10.09.2026

Foto: www.pixabay.com

Um 07.00 Uhr aufgestanden.
Am Vorabend um 22.00 Uhr zu Bett gegangen, gegen 01.00 Uhr heute Morgen zum letzten Mal auf den Wecker geschaut.
Dazwischen immer wieder unwillkürliche Muskelzuckungen im Bein, diesmal nur in einem Bein.
Trotzdem komme ich dann nicht in den Schlaf.
Um kurz vor 09.00 Uhr am Schreibtisch gesessen und einige ‚homeoffice‘-Arbeiten erledigt, bis ca. 11.15 Uhr.

Dann wieder erschöpft.
Denken fällt schwer und die Konzentration auch.

‚Jetzt schon wieder hinlegen?‘ – schießt es mir in den Kopf.

Am Liebesten doch noch etwas machen … wollen …

Aber ‚können‘ ….? Geht nicht.

Ich muss was ‚tun‘ …

pacing

und mein Kopf sagt mir:
‚Es bleibt dir nichts weiter übrig, wenn du noch gut durch den Tag kommen willst!
Leg‘ dich was hin, wenigstens 30 oder 45 Minuten. … und dann schaue weiter.‘

Ich folge der Vernunft und meiner Erfahrung, wie wichtig ‚pacing‘ für mich ist.




Warum Tadeln ohne Vergeben nicht funktioniert

– und Vergeben ohne Liebe nicht bleibt

Impuls zum 24. Sonntag – A – 2026
Bezugsschriftstellen: Jesus Sirach 27,30-28,7 sowie Matthäus 18, 21-35

Foto: Gerd Wittka

Manchmal passen zwei Evangelien wie zwei Teile einer Geschichte. Letzten Sonntag ging es darum, wie man jemanden, der sich verrannt hat, wieder auf einen guten Weg begleiten kann. Ein sensibles Thema – denn im Alltag spüren wir sofort diese innere Bremse:
„Wer bin ich, dass ich andere zurechtweisen darf?“
Eine gesunde, selbstkritische Frage. Sie schützt vor Überheblichkeit.

Aber sie wirft auch eine andere Frage auf:
Dürfen wir überhaupt noch etwas ansprechen, wenn uns etwas auffällt?

Ein alter Gedanke, der heute überraschend aktuell ist

Im Evangelium dieses Sonntags taucht ein anderes Thema auf: Vergebung.

Und plötzlich wird klar, wie eng beides zusammenhängt.
Schon in der Antike gab es die Haltung:
Nur wer selbst bereit ist zu vergeben und nicht nachtragend ist, darf Kritik üben.
Die Stoiker sagten:

Wer einen anderen tadelt, muss sich selbst als fehlbar begreifen – und bereit sein, später zu vergeben.
Selbst Herrscher sollten sich daran messen lassen.

Das ist erstaunlich modern.
Denn es bedeutet: Kritik ohne Vergebungsbereitschaft ist keine Hilfe, sondern ein Schlag.

Vergebung ohne Limit – und die ehrliche Überforderung dahinter

Jesus spricht von einer Vergebung „ohne Grenze“. Nicht als mathematische Formel, sondern als Haltung.
Und wir hören innerlich Petrus seufzen – und vielleicht uns selbst:
„Das schaffe ich nie.“

Denn Vergebung ist selten ein klarer Schnitt.
Oft ist sie ein Prozess.

Der Dichter Arno Holz (1863 – 1929) hat das in seinem Gedicht ‚Vergeben? … Ich? …dir? …‘ so beschrieben:
Man vergibt – manchmal ohne es bewusst zu merken.
Die Last fällt ab.
Und dann, mitten im hellsten Alltag, taucht plötzlich eine Erinnerung auf. Ein alter Schmerz sitzt da wie eine „Kröte“ am Wegesrand.
Und die Traurigkeit kehrt zurück.

