Glaube kann ganz einfach und direkt sein – eine Herzenssache!
Wenn man Dinge verkompliziert, ewig diskutiert, tausendmal berät, kann das auch ein Ausweichen sein, mit dem man sich davor schützt, Glaube konkret werden zu lassen und den eigenen Glauben in die ganz einfache Tat umzusetzen.
Zacharias Heyes OSB (* 1971; Benediktiner)
Dieses Zitat fand ich heute, am 06. Juni 2024, unter der Rubrik „Ora et labora“ in der Gebetszeitschrift „TE DEUM“. Und sofort hatte ich den Impuls der Überschrift: „Ertappt!“
Ja, wir leben in gewaltigen Umbrüchen in Gesellschaft, Staat und vor allem auch in unseren Kirchen! Ja, wir sind gut beraten, nicht alles übers Knie zu brechen und vorher ‚zur Besinnung‘ zu kommen.
Wenn wir uns Gedanken machen und Entscheidungen treffen, was wir verändern können und wollen, dann ist es sicherlich wichtig, zur Ruhe zu kommen und im gemeinsamen Austausch, aber auch im Gebet nötige Entscheidungen vorzubereiten.
Manchmal tun wir uns aber mit Entscheidungen so schwer, weil wir ihre Folgen und Konsequenzen erahnen, die unangenehm vielleicht sogar neues Handeln erfordern. Wie bequem wäre es doch, wenn ‚man es einfach so weiterlaufen lassen könnte, wie bisher?!‘
Das ist aber die große Falle, in die wir nicht treten dürfen.
„Der Geist weht, wo ER will!“ – sagen wir. Und was meinen wir wirklich?
Soll er nach unserer Vorstellung nicht eher da wehen, wo wir ihn haben wollen? Soll er nicht lieber so wehen, wie wir ihn haben wollen?
Schnell in die gläubige Tat zu kommen, ist nicht nur nötig, um möglichst ‚effizient‘ zu sein.
Zacharias Heyes ermutigt uns, schnell ins gläubige Handeln zu kommen, damit wir wirklich gläubig tun!
Denn Glaube hat mindestens genau so viel mit dem Herzen zu tun, wie mit dem Verstand. Und der Verstand sollte nicht so mächtig werden, dass er das Herz daran hindert, seine Arbeit zu tun!
Trauen wir also dem Heiligen Geist und unserem Herzen und haben wir Mut, im Glauben zu handeln!
Denn nur durch denken, bedenken und nichts tun, können wir nicht helfen und niemandem helfen, nicht lieben, nicht dienen, nichts verändern!
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Trotz-dem
„Lass es uns noch mal versuchen!“ – dieser Satz begleitet mich seit etlichen Jahren!
“ Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet, damit aufstahlt die Erkenntnis des göttlichen Glanzes auf dem Antlitz Christi. Diesen Schatz tragen wir in zerbrechlichen Gefäßen (…). Von allen Seiten werden wir in die Enge getrieben und finden doch noch Raum; wir wissen weder aus noch ein und verzweifeln dennoch nicht; wir werden gehetzt und sind noch nicht verlassen; wir werden niedergestreckt und doch nicht vernichtet. Immer tragen wir das Todesleiden Jesu an unserem Leib, damit auch das Leben Jesu an unserem Leib sichtbar wird.“
(2 Kor. 4, 6-10)
Dieses Wort des heiligen Paulus ist Lesungstext des 9. Sonntags im Jahreskreis, den wir heute begehen.
Worte, die mich hellhörig machen lassen und die mich an vergangene Situationen erinnern, als ich noch in der Gefängnisseelsorge tätig war. Meine damalige Kollegin und Freundin Sr. Bonifatia Keller OP benutzte immer wieder einen Satz, der schon fast zu einem geflügelten Wort wurde. Immer, wenn sich frustrierende Situationen wiederholten, die nötige Prozesse in der Gestaltung unseres Dienstes zum Stocken brachten oder wo wir scheinbar ‚gegen eine Wand liefen‘, sprach sie diese Worte: „Lass es uns noch mal versuchen!“
Bonifatia war ein Mensch, die nicht so leicht aufgab. Sie war kein Dickkopf im klassischen Sinne; aber sie ließ es sich nicht nehmen, immer wieder neue Versuche zu starten, wenn sie von einer Sache überzeugt war. Oft habe ich mich gefragt, woher sie die Kraft dazu bekam, stets neu aufzustehen, auch wenn andere schon längst „die Flinte ins Korn geschmissen hätten“.
