Weiß

Manchmal hängen die besten Predigtimpulse tatsächlich im eigenen Kleiderschrank.
Bei mir sind es ein paar weiße Kleidungsstücke – Hemden, T‑Shirts, Sommerhosen.
Ich trage sie gern, besonders wenn es warm ist.
Weiß fühlt sich leicht an, frisch, frei.

Und jedes Mal, wenn ich eines dieser Stücke in die Hand nehme, erinnere ich mich an einen besonderen Moment: Als unser Chor bei einem Konzert in Gladbeck sang (s. Bild unten!) .
Wir standen alle in Weiß auf der Bühne.
Unter den bunten Lichtern der Bühnenbeleuchtung und in Kombination mit dem Schwarzlicht begann dieses Weiß fast zu leuchten – als hätte es ein eigenes Strahlen.
Es fiel auf. Es wirkte.
Es hatte etwas Heiteres und zugleich etwas Magisches.

Quelle: Fotos | Junger Chor

Aber wir wissen auch: Weiß ist empfindlich.
Ein kleiner Fleck – und schon ist die Reinheit dahin.
Und das verändert unser Verhalten:
Man setzt sich vorsichtiger hin, man passt besser auf, wohin man geht. Weiß lädt ein zur mehr Achtsamkeit.

Heute, am Weißen Sonntag, ist mir diese Alltagserfahrung wieder in den Sinn gekommen.

In der frühen Kirche haben die erwachsenen Taufbewerber nach ihrer Taufe in der Osternacht ein weißes Gewand empfangen – und eine Woche später wieder abgelegt.
Eine ganze Woche lang trugen die Neugetauften dieses Gewand.
Und ich frage mich: Wie mag es nach sieben Tagen ausgesehen haben?

Sicher nicht mehr so makellos wie in der Osternacht.
Und doch war es ein Zeichen.
Ein Zeichen dafür, dass die Getauften – wie Paulus sagt – „Christus angezogen haben“.

Können wir diese Symbolik auf uns und unseren Glauben heute übertragen?

Bild von WikimediaImages auf Pixabay

Vielleicht zuerst: Weiß steht für Reinheit – aber nicht für Perfektion.
Durch die Taufe sind wir hineingenommen in Gottes Liebe, die uns rein macht, nicht im chemischen Sinn, sondern im Herzen.
Wir sind nicht makellos und nicht fehlerfrei, aber geliebt.

Weiß steht auch für Würde.
Wir tragen – unsichtbar, aber real – ein königliches Gewand.
Gott traut uns zu, Licht zu sein und Anteil zu haben an Christus: an seinem Königtum, seinem Priesterdienst, seinem Prophetenamt.
Das ist keine Last, sondern eine Würde, die aufrichtet.

Und Weiß steht für Leichtigkeit.
Glaube kann schwer sein, ja.
Aber er kann auch leicht sein.
Leicht wie Sommerstoff, der sich im Wind wiegt.
Leicht wie der Gedanke: ‚Ich muss nicht alles allein tragen‘.
Leicht wie die Erfahrung: ‚Ich bin erlöst – nicht durch meine Leistung, sondern durch Gottes Liebe.‘

Und schließlich: Weiß fällt auf.
Ein überzeugtes Christsein kann leuchten.
Es kann neugierig machen – nicht auf uns, sondern auf Christus.
Es kann Menschen anziehen, weil es etwas ausstrahlt, das nicht von uns selbst kommt.

Und doch kennen wir die Flecken.
Wir kennen die Momente, in denen unser inneres Weiß dunkler wird: wenn wir lieblos sind, wenn Sorgen uns die Leichtigkeit rauben, wenn wir griesgrämig werden statt erlöst zu wirken, wenn wir uns mehr um das kümmern, was uns belastet, als um das, was uns befreit.

Aber der christliche Glaube ist kein Wettbewerb um das leuchtenste Gewand.
Er ist kein Schönheitswettbewerb der Seelen.
Er ist ein Weg.

Bild von friday2022 auf Pixabay

Auf diesem Weg gibt es Staub.
Es gibt Stolpern.
Es gibt Flecken.
Das Entscheidende ist nicht die Fleckenfreiheit – sondern die Haltung, wie wir damit umgehen.

So wie wir mit weißer Kleidung achtsamer umgehen, so dürfen wir auch mit unserem Glauben achtsam sein und mit dem, was er ausstrahlt:

Nicht ängstlich, nicht verkrampft, sondern wach.
Wach für das, was uns gut tut.
Wach für das, was uns schadet.
Wach für das, was uns wieder aufrichtet.

