Mit dem heutigen Fest „Taufe des Herrn“ endet die Weihnachtszeit. Wir blicken ein letztes Mal auf die Krippe, aber unser Blick geht vor allem nach vorne: auf den Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu.
Dieses Fest stellt uns eine ganz persönliche Frage, die uns ein Leben lang begleitet:
Was bedeutet es eigentlich für mich, getauft zu sein?
Die meisten von uns haben diese Entscheidung nicht selbst getroffen. Damals waren wir klein; unsere Eltern haben stellvertretend „Ja“ gesagt, weil sie sich für uns den Segen und die Gemeinschaft der Kirche wünschten. Seitdem sind Jahrzehnte vergangen. Wir sind mit diesem Glauben durch das Leben gegangen und haben dabei eigene Erfahrungen gemacht.
Da gab es die hellen Momente: Augenblicke, in denen der Glaube uns Hoffnung gab und uns durch schwere Zeiten trug. Wir haben Gemeinschaft erlebt – in Jugendgruppen, Chören oder im Ehrenamt – und gespürt, wie gut Solidarität tut.
Aber zur Wahrheit gehört auch: Viele von uns haben die Schattenseiten erlebt. Vielleicht standen Sie vor Herausforderungen, bei denen Ihr Glaube an seine Grenzen stieß. Vielleicht ließen schwere Schicksalsschläge Sie an Gottes Güte zweifeln. Und vielleicht haben Sie Enttäuschung in der Kirche erlebt und sich gerade dann allein gelassen gefühlt, als Sie Beistand am nötigsten hatten. Es ist kein Wunder, dass sich heute viele abwenden und sagen: „Der Glaube hält nicht, was er verspricht.“
Ich möchte heute niemanden schelten, der geht oder zweifelt. Aber wir müssen ehrlich sein: Der christliche Glaube hat uns nie einen „Rosengarten“ versprochen, in dem alles mühelos blüht. Schon das Neue Testament berichtet von harten Anfechtungen. Sogar die ersten Apostel wie Paulus und Barnabas hatten so heftige Differenzen, dass sich ihre Wege trennten.
Wenn wir unser Christsein allein auf die Institution oder nur auf die zwischenmenschliche Gemeinschaft stützen, werden wir früher oder später enttäuscht. Menschen sind fehlbar. Gemeinschaften können versagen.
Was also ist das Tragende?
Was ist der Urgrund, auf dem wir heute – als Erwachsene – unser „Ja“ zur Taufe erneuern können?
Die Antwort finden wir bei Johannes dem Täufer. Er schaute nie auf sich selbst, sondern wies immer auf Jesus Christus hin. Er wusste: Das Fundament ist die eigene, ganz persönliche Christus-Hinwendung.
Im Johannesevangelium sagt Jesus einen Satz, der alles verändert:
„Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde.“ (Joh 15,15)
Das ist der Dreh- und Angelpunkt: Christsein ist zuallererst Beziehung. Eine Freundschaft zu Gott, der uns in Jesus ein menschliches Gesicht geschenkt hat. Vielen ist Gott oft zu abstrakt oder fern. Doch Jesus lädt uns ein, ihm einen konkreten Platz als Freund in unserem Leben zu geben.
Diese Freundschaft können wir auf zwei Wegen pflegen:
Im Mitmenschen: Wie der heilige Martin, der im Bettler Christus erkannte. Solidarität ist gelebte Christus-Beziehung.
In der Stille: Im Gebet oder im vertrauten „Du“, mit dem wir Gott ansprechen.
Ich werbe heute für diese persönliche Beziehung, weil sie das Einzige ist, was wirklich trägt.
Vielleicht kennen Sie das Gefühl: Die schlechten Nachrichten nehmen kein Ende – ein Anruf vom Arzt, ein Streit, der alles infrage stellt, oder die Erkenntnis, dass man sich in der eigenen Gemeinde fremd fühlt. Man fühlt sich dann wie Petrus auf dem See Gennesaret: Der sicher geglaubte Boden gibt nach. Das Wasser ist kalt, und die Wellen der Angst schlagen über einem zusammen. In solchen Momenten nützen kluge Bücher oder theologische Erklärungen gar nichts. Auch die anderen im Boot sind weit weg – sie kämpfen mit ihren eigenen Stürmen.
