Wut

Wut! – Es gibt eine irrationale Wut und eine rationale Wut.

Das Ding der AfD ist die irrationale Wut, die keiner sachlichen und vernünftigen Prüfung standhält. Und es gibt die Wut, von der Boris Pistorius gesprochen hat: die Wut darüber, dass die Demokratie bedroht wird: die Wut ist rational!

Wir DemokratInnen dürfen auch wütend sein!
Denn Demokratie ist nicht nur eine Sache des Verstandes und rein akademisch.
Demokratie hat etwas ganz konkret damit zu tun, wie wir leben wollen und können.
Demokratie hat etwas mit unserem konkreten Dasein zu tun.
Und wer mein Dasein, meine Freiheit gefährdet, der gefährdet mein Leben. Und darauf darf und muss ich auch emotional reagieren können. Die Wut ist eine Emotion, die wir als DemokratInnen wieder mehr für uns nutzbar machen müssen.

Bildquelle: https://demokratieorte.landtag-rlp.de/files/jpg1/hambacher-fest-montage_800x533_neu.jpg

Die Menschen damals, die sich zum Hambacher Fest versammelt hatten, sind auch insbesondere ihren Gefühlen und ihrem rationalen Verstand gefolgt – und haben dadurch etwas bewegt.

Wir dürfen und müssen der irrationalen Wut von AfD und Co. unsere rationale Wut für unsere Freiheit und Demokratie als Gegengewicht deutlich mit ins Spiel bringen.
Wenn mehr als Boris Pistorius das unter den demokratischen PolitikerInnen von Union, Linke, SPD, Grüne, FDP verstehen und umsetzen würden, dann sehe ich eine gute Chance, unsere wertvolle Nachkriegsdemokratie zu stärken und zu schützen.




04.10.2026

Dank dem e-bike

Foto: Gerd Wittka, 2026

15 Kilometer Radfahren bei böigem Wind?

Für gesunde Menschen ist das ein netter Wochenendausflug.
Für mich ist es eher ein kleiner Strategie‑Gipfel mit Windkraft‑Gegnern.

Erste Erkenntnis: Ohne E‑Bike? Keine Chance.
Mit E‑Bike? Möglich – aber nur, wenn der Motor nicht schon beim ersten Windstoß beleidigt aufgibt.

Darum habe ich mir dieses Jahr ein E‑Bike mit einem Akku gegönnt, der gefühlt auch ein kleines Dorf beleuchten könnte: 800 Watt.

Gesunde Menschen würden damit vermutlich quer durch Europa fahren.
Ich dagegen freue mich, wenn ich damit einfach mal auf „Sport“ oder – an besonders anspruchsvollen Tagen – sogar auf „Turbo“ schalten kann, ohne dass mein Post‑Covid mich sofort in die Knie zwingt.

Und siehe da: Die Tour hat geklappt.
Ja, ich habe sie danach deutlich gespürt.
Ja, heute ist Ruhetag.
Aber ich war draußen, ich habe Natur gesehen, Wind gerochen, Wolken beobachtet – und mich ein kleines Stück frei gefühlt.

Mir ist wichtig, trotz Post‑Covid Wege zu finden, die mir Teilhabe ermöglichen.
Dinge, die für Gesunde ein Klacks sind, sind für mich manchmal kleine Expeditionen.
Aber genau deshalb bin ich dankbar für Technik, die mich unterstützt, statt mich auszubremsen.

Dem E‑Bike sei Dank – mein persönlicher kleiner Superheld auf zwei Rädern.




Erinnerung

Bild: www.pixabay.com

Es gibt diese Momente, in denen das Leben kurz die Pausetaste drückt.
Meistens im Urlaub, wenn man gerade beschlossen hat, heute wirklich nichts zu tun außer zu atmen, zu essen und sich über die Farbe des Himmels zu wundern.

Und genau dann tauchen sie auf:
Menschen aus früheren Zeiten.
Wie kleine Gedanken-Touristen, die ohne Vorwarnung in meinem Kopf einchecken.
Ohne Buchung, ohne Gepäck – aber mit einer ganzen Menge gemeinsamer Vergangenheit.

