Jahre.Wechseln

Impuls zur Jahresschlussmesse 2025

Bild von Robert Balog auf Pixabay

Sie halten eine kleine Zeichnung in der Hand: es zeigt ein Buch und eine brennende Kerze.
Zwei einfache Objekte – und doch erzählen sie viel über uns und über diesen besonderen Moment am Ende eines Jahres.

Wenn wir ein Buch aufschlagen, sehen wir Seiten voller Worte, voller Spuren.
So ist es auch mit dem Jahr, das hinter uns liegt.
Wir tragen seine Zeilen in uns: helle und dunkle, leichte und schwere.
Da sind Begegnungen, die uns froh gemacht haben, Augenblicke, die uns gestärkt haben.
Und da sind andere Seiten – mit Schmerz, Enttäuschung, Verlust.
Nichts davon lässt sich ausradieren.
Und nichts davon müssen wir verleugnen.

Das vergangene Jahr ist wie ein Buch, das wir jetzt – ganz behutsam – schließen.
Nicht, weil es uns egal wäre, sondern weil seine Zeit erfüllt ist.
Es gehört zu unserer Geschichte, aber es liegt nicht mehr in unserer Hand. Wir können es nicht noch einmal leben, nicht verändern, nicht festhalten. Aber wir können es segnen.
Wir können sagen: „Ja, so war mein Jahr.“
Und wir dürfen es Gott zurückgeben – Seite für Seite, so wie es ist.


Und dann ist da die Kerze. Sie brennt im Jetzt.
Ihr Licht ist warm und ruhig. Es erzählt von dem einzigen Moment, der uns wirklich gehört: dem Augenblick.

Nicht gestern, nicht morgen – nur dieser kleine Abschnitt Zeit im Hier und Jetzt, den wir gerade durchschreiten.
Wir stehen an einer Schwelle, und an Schwellen der Zeit wird das Leben still.
Da ist Raum zum Atmen, zum Rückschauen, zum Loslassen.

Die Kerze erinnert uns: Gott ist nicht nur der Gott unserer Geschichte, er ist auch der Gott dieses einen Moments.
Er hält das Vergangene in seiner Hand, und er trägt das Kommende.
Aber der Augenblick – den erfüllt er mit seiner Gegenwart.
Hier und jetzt.


So lade ich Sie ein, in diesem Moment drei kleine Gedankengänge zu wagen:

Das Vergangene loslassen.
Nicht verdrängen – aber in Gottes Hände legen.
Alles, was gelungen ist, und alles, was schmerzt.
Gott nimmt es auf, und er hält es fest.

Dem Kommenden vertrauen.
Wir wissen nicht, was das neue Jahr bringen wird – Herausforderungen, Geschenke, Überraschungen.
Aber wir gehen nicht in etwas dunkles Unbekanntes.
Wir gehen mit dem, der „Jahr und Ewigkeit gemacht hat“.

Den Augenblick hüten.
Diesen Moment hier.
Er ist wie eine Kerze, die brennt.
Er ist das kleine Licht, das uns zeigt: Gott ist da. Jetzt und auch in 2026.

Vielleicht war dieses Jahr für manche von Ihnen besonders schwer.
Vielleicht gibt es Wunden, die offen sind, Worte, die ungesagt blieben, Chancen, die verloren gingen.
Alles das dürfen Sie heute ablegen.
Nicht, um es wegzuschieben, sondern um es aufgehoben zu wissen.

Vielleicht tragen Sie auch Dank in sich: Menschen, die Ihnen gutgetan haben, Erfahrungen, die Sie getragen haben, Augenblicke der Freude.
Auch das hat Platz in Gottes Händen.

Wenn wir also das neue Jahr betreten, dann gehen wir nicht einfach weiter in eine neue Reihe von Tagen.
Wir gehen begleitet.
Wir gehen von Licht berührt.
Und wir gehen mit einem Gott, der auch unsere vergangene Geschichte kennt – und weiter-schreibt.

