken der Gnade Gottes in uns, die vorherige innere und geistliche Zustimmung, dass Gott in uns wirken darf?
Fragen, die ich gerne mit Ihnen weiter vertiefen würde, was aber den Rahmen einer Predigt sprengen würde. Nur so viel: Ich glaube, dass Gott uns sein heilsames Wirken nicht aufzwingt und auch nicht das Werk seiner Gnade. Ich glaube, dass es auch unsere innere und geistliche Zustimmung dafür braucht, denn Gott hat uns Freiheit geschenkt, die – Gott sei’s geklagt – oft leider nicht zum Besten genutzt wird.
Und noch etwas gilt, wenn ich das heutige Evangelium betrachte:
Wachstum geschieht leise und oft auch unauffällig.
Die Lebensjahre Jesu in Nazareth sind verborgen, und doch sind sie von Gottes Gegenwart durchdrungen. Jesus hat sich verändert in seiner Zeit in Nazareth bis zum ersten Auftreten und Wirken. Der Sohn Gottes wird Mensch in der ganzen Tiefe des Menschseins. Denn Gottes Gnade begleitet dieses Kind – in der Weihe im Tempel ebenso wie im Alltag des Aufwachsens.
Das gilt auch für uns. Wie oft meinen wir, unser Leben selbst in die Hand nehmen, alles kontrollieren zu müssen?! Doch wahres christliches Wachstum geschieht, wenn wir uns Gott anvertrauen. Wenn wir ihm unser Leben hinhalten, so wie Maria und Josef Jesus im Tempel darbrachten.
Vielleicht fragen wir uns: Wie können wir wachsen – im Glauben, in der Liebe, in der Weisheit? Die Antwort könnte darin liegen, immer wieder die Nähe zu Gott zu suchen. Wer sich ihm anvertraut, wird gestärkt. Wer sein Leben nach seinem Willen ausrichtet, wird mit seiner Gnade erfüllt.
Mögen wir also lernen, uns von Gottes Weisheit leiten zu lassen und in seiner Gnade zu wachsen – so wie es Jesus getan hat.
Trump Leviten gelesen!
An den Orten, wo wir stehen und wirken müssen wir uns die Frage stellen, wie wir glaubwürdig unseren christlichen Glauben leben und verkündigen.
Gerade in diesen Zeiten, in der sich Populismus, Rassismus, Antidiskriminierung und Hetze ausbreiten wie die Pest des Mittelalters, ist diese Frage um so virulenter.
Eine Frau hat es in diesen Tagen deutlich erkannt und ist ihrer Verantwortung gerecht geworden. Sie hat ihr Christsein und ihr bischöfliches Amt wahrgenommen, glaubwürdig und mutig.
Die Bischöfin der Episkopalkirche in Washington, Rev. Mariann Budde, predigte während eines interreligiösen Gebetsgottesdienstes am 21. Januar eine Botschaft der Einheit und forderte Präsident Donald Trump auf, christliche Barmherzigkeit zu zeigen.
Auch nach diesem Gottesdienst reagierte Trump erwartungsgemäß. Er bleibt sich treu mit seinen unqualifizierten Reaktionen. So berichtet t-online, das Trump sie als ‚linksradikale Trumphasserin‘ bezeichnet habe, die keine gute Arbeit machen würde. Andere waren sich nicht zu schade, Trump beizuspringen und der Bischöfin das Recht und die Fähigkeit absprechen wollten, aktuelle politische Themen im Licht des christlichen Glaubens zu behandeln. Wenn der Senator Bernie Moreno (natürlich Republikaner!) meint, dass die Bischöfin nicht das Recht habe, den Präsidenten zu belehren, dann muss ich dem Senator erwidern, dass sie als Theologin und Bischöfin sogar die Pflicht hat, den Präsidenten, der selbst immer wieder von seiner religiösen Sendung schwafelt, mit dem Gehalt der christlichen Botschaft zu konfrontieren. Quelle: Trump verhöhnt Bischöfin nach kritischer Predigt im Gottesdienst
Trump wird nie ein weiser Präsident sein oder werden
Gerade die Reaktionen des Präsidenten zeigen, dass er menschlich nicht in der Lage ist, Kritik zu hören, zu verarbeiten und ggfs. auch anzunehmen und das er zur Selbstkritik erst recht nicht fähig ist. Trump geht es immer und allein nur darum, dass er im guten Licht steht. Damit fehlt ihm mindestens eine wichtige Voraussetzung und menschliche Reife, um jetzt oder auch nur später als ein weiser Präsident in die Geschichte eingehen zu können. Ich fürchte, es wird sogar eher genau das Gegenteil sein.
Prüfe klug – mit Herz und Sinn
„Prüfet alles und behaltet das Gute“ (1. Thessalonicher 5,21)
Wie Wind, der durch die Äste weht: so vieles kommt, so vieles geht. Gedanken, Worte, laut und still, doch nicht alles zeigt, was es will!
Drum prüfe klug mit Herz und Sinn, was bringt dir Frieden, was hat Gewinn? – Was Wahrheit spricht, was Liebe webt, was Mut dir schenkt und Hoffnung hebt.