In dieser absoluten Einsamkeit des Sturms gibt es nur noch zwei Dinge: mich und IHN.
Petrus hält keine lange Rede. Er betet keinen formelhaften Text. Er schreit nur: „Herr, rette mich!“
Genau das ist der Kern der Christusfreundschaft: Es ist die Hand, die im Dunkeln zupackt, noch bevor wir wissen, ob wir schwimmen können. Es ist das Wissen: Da ist jemand, der mich nicht untergehen lässt, selbst wenn ich an mir selbst zweifle. Dieser „Rettungsring“ ist kein theoretisches Konzept – es ist das Vertrauen, dass am Ende des Schreiens nicht die Leere kommt, sondern ein Gegenüber, das mich hält.
Um uns so sehr auf diesen Jesus von Nazareth einzulassen, braucht es eine aktive Christushinwendung.
„Siehe, ich mache alles neu!“ – dieses Wort aus der Offenbarung des Johannes (21,5) steht als ökumenische Jahreslosung über dem neuen Jahr 2026. Wer diese Losung liest, wird sie unwillkürlich im Licht der eigenen Biographie und vielleicht auch des vergangenen Jahres verstehen.
Für manche klingt diese Losung wie eine Lösung. Besonders dann, wenn das bisherige Leben oder das vergangene Jahr so verlaufen ist, dass man spontan sagen könnte: „Es kann ja nur noch besser werden!“
Für andere dagegen hat dieser Satz etwas Bedrohliches. Das gilt für Menschen, die in ihrem Leben oder im vergangenen Jahr etwas erreicht haben, worauf sie lange hingearbeitet haben, die von sich sagen können, dass es ein erfolgreiches Leben oder zumindest ein erfolgreiches Jahr war. Für sie ist es deutlich schwerer, sich darauf einzulassen, dass „alles neu werden wird“. Denn der alte Satz gilt immer noch: „Der Spatz in der Hand ist besser als die Taube auf dem Dach.“
Daneben gibt es Menschen, die dieser Losung mit Argwohn begegnen. Ihnen ist zwar vom Verstand her klar, dass alles – oder doch zumindest vieles – neu werden müsste. Aber aus Bequemlichkeit oder festgefahrenen Routinen heraus möchten sie lieber alles beim Alten lassen. Auch für diese Haltung gibt es ein Sprichwort: „Watt der bur net kennt, dat frett er net!“ Das beschreibt sehr gut, dass man zwar die Notwendigkeit von Veränderungen erkennt, dass einen das Neue und Unbekannte aber gleichzeitig ängstigt. Und aus Angst – die schon immer ein schlechter Ratgeber war und es bis heute ist – verweigern sie sich dem Neuen.
Doch an dieser Stelle ist die Reihe der möglichen Reaktionen auf die Losung noch längst nicht zu Ende.
Es gibt auch jene, die tief im Inneren, vielleicht sogar unbewusst, spüren, dass es etwas Neues braucht, um ein besseres Leben führen zu können. Damit ist sowohl das eigene Leben gemeint als auch das Leben unserer Gesellschaft und unser Leben als Teil der Schöpfung, zu der wir in Verantwortung stehen. Trotzdem stehen diesem Empfinden häufig eingefahrene Verhaltensmuster, vermeintliche Sachzwänge, Konventionen oder Erwartungen entgegen. Diese Erwartungen kommen nicht nur von außen, sondern sind uns – bildlich gesprochen – wie mit der Muttermilch eingeflößt worden. Und wir wollen sie manchmal „auf Gedeih und Verderb“ nicht aufgeben.
Das ist tragisch, manchmal beinahe dramatisch: Es gibt Lebensweisen oder Zustände, die uns oder anderen nicht guttun. Dennoch klammern wir uns daran fest. Wir wissen es zwar vielleicht nicht klar mit dem Kopf, aber wir spüren es innerlich. Manche Menschen treiben diese innere Ablehnung und der Kampf mit sich selbst so weit, dass sie schließlich in einer psychiatrischen Klinik landen. Gott sei es geklagt: In den letzten 15 Jahren habe ich einige solcher Menschen kennengelernt.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ergibt sich aus der Quelle dieser Losung – der Bibel. Es ist der Aspekt der Verheißung. Dabei geht es nicht in erster Linie darum, ob wir diesen Satz als Einladung oder als Bedrohung empfinden. Vielmehr werden wir auf etwas hingewiesen, das sich unserer eigenen Verfügung entzieht und nicht in unserer Hand liegt.
