Ostern – Auferstehung 2023

Auferstehung – unspektakulär

Textstelle: Matthäus 28,1-10 | Einheitsübersetzung 2016 :: ERF Bibleserver

Jesus Christus ist auferstanden! Er ist wahrhaft auferstanden!

Fresko: Auferstehung Jesu – Quelle: www.pixabay.com

Das ist die Botschaft der heutigen Nacht – unzählige Male von uns gehört und gefeiert.

Wenn ich nun reihum fragen würde, was wir in Erinnerung haben von den Auferstehungsberichten, dann würden wir eine Fülle verschiedener Variationen hören – und die meisten davon wären wahrscheinlich auch biblisch begründet.

Und doch fällt bei näherer Betrachtung auf, dass die Evangelisten sehr unterschiedlich von der Auferstehung berichten.



[Anmerk.: Wieder ein Anlass, der uns darauf aufmerksam macht, dass wir die Bibel nicht wortwörtlich nehmen dürfen, denn sonst würden sich Widersprüche ergeben; Widersprüche, die – nähmen wir die Bibel wortwörtlich – ihre Glaubwürdigkeit in Zweifel ziehen würde.]

Vielleicht erinnern Sie sich an die Auferstehungserzählung bei Johannes. Da kommen die Frauen zum Grab und fragen sich, wie sie wohl den Stein vor dem Grab wegbekommen, damit sie Jesus salben können. Doch als sie ankommen, ist der Stein schon weggewälzt und sie haben die Begegnung mit dem Engel, den sie aber zuerst als solchen nicht erkennen.

Heute möchte ich das Zeugnis der Auferstehung, wie es bei Matthäus steht, etwas genauer in den Blick nehmen.

Hier bei Matthäus ist es anders.

Maria aus Magdala und die andere Maria kamen zum Grab.
Das Grab war immer noch das Grab, verschlossen …! Die Wächter stehen immer noch davor.

Erst dann kommt es zu einem „gewaltigen Erdbeben“, weil ein Engel des Herrn vom Himmel herabkam.
Dieser Engel tritt an das Grab und wälzt dann erst den Stein weg. Die Wächter „waren (auf einmal) wie tot“.

Der Engel verkündet die Auferstehung und offenbar sehen es die Frauen auch, dass Jesus nicht mehr ‚im Grab‘ ist.
Dann eilen sie zu den Jüngern zurück, um zu berichten und auf dem Weg dorthin begegnen sie zum ersten Mal dem Auferstandenen.

Mir fallen einige Aspekte auf, die ich gerne erwähnen will:

  1. Das Grab Jesu ist so, wie es verschlossen wurde, als Jesus dort beigesetzt wurde. Die Wächter machen ihren Dienst und offenbar ist nichts Bemerkenswertes passiert, bevor die Frauen kamen.
    Und doch wissen wir in der Rückschau der Erzählung, dass Jesus bereits von den Toten auferstanden sein musste, als sie zum verschlossenen Grab kamen.
    Hier verlässt also Jesus nicht das Grab, indem er den Stein wegwälzt.
    Das erinnert mich an das Osterlied, in dem es heißt: „ihm kann kein Siegel, Grab noch Stein, kein Felsen widersteh’n …“. Auch der Stein vor dem Grab ist für seine Auferstehung kein Hindernis. Seine Auferstehung ignoriert die Sperren, die für uns Menschen als unüberbrückbares Hindernis gelten.

Jesu Auferstehung geschieht geradezu unspektakulär und unauffällig.

Jesu Auferstehung geschieht nach Matthäus unscheinbar, unauffällig, unspektakulär.
Er beschreibt die Auferstehung Jesu, indem er sie nicht beschreibt.
Er spricht von der Auferstehung als von einem Ereignis, dass nicht wahrgenommen wird.
Und deshalb wird es auch heute noch von Vielen für nicht wahr angenommen. Denn für viele gilt das heute noch als wahr, was wahrgenommen wird.

Für die Frauen indes kommt es ganz anders.

