Verwandelt durch Erneuerung

(Röm 12,2)


Vor 30 Jahren, als wir unsere Exerzitien zur Diakonenweihe hatten, hatte sich mein Weihekurs in ein Kloster zurück gezogen.
Uns wurde damals eine Ordensschwester ans Herz gelegt, die uns auf die Weihe vorbereiten könnte.

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Das Kloster lag in Köln und die Gemeinschaft sind Benediktinerinnen vom heiligsten Sakrament.
Ich hatte bislang von denen nie was gehört. Dann erfuhr ich, dass sie sich auch „Anbetungsbenediktinerinnen“ nennen, die sehr kontemplativ leben.
Sofort dachte ich an ein Kloster, irgendwo abseits gelegen, am Rande von Köln, da, wo „Hase und Igel sich ‚Gute-Nacht‘ sagen“.

Doch als wir nach Köln fuhren, führte uns der Weg Richtung Innenstadt. Zuerst dachte ich, wir hätten uns verfahren, aber wir waren auf dem richtigen Weg.

Das Ziel war die „Brühler Str. 74“, unweit des Raderthalgürtels, in der Nähe des Vorgebirgsparks.
Wer sich in Köln auskennt, weiß, dass das knapp 20 Minuten fußläufig von der Altstadt entfernt ist.

Wir fuhren durch eine zweispurige Straße, dicht bebaut mit Wohnungen, Handwerksbetrieben und Geschäften …

Hier sollte ein kontemplatives Kloster sein?
Und dann sahen wir das Grundstück, eingezäunt mit einer halbhohen Ziegelmauer, die ein hohes Gitter krönte. Das Tor war offen und wir fuhren auf einen asphaltierten Platz, vor uns eine Front des Klosters aus dem 1890er Jahren.
Geradeaus eine alte Holztür, einige Fenster und links eine weitere Holztür, welche der Zugang zur Kapelle war.

Wir klingelten, eine freundliche Ordensfrau öffnete uns die Tür und bat uns herein.
Wir standen in einer kleinen neugotischen Halle, mit einigen Türen, davon eine doppelflügelige Tür mit der Aufschrift „Klausur“ und eine Treppe, die nach oben führte.

Es roch, wie es in so alten Gebäuden gewohnt ist, zu riechen, etwas auch nach Bohnerwachs.
dann schloss sich hinter uns die Pfortentür … und wir waren in der Stille.

Gerade noch durch eine geschäftige Wohn- und Einkaufsstraße gekommen, schirmte uns diese alte Tür von der Geschäftigkeit da draußen ab.

Für mich war das eine krasse Erfahrung: so sang- und klanglos standen wir buchstäblich in der Stille, nur die einladenden Worte der Klosterfrau war zu vernehmen.

Wir bekamen unsere Zimmerschlüssel und stiegen zwei Stockwerke hinauf.
Gut 30 Ordensschwestern sollen hier in diesem Kloster leben – doch wir hörten nichts, nicht einmal irgendwo Schritte oder Türen. Und von draußen drangen auch keine Geräusche ins Kloster.

Symbolbild, www.pixabay.com

Mein Zimmer – es war eher eine kleine Zelle mit einem Bett, einem Tisch, einem Stuhl, einem Schrank und einer Waschstelle – lag direkt unter dem Dach. Eine Dachgaube gab den Blick frei in den Innenhof des Klosters, der vom Kreuzgang begrenzt wurde. Spatzen tschirpten und Mauersegler flogen über das Dach.
Wir erfuhren, dass die Kontemplation (Betrachtung) und das Gebet Mitte der Spiritualität dieser Benediktinerinnen sei.

Sie haben dort einen großen Garten, damals noch eine eigene Kuh, bestreiten ihren Unterhalt durch eine Hostienbäckerei und durch Herstellung von Paramenten (liturgische Texitilien) für Gottesdienste.
Dazu bieten sie noch geistliche Begleitungen an.

Ordensfrauen, die mitten in der Welt sich in die Stille zurückziehen.
Ist das Weltflucht?

Auf dem ersten Blick könnte es so aussehen, als wollten sie mit „denen da draußen nichts zu tun haben“, zumal sie auch nicht ohne Erlaubnis der Oberin das Kloster verlassen durften. Nur die Nonne an der Pforte pflegte den Kontakt nach draußen.

