Ein Licht in dunkler Zeit

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Ja, der November und der Anfang des Dezembers gehören zu den Zeiten im Jahr, in der die Tage kürzer und die Nächte länger werden.
Die Dunkelheit nimmt zu und prägt unseren Alltag und unser Leben.

Das fängt schon ganz banal damit an, dass wir morgens, wenn wir vom Schlaf aufstehen, viel mehr oder häufiger Licht einschalten müssen, als zu anderen Jahreszeiten.
Auch andere Phasen des Alltags werden geprägt und beeinflusst durch die Dunkelheit: der Weg zur Arbeit (sei es zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem Auto …) – irgendwie ist es alles unsicherer.

Kein Wunder, dass jetzt die Zeit der Kerzen und anderer dekorativer Beleuchtungen Hochkonjunktur hat.

In der Kultur- und Religionsgeschichte der Menschheit wird diese Zeit auch von besonderen Traditionen und Bräuchen geprägt.

Heute, am 1. Adventssonntag können wir es sehen, wie in unseren Kirchen aber auch in vielen Haushalten Adventskränze oder -gestecke mit vier Kerzen zum ersten Mal entzündet werden.

Heute feiern aber auch unsere jüdischen Schwestern und Brüder ein Glaubensfest, welches mit einer hohen Lichtsymbolik einhergeht: Chanukka.
Es ist das Tempelweihfest und erinnert an den erfolgreichen Aufstand der Makkabäer gegen die Herrschaft der Seleukiden und die im Jahr 165 v. Chr. erfolgte Wiederaufnahme des Tempeldienstes in Jerusalem. Nach der Überlieferung fand man in dem entweihten Tempel nur noch einen einzigen unversehrten Ölkrug dessen Inhalt, der eigentlich nur für einen Tag gereicht hätte, acht Tage lang für den siebenarmigen Tempelleuchter gereicht hat. Leuchtendes Symbol dieses – mehrere Tage dauernden – Festes ist der Chanukka-Leuchter.



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Für uns ist es das zweite Jahr, wo wir diese Jahreszeit unter dem Einfluss der Corona-Pandemie verleben werden.
Diese Zeit ist geprägt von Verunsicherungen, Sorgen, aber auch von Konflikten sowie Streit, ja sogar Hass, die allesamt um das Thema kreisen, wie wir diese Pandemie gut überstehen oder sogar überleben können.

Auch ich bemerke in meinem Leben die steigende Unsicherheit und wie die Pandemie meinen Alltag nachhaltig und negativ beeinflusst. Manchmal ist es wirklich stressig.
Dazu dann noch die vielen Auseinandersetzungen in der Öffentlichkeit, Gesellschaft, Politik und Kirche nach dem richtigen, angemessenen Umgang. Die Frage, wo die Grenzen der persönlichen Freiheit sind und die Solidarität den Vorrang bekommen soll oder sogar muss?

Doch in dieser Zeit gehen viele andere Dinge einfach so weiter wie bisher – allesamt geprägt durch die Pandemie.
Ich denke da natürlich auch aufgrund meines Berufes an die vielen kranken und alten Menschen, an jene, die von einer lebensbedrohenden Krankheit betroffen sind und deren Tage und Wochen so unendlich wertvoll werden lassen. Ich denke an diese Menschen und frage mich, wie sie ihren Tagen mehr Leben geben können unter solchen Umständen?

Ich denke an die Familien mit Kindern, die zum größten Teil noch nicht geimpft sind, weil sie einfach noch zu jung sind. Ich denke daran, dass nun auch Kinder ab fünf Jahren geimpft werden können. Welche Entscheidungen werden ihre Eltern für sie treffen? Werden sie später einmal diese Pandemie gut verarbeiten können?

Ich denke an die Wissenschaftler:innen und die Politiker:innen, die tagein tagaus versuchen, die besten Wege aus dieser Pandemie zu finden. Ich denke aber besonders an jene von ihnen, die so unsäglich viel angefeindet werden. In welch einer Gesellschaft leben wir, wo das redliche Mühen anderer Menschen für so viele nicht gewürdigt wird, ja wo diese Menschen sogar verunglimpft, beschimpft und manchmal sogar bedroht werden.

In diesem Zusammenhang denke ich natürlich auch an all die Menschen, die am meisten von der Pandemie betroffen sind, die Pfleger:innen in unseren Krankenhäuseren, hier besonders auf den Covid-19-Stationen oder auf den Intensivstationen. Welche unfassbar gewaltige Aufgabe leisten sie Tag für Tag, Stunde um Stunde? Und: warum schenken wir Ihnen so wenig Anerkennung, z.B. durch angemessene Bezahlung, durch zumutbare Arbeitszeiten und Schichtplanungen, durch wertschätzendes und dankbares Verhalten von uns allen?