So lassen Sie das Bild noch einmal auf sich wirken:
Ein Buch, das geschlossen wird und einen Platz findet in Gottes Bibliothek.
Und eine Kerze, die brennt – für diesen Augenblick, der uns geschenkt ist.

Möge Gott unser neues Jahr mit seinem Licht erfüllen.
Möge ER unsere Wege segnen, unsere Wunden heilen, unsere Hoffnung stärken.
Und möge ER Seite für Seite mit uns beschreiben – heute, morgen, und jederzeit, wie es auch kommen mag.

Gott hält auch unser Buch des Lebens 2025 in SEINEN Händen –
Bild von StockSnap auf Pixabay



Abschied(e)

Dieses Jahr ist bei mir von vielen Abschieden geprägt.

Emotional am meisten belastet mich der Abschied eines guten Freundes, den ich seit fast 50 Jahren kannte und wir regelmäßig in Kontakt waren.

Aber auch der Abschied meiner evangelischen Kollegin aus der Krankenhaus-Seelsorge belastet mich emotional sehr.

Mit ihr verliere ich eine sehr geschätzte, profilierte und hochqualifizierte Seelsorge-Kollegin, mit der ich überaus wertvoll eng und ökumenisch zusammen gearbeitet habe.
Sie schloss sich nahtlos an die sehr gute ökumenische Zusammenarbeit mit ihrem Vorgänger, Pfarrer Nerenz, an.
Frau Gehrke-Marolt verfügt über überaus reiche Qualifikationen für die Seelsorge in einer Psychiatrie und bringt – quasi als Handwerkszeug – auch ihre Qualifikation als Supervisorin mit.
Mit ihrem Abschied geht eine über 20 Jahre lang bestehende engste ökumenische Zusammenarbeit in diesem Krankenhaus, insbesondere zum Nutzen der PatientInnen, aber auch der Mitarbeitenden zu Ende.
Der Grund liegt darin, dass das zuständige Klinikum, die evangelische Seelsorge ‚auf eigene Beine stellen‘ will und nun eigene SeelsorgerInnen zur Einstellung sucht.

Insbesondere die PatientInnen in der Psychiatrie profitierten bislang sehr von dieser Beständigkeit in der ökumenischen Seelsorge.
Sie stellte auch eine kontinuierliche Begleitung von PatientInnen sicher, die wochen- oder sogar monatelang in diesem Krankenhaus behandelt wurden.

Über die konfessionellen Grenzen und Zuständigkeiten hinweg, haben wir uns – einvernehmlich mit unseren kirchlichen Verantwortlichen und Dienstvorgesetzten – gegenseitig vertreten.
Das begann schon mit der Absprache unserer Urlaubs- und Abwesenheitsplanungen.
Eine solche Absprache, Koordination und Zusammenarbeit geht weit über das hinaus, was man hinlänglich an ökumenischer Zusammenarbeit in anderen Bereichen kirchlichen Wirkens erleben kann.
Insofern war diese gelebte Ökumene ein Meilenstein in der kirchlichen Geschichte Oberhausens.

Demnächst – und das ist für die nächsten Wochen schon absehbar – kann es geschehen, dass es für Tage und wenige Wochen wahrscheinlich überhaupt keine(n) seelsorglichen AnsprechpartnerIn geben wird.
Dies alles ist jetzt radikal beendet, ja zerstört, worden und ich persönlich bezweifle stark, dass so etwas Zukunftsweisendes fortgeführt werden wird.

Zudem kommt, – wie immer auch die Gestaltung der evangelischen Seelsorge durch das Klinikum aussehen wird – dass für die Seelsorge in einer Psychiatrie, hohe persönliche und fachlich qualifizierte Fähigkeiten nötig sind.
So haben Krankenhaus-SeelsorgerInnen in einer Psychiatrie neben der für alle Krankenhaus-Seelsorgenden verpflichtenden KSA-Ausbildung auch noch eine zusätzliche Qualifizierung über zwei Jahre: „Psychiatrieseelsorgeausbildung“ gemacht.