Bonifatia war – nicht nur in dieser Hinsicht – eine starke Frau und nach über zehn Jahren nach ihrem Tod profitiere ich von ihrer Haltung und ihrem Geist.
„Lass es uns noch mal versuchen!“ – diese Hoffnung und Zuversicht, dennoch etwas bewegen zu können, kommt mir gerade in letzter Zeit immer gehäuft in den Sinn.
Die Krise der Kirche und die Krise des christlichen Glaubens
Missbrauchsskandale und mangelhafte Missbrauchsaufarbeitung in unserer Kirche, der Massen-Exodus aus unserer Kirche, ausgebremste notwendige Erneuerungen in unserer Kirche, das Schwinden christlicher Werte in unserer Gesellschaft, die Diskriminierung von Frauen und Queer-People in unserer Kirche, Anfeindungen von Kirche und Christ:innen, … –
all das führt bei vielen Menschen in der Kirche zu Resignation, Mut- und Hoffnungslosigkeit.
Katholik:innen verlassen in Scharen unsere Kirche (in der evangelischen Kirche sieht es nicht besser aus). Menschen, die zum ‚inner circle‘ unserer Kirche und unserer Pfarreien gehören, geben ihre selbstgewählten Aufgaben auf und verlassen mitunter die Kirche. Selbst hauptamtliche Mitarbeiter:innen und Kolleg:innen in der Seelsorge, sei es Kleriker oder Nicht-Kleriker quittieren ihren Dienst!
Es liegt mir fern, diese Menschen zu schelten, denn zu oft kann ich ihre genannten Gründe nachvollziehen; zu oft kann ich innerlich bejahen, dass bei Manchen „die Luft raus ist“ und sie „einfach nicht mehr können“!
Ich sehe andererseits, dass nicht alle Katholik:innen die Kirche verlassen und nicht alle haupt- oder ehrenamtlichen Mitarbeiter:innen ihren Dienst aufgeben! Warum?
Es wäre zu oberflächlich, ihnen zu wenig Empathie für diese Themen zu unterstellen oder zu meinen, es wäre ihnen einfach nur alles in der Kirche egal! Mitnichten! Es gibt Viele in der Kirche, die „leiden wie Hund“ an der gegenwärtigen Situation der Kirche und des christlichen Glaubens.
Warum geben diese Menschen nicht auf?!
Warum resignieren sie nicht?1
Vielleicht, weil sie etwas von dem spüren, was der heilige Paulus in der heutigen Lesung erwähnt?
Trotz Bedrängnis finden sie noch die Luft zum atmen, können tief Luft holen, sich auf ihre Mitte, auch des Glaubens zurückziehen und konzentrieren und finden in sich eine Tiefe und Weite vor, die sie innere Kräfte sammeln lässt. Sie sind zwar einerseits ratlos und haben keine schnellen Rezepte oder Antworten, wie man aus der Krise herausfinden könnte, haben dennoch die Kraft und den Mut, weiter zu machen; sie besitzen eine Kreativität, die ihnen immer wieder neue Ideen schenkt und ihnen zeigt, was man noch alles ausprobieren könnte.
Bei der Fülle von Fragen und Herausforderungen fühlen sie sich manchmal überfordert und gehetzt von den Ereignissen, aber finden gleichzeitig eine innere Ruhe und Gelassenheit, weil sie sich nicht allein und verlassen fühlen (vor allem nicht von Gottes Heiliger Geistkraft!). Auch sie tragen die „Todesleiden Jesu an ihrem Leib“, wie Paulus es formuliert. Und die Folgen der Leiden sieht man ihnen manchmal sogar an, denn sie gehen auch an ihnen nicht spurlos vorüber.
Und trotz-dem gibt es bei Ihnen diese Energie, nicht aufzugeben und sich das Leben und den Glauben nicht vermiesen zu lassen. Dennoch haben sie die Lust und die Freude am Leben und am Glauben nicht verloren, sondern leben aus einer tiefen und zugleich sichtbaren Hoffnung, dass es da noch was gibt, was sie trägt und was sie sich selber nicht zu verdanken haben; diese ungezügelte Sehnsucht, die Nelly Sachs mal mit den Worten beschrieb:
„Es muss doch mehr als alles geben!“
Anfanghaft spüre ich auch etwas von dieser Kraft in mir. Ich habe weiterhin Lust zu einem Neuaufbruch und -anfang in unserer Kirche. Ich spüre die Überzeugung in mir, dass der Weg weitergehen wird und dass wir in einer historisch sehr bedeutsamenPhase unserer Kirche leben, die ähnlich wie die Zeit um das Vatikanum II ist: eine ‚Kirche im Werden‘ ist nötiger denn je!