Doch ich erfuhr, dass diese Ordensschwestern sehr wohl und sehr gut informiert waren darüber, was da draußen los war. Sie waren vollständig und sehr genau im Bilde, was die Themen der Nachrichten und der Menschen in der Zeit waren.

Das imponierte mich sehr.
Damals begleitete uns durch die Exerzitien Sr. Otgera Krämer OSB. (Und wir entschieden uns, auch ein Jahr später unsere Exerzitien zur Priesterweihe wieder dort zu halten.)
Nach meiner Priesterweihe wurde Otgera für einige Jahre meine geistliche Begleiterin.

Diese Erinnerungen kamen mir in den Sinn, als ich über das Wort des heiligen Paulus in der heutigen Lesung nachdachte.

„Gleicht euch nicht dieser Welt an, sondern lasst euch verwandeln durch die Erneuerung des Denkens, damit ihr prüfen und erkennen könnt, was der Wille Gottes ist: das Gute, Wohlgefällige und Vollkommene!“ ( Röm 12,2 )

Für mich sind diese Benediktinerinnen von Köln-Raderberg ein Beispiel, wie man die Worte des hl. Paulus ins heutige Leben übertragen kann.

Nun ist es weder mir noch Ihnen gegeben, so klaustriert zu leben, wie die Schwestern in Raderberg.

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Aber dennoch können sie für uns ein ermutigendes Beispiel sein, was es heißt, sich nicht dieser Welt anzupassen, sondern sich verwandeln zu lassen durch die Erneuerung im Denken, um zu erkennen, was der Wille Gottes ist.

Die Herausforderungen der Christ:innen in der Welt

Unsere Herausforderung ist es, mitten in der Hektik des Alltags und den Erfahrungen der Welt um uns herum, in der Welt und auch bei den Menschen zu sein, aber zugleich einen heilsamen Abstand zur Welt zu gewinnen, damit wir immer wieder auch Raum lassen können, um nach dem Willen Gottes zu fragen.

Was die Frauen des Benediktinerinnen-Klosters in strenger Form und Tag für Tag leben, dass können wir auch in unserem Alltag versuchen:

• Inseln des Rückzugs zu finden, wo wir uns Räume und Zeiten schaffen, um Abstand von der Welt zu bekommen.
• Zeiten und Zeiträume zu sichern, um uns ins Gebet oder in die Betrachtung zurück zu ziehen. Dabei können uns auch geistliche Impuls helfen, die wir in Büchern finden oder auch im Internet.
• Rituale zu entwickeln, die wir einzig und allein für diesen Rückzug reservieren: eine Kerze oder ein Räucherstäbchen zu entzünden, ein religiöses Bild hinzustellen oder gar einen festen Platz in unserer Wohnung einzuräumen, meditative Musik einzuschalten, in Familien ein Schild „bitte nicht stören“ aufzuhängen, ein Fenster zu öffnen, um den Gesang der Vögel wahrzunehmen, oder auch ein Fenster bewusst zu schließen, um Geräusche von außen auszuschließen, … und viele andere Rituale mehr, die wir für uns selber finden und die uns gut tun.
• geistliche Schriften oder Bilder zur Hand nehmen, anhand derer wir unsere Gedanken sammeln und unser Gespräch mit Gott starten können …
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Stille und Gebet mitten im Alltag

Stille, Gebet und Kontemplation ist in der Regel nicht anstrengend, sondern sind Räume und Zeiten, der geistigen und geistlichen Regeneration.
Sie ermöglichen uns, uns auf die Beziehung zu Gott zu konzentrieren. Dabei ist es auch hilfreich, sich konkret zu entscheiden, wer genau mein Gegenüber ist. Gott Vater, sein Sohn Jesus Christus oder der Heilige Geist? –
Wir Menschen haben unterschiedliche Zugänge zu einem dieser dreifaltigen Personen. Und das können wir uns zu Nutze machen.

Wenn ich heute die Sätze des heiligen Paulus lese, dann kommt mir als erstes in den Sinn, dass ein Schwerpunkt unserer geistlichen Existenz es ist, meiner Beziehung mit Gott im Alltag Raum zu geben.

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Das kann bedeuten, sich nicht der Welt anzugleichen, in der Zeit für Gott im öffentlichen Raum kaum noch vorkommt.