Dabei dürfen wir immer im Hinterkopf behalten:
Wir müssen diese Reinheit nicht aus eigener Kraft bewahren.
Wir dürfen sie uns schenken lassen.
Immer wieder neu.

Dieser Sonntag will uns daran erinnern, wie schön es ist, Christus „anzuziehen“
nicht als Pflicht, sondern als Geschenk.
Nicht als Last, sondern als Leichtigkeit.
Nicht als steife Uniform, sondern als ein Gewand der Würde und der wieder erlangten Freiheit.




Osterimpuls 2026

Manchmal hat ein Tag einen eigenen Klang.
Der Karsamstag zum Beispiel – der klingt wie ein leerer Raum.
Fast nichts ist zu hören. Nur dieses Schweigen, wenn man nicht weiß, wie es weitergeht.

Und dann kommt die Osternacht.
Ganz leise zuerst.
Und plötzlich ist da ein anderer Ton:
Leben. Licht. Hoffnung.
Und – erstaunlich genug – Lachen.

Das Osterlachen – ein alter Brauch
Früher erzählten Prediger in der Osternacht einen Witz.
Nicht zur Unterhaltung, sondern als mutiges Zeichen:
Wir lachen dem Tod ins Gesicht.

Der Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti sagt:
Lachen heißt nicht, den Tod zu leugnen.
Es heißt: Du, Tod, hast nicht das letzte Wort.

Darum heute ein kleiner Osterwitz:

Zwei Theologen stehen am Ostermorgen vor dem leeren Grab.
Sagt der eine: „Der Tod hat wirklich nicht das letzte Wort.“
Der andere: „Eigentlich logisch. Das letzte Wort hat immer der, der wieder aufsteht.“

Ostern macht uns nicht unverwundbar

Wir wissen: Der Glaube schützt uns nicht vor Krankheit, Angst oder Verlust.
Und manchmal fragt man sich: Wo ist Gott jetzt? Warum fühlt sich Hoffnung so weit weg an?

Gerade dann ist dieses Osterlachen wichtig.
Es ist kein Weglaufen.
Es ist ein Dagegenhalten.
Ein kleines Aufatmen mitten im Ernst.
Ein Moment, der sagt: Ich bin dem Dunkel nicht ausgeliefert.

Vielleicht kennen Sie das nach einem Begräbnis:
Man sitzt zusammen, das Herz schwer –
und plötzlich erzählt jemand eine liebevolle, schräge Erinnerung.
Und auf einmal lacht der ganze Tisch.
Nicht, weil die Trauer weg wäre.
Sondern weil das Leben sich meldet und sagt: Ich bin auch noch da.

Das ist für mich eine österliche Haltung:
mit Tränen in den Augen lachen zu können.
mit Wunden am Herzen trotzdem aufzustehen.
dem Tod nicht das letzte Wort zu geben – im Großen wie im Kleinen.

Vielleicht klingt Ostern genau so:
„Ich bin traurig – aber ich gebe die Hoffnung nicht her.“
„Ich habe Angst – aber ich lasse mir das Lachen nicht nehmen.“
„Ich bin gefallen – aber ich will nicht liegen bleiben.“

Nicht, weil wir so stark wären.
Sondern weil Gott das Leben gewählt hat.
Und dieses Leben findet seinen Weg –
durch verschlossene Türen, durch schwere Tage,
manchmal sogar durch unser Schweigen hindurch.

Bild von Pexels auf Pixabay

Deshalb ist es heute Nacht gut und richtig,
dass wir uns das Lachen erlauben – gerade im Ostergottesdienst.
Einfühlsam und sensibel, aber echt.
Ein Lachen, das sagt: Es geht weiter.
Das Leben hat noch etwas vor mit uns.

Frohe und gesegnete Ostern uns allen.




Oster-Aufstand

Ostern 2026 – Friede und verschlossene Türen

Sie ist eine der prägensten Osterereignisse in der Bibel:
Der Auferstandene tritt durch verschlossene Türen.
Er sucht Menschen auf, die sich verstecken, die fliehen, die resigniert haben.
Menschen, deren Hoffnung mit dem Tod Jesu zerbrochen ist wie Glas.