  1. Die Frauen kommen zum verschlossenen Grab. Die Wächter sind davor.
    Doch auf einmal geschieht etwas, das sie wie ein „gewaltiges Erdbeben“ wahrnehmen.
    Jesus ist bereits auferstanden, aber die Erkenntnis darüber trifft die Frauen mit voller Wucht, wie ein Erdbeben.
    In den letzten Wochen haben wir erfahren, wie gewaltig die Wucht von Erdbeben sein kann. Erdbeben können verheerend wirken, kein Stein bleibt mehr auf dem anderen, die alte Welt wird zerstört und dem Erdboden gleich gemacht. Erdbeben besitzen eine zerstörerische, auch leidstiftende Macht, wie wir immer wieder auch erfahren müssen. Erdbeben können alles ins Wanken bringen oder einstürzen lassen, nicht nur Gebäude aus Stein, sondern auch ganze Lebensentwürfe und Zukunftsperspektiven. Von einem Augenblick auf den anderen ist nichts mehr, wie es war.

Die gläubige Erkenntnis, dass Jesus nicht im Tod geblieben, sondern auferstanden ist, wirkt auf die Frauen wir ein gewaltiges Erdbeben. Ihr bisheriges Leben wird in den Grundfesten erschüttert oder sogar zum Einsturz gebracht.
Ihre Trauer um den Tod des geliebten Herrn und Meisters ist wie verflogen, denn „voll großer Freude“ verließen sie das Grab und eilten zu den Jüngern.

Wer vom Glauben an die Auferstehung ergriffen ist, für den stellt sich das eigene Leben ganz neu dar. Altes und Bisheriges wird umgekrempelt, verliert buchstäblich seine Daseinsberechtigung, liegt in Schutt und Asche.
Und der Blick wird auch buchstäblich frei auf das Neue, auf die Zukunft, auf die Möglichkeiten, die das neue Leben bereit hält.

Nicht Trauer, Traurigkeit und Mutlosigkeit haben das letzte Wort, sondern die Verheißung, sich die Auferstehung immer wieder zu vergegenwärtigen, in dem wir Jesus mitten in unserem Leben als den Auferstandenen erkennen und glauben.

Es macht mich immer noch kleinlaut und in gewisser Weise sprachlos, wenn ich über die Auferstehung nachdenke.

Das heutige Evangelium macht mich darauf aufmerksam, dass Auferstehung durchaus auch ganz unauffällig und unscheinbar mitten in unserem Alltag geschieht und dann bereits angebrochen ist, selbst wenn wir nur das Grab, das Symbol für Tod, Leid und Trauer vor Augen haben.

Doch wenn die Botschaft Gottes über die Auferstehung uns erreicht – sei es durch ‚Engel‘ oder das Wirken des Heiligen Geistes -, dann kann diese Botschaft unser ganzes Leben aus den Angeln heben und zu einer fundamentalen Veränderung in unserem Leben führen.

dann wird
aus Furcht: Hoffnung
aus Leid: Mitleid
aus Trauer: Freude
aus Lethargie: Handeln
aus Schweigen: Anklage
aus Egoismus: Solidarität
aus Krieg: Frieden!

Wir sehr wünsche ich uns und der ganzen Welt, dass uns eine solche Erkenntnis der Auferstehung trifft, die die Kraft hat, die Welt zu verwandeln: unsere kleine Welt aber auch die ganz große!




Österlich?!

Heute beginnen die drei österlichen Tage

Mit dem Gründonnerstag beginnen die drei österlichen Tage, das „Österliche Triduum“, die ihren Höhepunkt in der Feier der Auferstehung Christi an Ostern findet.

Sind diese Tage österlich?
Im öffentlichen Leben zumindest spielt der Gründonnerstag quasi gar keine Rolle. Lediglich praktizierende Christ:innen werden mit diesem Tag noch etwas anzufangen wissen.
Dabei ist dieser Tag so wichtig!



Heute begehen wir das Gedenken des Liebes-Vermächtnisses Jesu an die Welt: Fußwaschung und ‚Letztes Abendmahl‘.

Jesus Christus wäscht seinen Jüngern die Füße! Darstellen eines modernen Kirchenfensters.
Quelle: www.pixabay.com

Beide Ereignisse betonen zwei lebenswichtige Momente christlicher Überzeugung: die Erfüllung des christlichen Liebesgebotes und die Wertschätzung der Gemeinschaft (Communio).

Die „heilige Kommunion“, die beim letzten Abendmahl ihren Anfang genommen hat, zelebriert die nötige Gemeinschaft, die wir brauchen, um uns als Menschen gegenseitig nahe zu sein, zu stärken und zu ergänzen.

Quelle: www.pixabay.com

An diesem Tag möchte ich aber auch unbedingt daran erinnern, dass wir mit diesem Fest eine innere Verbindung zum jüdischen Glauben haben.