רוּחַ = „Heilige Geistkraft“
Glücklich die Menschen, die diese Kraft und Energie in sich spüren! Sie dürfen daran glauben, dass diese Kraft nicht aus ihnen selber kommt, sondern dass sie ihnen eingegossen wird durch die ‚ruach‘ (hebräisch), die Heilige Geistkraft Gottes, die wir am vergangenen Pfingstfest wieder so lebendig gefeiert und verehrt haben.
Mit der heutigen Lesung ermutigt mich der heilige Paulus, sich dieser inneren Kraft und Stärke neu zu vergewissern, aber ohne Arroganz, Hochmut oder Überlegenheitsgefühle, sondern verbunden mit einer tiefen Dankbarkeit und Liebe zu diesem geschenkten Segen Gottes.
Es ist in dieser Zeit eine wirkliche Gnadenerfahrung, wenn man nicht die „Brocken hinschmeißen will“, sondern immer noch die Kraft hat, der inneren Stimme zu lauschen, die in uns spricht:
das ist das Ende des Matthäus-Evangeliums, was wir gerade gehört haben.
Einige Zeilen vorher wird berichtet, wie die Frauen, die zum Grab gehen, um den Leichnam Jesu zu salben, das Grab leer finden und davor ein Engel, der ihnen sagt, dass Jesus auferstanden sei. Und dann gibt der Engel den Frauen eine Botschaft mit, die sie den Jüngern übermitteln sollen: „…geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden und siehe, er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen….“ (Mt 28,7) Die Frauen machen sich auf den Heimweg, auf dem ihnen der auferstandene Christus erscheint, der ihnen noch einmal den Auftrag wiederholt, den der Engel ihnen zuvor mitgegeben hat: „… Fürchtet euch nicht! Geht und sagt meinen Brüdern, sie sollen nach Galiläa gehen und dort werden sie mich sehen….“ (Mt 28,10)
Eigentlich ist das schon alles, was Matthäus über die Auferstehung zu berichten weiß, und dass die Frauen tun, wie ihnen gesagt worden war. Angekommen bei den Jüngern erzählen sie, was der Herr ihnen aufgetragen hat. Und nun ziehen die Jünger los nach Galiläer. Das haben wir heute im Evangelium gehört. Mehr, als wir heute im Evangelium gehört haben, weiß Matthäus nicht über die Auferstehung Jesu und seiner Begegnung mit den Jüngern zu berichten.
Ist schon etwas komisch.
Aber vielleicht stimmt auch hier das Wort: „In der Kürze liegt die Würze!“
Mache nicht so viele Wort, sondern komme auf den Punkt.
Und diesen Dreh- und Angelpunkt arbeitet Matthäus sehr knapp heraus:
Die Erfahrung und die Begegnung mit dem Auferstandenen lässt nur eine Reaktion zu, nämlich diese Erfahrung weiter zu geben, davon zu erzählen und davon Zeugnis abzulegen.
Die elf Jünger, wie sie bei Matthäus genannt werden – Judas Iskariot war ja nicht mehr und ein Nachfolger für ihn noch nicht gewählt -, nehmen aus der Erfahrung nichts anders mit, als selber in die Welt hinauszuziehen und diese Frohe Botschaft weiter zu geben.
Hätten sie sich diesem Auftrag verweigert, wir würden wahrscheinlich heute nicht zum Gottesdienst versammelt sein.
Und wie steht es um uns heute? Was machen wir, wenn wir gleich nach dem Gottesdienst wieder nach Hause gehen? Was machen wir mit unserem Glauben, dass wir hier in diesem Gottesdienst ebenfalls dem Auferstandenen begegnet sind, in seiner Frohen Botschaft und in der Eucharistie?
Freuen wir uns auf einen entspannten Abend und auf einen schönen, ruhigen und freien Sonntag, an dem wir „den lieben Gott einen guten Mann sein lassen“ können?
Oder spüren wir, wenn auch nur minimal etwas Enthusiasmus, von dem, was wir glauben, auch anderen mitteilen zu wollen, ob in Worten oder durch Taten?!
Unser Gottesdienste sind einerseits immer Rückzugsorte, aber Orte, an denen etwas mit uns geschehen darf. Unsere Gottesdienste dürfen so etwas sein, wie Akku-Ladestationen, in denen wir unsere entladenen Akkus des Enthusiasmus wieder aufladen dürfen und mit 100% Power in den Alltag zurück gehen können.