Es werden also, wenn mögliche NachfolgerInnen nicht schon diese Qualifikationen mitbringen, Jahre vergehen, bevor es einen adäquaten Ersatz für meine Kollegin geben wird.

Ich selber kann beim besten Willen nicht verstehen, was die überzeugende Idee sein könnte, die hinter dieser Unternehmensentscheidung steht.

Als Seelsorgende, die auch noch selber diese gravierenden Veränderungen im Haus kommunizieren mussten, haben wir auf Seiten der Mitarbeitenden und der PatientInnen fast durchweg in erstaunte, frustrierte Gesichter gesehen, die diese Entwicklung ebenso nicht verstehen und nachvollziehen können.

Was mich aber ermutigt ist, dass die Seelsorge im betroffenen Krankenhaus selber große Wertschätzung genießt, die mich hoffen lässt, dass wir mit viel Geduld und Kompromissbereitschaft auch in Zukunft eine katholische Seelsorge anbieten können, die – entsprechend ihrem kirchlichen Auftrag und Anspruch – unabhängig von Unternehmensentscheidungen segensreich für PatientInnen, ihren engsten Zugehörigen und den Mitarbeitenden wirken kann.

Denn: die Menschen brauchen uns als Seelsorgende!
Sie ist unverzichtbar in einem Krankenhaus, neben den therapeutischen Angeboten und keineswegs ein Nischenprodukt!
Wir haben oft die Zeit und können die Menschen ganzheitlich seelsorglich, religiöse und spirituell begegnen und begleiten, wie es sonst kein anderer Dienst im Krankenhaus leistet.
DAS ist UNSER ALLEINSTELLUNGSMERKMAL!

Die ökumenische Jahreslosung für das Jahr 2026 ist für mich persönlich daher Motivation und Ermutigung, dass mit dem Wirken des Heiligen Geistes das gute Werk, das Gott in uns und in der Krankenhaus-Seelsorge dort begonnen hat, segensreich weitergeführt werden kann, entgegen allen äußeren Umständen und Einwirkungen:

„Siehe, ich mache alles neu!“




Eiskalte Traurigkeit

Zum Tod meines Freundes Rainer Dubberstein, Münster –

Da ist sie wieder,

diese innere Traurigkeit,
die emotionale Entwurzelung,
das innere Zittern und eisige Kälte, die meine Herzwand berührt
und den Schmerz verursacht,
des Abschieds,
des endgültigen….


Fast 50 Jahre war ich mit Rainer befreundet, wir lernten uns in unserer Berufausbildung 1978 kennen.
Er war Auszubildender bei der Handwerkskammer Münster, ich bei der Kreishandwerkschaft Gelsenkirchen.
Im Januar 1981 machten wir beide vorzeitig unsere Abschlussprüfung.
Später arbeiteten wir oft zusammen und daraus entstand eine sehr persönliche Freundschaft, die bis zu seinem Tod Bestand hatte.
Wir trafen uns, bis zum Beginn meines Long-Covid, mindestens ein Mal im Jahr, manchmal auch zwei Mal.
Alle drei bis vier Monate führten wir lange, ausführliche Telefonat (selten unter 90 Minuten!).
Rainer las auch regelmäßig meine Blog-Beiträge und teilte mir dazu auch seine Gedanken.

Obwohl in der (relativen) Ferne, waren wir uns persönlich immer sehr nah.
Sein Tod erschüttert mich, denn ich hätte nie gedacht, dass er so früh stirbt.
Er war sportlich, lief seit Jahren Marathon, in Münster, anderorts aber auch im Ausland.
Er reiste gerne und liebte die Stadt Wien. In den letzten Jahren wuchs auch seine Liebe für Osteuropa, besonders auch für Polen.
Mit ihm starb ein Teil meines eigenen Lebens und meiner Biographie.
Ich bin unendlich traurig und bin zugleich so dankbar für das große Geschenk dieser langjährigen, sehr persönlichen Freundschaft.