Unsere ‚Schwestern und Brüder des Herrn‘ feiern nämlich seit gestern Abend nach Sonnenuntergang das jüdische Pessach-Fest.

Quelle: www.pixabay.com

Es erinnert an die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei.

Deshalb ist es mir persönlich ein inneres Bedürfnis,
allen jüdischen Mitbürger:innen an dieser Stelle ein
gesegnetes Pessach-Fest zu wünschen!




Die Schande aus Mashhad

oder: wie Frauen heute verfolgt werden, weil sie Frau sind

Frauen werden im Iran gedemütigt und verfolgt. Frauen, die das Recht für sich in Anspruch nehmen, sich so zu kleiden, wie sie es wollen.
Frauen, die sich nicht in ein frauenfeindliches ideologisches islamistisches Korsett zwingen lassen wollen. Frauen, die sich ihrer Würde als Frau und Mensch bewusst sind und diese Würde in Anspruch nehmen.

Bild von PicElysium auf Pixabay



Sie werden verfolgt von Männern, die Frauen missachten und ihnen Gewalt antun: physisch und psychisch. Männer, die sich zu willfährigen Helfershelfern eines Regimes machen, das die Verachtung und Verfolgung freiheitsliebender Frauen auch noch als ‚zivilisatorische Leistung‘ ansehen!

Dieses Video zeigt eine solche Verfolgung von Frauen im Iran. Es zeigt, dass die Attentäter sogar meinen, fremdes Eigentum stehlen zu können, um die Frauen zu misshandeln.

Doch der Ladenbesitzer schreitet ein. Er verteidigt die Würde der Frauen und vielleicht auch sein Eigentum.

Dieser aufrichtige Ehrenmann wird sogar noch von den Behörden ‚verwarnt‘, also auch bedroht!

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Ich teile dieses Video, weil ich dafür werben möchte, es weiter zu teilen.
Ich teile dieses Video, weil wir diesem Regime und allen menschenverachtenden Regimen zeigen müssen, dass die ganze Welt zuschaut und solches Verhalten nicht akzeptieren wird.
Ich teile dieses Video, damit es eine große Solidarität mit den Frauen gibt, die als Frauen und Menschen behandelt werden wollen.
Ich teile dieses Video, um anzuklagen, wie im Namen von Religionen Unrecht ausgeübt wird.
Ich teile dieses Video, weil ich mehr und mehr meine, dass Menschen, die anderen Menschen solches Leid antun, das Recht verwirkt haben, sich als ‚zivilisierte‘ Menschen zu sehen!




„Komm heraus…“

Evangelium über ein etwas anderes ‚Coming out‘

Am fünften Fastensonntag wagen wir einen ganz großen Ausblick auf das Osterfest.
„Steh auf vom Tod!“ oder „Lazarus, kommt heraus (aus deinem Grab)“ – Das ist die heutige klare Botschaft.



Lassen wir uns bewegen von dieser vor-österlichen Botschaft, die uns unseren Blick auf das neue Leben lenkt, dass uns blüht, schon in dieser Welt und in diesem Leben!

Bild von Dimitris Vetsikas auf Pixabay

Das Evangelium des 5. Fastensonntag ist aus dem Johannes-Evangelium, Kapitel 11, Verse 1- 44, hier auch zum Nachlesen!

Da das Evangelium im Gottesdienst nicht in der gekürzten Fassung vorgetragen wird, weil es dann um seine ganze Kraft, Dramatik und spirituelle Bedeutung gebracht wird, habe ich als anschließenden Impuls nur einen kurzen Text verfasst, den ich hier als eine Art meditativen Impuls widergeben möchte.


Merk-Sätze

Lazarus ist tot.
„Tot ist tot!“,
meinen wir!

Im Evangelium aber geht es weiter

  • über den Tod hinaus
  • ganz anders.
    Das hat einen konkreten Grund:
    Jesus Christus –
    er ist der Grund.

Wo etwas unabänderlich erscheint,
schafft Christus eine ganz neue Zukunft.

Mit Christus
kann uns immer wieder
ein unerwarteter Neuanfang
blühen.

Jesus zeigt: selbst dort ist immer ein Neuanfang möglich,
wo der Tod scheinbar das letzte Wort hat.

Er ist der Grund für die Hoffnung auf Auferstehung und Leben.

Wie oft ist nach menschlichem Ermessen als entschieden, unabänderlich? – Sprachlos bleiben wir zurück.