Und wie kann das konkret gehen?
Lasst uns überlegen und einfach mal spinnen, welche Situationen es geben könnte, die aber nicht missionarisch rüber kommen.
Zum Beispiel so: Stellen wir uns mal vor, wir sind in einer ziemlich alltäglichen Situationen, wo wir mit uns bekannten Menschen zusammen sind: in einer Gruppe, bei einer Geburtstagsfeier oder einfach nur so beim Kaffeeklatsch. Stellen wir uns weiter vor, wir würden – wie aus heiterem Himmel – einfach in dieser Situation den Satz heraushauen: „Ich glaube, dass der Tod nicht das Ende ist!“
Mehr nicht…! Was meinen Sie, welche Reaktionen kommen würden?
Oder: ich erinnere mich an eine Situation am Donnerstag Morgen, als ich mit anderen wartenden Patienten in meiner Hausarztpraxis saß. Vor uns ein TV, stumm gestaltet, nur Bilder aus dem Gazastreifen. Eine Patientin konnte ihre Bestürzung nicht zurück halten und sagte einfach nur: „Schrecklich, diese Bilder!“ Und plötzlich reagierte jemand anderes darauf und überlegte laut, wie viel Leid auf beiden Seiten erlebt wird. Eine andere Person fiel ein: „Und diejenigen, die am meisten darunter leiden, können zumeist nichts dafür, die palästinensischen Frauen, Kinder und Männer.“ Natürlich habe ich dann auch ‚meinen Senf dazu gegeben‘ und gefragt, was passieren müsse, damit Frieden auf beiden Seiten möglich wird.
Und schon waren wir in einem kurzen, angeregten und mitfühlenden Gespräch über die Situation im Gaza-Streifen, als sich eine Tür öffnete und mein Arzt mir zurief: „Herr Wittka, bitte!“
Merken Sie, worauf ich hinaus will? Durch einen empathischen Gedanken, den die erste Frau laut ausgesprochen hatte, kamen Menschen miteinander ins Gespräch und haben sich zumindest Gedanken darüber gemacht, wie das Leid der Menschen dort ist und Frieden in Nahen Osten möglich werden könnte!
Wer glaubt noch, dass in diesem Augenblick nicht der Heilige Geist am Werk war? Und ich bin sicher, dass hier auch ein Aspekt unseres christlichen Glaubens spontan und unverhofft mitten im Tag zur Sprache kam.
Dazu passt etwas dieser Beitrag! Gott hat durchaus Platz in unserem Alltag – in unserem Leben!
Ehrfürchtig fielen sie auf die Knie, beugten ihr Haupt und küssten den Ring, der seine rechte Hand zierte. Sie, die edlen Herren und Damen, die das Privileg bekamen, eine Audienz bei „SEINER Heiligkeit“ zu bekommen. …
Ich erinnere mich an Bilder aus Filmen, die uns das Papsttum des Hochmittelalters vor Augen stellen.
Protz, Prunk und Pomp, diese drei „P“ skizzieren sicherlich das äußere Erscheinungsbild eines feudalistischen hochmittelalterlichen Papsttums.
Was für ein diametraler Gegensatz dann die Szene aus der heutigen ersten Lesung, in der sich der Hauptmann Kornelius aus Cäsarea vor Petrus ehrfürchtig zu Füßen wirft, Petrus ihn aber aufrichtet und die schlichten und wahrhaftigen Worte spricht: „Steh auf! Auch ich bin nur ein Mensch.“!
Ob Petrus sich mit „Heiliger Vater“ oder „Eure Heiligkeit“ hätte anreden lassen?
Nach den Schilderungen der heutigen Lesung hätte ich meine berechtigten Zweifel daran.
Von den Anfängen der Kirche, über ihre machtvolle Phase des Hochmittelalters bis zu unserer heutigen Moderne, hat es viele Veränderungen in unserer Kirche geben, oft zu ihrem und der Menschen Nachteil. Machtansprüche entstellten das menschenfreundliche Angesicht der Kirche der Anfänge.
Wer jetzt dabei ist, heute fast schon entschuldigend zu meinen, dass das heute ja nicht mehr so ist, sollte genauer hinschauen.
Stimmt es wirklich, dass wir alle untereinander in erster Linie den Menschen sehen?
Oder ist uns der hierarchische Gedanke unserer Kirche nicht so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass wir zwar meinen, es habe sich Grundlegendes verändert, doch beim genaueren Hinsehen machen wir immer noch Unterschiede?