Ich habe ganz besonders die ‚dunklen Seiten‘ der Pandemie angesprochen, obwohl ich auch weiß, dass es da viel Helligkeit gibt.

Ich habe die dunkle Seite der Pandemie angesprochen, weil diese beginnenden Adventszeit und dieses Chanukka-Fest uns einladen können, diese Zeit besonders und bewusster mit freundlichen Lichtritualen zu füllen, die Balsam für unsere Seele sind.

Es geht aber hier – meine ich – um das warme Leuchten eines Lichtes, dass sich beruhigend auf unsere Psyche auswirkt. Ich meine damit nicht die bisweilen schrillen Lichterattacken, die man zuweilen auch an und in Häusern in dieser Zeit beobachten kann.

Ja, es ist gut, dass wir als Christ:innen nun in den Advent eintreten und uns damit vorbereiten auf das Weihnachtsfest und auf die Ankunft dessen, der unser aller Erheller sein will, unser Licht, dass uns leuchtet in der Dunkelheit des Lebens, wo auch immer:


Eine dauerhafte Botschaft

Tief in uns muss Weihnachten sein.
Nur im Herzen kann sie werden
und von hier aus Licht der Erden
dauerhafte Botschaft sein.

Nicht das Wort, das sich bekennt
laut und prahlend vor der Menge
sprengt des Herzens dumpfe Enge,
daß es still sein Heil erkennt.

Laß die Weihnacht in dich ein,
daß ihr Licht dich ganz erfülle!
Und du darfst Gelaß und Hülle
ihrem ew’gen Wunder sein.
(unbekannt)


Segen

Licht um dich her

Segen sei mit dir,
der Segen strahlenden Lichtes,
Licht um dich her
und innen in deinem Herzen.

Sonnenschein leuchte dir
und erwärme dein Herz
bis es zu glühen beginnt
wie ein großes Torffeuer,
und der Fremde tritt näher,
um sich daran zu wärmen.

Aus deinen Augen strahle
gesegnetes Licht
wie zwei Kerzen
in den Fenstern deines Hauses,
die den Wanderer locken,
Schutz zu suchen dort drinnen
vor stürmischer Nacht.

Altirischer Segenswunsch




Ego-Tripper

Am vergangenen Montag (15.11.2021) erreichte unsere Krankenhaus-Seelsorge die Nachricht des Klinikums, dass Veranstaltungen, bei denen externe Personen dazu kommen, mit sofortiger Wirkung ausgesetzt bzw. verschoben werden müssen.
Von dieser Entscheidung ist auch die Krankenhaus-Seelsorge betroffen; von dieser Entscheidung sind auch die Gottesdienste betroffen, die wir im Krankenhaus feiern.



Rückblick

Seit fast zehn Jahren findet sich jeden Samstag in der Krankenhaus-Kapelle eine Art „Personalgemeinde“ ein. Es sind Menschen, die nicht nur in der näheren Umgebung des Krankenhauses wohnen. Viele von ihnen kommen ganz bewusst zu unseren Gottesdiensten. Ich spüre bei ihnen eine große Solidarität im Gebet für die Anliegen der Patient:innen und auch der Mitarbeiter:innen des Krankenhauses.
Dass die Kapelle unterhalb der Intensivstation gelegen ist, führt uns vor Augen: auch unser Gebet schließt die Menschen, die ‚über uns liegen‘ und um ihr Leben kämpfen, besonders ein.

Und es ist so, dass die Personen unserer Gottesdienstgemeinde selber viel von diesen Gottesdiensten mit nach Hause nehmen. Hier finden sie eine Stunde in der Woche, wo sie auftanken und neue Impulse mitnehmen können, die ihnen helfen, die Herausforderungen der kommenden Woche besser meistern zu können.

Ohne groß übertreiben zu können, geht von diesen Krankenhaus-Gottesdiensten sicherlich eine ‚therapeutische Dimension‘ aus: für jene, für die gebetet wird aber auch für jene, die beten.

Es ist also fast eine klassische win-win-Situation.