Da sitzen sie plötzlich:
Freunde aus der Kindheit, Weggefährten aus der Jugend, Kolleginnen vom ersten Arbeitsplatz, Menschen aus Gemeinden, aus Einsatzorten, aus Zufallsbegegnungen.
Ein ganzer Chor von „Ach ja, stimmt, dich gab’s ja auch noch!“

Und sofort stellt sich diese Frage ein, die immer denselben Ton hat:
Wie es denen wohl heute geht?

Manchmal ist die Neugier so groß, dass ich zum Hobby-Archäologen werde.
Ich grabe im Internet nach Spuren, als wären alte Kontakte Fossilien, die ich freilegen möchte.
Und gleichzeitig frage ich mich:
Wollen die überhaupt gefunden werden?
Vielleicht haben sie sich ja gedacht: „Wenn der sich nach so langer Zeit meldet, dann nur, weil er jetzt Tupperware verkauft.“

Aber manchmal bin ich mutig.
Dann schreibe ich.
Ganz schlicht, ganz ehrlich:
„Du bist mir durch den Kopf gegangen. Immer noch. Wie geht es dir?“
Ein Satz wie ein kleiner Papierflieger, der irgendwo landen darf.

Natürlich könnten sie nicht antworten.
Oder irritiert sein.
Oder denken: „Was will der denn jetzt?“
Aber manchmal – und das ist die schöne Überraschung – freuen sie sich.
Manchmal sogar sehr.
Und dann entsteht ein neuer Anfang, leise und freundlich.
Kein großes Wiedersehen mit Fanfaren, aber ein Faden, den man wieder aufnimmt.
Ein Faden, der sagt:
„Wir waren mal verbunden. Und vielleicht sind wir es noch ein bisschen.“

Und dann frage ich mich:
Warum kommen gerade jetzt diese Menschen wieder in mein Gedächtnis spaziert?
Warum nicht früher?
Warum nicht später?

Vielleicht liegt es daran, dass ich spüre:
Die längste Strecke meines Lebens liegt hinter mir.
Und plötzlich bekommen Erinnerungen ein anderes Gewicht.
Nicht schwerer – aber kostbarer.
Wie alte Postkarten, die man wiederfindet und merkt:
Sie erzählen nicht nur von damals.
Sie erzählen auch von mir.

Vielleicht ist das der stille Zauber dieser Momente:
Dass sie uns zeigen, wie reich unser Leben war – und immer noch ist.





25.09.2026

(c) Gerd A. Wittka, 25.09.2026, bearbeitet mit KI

Was denkst du, wenn du dieses Bild von mir siehst?
Gemütlich?
Denkst du an Bequemlichkeit oder gar Müßiggang?

Falsch gedacht – das hier ist kein Wellness-Urlaub, sondern knallharte Pflicht!

Ich liege wieder einmal im Bett, nicht etwa aus Liebe zu kuscheligen Kissen, sondern weil meine Kräfte beschlossen haben, heute ihren Dienst zu verweigern.

Der Tag begann vielversprechend:
Aufstehen, Kaffee kochen, Laudes beten, Frühstück machen, essen – und zack, war’s das.

Die bleierne Erschöpfung kam wie ein schlecht gelaunter Türsteher und schickte mich zurück ins Bett.

Schlafen? Fehlanzeige.
Ich lag einfach da, schachmatt, erledigt, erschöpft, aber nicht müde.

Nach einer Stunde regenerativer Horizontal-Existenz wollte ich eigentlich noch etwas Großes wagen: eine kleine Fahrradrunde, knapp 10 km – für dich vielleicht Kinderkram, für mich ein Projekt, das sich wie eine Expedition anfühlt und sorgfältig in Tagesplan und Pacing eingepasst werden muss.

Gesagt, getan:

Während der Fahrt blies mir der Wind seinen eisigen Atem ins Gesicht.
Kein Problem mit dem E-Bike – einfach die Unterstützung hochschalten!