Hand aufs Herz! –
Wem von uns ist es heute immer noch wichtiger, was ein Priester oder gar der Bischof sagt, als was der Nachbar oder die Nachbarin hier neben uns sagt?!
Und wie oft wie die Frage nach Regeln, Bestimmungen und Gesetzen – auch in der Kirche – vordringlicher, als die Frage nach dem eigentlichen Kern eines Anliegens?
Petrus ist da in der heutigen Lesung erfrischend anders. Kornelius ist kein Jude und Juden pflegen keinen Umgang mit Nichtjuden.
Doch Petrus setzt sich über dieses Regelung hinweg und betritt das Haus des Kornelius, weil er – wie er selber bekennt – durch Gott erkannt hat, dass er keinen Menschen grundsätzlich als unrein bezeichnen darf. (vgl. Apg 10,28-29)
Bild: Gerd Wittka mit Hilfe von KI
Danach erzählt Kornelius ihm, dass er eine Vision hatte, in der ihm aufgetragen wurde, nach Petrus zu fragen, damit sie von ihm die Botschaft hören, die Gott Petrus anvertraut hat.
Da begreift Petrus, dass hier der Heilige Geist selber am Werk ist und er fühlt sich bestätigt, dass es richtig war, das Haus des Kornelius aufzusuchen, über alle religiösen Regeln hinweg.
Wir dürfen glauben: bereits die Offenheit des Petrus, sich über die Regeln hinweg zu setzen, ist ein Werk des Heiligen Geistes. Der Heilige Geist ‚zwingt‘ Petrus geradezu dazu, alte und vertraute Überzeugungen über Bord zu werfen.
Da, wo die Heilige Geistkraft wirkt, bleibt nichts mehr beim Alten, es bleibt nichts mehr, wie es war.
Da, wo Offenheit für das Wirken dieser Geistkraft besteht, kann das liebende Herz seine Wirkung entfalten, das auf den Menschen sieht und nicht nach Rang und Namen fragt.
Diese heilige Geistkraft befähigt uns, in unserem Leben Haltungen einzunehmen und Antworten zu geben, hinter der wir und andere die Liebe erkennen können, die in uns wirkt und die uns innerlich verbindet mit Gott.
Wir brauchen nur Mut, diese Botschaft der Liebe, die uns mit Gott verbindet, auch in unserem Leben aufzuspüren und ihr beherzt zu ihrem Recht zu verhelfen.
Das Evangelium weist uns auf die Liebe Gottes hin, die zugleich auch in uns ist, wenn wir in inniger Gemeinschaft mit Christus und Gott bleiben.
Die Heilige Geistkraft ermutigt uns, dieser Liebe in uns zur Geltung kommen zu lassen. Und auf einmal wird möglich, was bislang unmöglich erschien.
Auf einmal erkennen wir die Bedeutung der Worte aus dem Psalm 18,29: „Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“.
„Mit meinem Gott überspringe ich Mauern“ – Bild: Gerd Wittka mit Hilfe von KI
Das heißt doch nichts anderes als: mit der Liebe Gottes, die in uns ist, und die uns mit Gott und mit Christus verbindet, überwinden wir Hindernisse, Begrenzungen und Trennungen von Menschen. Wir überwinden Widerstände, die unsere guten Gedanken, Überzeugungen und Taten verhindern wollen.
Gottes Liebe in uns, überwindet Mauern, die andere oder wir uns gesetzt haben, die aber keinen Raum für die Liebe lassen!
Haben wir Mut zur Liebe, denn die Liebe schließt auch Ausgeschlossene(s) mit ein!
„Ich bin der Weinstock“
Impuls zum 5. Sonntag der Osterzeit 2024
Bei Christus ab-hängen
Manche von uns mögen sie, andere lehnen sie ab, ignorieren sie oder halten sie gar für eine Banalisierung der deutschen Sprache. Ich spreche von der sogenannten „Jugendsprache“.
Jedes Jahr kürt eine Jury das „Jugendwort des Jahres“.
Ich finde, dass es sich manchmal lohnt, sich die Begrifflichkeiten junger Leute genauer anzusehen. Denn vielleicht können Sie uns auch etwas sagen, auch wenn wir deren Begrifflichkeiten nicht unbedingt im Alltag übernehmen.
Ein Wort, von dem ich nicht weiß, ob es jemals als „Jugendwort des Jahres“ gekürt wurde, ist das Wort „abhängen“.