Rainer war – wie ich ihm häufiger persönlich bekannte – eine durch und durch „treue Seele“.

Nun ist er Ende August von uns gegangen.

Lieber Rainer, ich werde dich nie vergessen, die gemeinsamen Unternehmungen, die vielen tiefgehenden Gespräche und die ellenlangen Telefonate, die wir mehrmals im Jahr geführt haben.

Mir bleibt nur ein stilles und schmerzlich-trauriges: „Adieu!“

Du,
treue Seele,
guter Freund,

fast fünfzig Jahre lang …!
Dein Lebensbuch
schloss sich zu früh!
Adieu!
Ich weine um dich!

Foto: Bild von Daria Głodowska auf Pixabay, Text: Gerd Wittka




ADVENT ist im Dezember

„Advent ist im Dezember“ – so lautete eine Initiative der Evangelischen Kirche in Deutschland aus dem Jahr 2004.
Diese Aktion wollte darauf hinweisen, dass der Dezember in erster Linie vom Advent her geprägt ist; nicht schon von Weihnachten her.
Vorfreude und Vorbereitung, der Stille und der Erwartung – das sind die Begriffe, die die Zeit des Advents prägen.

Doch in unserem Alltag sieht es längst anders aus: schon vor dem Ewigkeitssonntag (auch Totensonntag, bei uns KatholikInnen „Christ-König-Sonntag“) sind viele Vorgärten, Häuser und Wohnungen schon explizit weihnachtliche geprägt und gestaltet, mit den typischen Symbolen von Weinachten, wie Tannenbaum und Sternen, weniger die christliche Krippe, dafür mehr der kommerzialisierte ‚Weihnachtsmann‘.

Nun könnte man sagen: ‚Ja, das hängt auch mit der Kommerzialisierung von Weihnachten zusammen. Die Geschäfte müssen für den Einkauf für Weihnachten werben – und das geht nur mit weihnachtlichen Attributen.‘
Aber das stimmt nicht so ganz!

Ich erinnere mich noch an Zeiten, auch gerade aus Kindertagen, wo bei den großen Kaufhäusern vor dem Geschäft und in den Geschäften traditionelle Adventskränze hingen, und jede Woche eine (elektrische) Kerze mehr eingeschaltet wurde.
Weihnachtsgeschäft ging damals auch mit adventlicher Symbolik.

Doch wenn die Geschäftswelt uns in der adventlichen Weihnachtszeit mit weihnachtlichen Symbolen und weihnachtlicher Musik lockt und in Einkaufsstimmung versetzen will, ist das das Eine!

Das andere aber ist, wenn wir in der christlichen Religion und in unseren christlichen Kirchen selber den Unterschied zwischen Advents- und Weihnachtszeit (noch dazu ungezwungen!) aufgeben!

So in diesen Tagen geschehen in einer katholischen Pfarrei, die schon wenige Tage nach dem 1. Adventssonntag (!) ihre hauptamtlichen Mitarbeitenden in der Seelsorge zu einer „Weihnachtsfeier“ einlädt!

Da fehlt es mir an Verständnis und Akzeptanz!
Denn es wird völlig unglaubwürdig, wenn wir in diesen Tagen des beginnenden Adventes in unseren Gottesdiensten die Themen: „Wachsamkeit“, „Vorbereitung“, „Sammlung, Besinnung und Stille“, und alle anderen erdenklichen adventlichen Themen und Motive in den Mittelpunkt unserer christlich-spirituellen Verkündigung stellen, aber zugleich schon zum Beginn dieser Vorbereitungszeit selber zu einer „Weihnachtsfeier“ einladen!

Was ist mit der guten, alten und sinnvollen Tradition der „Adventsfeiern“, bei denen adventliche Texte vorgetragen und adventliche Lieder gesungen werden, wo es einen Tannenzweig auf dem Tisch gibt (gerne auch mit einer Kerze) und es (hoffentlich jetzt erst!) die ersten vorweihnachtlichen und weihnachtlichen Gebäckspezialitäten gibt?!