Viele kennen das.
Wir haben vergeben.
Und trotzdem meldet sich die Wunde wieder.

Das ist kein Scheitern.
Das ist menschlich.
Wenn Vergebung zur Liebe wird – und Liebe zur Treue

Vergebung bleibt nur lebendig, wenn sie mit Liebe verbunden ist – mit echter Nächstenliebe, die nicht romantisiert, sondern trägt.

Ein Beispiel, das mich immer wieder bewegt, ist Janusz Korczak.
Er blieb im Warschauer Ghetto bei seinen Waisenkindern, obwohl man ihm Flucht anbot. Er wirkte beruhigend auf ‚seine Kinder‘ und ging mit ihnen den letzten Weg bis in die Gaskammer des KZ Treblinka.
Seine Haltung zeigt:
Liebe ohne Verzeihen gibt es nicht.
Und Verzeihen ist etwas, das man immer wieder einüben muss … und vielleicht kommt man ja bis zu seinem letzten Atemzug an kein Ende ….!

Menschen wie Korczak, die Unvorstellbares erlebt haben und dennoch vergeben wollen, machen Vergebung glaubwürdig.
Sie zeigen:
Vergebung ist ein Weg.
Kein Sprint.
Kein einmaliger Akt.
Ein Weg, den man immer wieder beginnt.


Zum Schluss das Gedicht „Zyklus der Liebe“ von Christian Amann.

Bild: Gerd Wittka, mittels KI



Zärtliche Gefühle?!

Impuls zum 23. Sonntag – A – 2026, Schriftstelle: Röm 13, 8-10

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„Ich hab ein zärtliches Gefühl
Für jede Frau, für jeden Mann
Für jeden Menschen,
wenn er nur vollkommen wehrlos lieben kann.“

Quelle: https://www.songtexte.com/songtext/herman-van-veen/ich-hab-ein-zartliches-gefuhl-5bc7cb08.ht

Das ganze Lied: https://youtu.be/ccE5CgL50LU?si=hBz_Dqzsj_e5RI2T

Kennen Sie diese Zeilen noch?
Dieses Lied, das so mutig von einer Haltung spricht, die Menschen mit Wärme betrachtet?

Mir kommt dieses Lied oft in den Sinn, wenn ich mich frage, wie manche Menschen so sensibel über andere sprechen oder singen können, die sie gar nicht kennen.
Sie müssen doch eine zutiefst liebevolle Grundhaltung haben, denke ich dann.
Menschen, die mit sich und der Welt im Einklang sind.

Und unweigerlich frage ich mich:
„Und? Wie sieht es bei dir aus?“
Könnte ich solche Worte benutzen wie Herman van Veen?

Wie sähe unsere Welt aus, wenn wir – oder wenigstens viele von uns – mit einer solchen Grundhaltung aufeinander zugingen?
Vielleicht würden wir andere Worte wählen, aber es geht um die innere Bewegung: ob wir es „zärtliches Gefühl“ nennen oder „jedermann herzlich zugetan sein“.
Christlich gesprochen: Nächstenliebe.

Bild: www.pixabay.com

Doch es ist schwer, jedem Menschen so zu begegnen.
Wir sind „verbranntes Kind“, haben Verletzungen erlebt oder Angstbilder übernommen, die sich tief festgesetzt haben.

Ein kleines Beispiel:
Mit welcher Haltung gehen wir an Menschen vorbei, die bettelnd am Straßenrand sitzen?
Spüren wir zuerst die mögliche Not?
Oder denken wir zuerst an Bandenkriminalität und Ausbeutung?

Ich gestehe: Je nach Tagesform denke ich manchmal zuerst Letzteres.
Und es tut mir leid, weil ich den Menschen übersehe und nur ein System sehe.
Vielleicht meldet sich dann das Gewissen, weil wir – bewusst oder unbewusst – die Worte des Paulus kennen:
„Niemandem bleibt etwas schuldig, außer der gegenseitigen Liebe.“

Eigentlich ist es ein Glück, wenn sich das Gewissen meldet.
Und wir finden viele Situationen, in denen wir im zweiten Atemzug erschrecken, dass wir kein gutes Wort oder keinen guten Gedanken für jemanden hatten.