In diesem Zusammenhang lohnt es sich, noch einmal auf das Wort „neu“ zu schauen.
Was könnte dieses „neu“ bedeuten?
Ist es im Sinn einer Restaurierung gemeint – also so, wie ein altes Objekt oder Gebäude in seinen ursprünglichen historischen Zustand zurückversetzt wird?
Oder geht es um Modernisierung, wenn etwa ein bestehendes Gebäude auf den neuesten Stand gebracht wird, zum Beispiel bei Wärmedämmung oder technischer Ausstattung?
Oder meint es eine Sanierung, bei der Mängel behoben und die Bausubstanz verbessert wird, ohne die eigentliche Struktur zu verändern? Handelt es sich also um eine Transformation? Wird das ursprüngliche Werk dabei nur so verändert, dass es in neuer Form weiterbesteht? Oder entsteht etwas völlig Neues, das mit dem alten Werk nichts mehr zu tun hat und es nicht mehr benötigt?
An dieser Stelle möchte ich den heutigen Impuls zur Jahreslosung 2026 unterbrechen. In einem ersten Schritt wollte ich zeigen, wie ein scheinbar einfacher Satz auf ganz unterschiedliche Weise betrachtet und bedacht werden kann. Im Laufe dieses Jahres möchte ich einige der heute angedeuteten Gedanken noch vertiefen.
„Siehe, ich mache alles neu!“ – Grundgütiger, was gibst du uns damit auf den Weg!
Sie halten eine kleine Zeichnung in der Hand: es zeigt ein Buch und eine brennende Kerze. Zwei einfache Objekte – und doch erzählen sie viel über uns und über diesen besonderen Moment am Ende eines Jahres.
Wenn wir ein Buch aufschlagen, sehen wir Seiten voller Worte, voller Spuren. So ist es auch mit dem Jahr, das hinter uns liegt. Wir tragen seine Zeilen in uns: helle und dunkle, leichte und schwere. Da sind Begegnungen, die uns froh gemacht haben, Augenblicke, die uns gestärkt haben. Und da sind andere Seiten – mit Schmerz, Enttäuschung, Verlust. Nichts davon lässt sich ausradieren. Und nichts davon müssen wir verleugnen.
Das vergangene Jahr ist wie ein Buch, das wir jetzt – ganz behutsam – schließen. Nicht, weil es uns egal wäre, sondern weil seine Zeit erfüllt ist. Es gehört zu unserer Geschichte, aber es liegt nicht mehr in unserer Hand. Wir können es nicht noch einmal leben, nicht verändern, nicht festhalten. Aber wir können es segnen. Wir können sagen: „Ja, so war mein Jahr.“ Und wir dürfen es Gott zurückgeben – Seite für Seite, so wie es ist.
Und dann ist da die Kerze. Sie brennt im Jetzt. Ihr Licht ist warm und ruhig. Es erzählt von dem einzigen Moment, der uns wirklich gehört: dem Augenblick.
Nicht gestern, nicht morgen – nur dieser kleine Abschnitt Zeit im Hier und Jetzt, den wir gerade durchschreiten. Wir stehen an einer Schwelle, und an Schwellen der Zeit wird das Leben still. Da ist Raum zum Atmen, zum Rückschauen, zum Loslassen.
Die Kerze erinnert uns: Gott ist nicht nur der Gott unserer Geschichte, er ist auch der Gott dieses einen Moments. Er hält das Vergangene in seiner Hand, und er trägt das Kommende. Aber der Augenblick – den erfüllt er mit seiner Gegenwart. Hier und jetzt.
So lade ich Sie ein, in diesem Moment drei kleine Gedankengänge zu wagen:
Das Vergangene loslassen. Nicht verdrängen – aber in Gottes Hände legen. Alles, was gelungen ist, und alles, was schmerzt. Gott nimmt es auf, und er hält es fest.
Dem Kommenden vertrauen. Wir wissen nicht, was das neue Jahr bringen wird – Herausforderungen, Geschenke, Überraschungen. Aber wir gehen nicht in etwas dunkles Unbekanntes. Wir gehen mit dem, der „Jahr und Ewigkeit gemacht hat“.