Mit einer Ermutigung des christlichen Philosophen Sören Kirkegaard möchte ich enden:

Søren Kierkegaard, Quelle: Als sein Gebet immer andächtiger und innerlicher wurde, da hatte er im… (aphorismen.de)


Zum heutigen Tagesevangelium: Matthäus 16, 21-27

Ich widme diesen Impuls der Gemeinschaft der Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament in Köln-Raderberg.




„Jesus, du …“

Litanei zum 21. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr A

Gestern in unserem Gottesdienst in der Krankenhaus-Kapelle ist eine Litanei entstanden, die ihren Ursprung im gestrigen Evangelium hat.

Bild von floyd99 auf Pixabay

Die Gottesdienstteilnehmer:innen wurden vor dem Gottesdienst eingeladen, spontan (aus dem Bauch und dem Herzen heraus) ein Wort oder einen kurzen Satz anonym aufzuschreiben, wer oder was Jesus Christus für sie ist.
Danach legten sie ihren Zettel in ein Gefäß, das beim Einzug mitgenommen und auf den Altar gelegt wurde.

Nach der Kommunion gibt es immer eine kleine Meditation.
Dieses Mal habe ich die Zettel genommen und daraus spontan die Litanei formuliert, die ich in der Anlage beigefügt habe.

Für die Teilnehmenden und auch für mich war das ein sehr dichtes spirituelles Erlebnis.

Es war
1.) so wertvoll, dass so viele ‚ihr persönliches‘ Christus-Bekenntnis abgegeben haben und
2.) andere daran teilhaben lassen. So entstand
3.) ein eindrucksvolles Glaubenszeugnis in der heutigen Sprache der Menschen

Gerne teile ich mit ausdrücklicher Erlaubnis der Gottesdienstgemeinschaft dieses spirituelle Highlight.




Lebensrettung – strafbar

Bankrott-Erklärung des christlichen Humanismus

Ursache: Ultra-Rechte, die dem Faschismus nacheifern

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

Es ist wahrscheinlich wie bei vielen anderen Nachrichten: überhäuft von negativen Nachrichten, können wir gar nicht so viel aufnehmen.

Aber vielleicht macht sich das gerade die italienische ultra-rechte Regierung zu nutze, um so gleichsam ‚unter dem Radar‘ ihre faschistisch-unmenschliche Politik zu machen.

Wir erinnern uns:

Italien setzt weitere Seenotrettungsschiffe fest | tagesschau.de

Insgesamt vier Seenotrettungsschiffe sind in den letzten Tagen von der italienischen Regierung ‚festgesetzt‘ worden. Das heißt, dass sie 30 Tage lang nicht auslaufen dürfen und auch nicht in Seenot geratene Menschen im Mittelmeer retten können und dürfen.

Doch als wenn das nicht schon schlimm genug wäre, verhängt die Administration auch noch Geldstrafen, die von diesen Organisationen, die zumeist privat finanziert werden, getragen werden müssen.

Dies ist ein himmelschreiender Skandal!

Denn: Damit zeigen die ultra-rechten Kräfte (nicht nur) in Italien, welch Geistes Kind sie sind: Sie gehen oder schwimmen buchstäblich über Leichen.
Menschenleben zu retten, ist für sie keine ehrbare christlich-humanistische Aufgabe, sondern buchstäblich eine kriminelle Handlung, ein Verbrechen, dass bestraft werden muss!

Von Moral und Anstand kann da keine Rede mehr sein. Dies zeigt, dass ultra-rechte Nationalisten eine Politik des Todes verfolgen.

Wir alle, die wir darum wissen, sind mitverantwortlich und machen uns mitschuldig, wenn wir nichts tun.

Und was können wir tun?

Nun, einfach die vermeintliche ‚Strafe‘ mit bezahlen, z.B. durch Spenden an genau diese Hilfsorganisationen, die aus Liebe zu den Menschen ( -> Nächstenliebe ) Gesundheit und Leben und staatliche Verfolgung riskieren!

Zwar ist das auch nur ein suboptimaler Weg, weil wir dadurch Faschisten noch das Geld in den Rachen schmeißen; aber es gibt kein schwarz-weiß. Das zeigt auch dieses Beispiel wieder.