Tiefgreifender Einschnitt

Sämtliche Personen, die an unseren Gottesdiensten teilnehmen, sind mindestens zweimal gegen Corona geimpft; viele von ihnen haben schon die Boosterimpfung erhalten.
Mit großem Verantwortungsbewusstsein melden sie sich zu den Gottesdiensten an, desinfizieren sich die Hände beim Betreten der Kapelle, halten beim Sitzen den vorgeschriebenen Abstand und setzen während des gesamten Gottesdienstes einen geeigneten Mund-Nasen-Schutz auf.
Die Kapelle wird vor dem Gottesdienst langandauernd gelüftet: AHA+L-Regel ist also längst zur Normalität geworden!
Sie tun alles von ihrer Seite, sich und andere bestmöglich vor Covid-19 zu schützen! – Ein Zeichen gemeinsamer Solidarität.

Und nun trotz allem dieser tiefgreifende Einschnitt: sofortige Aussetzung aller Gottesdienste!
Als ich gestern viele von denen, die sich nicht übers Internet anmelden können, telefonisch von der Entscheidung des Klinkums informierte, stieß ich auf ein 100%-iges Verständnis für die Entscheidung des Klinkums. Auch hier wieder: Solidarität first!

Gleichzeitig erfuhr ich aber auch, dass dies ein tiefgreifender Einschnitt für Viele ist: der Gottesdienst ist zu einer geistlichen Heimat für sie geworden. Eine Dame sagte mir gestern am Telefon: „Die Gottesdienste in der Krankenhauskapelle sind für mich der Höhepunkt der gesamten Woche!“

Muss man da noch etwas erläutern, was das nun auch für ein tiefer Einschnitt im geistlichen Leben dieser Menschen ist?!

Ego-Tripper

Das ist nur ein Schlaglicht von vielen, die uns tagtäglich erreichen, wie die derzeitige Lage auch das Leben derer massivst einschränkt, die wirklich alles ihnen Mögliche getan haben und tun, um ihren ganz persönlichen Beitrag zur Überwindung der Pandemie zu leisten.

Doch scheinbar nutzt ihr Beitrag, ihre persönliche Einschränkung nicht viel.
Die Inzidenzzahlen steigen in die Höhe, die Hospitalisierungsrate ebenfalls und damit auch die wirkliche Gefahr einer Überlastung unseres Gesundheitswesens.

Die Zahlen derer, die an einer Covid-19-Erkrankung sterben werden, werden zunehmen, gleich welchen Alters, gleich welcher vorherigen gesundheitlichen Verfassung.

Das ist mehr als ein Elend, das ist ein himmelschreiender Skandal einer Entsolidarisierung, die ihresgleichen nur suchen kann!

Noch immer gibt es zu viele Menschen in unserem Land, die sich impfen lassen könnten, aber es nicht tun.
Manche mögen sich ernsthaft mit der Frage beschäftigen und sich auch um eine für die Gesellschaft verantwortbare persönliche Antwort bemühen.

Aber scheinbar viel mehr von ihnen wandeln auf einem unverantwortlichen Ego-Trip, der unsere ganze Gesellschaft in Mithaftung nimmt!

Wenn Montgomery von der „Tyrannei der Ungeimpften“ spricht, dann spricht er nur in aller Klarheit eine Wahrheit aus, die offensichtlich ist.

Dabei könnte es doch anders sein: andere – mit unserem Land vergleichbare – Länder machen es doch vor: Israel aber auch Italien.

Sowohl die gesellschaftliche Solidarität als auch der politische Handlungswille gehen hier viel deutlicher und entschiedener Hand in Hand, um halbwegs gut durch diese Pandemie zu kommen.

Ich sage ja nicht, dass die Ungeimpften für die ganze Situation verantwortlich sind und gemacht werden können, in der wir gerade stecken.

Aber ich sage, dass sie wesentlich verantwortlich sind für den schweren und existenzgefährdenden Verlauf  der Pandemie für viele Menschen und für unsere gesamte Gesellschaft in Deutschland sind.

Scheinargument: persönliche Freiheit

Das von Impfverweiger:innen ins Feld geführte Scheinargument der persönlichen Freiheit lasse ich nicht gelten, weil die persönliche Freiheit des Individuums in einer freien und humanistischen Gesellschaft niemals absolut sein kann!

Das Maß der persönlichen Freiheit findet da ihre Grenzen, wo durch die Freiheit des einen Menschen die Freiheit des anderen Menschen zwangsläufig betroffen, gefährdet oder gar eingeschränkt wird!

Doch das wollen viele Impfverweiger:innen nicht akzeptieren und damit stellen sie sich gegen die Gesellschaft und auch gegen die Grundlagen unsere freiheitlich-demokratischen Verfassung und unserer Gesellschaft.

Die alles entscheidende Frage ist: wie lange die überwiegende (demokratisch formuliert ‚absolute Mehrheit‘) unserer Gesellschaft sich das noch weiterhin gefallen lässt?!