Den Augenblick hüten. Diesen Moment hier. Er ist wie eine Kerze, die brennt. Er ist das kleine Licht, das uns zeigt: Gott ist da. Jetzt und auch in 2026.
Vielleicht war dieses Jahr für manche von Ihnen besonders schwer. Vielleicht gibt es Wunden, die offen sind, Worte, die ungesagt blieben, Chancen, die verloren gingen. Alles das dürfen Sie heute ablegen. Nicht, um es wegzuschieben, sondern um es aufgehoben zu wissen.
Vielleicht tragen Sie auch Dank in sich: Menschen, die Ihnen gutgetan haben, Erfahrungen, die Sie getragen haben, Augenblicke der Freude. Auch das hat Platz in Gottes Händen.
Wenn wir also das neue Jahr betreten, dann gehen wir nicht einfach weiter in eine neue Reihe von Tagen. Wir gehen begleitet. Wir gehen von Licht berührt. Und wir gehen mit einem Gott, der auch unsere vergangene Geschichte kennt – und weiter-schreibt.
So lassen Sie das Bild noch einmal auf sich wirken: Ein Buch, das geschlossen wird und einen Platz findet in Gottes Bibliothek. Und eine Kerze, die brennt – für diesen Augenblick, der uns geschenkt ist.
Möge Gott unser neues Jahr mit seinem Licht erfüllen. Möge ER unsere Wege segnen, unsere Wunden heilen, unsere Hoffnung stärken. Und möge ER Seite für Seite mit uns beschreiben – heute, morgen, und jederzeit, wie es auch kommen mag.
Gott hält auch unser Buch des Lebens 2025 in SEINEN Händen – Bild von StockSnap auf Pixabay
Abschied(e)
Dieses Jahr ist bei mir von vielen Abschieden geprägt.
Emotional am meisten belastet mich der Abschied eines guten Freundes, den ich seit fast 50 Jahren kannte und wir regelmäßig in Kontakt waren.
Aber auch der Abschied meiner evangelischen Kollegin aus der Krankenhaus-Seelsorge belastet mich emotional sehr.
Mit ihr verliere ich eine sehr geschätzte, profilierte und hochqualifizierte Seelsorge-Kollegin, mit der ich überaus wertvoll eng und ökumenisch zusammen gearbeitet habe. Sie schloss sich nahtlos an die sehr gute ökumenische Zusammenarbeit mit ihrem Vorgänger, Pfarrer Nerenz, an. Frau Gehrke-Marolt verfügt über überaus reiche Qualifikationenfür die Seelsorge in einer Psychiatrie und bringt – quasi als Handwerkszeug – auch ihre Qualifikation als Supervisorin mit. Mit ihrem Abschied geht eine über 20 Jahre lang bestehende engste ökumenische Zusammenarbeit in diesem Krankenhaus, insbesondere zum Nutzen der PatientInnen, aber auch der Mitarbeitenden zu Ende. Der Grund liegt darin, dass das zuständige Klinikum, die evangelische Seelsorge ‚auf eigene Beine stellen‘ will und nun eigene SeelsorgerInnen zur Einstellung sucht.
Insbesondere die PatientInnen in der Psychiatrie profitierten bislang sehr von dieser Beständigkeit in der ökumenischen Seelsorge. Sie stellte auch eine kontinuierliche Begleitung von PatientInnen sicher, die wochen- oder sogar monatelang in diesem Krankenhaus behandelt wurden.
Über die konfessionellen Grenzen und Zuständigkeiten hinweg, haben wir uns – einvernehmlich mit unseren kirchlichen Verantwortlichen und Dienstvorgesetzten – gegenseitig vertreten. Das begann schon mit der Absprache unserer Urlaubs- und Abwesenheitsplanungen. Eine solche Absprache, Koordination und Zusammenarbeit geht weit über das hinaus, was man hinlänglich an ökumenischer Zusammenarbeit in anderen Bereichen kirchlichen Wirkens erleben kann. Insofern war diese gelebte Ökumene ein Meilenstein in der kirchlichen Geschichte Oberhausens.