Wir werden schuldig, nicht nur wenn wir Böses getan, sondern auch Gutes unterlassen haben, wie es im Schuldbekenntnis der römisch-katholischen Liturgie heißt!




Unschlagbar gut: ‚waze‘-Navigations-App

Community-Part macht App einzigartig und praktisch

Symbolbild: Bild von Dariusz Sankowski auf Pixabay

Seit Jahren benutze ich die Navigations-App ‚waze‘, die seit 2013 auf dem Markt ist.
Und seit 2015 benutze ich die App, ständig und immer wieder gerne.

  • Community-Part / Schwarmintelligenz
  • Ansicht ist sehr gut, Fahrspuren werden angezeigt
  • Einstellungen/Konfiguration sind sehr detailliert möglich
  • deutschsprachige Ansage, auch mit Straßennamen
  • Gefahrenstellen werden weitläufig angezeigt
  • Online-Verbindung nötig -> dafür aber immer auf den aktuellsten Stand
  • Rückgriff auf Terminkalender möglich, um Abfahrtzeiten zu empfehlen.
  • Routen-Buchung möglich: App erinnert daran, wann ich spätestens losfahren muss, um pünktlich zu einem Termin erscheine
  • Planung von Fahrten für die Zukunft mit Empfehlung der Abfahrtzeiten und Stauprognosen

Diese App hat aber einen ‚Nachteil‘: die Qualität verbessert sich mit der höheren Nutzung durch die Community, weil damit die Meldungen aus der Community exakter und detaillierter werden.

Hier kein kleiner Test dieser App, wobei ich die dort genannten ‚Schwächen‘ so nicht deutlich spüren konnte. Ich fahre auch ca. zwei Mal im Jahr nach Dänemark und dort funktioniert diese App auch zuverlässig gut.

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube.

Quelle: https://youtu.be/xLnSpk9ZPbE?si=lg8LsDHcC_8lHz-y



Schlüssel für die ‚Schüssel‘

Euro-WC-Schlüssel öffnet nun auch für mich

Foto: Gerd Wittka, 2023

Wer von einem chronischen Darmleiden betroffen ist, wird wissen, wovon ich nun schreibe:
Die Not, sehr schnell Zugang zu einer Toilette zu finden, weil der Darm sein eigenes Spiel spielt.

Als ein Betroffener vom Reizdarmsyndrom begleitet mich seit über 25 Jahren die ständige Frage und Sorge: Wo finde ich eine Toilette, wenn ich unverhofft müssen muss?!

Egal, was ich tue oder wohin ich gehe oder fahre; immer begleitet mich das Thema „WC“.

Ich bin mittlerweile dafür bekannt, mit als erster zu wissen, wo die Toiletten sind.

Sind wir an einem neuen Ort, geht mein Blick automatisch zu dem ‚erlösenden‘ Hinweis auf eine naheliegende Toilette.

Bin ich im Urlaub unterwegs, hilft mir eine App auf meinem Smartphone, meine Ziele danach auszurichten, wo sich auch eine Toilette befindet. Bin ich dann am vermeintlich Zielort, wird als erstes auch überprüft, ob die Toilette tatsächlich zugänglich ist …

(Manche mögen nach diesen Ausführungen schmunzeln, weil es ein Sch..ß-Thema ist, aber es ist echt eine Last und auch eine Art von Behinderung!)

www.pixabay.com

In Zukunft wird mir dieser Hinweis eine zusätzlicher Hilfe sein, denn seit heute verfüge ich über einen Schlüssel, der mir innerhalb Europas an unzählig vielen Stellen die Türen zu Behinderten-Toiletten öffnen wird, wo sie sonst für mich verschlossen geblieben wären.

Der Euro-WC-Schlüssel

Durch eine ganz nette Person wurde ich darauf aufmerksam gemacht, dass es eine Initiative gibt, die es Menschen mit Behinderungen ermöglichen soll, erleichterten Zugang zu ‚Behinderten-Toiletten‘ zu bekommen.
Zu diesen Menschen mit Behinderungen gehören auch jene, die unter chronischen Darmerkrankungen leiden wie Morbus Crohn, Colitis ulcerosa und Reizdarm.