Bild: (c) Gerd Wittka, 31.3.2026, erstellt mit Hilfe von KI

Und mitten hinein in ihre Angst spricht er Worte, die wie ein Wunder klingen:
„Friede sei mit euch.“

Nicht als Floskel.
Nicht als spirituelle Beruhigungstablette.
Sondern als Auftrag, als Zumutung, als Weckruf.

Ostern feiern heißt:
Dem Frieden den Vorrang geben.
Nicht theoretisch. Nicht symbolisch.
Sondern existenziell.

Vielleicht müssten wir es sogar noch schärfer sagen:
Ostern feiern geht nur mit einer echten Friedensgesinnung.
Denn wer dem Auferstandenen begegnet, begegnet dem, der den Frieden nicht nur zusagt,
sondern ihn einfordert.
„Suchet den Frieden und jaget ihm nach!“ (Psalm 34,15)
So steht es in der Schrift.
Nicht: „Wartet, bis er euch in den Schoß fällt.“
Nicht: „Hofft, dass andere ihn herstellen.“
Sondern: Jagt ihm nach.
Mit Herz. Mit Verstand. Mit Mut.

Und dann schauen wir auf unsere Welt im Jahr 2026.

Eine Welt, in der Kriege brennen wie offene Wunden.
In der Menschen sterben, weil andere ihre Macht sichern wollen.
In der Einflusszonen wichtiger sind als Tränen.

Viele Menschen sehen politische Führungsfiguren, die Konflikte anheizen oder verschärfen, die religiöse Bilder nutzen, um sich selbst zu inszenieren.
Sie sehen einen russischen Präsidenten, der einen Krieg begonnen hat
und sich zugleich in orthodoxen Kirchen zeigen lässt.
Sie sehen einen amerikanischen Präsidenten,
der politische Entscheidungen trifft, die auf dem Rücken anderer ausgetragen werden, und sich gleichzeitig öffentlich von religiösen Leitungsfiguren segnen lässt.

Das ist
eine Instrumentalisierung des Heiligen
für weltliche Machtspiele.
Und das steht diametral im Widerspruch zu dem,
was Ostern bedeutet.

Denn Ostern ist kein religiöses Dekor.
Kein spirituelles Feigenblatt.
Ostern ist Gottes Nein zur Gewalt.
Gottes Nein zur Machtgier.
Gottes Nein zur Instrumentalisierung des Glaubens.
Ostern ist Gottes Ja zum Leben – kompromisslos.

Ostern 2026

Vielleicht ist das unsere Aufgabe in diesem Jahr:
Nicht nur Eier zu bemalen, sondern Wunden zu benennen.
Nicht nur „Halleluja“ zu singen, sondern „Warum?“ zu rufen.
Nicht nur die Auferstehung zu feiern, sondern den Frieden zu suchen,
den Christus uns zumutet.
Wir dürfen – ja, wir müssen – darum bitten,
dass der Heilige Geist uns erfüllt
mit einer Sehnsucht nach Frieden,
die stärker ist als Resignation,
mutiger als Angst,
beharrlicher als die Logik der Gewalt.

Eine Sehnsucht, die ihren Ursprung hat
in jenem Satz, der durch verschlossene Türen drang
und bis heute durch die Welt hallt:
„Der Friede sei mit euch.“

Auferstehung Christi, by: Gerd A. Wittka 2026, erstellt mit ‚gemini‘



vor.ostern.auferweckt

Impuls zum Evangelium des 5. Fastensonntags: die Auferweckung des Lazarus

Ikone: Die Auferweckung des Lazarus
Bild von Dimitris Vetsikas auf Pixabay

Es gibt Evangelien, die brauchen keine große Auslegung. Sie sprechen für sich.
Das heutige gehört dazu.
Und vielleicht ist es gut, dass wir zwei Wochen vor Ostern einmal ganz bewusst mitten hineingeführt werden in das, was wir sonst gern wegschieben: Krankheit, Sterben, Tod – und die Frage, ob da wirklich noch etwas kommt.

Die Schwestern des Lazarus – und wir

Martha und Maria begegnen uns heute mit einer Mischung aus Hoffnung, Enttäuschung und einem leisen Vorwurf:
„Wärest du hier gewesen …“
Dieser Satz sitzt.
Er klingt nach: „Wir haben auf dich gesetzt – und du warst nicht da.“

Wie oft kennen wir das aus unserem eigenen Leben.
Wie oft aus der Seelsorge.
Wir können nicht überall sein.
Wir können nicht jede Erwartung erfüllen.
Und manchmal fühlen sich Menschen von uns im Stich gelassen – so wie die Schwestern sich von Jesus im Stich gelassen fühlten.