Die Zeit ist reif

Die Zeit ist reif für entschiedenes, legales und auf dem Boden unserer Grundwerte fußenden Entscheidungen und Konsequenzen!
Die Zeit ist reif, dass unsere Gesellschaft die Solidarität einfordert, auf der sie ein Anrecht hat!


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Buß- und Bettag

Heute: Buß- und Bettag
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Ich wünsche allen evangelischen Schwestern und Brüdern heute einen gesegneten Buß- und Bettag.



Dieser Tag kann für uns alle zur Einladung werden, inne zu halten, nachzudenken über individuelle und gesellschaftliche Irrtümer, wie beispielsweise

  • Ausländerhass,
  • Umweltzerstörung,
  • Ausgrenzung und Diskriminierung von Armen und Obdachlosen oder Zugehörigen diverser Sexualitäten, etc.!



Der Preis – zu hoch

Jene,
die nicht Impfwillig sind,
treiben den Preis hoch, die jene zahlen müssen,
die auf dringende OP’s angewiesen sind.

Das geht mir einfach zu weit!
Hier muss Politik und Staat handeln!




Ein für alle mal! – Botschaft für die Zweifler und Skeptiker

Schriftstelle: https://www.bibleserver.com/EU/Hebr%C3%A4er10%2C11-14.18

Vor einigen Wochen habe ich von den religiösen und geistlichen Skrupulanten gesprochen.

Heute wendet sich der Hebräerbrief an eine andere Personengruppe unter den Christinnen und Christen, die eigentlich auch nicht so richtig glücklich mit ihrem Glauben werden.

Ich meine die Skeptiker und Zweifler.
Hier besonders jene, die an der grenzenlosen Vergebung Gottes zweifeln.

Die Geschichte des Christentums ist voll von der Frage macher Menschen, ob und wie sie die Vergebung der Sünden erlangen können? Sie fragen sich allenthalben:

Was muss ich dafür tun?
Welchen Preis muss ich dafür zahlen, dass mir Vergebung Gottes zuteil wird?
Wie kann Gott mir vergeben?

Fragen, liebe Schwestern und Brüder, die der Vergangenheit angehören?
Mitnichten!



Gegen die geistliche Angst

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„Meine Schuld ist zu groß, als dass Gott mir dafür Vergebung schenken wird!“ – solche oder ähnliche Sätze bekomme ich immer wieder in seelsorglichen Gesprächen zu hören.
Solche Sätze zerreißen mir das Herz, sehe ich doch dahinter Menschen, die so sehr nach Erlösung schreien und meinen, sie nicht zu bekommen.

Welch eine seelische und geistliche Not sich hinter solchen Aussagen verbirgt?!

Die Überzeugung, dass man selber nicht in den Genuss der Sündenvergebung durch Gott kommt, kann Menschen auch buchstäblich krank werden lassen.

Manche von ihnen finden sich auch in psychiatrischen Kliniken. Doch viele versuchen irgendwie mit dieser geistlichen Not klar zu kommen.
Wie wäre ihnen wenigstens zu wünschen, dass sie an gute und erfahrene geistliche Begleiter:innen geraten, die ihnen helfen können, sich von dieser Bürde der geistlichen Angst zu befreien!

Mir scheint, dass Paulus heute im Hebräerbrief auch solche Menschen vor Augen hat.
Denn wenn man davon ausgeht, dass er in der heutigen Lesung eine Antwort gibt, dann können wir auch in Gedanken überlegen, welche Frage dem wohl voraus gegangen ist?

Ich bin davon überzeugt, dass es solche Fragen sind, die ich gerade eben skizziert habe.

Menschen, die solche Fragen haben, müssen ernst genommen werden. Wir sollten sie deshalb nicht schelten. Wir sollten auch nicht über ihren vermeintlich mangelnden Glauben urteilen.

Vergebung wirklich für alle und alles möglich?!

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Denn ihre Fragen, ihre Zweifel und ihre Skepsis hat sicherlich auch mit dem unfassbar großen Werk der Erlösung zu tun, das Jesus für uns und an uns getan hat.

Es ist eine der größten Fragen des Christentums, ob und wer die Vergebung der Sünden erfahren wird? Und – wenn wir ehrlich sind – mutet uns es doch geradezu unmöglich an, dass selbst den Menschen mit den größten Verbrechen die Vergebung ihrer Sünden möglich ist.
In verschiedenen Diskussionsrunden bringen es Menschen auf den Punkt: Können selbst Menschen wir Adolf Hitler Vergebung finden? Ist Jesus auch für ihre Sünden gestorben? —
Unglaublich, oder?