Der Euroschlüssel ist ein 1986 vom CBF Darmstadt – Club Behinderter und ihrer Freunde in Darmstadt und Umgebung e. V. – eingeführtes, inzwischen über die Landesgrenzen hinaus genutztes Schließsystem, das es körperlich beeinträchtigten Menschen ermöglicht, mit einem Einheitsschlüssel selbständig Zugang zu behindertengerechten sanitären Anlagen und Einrichtungen zu erhalten, z. B. an teilnehmenden Autobahn- und Bahnhofstoiletten, aber auch für öffentliche Toiletten in Fußgängerzonen, Museen oder Behörden.

Euroschlüssel: CBF Darmstadt e.V. (cbf-da.de)

Ich konnte es fast nicht glauben und fassen, dass ich von dieser Initiative profitieren könnte!

Also habe ich im Netz recherchiert und habe diese Seite gefunden:

Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V.

Dort finde ich den Hinweis, dass folgende Menschen berechtigt sind, diesen Schlüssel zu erhalten:

  • Menschen mit einer Behinderung, die auf behindertengerechte Toiletten angewiesen sind.
  • Ferner: Personen, die an Multipler Sklerose, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa erkrankt sind und Menschen mit chronischer Blasen- / Darmerkrankung.

Noch etwas skeptisch, ob ich wirklich auch diesen Schlüssel erhalten würde, habe ich also das Formular ausgefüllt und bin zu meinem Hausarzt gegangen und habe um ein Attest gebeten, dass mir bescheinigt, dass ich ein Reizdarm-Patient bin, der auf einen barrierefreien Zugang zu Toiletten angewiesen ist.

Ich habe meine Unterlagen dem Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter e.V. zugesandt und die Kosten für den Schlüssel überwiesen.
Heute konnte ich den Schlüssel in Empfang nehmen. Und es wird dich vielleicht etwas wundern, aber:

Ich habe mich riesig darüber gefreut.

Der Anblick eines WC’s kann glücklich machen …! – www.pixabay.com

Nun eröffnen sich für mich neue Perspektiven und ich hoffe, dass ich dadurch etwas gelassener auch neue Ziele in den Blick nehmen kann.

Mir werden die Leiden am Reizdarm dadurch nicht genommen werden, aber ich kann vielleicht ein Stück besser mit dieser Einschränkung, die ich auch durchaus als eine Behinderung wahrnehme, zu leben.

Ich bin dankbar für diese Initiative!

Möge mein Beitrag anderen – die von den oben genannten Behinderungen oder Erkrankungen betroffen sind – helfen, ebenfalls ungehinderten Zugang zu Toiletten für Menschen mit Behinderungen zu bekommen!


Ergänzung:

Damit sich die Toiletten auch gut finden lassen, empfehle ich die App HandicapX in den jeweiligen App-Stores. Mit dieser App wirst du leichter fündig und kannst auch selber Standorte von barrierefreien Toiletten hinzufügen, bearbeiten und bewerten. Diese App ist gegen einen kleinen Obolus erhältlich:

HandicapX App – HandicapX.de




Geförderter Mutterkomplex

oder: „Schwester im Glauben“?!

Bild von falco auf Pixabay

Heute, am 15. August, feiern wir in der römisch-katholischen Kirche das „Hochfest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel“ (Maria-Himmelfahrt).

Dieses Fest kann uns Anlass sein, noch einmal genauer hinzuschauen, was es mit der Marienverehrung in unserer Kirche auf sich hat.

Dies vor allem auch deshalb, weil Menschen in und außerhalb unserer Kirche offenbar nicht mehr den Unterschied zwischen „Anbetung“ und „Verehrung“ kennen.
So berichtete z.B. gestern ein Sender über die Wallfahrt von Tamilen nach Kevelaer und sprach in dem Beitrag von „Anbetung Mariens“.

Mir als Theologe und Christ sträuben sich dann natürlich ‚die Nackenhaare‘, denn ich würde niemals auf die Idee kommen, Maria ‚anzubeten‘.
Allein Gott ist der Anbetung würdig und wert!

Diese Beobachtungen lassen natürlich die Frage aufkommen, welche Rolle Maria, die Mutter Jesu, für unseren Glauben spielen kann?

„Mutter Gottes“, „Mit-Erlöserin“ oder …?