Demnächst – und das ist für die nächsten Wochen schon absehbar – kann es geschehen, dass es für Tage und wenige Wochen wahrscheinlich überhaupt keine(n) seelsorglichen AnsprechpartnerIn geben wird. Dies alles ist jetzt radikal beendet, ja zerstört, worden und ich persönlich bezweifle stark, dass so etwas Zukunftsweisendes fortgeführt werden wird.
Zudem kommt, – wie immer auch die Gestaltung der evangelischen Seelsorge durch das Klinikum aussehen wird – dass für die Seelsorge in einer Psychiatrie, hohe persönliche und fachlich qualifizierte Fähigkeiten nötig sind. So haben Krankenhaus-SeelsorgerInnen in einer Psychiatrie neben der für alle Krankenhaus-Seelsorgenden verpflichtenden KSA-Ausbildung auch noch eine zusätzliche Qualifizierung über zwei Jahre: „Psychiatrieseelsorgeausbildung“ gemacht.
Es werden also, wenn mögliche NachfolgerInnen nicht schon diese Qualifikationen mitbringen, Jahre vergehen, bevor es einen adäquaten Ersatz für meine Kollegin geben wird.
Ich selber kann beim besten Willen nicht verstehen, was die überzeugende Idee sein könnte, die hinter dieser Unternehmensentscheidung steht.
Als Seelsorgende, die auch noch selber diese gravierenden Veränderungen im Haus kommunizieren mussten, haben wir auf Seiten der Mitarbeitenden und der PatientInnen fast durchweg in erstaunte, frustrierte Gesichter gesehen, die diese Entwicklung ebenso nicht verstehen und nachvollziehen können.
Was mich aber ermutigt ist, dass die Seelsorge im betroffenen Krankenhaus selber große Wertschätzung genießt, die mich hoffen lässt, dass wir mit viel Geduld und Kompromissbereitschaft auch in Zukunft eine katholische Seelsorge anbieten können, die – entsprechend ihrem kirchlichen Auftrag und Anspruch – unabhängig von Unternehmensentscheidungen segensreich für PatientInnen, ihren engsten Zugehörigen und den Mitarbeitenden wirken kann.
Denn: die Menschen brauchen uns als Seelsorgende! Sie ist unverzichtbar in einem Krankenhaus, neben den therapeutischen Angeboten und keineswegs ein Nischenprodukt! Wir haben oft die Zeit und können die Menschen ganzheitlich seelsorglich, religiöse und spirituell begegnen und begleiten, wie es sonst kein anderer Dienst im Krankenhaus leistet. DAS ist UNSER ALLEINSTELLUNGSMERKMAL!
Die ökumenische Jahreslosung für das Jahr 2026 ist für mich persönlich daher Motivation und Ermutigung, dass mit dem Wirken des Heiligen Geistes das gute Werk, das Gott in uns und in der Krankenhaus-Seelsorge dort begonnen hat, segensreich weitergeführt werden kann, entgegen allen äußeren Umständen und Einwirkungen:
Es ist Weihnachten. Eine Nacht, in der wir innehalten dürfen. Draußen ist es dunkel, die Welt kommt zur Ruhe, und irgendwo leuchtet ein Stern. Vielleicht über einer Krippe. Vielleicht am Fenster eines Hauses. Vielleicht auch nur in der Erinnerung.
Weihnachten erzählt von einem Licht, das nicht laut ist. Kein blendender Glanz, kein Feuerwerk. Ein Stern reicht. Ein stilles Zeichen am Himmel, das sagt: Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort.
Dieser Stern von Bethlehem ist mehr als eine schöne Geschichte. Er erzählt davon, dass Gott nicht auf Abstand bleibt. Dass er sich nicht aus dem Leben heraushält, wenn es schwierig wird. Im Gegenteil: Gott kommt mitten hinein. In eine arme Familie. In einen Stall. In eine Nacht voller Unsicherheit. Weihnachten heißt: Gott ist da – genau dort, wo das Leben zerbrechlich ist.
Vielleicht ist das der Grund, warum uns dieses Fest bis heute berührt. Weil wir die Dunkelheit kennen. Weil wir wissen, wie sich Müdigkeit anfühlt, Sorge, Angst vor dem Morgen. Weil unser Alltag oft mehr fordert, als wir geben können. Und weil wir uns danach sehnen, dass uns jemand begleitet.