Und genau dieses Wort kam mir in den Sinn, als ich das heutige Evangelium gelesen habe und es auf einmal mit dem Evangelium verknüpfte.
Daraus entstand bei mir der Gedanke:
„Bei Jesus abhängen“
Ich hatte das Bild eines Weinstocks mit roten Reben vor Augen, an dem die Reben buchstäblich am Weinstock abhängten.
Foto: www.pixabay.com
Und ich denke, dass das Bild vom Weinstock in Verbindung mit dem Jugendwort „abhängen“ auch uns heute etwas sagen könnte.
Das Wort „abhängen“ hat unter jungen Leuten verschiedene Bedeutungen und wird in unterschiedlichen Kontexten verwendet:
Als erstes bedeutet es: **Entspannen und Zeit verbringen**:
Oft wird „abhängen“ verwendet, um sich in lockerer Atmosphäre mit Freunden zu treffen, Zeit miteinander zu verbringen und einfach zu entspannen. Dies kann sowohl zu Hause als auch an öffentlichen Orten wie Parks, Cafés oder Plätzen in der Stadt geschehen.
Übertragen auf das Bild vom Weinstock könnte es bedeuten. Wir sind eingeladen, mit Jesus Christus aber auch mit anderen ‚Reben‘ am Weinstock des Herrn, mit anderen Christ:innen unsere Zeit miteinander zu verbringen, um die Zeit in lockerer Atmosphäre zu verbringen. Wir können untereinander und miteinander Zeiten verbringen, die uns gegenseitig gut tun und weil wir eine innere Verbindung zwischen uns spüren: wir alle gehören zu ein- und demselben Weinstock: Jesus Christus. In seiner Nähe und mit der gegenseitigen Gemeinschaft geht es uns gut, treffen wir Menschen ‚eines Sinnes und eines Geistes‘, können uns somit auch gegenseitig im Leben bestärken. ‚Bei Christus abzuhängen‘ kann also bedeuten, mit IHM und untereinander wertvolle Zeit zu verbringen, die einfach gut tut.
2. **Auszeit nehmen**: Manchmal verwenden junge Leute das Wort „abhängen“, um auszudrücken, dass sie eine Pause vom Alltag nehmen möchten. Es kann bedeuten, dem Stress und den Verpflichtungen des Lebens für eine Weile zu entfliehen und sich zu entspannen. Auch diese Bedeutung können wir auf Christus und unsere Gemeinschaft übertragen. In unseren Zusammenkünften, auch gerade in unseren Gottesdiensten brechen wir unseren geschäftigten Alltag auf, wir machen buchstäblich einen „Break“, eine kurze aber deutliche Unterbrechung, die uns hilft, für eine kurze Zeit den dominierenden Alltag mit seinen Verpflichtungen und Beschäftigungen zu unterbrechen, um im Gottesdienst bewusst die Nähe zu Christus zu suchen und auch zu entspannen. Ja, sie hören richtig! Gottesdienst darf auch ein Ort der Erholung und Entspannung sein, wo man mal wieder etwas tiefer Luft holen und Durchatmen kann. Denn Gottesdienst heißt nicht nur, dass wir Gott dienen, sondern auch, dass Gott uns dienen will. Unsere Gottesdienste dürfen, sie sollen somit sogar Wohlfühlorte sein, Oasen der geistlichen Zurüstung aber auch der körperlichen, seelischen und emotionalen Erholung.
Sogenannte „Weinstock-Ikone“, die ich von einer Großtante zu meiner Priesterweihe geschenkt bekommen hatte.
3. **Soziale Interaktionen**: „Abhängen“ bedeuteet, sich mit Freunden zu treffen, um gemeinsam Zeit zu verbringen, zu reden, zu lachen und verschiedene Aktivitäten zu unternehmen, sei es Spielen, Filme schauen oder einfach nur herumhängen.
Bei Christus abzuhängen kann somit auch eine soziale Interaktion sein.
Natürlich kann ich in den eigenen vier Wänden, in aller Stille „bei Christus abhängen“ durch persönliches Gebet, durch Meditation. Das ist dann auch eine Form der sozialen Interaktion zwischen mir und Christus, zwischen „ich und du“. Abhängen bei Christus ist zudem in einer sozialen Interaktion möglich, die über die Zweisamkeit zwischen Christus und mir hinausgeht, nämlich indem wir Gemeinschaft erleben zwischen vielen Menschen, die der Glaube und die Liebe zu Christus verbindet.