Ich kann es niemandem unterstellen, aber ich gestehe: Bei manchen Menschen kommen mir sofort schlechte Gedanken – im nahen Umfeld wie auch bei fernen Despoten und Kriegstreibern.

Vielleicht deshalb greift Paulus die Worte Jesu auf:

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Wir wissen:
Manche „Nächsten“ machen es uns nicht leicht.
Doch die Lösung beginnt immer bei mir selbst.
Wenn ich mich nicht liebe, wie soll ich andere lieben?

Bild: www.pixabay.com

Das Leben ist unsere Lehrmeisterin, vor allem dort, wo wir echte, bedingungslose Zuneigung erfahren haben.
Unser größter Lehrer ist Jesus Christus.
Er war fest in Gott verwurzelt und hat sich selbst als geliebtes Kind angenommen gespürt – daraus erwuchs seine Fähigkeit, andere zu lieben, auch uns, die so viel später leben.

Verstehen wir diese Aufforderung nicht als Mahnung, sondern als liebevolle Erinnerung:
Jesus und Paulus wussten, wie schwer dieses Gebot ist.

Ich persönlich möchte mich jedenfalls von der Bosheit der Welt nicht abbringen lassen, die Nächstenliebe zu suchen und zu leben – auch wenn es immer wieder schwer fällt.

Ich bin sicher:

Wir werden erleben, wie das Leben in uns und um uns herum wärmer wird – vielleicht nicht dauerhaft, aber immer wieder.
Und wir wissen:

Unsere Liebe wird nie ausreichen, um die Welt insgesamt zu verwandeln.

Aber sie reicht, um einen Blick zu erhellen, einer Begegnung Herzlichkeit einzuhauchen, ein Stück Glück und Liebe zu teilen.




Sein Kreuz aufnehmen …

… und Christus nachfolgen

Impuls zum 22. Sonntag – A – 2026

Textstelle: Mt 16, 21–27

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Haben Sie schon einmal etwas wirklich Wichtiges verloren?

Nicht den Schlüsselbund – sondern etwas, das das eigene Leben erschüttert:
einen Arbeitsplatz, eine tiefe Freundschaft, die eigene Gesundheit, einen geliebten Menschen.

Solche Verluste stellen alles auf den Kopf.
Man braucht lange, um wieder Boden unter den Füßen zu finden.
Und niemand wünscht sich solche Situationen herbei.

Im heutigen Evangelium geht es um noch mehr:

Jesus spricht vom Verlust des Lebens – und davon, dass wir gerade darin das wahre Leben finden können, wenn wir es um seinetwillen verlieren.

Eine gewaltige Vision. Und eine Zumutung.

Wir kennen die Worte gut, aber spüren wir ihre Wucht?
„Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“

Heroische Selbstaufgabe ist nicht unser Alltag –
und Gott sei Dank geraten die wenigsten von uns in solche Extremsituationen.
Dennoch bleibt Jesu Wort stehen.
Und es fordert uns heraus.

Darum möchte ich drei Aspekte hervorheben:

„Wenn einer hinter mir her gehen will …“

Am Anfang steht der Wille.
Wer Jesus nachfolgen will, richtet seinen Blick weg von sich selbst hin zu Christus.
Dieser Perspektivwechsel ist bereits ein erster Schritt der Nachfolge.
Es ist mehr als ein Lippenbekenntnis:
Christus bekommt Gewicht im eigenen Leben.
Ich will mein Leben nach IHM ausrichten.