Doch der Fahrrad-Computer hatte andere Pläne und empfahl mir, die Power zu drosseln. „Nee!“, dachte ich. „Das hättest du wohl gern, aber von meinem Post-Covid weißt du nichts. Diese Einstellung garantiert mir, dass ich die 10 Kilometer packe.“
Das Navi schickte mich über Stock und Stein, teilweise sogar über Reitwege, auf denen meine Reifen im Sand versanken.
An „Fahren“ war da nicht zu denken – also schieben, mit Schiebehilfe.
Lief erstaunlich gut.
Weiter ging’s, bis mich das Navi zu einer Stelle führte, an der wirklich Schluss war.
Also eine Umleitung gesucht, gefunden und mit einem kleinen Bonus von 2 Kilometern nach etwa 50 Minuten angekommen.
Tempo? Naja, keine Glanzleistung – aber ich will ja auch nicht glänzen, sondern einfach mein Stück vom Freizeitkuchen genießen, so wie andere ganz selbstverständlich.

Daheim angekommen führte mein Weg – na, wohin?
Genau, zurück ins Bett.

Meine Kräfte waren zwar nicht völlig erschöpft, doch mein Körper signalisierte klar: Erholung bitte!

Auf dem Foto sieht man, wie ich mir ein Stimulationsgerät für die Nervus-Vagus-Stimulation ans Ohr geklemmt habe.
Das hilft mir, besser zu regenerieren – und manchmal schlafe ich dabei sogar ein.
Dann bin ich glücklich und zufrieden. Und noch glücklicher, wenn ich nach etwa einer Stunde wieder aufstehen kann.

Die Gitterstäbe, die ich per KI ins Bild eingebaut habe, sollen daran erinnern, dass diese Ruhephasen nicht aus einer spontanen Laune entstehen, sondern oft eine Pflichtübung im Sinne des „Pacings“ sind.

In meiner Alltagsplanung nehmen mich diese Pausen regelrecht „gefangen“ – so wie die Gitter im Bild es humorvoll andeuten.




Wahrheit und Fakten

Es gibt Menschen,
die reichen mir ihr eigenes Hirngespinst
wie ein Gabe dar –
ein Bild vom Leben.

Und manchmal staune ich,
wie sicher sie wirken,
wie überzeugt von dem,
was doch nur ein Gespinst ist
und kein Fakt.

Es geschieht nicht aus Unwissen,
nicht aus Dummheit.
Schlimmer:
aus Bequemlichkeit,
aus einer trägen Müdigkeit des Denkens,
die sich weigert,
den Weg zur Wahrheit
selbst zu gehen.

So stehen wir da,
zwischen Fantasie und Fakten,
und hoffen,
dass wenigstens einige
den Mut behalten,
selber zu suchen,
selber zu prüfen,
selber zu denken.

Damit die Wahrheit
lauter wird
als die ersponnenen Geschichten.

© Gerd A. Wittka, 18.09.2026




„Guter Freund ….“

Bild von Fabian Marin auf Pixabay

Für Rainer.

Meine Wünsche
dir
zu deinen Lebzeiten:
glückliches Leben
gute Gesundheit
Zufriedenheit …
und ein langes Leben

und uns
eine lange weitere Freundschaft
mit vielen erfüllenden Begegnungen,
Gesprächen,
mit deinem Humor,
deinem Fein- und Tiefsinn
…
und so vieles mehr …

Und jetzt?

Jetzt wünsche ich dir,
dass dein Weg rund war,
dass du im Frieden und Einklang mit dir selbst
durch deine Tage gegangen bist.

Ich wünsche dir,
dass die letzten Stunden
nicht dunkel waren,
dass keine Angst
an deiner Seite stand,
keine Schmerzen
deinen Atem schwer machten.

Du warst allein,
als du gegangen bist —
möge dennoch Nähe
bei dir gewesen sein.…

Und möge es einen Ort geben,
an dem wir uns wiederfinden
und das Ungesagte
Worte bekommt …

(c) Gerd Wittka, 11.09.2026