Und diese dritte Dimension des „Abhängens bei Christus“ bildet den nächsten Aspekt:
4. **Identitätsbildung und Zugehörigkeit**:
Durch das „Abhängen“ können junge Leute ihre Identität formen und sich einer Gruppe zugehörig fühlen. Es ermöglicht ihnen, Gemeinschaft zu erleben, sich auszudrücken und Bindungen zu knüpfen, die oft in der Jugend von großer Bedeutung sind.
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„Bei Christus abzuhängen“ stiftet Gemeinschaft und stärkt unser Zugehörigkeitsgefühl zu der Gemeinschaft der Christinnen und Christen. Dieses Zugehörigkeitsgefühl ist besonders in den Zeiten wichtig, wo wir als Christ:innen keine Mehrheit mehr in unserer Gesellschaft bilden. Dieses Zugehörigkeitsgefühl ist besonders in den Zeiten wichtig, wo manche eher dazu neigen, in ihrem Glauben zu resignieren, vor allem auch deshalb, weil so vieles in unserer Glaubensgemeinschaft nicht gut läuft, belastend und beschämend ist. Die Erfahrung von Gemeinschaft trotz der dunklen Seiten kann auch Bestärkung sein, für die Überwindung zu kämpfen, die das menschliche Angesicht der Gemeinschaft von Christinnen und Christen entstellt.
Es lohnt sich also, dieses Bild vom Weinstock und den Rebzweigen im Sinne der Jugendsprache zu interpretieren, weil sie für unser Leben konkrete hilfreiche Impulse bereit hält.
„… wie Schuppen von den Augen …“
Mein persönliches Emmauserlebnis
„Da fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen, und sie erkannten ….“
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Das sind Worte aus dem Evangelium vom vergangenen Montag, dem Ostermontag. Das sind Worte aus dem Evangelium von den Emmaus-Jüngern.
Die Begegnung und die Begleitung durch den Auferstandenen und das gemeinsame Brotbrechen öffnet ihre Augen für die Wahrheit der Auferstehung Christi.
Ein solches ‚Entschuppungserlebnis‘ hatte ich auch am vergangenen Donnerstag, als ich nämlich den geistlichen Impuls zum heutigen Evangelium in meinem Stundengebetbuch „Te Deum“ las.
Er stammt von der Benediktinerin Johanna Domek OSB, die in dem selben Kloster Ordensfrau ist wie meine erste geistliche Begleiterin zum Zeitpunkt meiner Priesterweihe.
Dieses Kloster in Köln-Raderberg ist ein Ort geistlicher Inspiration, so auch beim Lesen dieses Impulses.
Sr. Johanna Domek hat ihren Impuls unter dem Vorzeichen des heutigen Sonntags gesetzt, der traditionell „Weißer Sonntag“ genannt wird, aber durch Papst Johannes Paul II. zum „Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit“ ernannt wurde.
Und das hat Sr. Johanna Domek zum Anlass genommen, das heutige Evangelium unter dem Vorzeichen der „Göttlichen Barmherzigkeit“ zu lesen und zu interpretieren.
Dieses Evangelium erscheint auf dem ersten Blick als ein Konglomerat von Aussagen Jesu, die der Evangelist Johannes scheinbar am Ende seines Evangeliums noch ‚schnell unterbringen‘ wollte.
Da ist von Jünger:innen die Rede, die sich hinter verschlossenen Türen verkrochen haben
Da ist von Jesus Christus dem Auferstandenen die Rede, der ihnen erscheint.
Da ist von der Sendung des Heiligen Geistes die Rede
… und von Sündenvergebungsvollmacht und Sündenvergebung
da ist davon die Rede, dass auch der Letzte die Auferstehung Jesu Christi verstehen soll und kann, am Beispiel des heiligen Thomas
… und das alles in den letzten zwölf Versen des Johannes-Evangeliums.
Es ist schon auffällig, wie lang die Passion Christi bei Johannes ist und dann aber hier am Ende noch mal schnell einige wichtige Aussagen an den Schluss gesetzt werden sollen.
Sr. Johanna Domek hat es mit ihrem Impuls geschafft, unter der Lupe der „Göttlichen Barmherzigkeit“ diese letzten Verse zu betrachten und unter dieser Lupe den ‚roten Faden‘ dieser letzten Verse zu ent-decken.
Und diese Lupe benennt sich gleich am Anfang ihres Impulses: „Gottes Liebe ist Barmherzigkeit“
Diese ‚Göttliche Barmherzigkeit‘ wird genährt von der Sehnsucht Gottes, einen Idealzustand herbei zu führen ohne die Freiheit und Verantwortlichkeit des Menschen aufzuheben.