Viele Titel hat Maria im Laufe der Kirchengeschichte in der römisch-katholischen Kirche bekommen:

  • Mutter Gottes
  • Gottesgebärerin
  • Königin des Himmels
  • Mutter der Christenheit
  • „Mit-Erlöserin“ (erstmals von Papst Johannes Pauls II.)
  • ‚unsere‘ Mutter

Auffällig auch dazu die Attribute, die Maria klar verbinden mit Schutz, Orientierung oder gar Guide auf dem Weg zu Christus, …

Dazu kommen dann noch die unzähligen marianischen Wallfahrtsorte, von denen viele mit vermeintlichen Marien-Erscheinungen verknüpft sind.

Mutterkomplex

Etwas provokant habe ich die Überschrift mit dem Wort „Mutterkomplex“ übetitelt.
Ja, es ist provokant. Es soll aber zugleich auch auf eine Problematik hinweisen.

In der Entwicklung eines jungen Menschen vom Kind zum Heranwachsenden, Jugendlichen und gar Erwachsenwerden gehört es, sich peu-a-peu mehr von Vater und Mutter abzunabeln. Das bedeutet, dass Kinder lernen sollen und müssen, sich als eigen-ständige Wesen zu erkennen und auch darin die Notwendigkeit, ihr eigenes Leben zu leben.

Die Abkopplung vom Elternhaus und insbesondere auch von der Mutter ist ein entscheidender Schritt zum Erwachsenwerden.

Doch in der Kirche versucht man krampfhaft, gestandenen Menschen immer wieder einzubläuen, sie bräuchten auch noch im hohen Alter eine Ersatz-Mutter-Gestalt, die sie beschützen muss und soll (-> Schutzmantelmadonna!).

Ich würde gerne mal wissen, was Psychologen zu diesem Phänomen sagen:
Einerseits sollen Menschen erwachsen werden und andererseits will die kirchliche Verkündigung weiter vermitteln, dass wir eine ‚Mutter‘ brauche, die uns vor Gefahren schützt!

Natürlich ist es wichtig, dass auch erwachsene Menschen (vor Gefahren) geschützt werden. Doch meine kritische Anfrage ist, ob es klug ist, dieses an einer Person festzumachen und den Verehrungskult mit dieser Haltung zu überfrachten, die sogar für erwachsene Menschen angemessen ist?

Meines Erachtens ist es nur logisch, dass Papst Johannes Paul II. in diesem Zusammenhang den Begriff der „Mit-Erlöserin“ eingeführt hat, der jedoch für mich theologisch höchst problematisch ist.

Denn: Erlöst sind wir allein aus der Gnade Gottes und durch das Erlösungswerk Jesu Christi.
Um vollumfängliche Erlösung zu erreichen, braucht es keine weitere Zugabe oder noch eine Art ’soteriologischen Appendix‘, den ich mit dem Begriff „Miterlöserin“ verbinde.

Wir sind allein durch und in Jesus Christus gerettet!

Marienverehrung

Dennoch gibt es auch für mich einen Grund, Maria (die Mutter Jesu) einen besonderen Platz in der Verehrungskultur einzuräumen.
Dazu ist es hilfreich, die biblischen Erzählungen zu berücksichtigen.

In ihnen wird nämlich – angefangen von der Verkündigung bis hin zum Pfingstereignis – beiläufig das Lebens- und Glaubenszeugnis Mariens skizziert, welches auch für uns beispielhaft und motivierend sein kann.

Das Neue Testament stellt uns Maria als einzigartige Glaubenszeugin dar. Darauf allein kann sich eine angemessene Verehrung Mariens ableiten, die aber mit großer Vorsicht und Behutsamkeit Maria ihren Platz in der Heilsgeschichte einräumt, der ihrem Leben und Zeugnis angemessen ist.

Diesen Aspekt zu betonen, auch in einer angemessenen Form der Marienverehrung halte ich für unsere Zeit für viel sinnvoller und wichtig, als zweifelhafte theologische Termini zu verwenden, die Maria gleichsam zu einem vierten Anteil einer ‚Quadrität‘ hochstilisieren, der jedoch mit unserem christlichen Glauben an einen dreifaltigen Gott (Trinität) nicht in Einklang zu bringen sind.

Insofern spreche ich bei Maria gerne von meiner „Schwester im Glauben“, weil dieser Begriff den exemplarischen Vorbildcharakter Mariens hervorhebt und dabei aber das christliche Bild und die christliche Botschaft von einem dreifaltigen Gott nicht relativiert!