Wir berauben uns einer wertvollen christlichen Tradition und vor allem einer wertvollen geistlichen Vorbereitungszeit, wenn wir völlig unsensibel und unüberlegt die kommerziellen und weltlichen Tendenzen und neuzeitlichen Bräuche übernehmen, die diametral unserer christlichen Verkündigung entgegen stehen, denn:

ADVENT ist im Dezember!


Alle Bilder: www.pixabay.com


Wer die Adventszeit als wirklich besinnliche Vorbereitungszeit nutzen möchte, findet viele Anregungen und Tipps mittlerweile im Internet.
Hier gibt es die Broschüre der Evangelischen Kirche zur Initiative „Advent ist im Dezember“ zum Download!




Hingabe


Wenn der Weg unbequem wird – über innere Überzeugung und geistliche Standhaftigkeit

„Ich glaube, dass die großen Propheten unseres Jahrhunderts ihren Kampf in großer Einsamkeit vor Gott und ihrem Gewissen haben durchstehen müssen – ohne auch nur ein Hauch eines Applauses von Seiten ihrer Umwelt zu verspüren.“
(Fritz Köster, 1934–2014, Pallottiner und katholischer Theologe, aus: TE DEUM, Oktober 2025, 307)

Diese Worte fand ich heute Morgen am Ende der Laudes.
Sie haben mich tief berührt – vielleicht, weil sie mich an Situationen aus dem Leben anderer Menschen erinnerten, die ich begleiten darf, aber auch an Momente meines eigenen Lebens.

Da gibt es Zeiten, in denen man von ganzem Herzen von einer Sache überzeugt ist. Man spürt eine innere Stärke, die einen ermutigt, sich einzusetzen, Zeit und Energie zu investieren, weil man weiß: Das ist es wert.
Gerade, wenn man mit Menschen zu tun hat, wenn man für Menschen arbeitet, ist dieses innere Bewusstsein entscheidend – es ist der Motor, der unentwegt läuft, die Wurzeln, die Halt und Stand geben, wenn die äußeren Umstände schwierig werden.

Bild von Holger Schué auf Pixabay

Für mich persönlich entspringt diese Motivation meinem Glauben.
Mein Christsein ist für mich keine Theorie, sondern eine lebendige Wirklichkeit – eine Botschaft für das Leben, hier und jetzt, und zugleich mit Blick auf das ewige Leben.

Auch wenn mein Wirkungsfeld klein ist, geht es mir darum, dass die Menschen, mit denen ich zu tun habe, gestärkt und ermutigt werden. Ich wünsche mir, dass ihr Leben gelingt und sie es als sinnvoll erfahren.
Dabei spielen Werte wie Menschenwürde, Gerechtigkeit, Ethik, Moral, Sinn, Glück und Liebe eine zentrale Rolle.

Doch wer sich für andere stark macht, wer Missstände benennt oder sich für Gerechtigkeit und Teilhabe einsetzt, der wird manchmal unbequem.
Man eckt an.
Man wird zum sogenannten „Störenfried“, gerade dann, wenn man das eigene System kritisch betrachtet, in dem man sich engagiert. Das kostet Kraft – emotional, geistlich, menschlich.

Und dann kommt unweigerlich die Frage:
Warum mache ich das eigentlich?

Diese Frage ist keine Schwäche, sondern eine wichtige Form der Selbstreflexion.
Sie wirkt wie ein innerer Kompass, der hilft zu erkennen, ob man noch auf dem richtigen Weg ist.
Äußerer Widerstand kann dabei sogar hilfreich sein – weil er einen zwingt, die eigenen Motive und Wege neu zu prüfen.