„… verleugne er sich selbst …“

Selbstverleugnung geschieht nicht auf einen Schlag.
Sie beginnt dort, wo wir anfangen uns – wie Johannes XXIII. – nicht mehr so wichtig zu nehmen, der einmal zu sich selber gesagt haben soll: „Giovanni, nimm dich nicht so wichtig!“
Wer den egozentrischen Blick löst und sich Christus zuwendet, ist bereits unterwegs.
Selbstverleugnung heißt:
Ich bin nicht der Mittelpunkt. Christus wird zum Bezugspunkt.


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„… nehme sein Kreuz auf sich …“

Wir schauen in jeder Kirche auf SEIN Kreuz.
Aber Jesus fordert uns nicht auf, sein Kreuz zu tragen.
Er sagt: „nehme sein eigenes Kreuz auf sich“.
Jede und jeder von uns hat ein eigenes Kreuz – die Lasten, Herausforderungen, Verletzungen, die das Leben mit sich bringt.
Wir müssen nicht versuchen, das Kreuz Christi auf uns zu nehmen. Das wäre wohl ein Irrtum!

Nachfolge Christi heißt vielmehr:
das eigene Kreuz anzunehmen und tragen lernen – nicht allein, sondern im Bewusstsein, dass Christus und bestenfalls auch andere Menschen mitgehen.
Und dieses Kreuz beinhaltet ja nicht nur Last, sondern ist verbunden mit Weisungen und Werten aus der Frohen Botschaft:
mit Liebe, Barmherzigkeit, Hoffnung, Freude und Zuversicht.

Das eigene Kreuz anzunehmen und es zu tragen, heißt also gerade nicht:
Freude, Glaube, Hoffnung und Liebe keinen Raum mehr zu geben.
Genau das Gegenteil ist vielmehr der Fall.
Das eigene Kreuz zu tragen und dabei oder trotzdem Raum für Freude, Glaube, Hoffnung und Liebe zu haben.

Manchmal wird gerade das zum Kreuz:
an Glaube, Hoffnung und Liebe festzuhalten, wenn durch andere Ereignisse unsere Vorstellungen vom eigenen Leben buchstäblich ‚durchkreuzt‘ werden oder wenn uns Lieblosigkeit, Gewalt, Hass oder Hetze entgegenschlagen.
Wenn wir am liebsten „mit gleicher Münze heimzahlen“ würden.
Wer dann dennoch Liebe und Frieden Raum geben möchte und es auch kann, weiß, wie anstrengend das ist – und wie sehr es Kreuz tragen bedeutet.

So verstanden lade ich ein, diesen Evangeliumstext neu zu lesen:
nicht als heroische Forderung, sondern als konkrete Einladung,
• im eigenen Leben die Spur der Nachfolge zu entdecken
– im Willen, Christus nachzugehen,
• im Loslassen des eigenen Mittelpunktes
• und im mutigen Annehmen des eigenen Kreuzes.




Weisheit und Erkenntnis Gottes

Impuls zum 21. Sonntag im Jahreskreis A – 2026

Beim letzten Gottesdienst haben wir Maria-Himmelfahrt gefeiert.
Im Zentrum stand ihr ‚Magnifikat‘ – ‚Meine Seele preist die Größe des Herrn‘.
Wie radikal sind da ihre Worte gewesen:
„Er vollbringt mit seinem Arm machtvolle Taten.
Er zerstreut, die im Herzen voll Hochmut sind; er stürzt die Mächtigen vom Thron und erhöht die Niedrigen.
Die Hungernden beschenkt er mit seinen Gaben und lässt die Reichen leer ausgehen…“

Stellen Sie sich heute mal vor die Paläste und Machtzentren unserer Welt und halten Sie diese Worte in heutiger Sprache z.B. auf Demonstrationsplakaten hoch:

„Zerstreut den Hochmut – stärkt die Erniedrigten!“

„Stürzt ungerechte Macht von Thron – erhebt die Niedrigen hoch!“

„Gebt den Hungernden das Nötige – stoppt den Überfluss für Wenige!“

„Reichtum umverteilen – Gerechtigkeit verwirklichen!“

Was meinen Sie, was wohl z.B. in den USA oder in Russland passieren würde?!
Nicht lange, und Sie würden von sogenannten ‚Sicherheitskräften‘ eingekesselt sein, auf deren Rücken die Aufschriftenen wie ‚ICE‘ „Immigration and Customs Enforcement (Einwanderungs- und Zollbehörde der Vereinigten Staaten)“ oder in Russland „ОМОН“ (schwer bewaffnete Sondereinheit der russischen Polizei) stehen würde.
Mit äußerster radikaler Gewalt würde man Sie verfolgen.

So etwas haben wir letzte Woche im Magnifikat des Evangelium gehört!

Doch angesichts der Realitäten in der Welt könnte man schlichtweg verzweifeln!
Da ist wenig von dem sichtbar, was im Magnifikat besungen wird.

Wo greift denn Gott wirklich ein und zerstört diese Ungerechtigkeiten?!
Es passiert ja offenbar nichts und die Reichen und Mächtigen können weiterhin walten und schalten, wie ihnen beliebt, sie können weiterhin wüten und töten!

Ich spüre – je älter ich werde – eine deutliche Diskrepanz.
Einerseits spüre ich, wie radikal und umstürzlerisch das Magnifikat in Wahrheit ist und zugleich, wie wenig davon heute in der Welt sichtbar wird.

Es ist manchmal zum Verzweifeln mit diesem Gott!
Kein Wunder, warum Menschen auch immer wieder fragen:
„Wo ist denn dieser mächtige Gott?“ – „Warum tut er nichts?!“

Vielleicht erinnern Sie sich: Ich habe Ihnen schon einmal den Spruch von Karl Rahner zu meiner Priesterweihe mitgebracht. Er lautet:

„Glauben heißt, die Unbegreiflichkeit Gottes aushalten – ein Leben lang!“

Genau dieser Spruch kommt mir bei der heutigen Lesung wieder in den Sinn. Dort hören wir:

„Wie unerschöpflich ist Gottes Reichtum, seine Weisheit und sein Wissen! Niemand kann seine Entscheidungen völlig begreifen oder seine Wege vorhersehen. Wer kennt schon die Gedanken des Herrn?“

Für mich macht Paulus hier eines ganz deutlich: Er akzeptiert, dass wir Gott mit unserem menschlichen Verstand einfach nicht erfassen können.

„O Tiefe des Reichtums, der Weisheit und der Erkenntnis Gottes!“

Es klingt vielleicht ein bisschen paradox, aber:
Wer wirklich anfängt, Gott zu verstehen, merkt erst recht, wie geheimnisvoll er eigentlich ist.
Wahre Weisheit bedeutet also zuzugeben, dass Gott nicht in unsere Schubladen passt.
Er „tickt“ einfach nicht immer nach unseren Vorstellungen.

Gott zu kennen heißt auch, immer damit rechnen zu müssen, dass er ganz andere Pläne hat, als wir uns das gerade wünschen.

Der Kern unseres Glaubens ist also folgender:
Wir verstehen Gottes Gedanken oft nicht.
Wir durchschauen seinen Willen nicht.
Und trotzdem – oder vielleicht gerade deshalb – vertrauen wir darauf, dass er am Ende alles zum Guten wendet.

Fragen Sie mich bitte nicht, wie das im Alltag immer klappen soll.
Ich übe das selbst noch jeden Tag!

Aber schauen wir auf Paulus:
Dieser Mann hat unendliche Strapazen und viel Leid ertragen.
Am Ende ist er für seinen Glauben sogar gestorben.

Wenn ausgerechnet er uns sagt, dass wir Gott vertrauen sollen, dann bin ich fest überzeugt:
Gottes Weisheit stellt unsere menschliche Logik wirklich komplett auf den Kopf.