JA!

Die große und großartige Antwort des heiligen Paulus auf so viele Fragen der Menschen nach Vergebung von Schuld und Sünde ist:

Ein für alle Mal ist das einzigartige Versöhnungsopfer Christi erfolgt, das die Menschen mit Gott versöhnt hat.

Herausforderung: Opfer-Theologie

Paulus macht diese Aussage natürlich auf dem Hintergrund der damaligen Opfermentalität des Judentums aber auch anderer damaliger Religionen.
Der Grundgedanke dahinter: Opfer sollen Gott beziehungsweise die Götter milde stimmen und sie wohlgefällig gegenüber den Menschen machen.
Je mehr Opfer, um so höher die Chance, dass es was wird mit den wohlgefälligen Göttern oder dem wohlgefälligen Gott.

Doch schon im Alten Testament zeichnet sich eine Veränderung dieses Glaubens ab; denn was können die Menschen Gott schon opfern, was ihm nicht schon längst gehört, weil es von ihm kommt?!

Wer also könnte Gott so ebenbürtig sein, ihm ein Opfer zu bringen?
Nur ER selber – in seinem menschgewordenen Sohn Jesus Christus.

Liebe Schwestern und Brüder,
ich weiß, die ganze Opfertheologie ist für uns heute mit vielen schwierigen Fragen verbunden, die ich hier jetzt nicht alle ansprechen kann.

Für uns und heute ist nur wichtig, dass Paulus diese Opfertheologie aufgreift, die damals noch viel mehr das Glaubensleben der Menschen prägte, als sie es heute ist.

Deshalb versucht er seinen Zeitgenossen eine befriedigende Antwort gegen ihre geistliche Angst zu geben; eine Antwort, die auch uns heute helfen kann.

Heute: Selbsterlösungs-Phantasien

Heute wollen wir uns weniger Gott durch Opfer gefällig machen.
Heute ist es vielmehr der Selbsterlösungsglaube, der den Menschen zu schaffen macht:

  • Du musst es nur wollen.
  • Jeder ist seines Glückes Schmied.
  • Selbstoptimierung durch Coaching
  • Nur wer etwas leistet, kann auch etwas für sich beanspruchen.

Das kann zu einem Leistungsgedanken auch in religiösen Dingen führen: nur wenn ich etwas leiste, wenn ich mehr und richtig glaube und liebe, dann kann ich auch erlöst werden.

Eine solche Haltung wird den Menschen auf Dauer körperlich, seelisch und geistlich überfordern und ihn im Letzten ruinieren.

Die Lesung aus dem Hebräerbrief hat für uns heute nur dann einen Sinn, wenn wir für uns akzeptieren, dass wir uns niemals so sehr selbst optimieren können, um letztlich ohne Fehl und Makel da zu stehen.

Der barmherzige Vater, Quelle: www.pixabay.com

Wer das anerkennt, der bejaht auch die eigene Erlösungsbedürftigkeit.
Und wenn wir das erkannt haben, dann bekommt auch das Wort aus der heutigen Lesung für uns eine tröstliche, erbaulich und motivierende Dimension, die uns nach vorne schauen und uns nicht voller Skepsis zurück lässt:

„Denn durch ein einziges Opfer hat er die, die geheiligt werden, für immer zur Vollendung geführt. Wo also die Sünden vergeben sind, da gibt es kein Opfer für die Sünden mehr.“ (Hebr. 10,18)

Ich wünsche uns, dass uns dieses Vertrauen in Christus immer wieder ergreift, dass ER ein für alle Mal für uns und für unsere Sünden gestorben und auferstanden ist.




Immer er-innern …

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Synagogen in Deutschland – ob wieder auferbaut oder neu errichtet – sie werden immer auch Orte der Erinnerung und des Gedächtnisses sein, was damals, am 09. November 1938 geschah: als in Deutschland Synagogen und jüdische Geschäfte zerstört wurden und brannten.

Die Reichspogromnacht, von den Nazis gezielt gegen jüdische Mitbürger:innen in Deutschland inszeniert, setzte das äußerlich sichtbare Fanal der gezielten Verfolgung und Vernichtung von Jüdinnen und Juden im Einfluss- und Herrschaftsbereich der Nationalsozialisten in Deutschland.

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Der deutsche Staat und die Menschen in Deutschland werden ihrer historischen Verantwortung auch zukünftig nur dann gerecht werden, wenn sie die Erinnerung an diese Verbrechen wach halten und als Staat und Gesellschaft sich engagieren, damit es „NIE WIEDER!“ geschieht.