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Für Gott ist es der Zustand vollendeter und allumfassender Liebe. Aber Barmherzigkeit beinhaltet zugleich auch den realistischen Blick. Barmherzigkeit geht nicht über Realitäten hinweg, ignoriert sie nicht, sondern nimmt sie wahr, so wie sie sind. Die Göttliche Barmherzigkeit nimmt unsere menschlichen Realitäten wahr mit all ihren Fassetten und in ihrer bruchstückhaften Unvollkommenheit. Die Göttliche Barmherzigkeit nimmt diese Bruchstücke an und erkennt darin die Chance, daraus noch etwas zu machen, um den erstrebten Idealzustand herzustellen. Diese Göttliche Barmherzigkeit erspart uns auch den ‚den Griff auf die heiße Herdplatte‘, wie ich es ausdrücken möchte. Sie erspart uns nicht die Schritte, die wir zu gehen haben, auch nicht die Schritte der Fehler und Schuld, die Schritte der Angst und Hoffnungslosigkeit, der Resignation und des Leidens. Die Göttliche Barmherzigkeit kommt uns in all dem immer entgegen.
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Was hier von mir sehr abgehoben klingt, fasst Sr. Johanna Domek in anschauliche Beispiele.
Da sind die Jünger:innen, die in ihrer großen Angst sich eingeschlossen haben, die sich nicht trauen in ihrer Angst und Verzweiflung die schützenden Mauern zu verlassen. Und der Auferstandene zerrt sie da nicht hinaus, der ‚zwingt sie nicht zu ihrem Glück‘, wie wir manchmal so sagen. Sondern er kommt ihnen entgegen, macht sich auf den Weg in ihre Verschlossenheit, in ihr selbstgewähltes zeitliches Grab. Er, der aus dem Grab auferstanden ist, geht zu denen, die sich in ihr selbstgewähltes Grab quasi eingemauert haben. Er geht also wieder und wieder ‚ins Grab‘, um den Begrabenen dort entgegen zu kommen, damit sie frei werden können.
In ihrem selbstgewählten Verlies, verlässt der Auferstandene die Seinen nicht, sondern nimmt sie wahr und an mit ihren friedlosen Herzen, die keine Ruhe finden in ihrer Trauer. Aber er verwandelt diese geistlose Friedlosigkeit, indem er ihnen seinen Geist einhaucht, der sie versöhnt mit der vergangenen Geschichte, der ihnen inneren Frieden und Freude schenkt, ihre Hoffnung stärkt und ihnen Perspektiven aufzeigt. Was die Jünger:innen in sich selbst nicht finden können, aber was so Not tut, das schenkt die ‚Göttliche Barmherzigkeit‘ ihnen ‚von außen‘, vom ‚Himmel herab‘.
Christus ignoriert auch nicht ihre Verzagtheit, ihr Versäumnis und Versagen, sondern nimmt sie an, um sie zu wandeln durch das Wirken seines Geistes.
Mehr noch: diese Geisterfülltheit ermächtigt und befähigt seine Jünger:innen, selber Werkzeuge der ‚Göttlichen Barmherzigkeit‘ zu sein, indem sie das Werk der Versöhnung mitgestalten können und das Geschenk der eigenen Vergebung weiterzugeben.
Und am Beispiel des heiligen Thomas macht Jesus deutlich, dass er nicht den Zweifel und den Unglauben ignoriert. Aber er entlässt Thomas auch nicht aus seiner eigenen Verantwortung und Möglichkeit, sich buchstäblich an diesen verlorenen Glauben wieder heranzutasten, indem Christus Thomas ermöglicht, sich ihm wieder zu nähern, ihn buchstäblich zu ertasten, zu erfahren.
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An diesem Sonntag der ‚Göttlichen Barmherzigkeit‘ sind mir – auch durch den Impuls von Sr. Johanna Domek – wieder ein Stück weit mehr die Augen geöffnet worden. Ich habe gelernt, diesen Schrifttext unter einem neuen Vorzeichen zu lesen und zu verstehen, unter dem Vorzeichen der ‚Göttlichen Barmherzigkeit‘.
Die ‚Göttliche Barmherzigkeit‘ ignoriert nicht meine, nicht unsere Lebenswirklichkeit, sie nötigt uns nicht, aber sie nutzt unsere Lebenswirklichkeiten, um uns selber zu den notwendigen Schritten zu befähigen, die für uns heilsam sind.