Alle Bilder: Gerd A. Wittka, 16.8.2026, erstellt mittels KI




Prävention ist SO nötig!

Bild von RUBENS FRANCA auf Pixabay

Erwiderung zu einem Kommentar von Pfr. Gereon Alter

Dieser Erwiderung liegt folgender Kommentar zugrunde:

https://www.kirche-und-leben.de/artikel/missbrauch-katholische-kirche-skandal-praevention-pfarreien-ehrenamt-auswuechse-kommentar-gereon-alter

Prävention bleibt unverzichtbar – eine fachliche Erwiderung

Der Kommentar von Pfarrer Gereon Alter zur Präventionsarbeit in der katholischen Kirche hat eine wichtige Diskussion angestoßen.

Da er seine Position öffentlich formuliert hat, erscheint es angemessen, einige seiner Aussagen ebenfalls öffentlich einzuordnen und zu ergänzen.

Ziel dieser Erwiderung ist es, die Bedeutung der Prävention aus fachlicher Perspektive zu verdeutlichen – nicht, eine Person zu kritisieren.

Persönlicher Hintergrund und Motivation

Ich kenne Gereon Alter seit unserer gemeinsamen Ausbildungszeit und schätze seine differenzierte und reflektierte Art. Gerade deshalb nehme ich seine Einwände ernst und möchte sie konstruktiv aufgreifen.

Meine eigene Motivation, mich zu Präventionsthemen zu äußern, ist biografisch geprägt.

Erst in den vergangenen Jahren wurde mir bewusst, dass es in meinem damaligen Umfeld Betroffene sexualisierter Gewalt gab – ohne dass ich dies als junger Mensch hätte erkennen können.
Dieses Wissen führt heute zu einem starken Verantwortungsgefühl gegenüber Opfern und Betroffenen und zu dem Anliegen, Prävention konsequent zu unterstützen.

Zur Frage der „reinen Weste“

Gereon Alter schreibt:
„Denn auch bei der Präventionsarbeit geht es zunehmend darum, die eigene Weste rein zu halten.“

Diese Wahrnehmung teile ich nicht.

In Gesprächen mit Verantwortlichen in Pfarreien erlebe ich ein hohes Maß an Sensibilität für die Perspektive der Betroffenen.

Präventionsmaßnahmen werden dort nicht als Selbstschutz der Institution verstanden, sondern als bewusste Fokussierung auf die Bedürfnisse und die Sicherheit derjenigen, die besonders verletzlich sind.

In der öffentlichen Debatte wird häufig über Täterinnen und Täter gesprochen – weniger über die Opfer.

Prävention setzt bewusst einen anderen Schwerpunkt: Sie stellt die Betroffenen in den Mittelpunkt.

Aus dieser Perspektive erscheint die Deutung, Prävention diene primär der institutionellen Absicherung, nicht ausreichend belegt.

Zum Beispiel der Sternsingerküche

Gereon Alter führt als Beispiel an, dass selbst Personen, die bei einer Sternsingeraktion kochen, eine dreistündige Präventionsschulung absolvieren sollen.
„… ob jemand für eine Sternsingeraktion kochen darf … wenn er nicht die … dreistündige Präventionsschulung absolviert hat.“

Das zugrunde liegende Präventionskonzept arbeitet bewusst mit abgestuften Anforderungen.

Es unterscheidet zwischen verschiedenen Rollen und Kontaktintensitäten.
Auch Personen in der Küche nehmen Kinder und Jugendliche wahr – ihre Stimmung, ihr Verhalten, mögliche Auffälligkeiten.
Sie sind Teil des sozialen Raums einer Veranstaltung.

Gerade deshalb ist eine kurze Basisschulung sinnvoll und verhältnismäßig.
Drei Stunden Schulung stehen in keinem Verhältnis zu dem Leid, das Betroffene erfahren, wenn frühe Warnsignale übersehen werden.