Vielleicht tut es gut zu sehen:
Selbst Jesus konnte nicht überall sein.
Selbst er musste enttäuschen.
Selbst er war nicht immer verfügbar.

Und doch bleibt er nicht draußen vor der Trauer stehen.
Er geht hinein.
Er lässt sich berühren.
Er weint.

Wenn die Fragen lauter werden

Ich finde mich selbst in dieser Geschichte wieder.
In den Schwestern.
In ihren Fragen.
In ihrem Ringen.
Ich ertappe mich immer wieder dabei, dass ich innerlich mit meinen Verstorbenen spreche – mit meinem Vater, meiner Mutter, einem sehr guten Freund, den ich im Sommer letzten Jahres verlor.
Und manchmal frage ich sie:
„Und? Hat sich eure Hoffnung auf Auferstehung erfüllt? Könntet ihr mir nicht ein Zeichen geben?“

Aber die Antworten bleiben aus.
Und dann bleibe ich zurück mit meinem Glauben – und mit meinen Unsicherheiten;
mit Gedanken, die ich mir als gläubiger Mensch, als Geistlicher, eigentlich nicht erlauben möchte.
Und doch kommen sie.
Und vielleicht müssen sie kommen.
Denn sie sind die Nagelprobe unseres Glaubens.

Auch Martha und Maria hielten die Auferstehung für undenkbar.
Sie hatten nur den „Vorteil“, dass sie Zeuginnen wurden.

Wir hingegen bleiben mit unseren offenen Fragen.
Mit unserem Vertrauen.
Mit unserer Hoffnung.

Ich finde es gut, dass wir heute – am Passionssonntag – eine Auferstehungsgeschichte hören.
Nicht, um das Leiden zu verdrängen.
Sondern um uns daran zu erinnern, dass der Weg durch das Leiden hindurchführt – nicht hinein und steckenbleibend.
Gerade jetzt, wo wir von Leid, Krieg, Unsicherheit und Überforderung umgeben sind, brauchen wir diese Perspektive. Leid, Not und Tod nehmen wir schon zu genüge wahr.

Deshalb brauchen wir diese Auferstehungsgeschichte.
Nicht als billigen Trost.
Sondern als Gegenkraft.
Als Korrektiv.
Als Licht, das uns hilft, den Wahnsinn dieser Zeit auszuhalten.

Vielleicht ist das Evangelium von Lazarus ein Vorgeschmack auf Ostern, weil es uns zeigt:
Gott führt uns nicht am Tod vorbei – aber hindurch.
Und auf der anderen Seite wartet Leben.
Nicht immer sichtbar.
Nicht immer sofort.
Aber verheißen.

Und getragen von einer Liebe, die stärker ist als alles, was uns Angst macht.

Wenn wir das heute mitnehmen, dann kann es uns durch die kommenden Tage tragen – hinein in die Karwoche und weiter bis zum Licht von Ostern.




1. Fastensonntag – A – 2026

Riesige Sanddünen einer Sandwüste, darin winzig klein zu sehen: ein einsamer Wanderer.
Bild von Wolfgang_Hasselmann auf Pixabay

Bibeltext: Matthäus 4, 1-11

Stellen wir uns eine Landschaft vor, in der alles Überflüssige verschwindet:

Weite. Steine. Sand. Trockenheit.
Die Sonne sticht am Tag, nachts wird es bitterkalt.
Der Himmel ist groß, der Boden hart.
Vierzig Tage – und dabei fasten.
Die Schritte werden langsam.
Kein Geräusch außer dem eigenen Atem.
Keine Ablenkung.
Nur das Nötigste zählt: Wasser, Schutz, ein Platz zum Ausruhen, der nächste Schritt.
Eine Wüste ist ein Ort, an dem nichts geschönt ist.

Ein Ort, an dem man auf sich selbst zurückgeworfen ist – mit dem, was einen lockt, mit dem, was Angst macht, mit der Frage:
Was trägt mich wirklich?

Solche Erfahrungen kennen wir alle, auch ohne echte Wüste.
Ich habe noch nie wirklichen Hunger erlebt, weiß also nicht um die existentielle Not um Nahrung und Brot.
Aber ich kenne Situationen, in denen ich mit mir selbst konfrontiert war:
mit meinen Fragen, meinen Grenzen, meinen Sehnsüchten.