Der Stern von Bethlehem war ein Wegweiser. Er führte Menschen, die sich aufmachten, ohne den ganzen Weg zu kennen. Die Weisen folgten ihm nicht, weil sie alles verstanden hatten, sondern weil sie hofften. Weihnachten beginnt mit diesem Vertrauen: dass ein kleines Licht genügt, um weiterzugehen.
So ist es auch mit dem Glauben im Alltag. Er ist nicht immer stark. Manchmal ist er brüchig wie ein alter Papierstern am Fenster. Doch wenn es dunkel wird, beginnt er zu leuchten. Nicht perfekt, aber tragend.
Weihnachten sagt uns: Gott ist Immanuel – Gott mit uns. Nicht über uns, nicht fern von unserem Leben, sondern mitten in unseren Tagen, unseren Beziehungen, unseren Fragen. Wir müssen nichts vorweisen, nichts leisten. Wir kommen mit dem, was wir haben: Liebe und Sehnsucht, Hoffnung und Schmerz. Das ist genug.
Der Stern über der Krippe zeigt bis heute den Weg. Nicht hinaus aus der Welt, sondern hinein in unser Leben. Er erinnert uns daran, dass Gott uns begleitet – leise, treu und voller Licht.
Das ist der Zauber von Weihnachten. Ein Stern. Und die Zusage: Du bist nicht allein.
Und es geht noch weiter. Denn das Schöne an Weihnachten ist auch: Weihnachten endet nicht an der Krippe. Der Stern bleibt nicht am Himmel stehen. Er will unseren Weg berühren.
Denn wenn Gott in diese Welt kommt, dann verändert das etwas. Nicht auf einmal, nicht spektakulär. Aber leise, von innen heraus.
Weihnachtlicher Glaube heißt zuerst: Wir müssen die Dunkelheit nicht verdrängen. Wir dürfen sie ansehen – und trotzdem hoffen. Der Stern leuchtet nicht, weil alles gut ist, sondern weil Gott mitten im Unfertigen da ist. Das schenkt Vertrauen für den nächsten Schritt.
Und dieses Vertrauen bleibt nicht privat. Wer unter dem Stern lebt, sieht die Welt anders. Wir beginnen, Menschen wahrzunehmen: die Müden, die Einsamen, die Übersehenen. So wie Gott hinsieht – ohne Vorbehalt.
Weihnachten erinnert uns daran, dass Gott klein geworden ist. Verletzlich. Angewiesen auf Nähe. Darum zeigt sich christlicher Glaube nicht zuerst in großen Worten, sondern in offenen Augen und offenen Händen. Im Zuhören. Im Teilen. Im Dableiben.
Der Stern weist auch heute Wege des Friedens. Nicht den schnellen Frieden, sondern den geduldigen. Den, der im Kleinen beginnt: wenn wir nicht zurückschlagen, wenn wir versöhnen statt verhärten, wenn wir den Mut haben, Brücken zu bauen. Weihnachtliche Hoffnung glaubt: Frieden wächst dort, wo Menschen sich vom Licht leiten lassen.
Und der Stern leuchtet über die ganze Schöpfung. Über Felder und Tiere, über Himmel und Erde. Das Kind in der Krippe liegt nicht fern von der Natur, sondern mitten in ihr. Weihnachten sagt uns: Diese Welt ist Gott nicht egal.
Darum tragen wir Verantwortung für das, was lebt, in dem wir dafür dankbar sind und es achtsam bewahren.
Christlich leben heißt dann: Spuren des Sterns im Alltag hinterlassen, damit auch die Dunkelheit woanders durch das Licht unseres Sterns etwas heller wird.
Wir können die Welt nicht retten. Aber wir können leuchten. Nicht grell, nicht perfekt – sondern wie ein Stern: still, beständig, hoffnungsvoll.
So wird Weihnachten mehr als ein Fest. Es wird eine Haltung. Ein Vertrauen, das trägt. Ein Licht, das wir weitergeben.
Und vielleicht ist das das Schönste: Dass Gott uns zutraut, selbst ein wenig Stern zu sein – für andere. Für diese Welt.
Du möchtest die Weihnachtsgeschichte nachlesen, wie sie uns beim Evangelisten-Lukas überliefert wurde? Dann kannst du hier diesen Link anklicken: Die Weihnachtserzählung nach Lukas!