Zur Formulierung eines „Überwachungsapparates“

Besonders herausfordernd ist die Aussage:
„Das Ziel von Prävention ist doch nicht, einen möglichst perfekten Überwachungs- und Entschuldigungsapparat aufzubauen.“

Diese Formulierung kann – vermutlich unbeabsichtigt – Argumentationsmuster verstärken, die in Pfarreien häufig von Gegnerinnen und Gegnern der Präventionsarbeit genutzt werden. Dort wird Prävention mit Generalverdacht oder Kontrolle gleichgesetzt.

Fachlich betrachtet geht es jedoch nicht um Überwachung, sondern um Sensibilisierung, Schutzkonzepte und klare Verantwortlichkeiten.

Prävention soll Menschen befähigen, achtsam und respektvoll miteinander umzugehen. Sie schafft Transparenz, nicht Misstrauen.

Einordnung

Die kirchliche Präventionsarbeit wird von vielen engagierten Fachkräften getragen, die sich intensiv mit Schutzkonzepten, Schulungen und Standards auseinandersetzen.

Vor diesem Hintergrund können einzelne Formulierungen – wie im Kommentar von Gereon Alter – den Eindruck erwecken, die Arbeit dieser Menschen werde nicht ausreichend gewürdigt oder missverständlich dargestellt.

Eine sachliche Diskussion über die Weiterentwicklung von Prävention ist notwendig und willkommen.

Gleichzeitig ist es wichtig, die Grundintention der Präventionsarbeit klar zu benennen: den Schutz von Kindern, Jugendlichen und schutzbefohlenen Erwachsenen.


Update:

Ich ergänze hier um ein Gebet, ein aufrichtiges Gebet für die Opfer dieser unsäglichen Gewalt und dieser Greueltaten:

Ein Gebet für die Opfer und Überlebenden von Missbrauch
herausgegeben vom Nationalen Dienst zum Schutz von Minderjährigen und schutzbedürftigen Erwachsenen der Italienischen Bischofskonferenz

Vater, Quelle des Lebens,
in Demut und Erdemut legen wir dir die Scham und die Reue dar
für das Leid, das wir den Kleinsten und Schwächsten der Menschheit zugefügt haben, und bitten dich um Vergebung. 

Herr Jesus, Sohn, der du gekommen bist, um die Barmherzigkeit des Vaters zu offenbaren,
wir vertrauen dir alle an, die
Machtmissbrauch erlitten haben – geistlichen und gewissensbezogenen, körperlichen und sexuellen –,
mögen ihre Wunden durch den Balsam deines und unseres Mitgefühls geheilt werden, mögen sie Aufnahme und brüderliche Hilfe finden, mögen ihre Herzen von Zärtlichkeit umhüllt und von Hoffnung erfüllt sein. 

Heiliger Geist, Feuer der Liebe,
wir bitten dich für unsere kirchlichen Gemeinschaften,
die dazu berufen sind, sich einer tiefgreifenden Selbstprüfung hinsichtlich ihrer Versäumnisse und Verfehlungen zu unterziehen,
dass sie einladende und sichere Häuser seien und dass das Engagement aller für den Schutz der Kleinsten und Schwächsten gestärkt werde. 

Heilige Dreifaltigkeit, Quelle der Gemeinschaft und der Zärtlichkeit,
hilf uns, die Ketten der Gewalt und der Schuld zu sprengen, durchbrich unser Schweigen und lass uns die Schmerzensschreie der Missbrauchsopfer und ihrer Familien hören,
hilf uns, sie zu begleiten und die Wahrheit bis zum Äußersten zu suchen
auf dem Weg der Gerechtigkeit und der Wiedergutmachung,
damit auch aus der Dunkelheit der Erde, die von der Sünde bedroht, aber vom Licht des Osterfestes umhüllt ist,
Samen der Heilung und der Wiedergeburt sprießen.

Amen. 

Übersetzung ins Deutsche mittels KI