Mit der Frage: Was gibt meinem Leben Halt? Was schenkt mir Kraft? Wer lässt mein Herz leicht werden?

Wir nennen solche Zeiten „Wüstenerfahrungen“.
Manche suchen sie bewusst – als Exerzitien.
Andere geraten hinein: durch Krankheit, Überforderung, Einsamkeit, einen Bruch im Leben.

In der gestrigen Sendung „Kölner Treff“ (20.02.2026) war auch Kevin Kühnert zu Gast. Nachdem er aus der Politik herausgegangen ist, hat er sich zwei Monate Auszeit genommen, um die Alpen zu durchqueren – allein.
Während dieser Zeit war er ganz auf sich zurück geworfen.
Es lohnt sich, seine Ausführungen ab Minute 58:10 zu verfolgen.


Das Evangelium erzählt heute von Jesu Wüstenerfahrung.
Und es zeigt drei Versuchungen, die auch uns betreffen – damals wie heute.

  1. Die Versuchung rund um das Existenzielle
    Mach aus diesen Steinen Brot.“

Es geht um Grundbedürfnisse: Sicherheit, Versorgung, Halt.
Die Versuchung lautet: „Sorge zuerst für dich – koste es, was es wolle.“

Heute begegnet uns das so:
– Wenn die Angst, zu kurz zu kommen, uns antreibt:
Wir sichern ab, kontrollieren, horten – nicht aus Vernunft, sondern aus innerer Unruhe.

– Wenn wir aus Erschöpfung zu vermeintlich schnellen Lösungen greifen:
zu viel Alkohol, um runterzukommen;
zu viel Ablenkung, um nicht spüren zu müssen, wie es uns wirklich geht.

– Wenn wir meinen, wir müssten alles allein schaffen, weil wir sonst „nicht genügen“.

Jesus sagt: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot.“
Er sagt nicht: Brot ist unwichtig.
Er sagt: Es ist nicht alles.

2. Geistlich‑religiöse Versuchungen
Stürz dich hinab – Gott wird dich schon auffangen.“

Das ist die Versuchung, Gott für die eigenen Zwecke einzuspannen.
Die Versuchung, Glauben zu benutzen statt zu leben.

Heute zeigt sie sich so:

– Wenn wir meinen, wir hätten Gott „auf unserer Seite“ – und andere damit klein machen.
– Wenn wir fromme Worte benutzen, um uns selbst zu erhöhen oder Konflikten auszuweichen.
– Wenn wir Gott testen wollen: „Wenn du wirklich da bist, dann…“

Jesus antwortet: „Du sollst Gott nicht auf die Probe stellen.“
Glaube ist Beziehung, nicht Manipulation.

3. Die Versuchung von Macht, Einfluss und Geltung
All das will ich dir geben…“

Diese Versuchung kommt oft leise daher.
Sie sagt: „Du kannst groß rauskommen – du musst nur ein bisschen deine Werte beugen.“

Heute begegnet sie uns so:

Wenn wir uns wichtiger machen, als wir sind:
indem wir übertreiben, um Eindruck zu machen, oder so tun, als hätten wir alles im Griff.

Wenn wir andere übergehen, um selbst zu glänzen:
etwa wenn wir im Team die Idee eines anderen als unsere eigene verkaufen.

Wenn wir uns von Anerkennung oder Karriere treiben lassen:
wenn wir Entscheidungen nicht nach dem treffen, was richtig ist, sondern nach dem, was uns beliebt macht.

Wenn wir uns anpassen, um dazuzugehören – obwohl es uns innerlich gegen den Strich geht:
wenn wir schweigen, obwohl wir spüren: „Das ist nicht in Ordnung.“

Jesus sagt: „Nur Gott sollst du anbeten.“
Treue zu Gott und zu sich selbst – das ist das Ziel.

Was wir von Jesus lernen können

Auffällig ist: Jesus antwortet aus seinem Glauben heraus.
Er lässt sich nicht treiben, nicht locken, nicht einschüchtern.
Sein Glaube gibt ihm Klarheit und Standfestigkeit.
Er hilft ihm, Versuchungen zu durchschauen und ihnen die Macht zu nehmen.
Am Ende steht der Versucher sprachlos da.

Was heißt das für uns?