Leider geschieht diese selbstkritische Auseinandersetzung heute viel zu selten – auch in kirchlichen Strukturen.
Ich erlebe manchmal, dass Menschen in höheren kirchlichen Positionen meinen, sie müssten sich weniger der Kritik stellen. Doch genau das Gegenteil ist wahr:
Je höher die Verantwortung, desto größer sollte die Bereitschaft zur Selbstprüfung sein.
Gerade dort, wo Macht und Einfluss bestehen, braucht es die Demut, auch Impulse „von außen“ anzunehmen. Darin zeigt sich wahre geistliche Reife.

Wenn ich auf die Geschichte unserer Kirche schaue, denke ich an Persönlichkeiten wie Hildegard von Bingen.
Sie waren unbequem, mutig, kritisch – und gerade deshalb prophetisch.
Sie „störten“ einen Frieden, der mehr einer Totenruhe glich, und entfachten mit ihren Worten das Feuer des Evangeliums neu: das Feuer der Liebe, der Gerechtigkeit, des Lebens.

Ihre Störfeuer waren keine Zerstörung, sondern heilsame Impulse – Impulse, die wachrütteln, damit das Evangelium nicht verlischt.

Darum:
Wenn du aneckst, wenn du spürst, dass deine Überzeugung andere herausfordert, dann prüfe, aus welcher Quelle du deine Kraft schöpfst.
Bitte Gott um seinen Heiligen Geist – dass er dich führt, stärkt und dir die nötige Standhaftigkeit schenkt, wenn es unbequem wird.

Bild von Holger Schué auf Pixabay

Ich erinnere mich an eine Zeile aus einem Neuen Geistlichen Lied, das mich schon in meiner Jugend begleitet hat:

„… den Weg wollen wir gehen, die Liebe geht mit uns,
auf dem langen und steinigen, auf dem weiten und unbequemen,
auf dem Weg, der die Mühe lohnt …“

(aus der Erinnerung zitiert)

Vielleicht ist das die entscheidende Frage:
Lohnt sich dein Weg der Mühe, die du aufwendest?
Was ist die Quelle, aus der du deine Kraft und deinen Mut schöpfst – den Mut, auch dann standhaft zu bleiben, wenn der Weg steinig wird?

Bild von Alexander Fox | PlaNet Fox auf Pixabay

Möge Gott dir – und uns allen – immer wieder diese Quelle lebendig halten.
Denn dort, wo unsere Überzeugung aus der Liebe Gottes fließt, dort geschieht Segen – auch mitten im Widerstand.




Ehrenamt – Verantwortung – Professionalität

Kolleg:innen, Bild von Oleksandr Pidvalnyi auf Pixabay

Seit Anfang der 1990er Jahre beschäftigt mich das Thema: „Ehrenamt und Verantwortung“ sehr.
Es wurde damals angestoßen, als ich selber ehrenamtlich in der kirchlichen AIDS-Arbeit tätig war und dann später auch eine Ehrenamtlichen-Gruppe in der kirchlichen AIDS-Arbeit geleitet habe.
Schon damals habe ich mich z.B. dafür eingesetzt, dass man nicht mehr salopp über „die Ehrenamtlichen“ gesprochen hat, sondern auch andere Begrifflichkeiten nutzt, wie „ehrenamtliche Mitarbeiter:innen“ oder „ehrenamtliche Kolleg:innen“.
So konnte besser auch deren Kompetenz und Mit-Verantwortung deutlich werden.
In den letzten Jahren ist für mich der Aspekt der Professionalität in der ehrenamtlichen Arbeit (in der Kirche und Seelsorge) dazu gekommen.

Daraus ist in den letzten Monaten eine kleine Abhandlung entstanden, die nun fertig ist und die ich uns zur Verfügung stellen möchte.

Vielleicht bereichert es unsere Überlegungen auch in der Frage nach der Zukunft unserer Kirche(n) und ihren seelsorglichen Herausforderungen.


Wegen der besseren Lesbarkeit und auch der Berücksichtigung der Quellen, veröffentliche ich diese Abhandlung hier als .pdf-Dokument, das hier heruntergeladen werden kann.

Für Rückmeldungen bin ich sehr dankbar; auch für öffentliche Rückmeldungen im Kommentarbereich.