Doch Jesus bleibt nicht sprach-los.
Jesus spricht das lebensspendende Wort: Lazarus, komm heraus!
Er spricht und es geschieht.

Im Schöpfungsbericht spricht Gott – und Leben entsteht.
Im Evangelium spricht Jesus – und Leben entsteht.

Das ist kein Zufall.
Gottes Wort schafft Leben.
Jesu Wort ist Leben.

Steh auf vom Tod! –
Steht auf vom Tod!

(Gerd Wittka)




Voll Gesang

Hinter’m Haus
ist’s voll von Gesang.
Meisen und Rotkehlchen
ist’s nicht bang.
Auf meinem Balkon
lebhaftes Flitzen;
und Solitärbienen –
in den Ritzen
des ‚Bienenhaus‘ –
bauen
neue Wohnungen aus.

(Gerd Wittka, 19.03.2023)

Das ist

LAETARE!

Freuet Euch!




Erkennen und benennen

Impuls zum 4. Fastensonntag 2023

Bild von RÜŞTÜ BOZKUŞ auf Pixabay

Predigttext: Johannes 9, 1- 41

„Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt…“ (Johannes 9, 5), so spricht der Herr heute zu uns.

ER war in der Welt und der Blinde konnte durch ihn wieder sehen. Das Licht konnte hineinleuchten, in seinen Körper, in seine Seele.



Erhellend war es für den Blinden. Er sah auf einmal klar. Er erkannte die Welt um sich herum, die kleine, die kleingeistige Welt:
Er erkannte die Engstirnigkeit und durchschaute die Angst der Menschen (hier der Pharisäer), tiefer zu fragen.
Für sie war es scheinbar leichter, blind dem Buchstaben von Gesetzen und Regeln zu folgen, anstatt dem Sinn auf die Schliche zu kommen.

Deshalb hatten sie auch schon Probleme mit diesem Jesus von Nazareth.
Für sie muss er manchmal wie ein Kind gewesen sein, dass in seinem Wissensdurst nicht aufhört zu fragen: „Warum?“ und nicht Ruhe gibt, aber nicht, weil er selber Antworten suchte.
Denn er, der fragte, wusste die Antwort: ER war selber die Antwort.

Bild von Thomas auf Pixabay

„Ich bin das Licht der Welt!“

Er erhellt, was im Dunkeln munkelt.
Er führt die Menschen nicht hinters Licht, sondern ins Licht, damit auch sie erfüllt werden vom Licht und erkennen, so wie der Blinde.

Für den Geheilten nicht ohne Konsequenzen!
Er war jetzt im Fahrwasser Jesu.
Der Argwohn gegen Jesus wurde zum Verdachtsmoment gegen ihn, den jetzt Sehenden und Erkennenden.

Sie forderten von ihm Bekenntnis und er bekannte sich zu dem, der ihm zur Erkenntnis verhalf: Jesus Christus.

Seine Erkenntnis führt zu Klarheit.

Jener, der blindlings zu ihrer Gemeinschaft gehörte, wurde – nun sehend und erkennend – zur unerwünschten Person.
Und sie warfen ihn aus der Gemeinschaft der Synagoge hinaus!

Denn er kann und will denen nicht dienen, die ihn für ihre Ideologie oder ihre intriganten Spielchen gegen Jesus missbrauchen wollen.
Das scheint er durch seine Heilung auch erkannt zu haben.

So, wie er auch erkannt haben wird, dass viel Zeitgenossen die blinden und hilfsbedürftigen Menschen in der Gesellschaft brauchen, gebrauchen und sogar missbrauchen, um sich mit der eigenen Wohltätigkeit gut darstellen zu können.

Doch durch die erhellende Tat Jesu, kann dieser geheilte Blinde dafür nun nicht mehr herhalten.

Wie oft im Leben: Menschen, die durch-schauen, sind nicht immer beliebt.

Entlastet von Blindheit, kann Erkenntnis belastend werden, wenn wir sehen und verstehen, hinterfragen und auch beklagen.

Dem Sehenden war es das wert.
Er erkannte den neuen und tieferen Wert seines eigenen Lebens und das ließ ihn frei werden, und mutig und stark.

Es lohnt sich, das Schicksal des Blinden zu meditieren.
Denn: zu sehen und zu verstehen, zu erkennen und zu benennen, macht das Leben nicht leichter, auch für uns nicht.
Aber wahrhaftiger
!