Fastenzeit heißt nicht: „Werde perfekt.“
Fastenzeit heißt: „Schau ehrlich hin.“
Schau hin auf das, was dich lockt, was dich schwächt, was dich antreibt.
Schau hin auf das, was dir wirklich wichtig ist.
Schau hin auf das, was dich trägt.

Vielleicht ist die Fastenzeit eine Einladung, die eigene „innere Wüste“ nicht zu fürchten, sondern als Chance zu sehen:
als Ort der Klärung,
als Ort der Wahrheit,
als Ort, an dem Gott uns neu begegnen kann.

Denn Jesus zeigt:

Man kann Versuchungen bestehen.
Nicht, weil man stark ist,
sondern weil man sich halten lässt
und sich gehalten weiß.




Österl. Bußzeit und Ramadan


erstellt mit KI (copilot)

Christliche Fastenzeit und Ramadan

Es gibt Jahre, in denen der Kalender uns kleine Geschenke macht. Dieses Jahr gehört dazu: Christinnen und Christen beginnen heute mit dem Aschermittwoch ihre Fastenzeit – und gleichzeitig treten Musliminnen und Muslime in den heiligen Monat Ramadan ein. Zwei Traditionen, zwei Wege, zwei Rhythmen. Und doch: ein gemeinsamer Herzschlag.

Unterschiedliche Formen – ein gemeinsamer Geist

Die christliche Fastenzeit umfasst vierzig Tage, wobei die Sonntage ausgespart bleiben. Sie sind kleine Ostertage, Tage der Freude, an denen das Fasten bewusst unterbrochen wird. Der Ramadan hingegen dauert einen Mondmonat und kennt das tägliche Fastenbrechen nach Sonnenuntergang.

Doch jenseits dieser äußeren Unterschiede verbindet beide Traditionen etwas Tiefes:
Fasten ist nie nur Verzicht. Fasten ist ein Weg der Hinwendung – zu Gott, zu den Menschen, zu sich selbst. Werke der Barmherzigkeit, Nächstenliebe, innere Erneuerung: All das gehört untrennbar dazu.

Fasten ohne finsteres Gesicht

Wir Christinnen und Christen haben uns manchmal schwergetan mit dieser Freude. Zu oft stand das äußere Fasten im Vordergrund, manchmal mit einem Hauch von moralischem Ernst, der eher belastet als befreit. Dabei sagt Jesus selbst ganz klar, worauf es ankommt:

„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht … salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht.“

Fasten soll nicht zur Selbstdarstellung werden. Es soll nicht beschweren, sondern befreien. Es soll uns nicht enger machen, sondern weiter.

Benedikt: Fasten in der Freude des Heiligen Geistes

Der heilige Benedikt hat das wunderbar auf den Punkt gebracht. In seiner Regel lädt er dazu ein, in der Fastenzeit „in aller Lauterkeit auf unser Leben zu achten“ und Gott „in der Freude des Heiligen Geistes“ etwas darzubringen.
Nicht die Strenge steht im Mittelpunkt, sondern die geistliche Sehnsucht. Nicht der Verzicht, sondern die Beziehung. Nicht die Askese, sondern die Freude.

Beten, Lesen der Schrift, innere Sammlung – all das bekommt Vorrang vor dem rein körperlichen Fasten. Und genau darin liegt die Schönheit dieser Zeit.

Wenn die Natur aufblüht – und wir mit ihr

Die Fastenzeit fällt in jene Wochen, in denen die Natur langsam wieder erwacht. Knospen brechen auf, Licht kehrt zurück, Farben melden sich zurück. Warum nicht dieses äußere Aufblühen als Bild für unser Inneres nehmen?

Fasten kann ein Raum sein, in dem wir neu aufblühen:
in unserer Beziehung zu Gott,
in unserer Aufmerksamkeit für andere,
in unserer Dankbarkeit für das Leben.

Ein gemeinsamer Wunsch

Ich wünsche allen Menschen christlichen und muslimischen Glaubens eine gesegnete Fastenzeit und einen gesegneten Ramadan.
Mögen diese Wochen uns näher zu Gott führen – zu dem Gott Abrahams, der uns alle trägt.
Mögen sie uns inspirieren zu guten Taten, zu Frieden, zu Verständnis und zu einem liebevollen Umgang mit der ganzen Schöpfung.

Fastenzeit und Ramadan: zwei Wege, die uns einladen, leichter zu werden, freier zu werden, tiefer zu leben.
Vielleicht ist das das schönste Geschenk dieser besonderen Zeit.