Ich habe heute über eine Mitsänger in unserem Junger Chor Beckhausen ein Video geteilt bekommen, das mir echt unter die Haut geht. Ich verlinke es hier mal:
Ja, wir nehmen gerade dieses Lied in einer geänderten Fassung in unser Repertoire auf. Aber das ist es nicht, was mir nahe geht.
Mir geht es nahe, dass dieser Sänger mich an PatientInnen in unserer Lungenklinik erinnert, die ebenfalls solche Sauerstoffgeräte brauchen. Ich weiß, wie anstrengend für sie oft das Atmen bzw. die Sauerstoffversorgung ist.
Dieses Lied im Video zeigt mir, dass es auch bei solchen Erkrankungen Lieder gibt, die mit solchen Einschränkungen gesungen werden können!
Ich wünsche allen PatientInnen, die an verschiedensten Lungenerkrankungen leiden und denen oft die Luft bzw. der Sauerstoff zum Atmen fehlt, dass sie dennoch entdecken, wozu sie vielleicht noch fähig sind, und wenn es nur ein gehauchtes Lied ist, das aus dem Herzen kommt und zu Herzen geht.
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„Der Neuanfang eines Dialogs entsteht nicht durch Worte, sondern durch Schweigen, dadurch, dass man nicht stur bleibt, sondern geduldig wieder anfängt, dem anderen zuzuhören, seinen Schwierigkeiten, dem, was er auf dem Herzen hat. Die Heilung des Herzens beginnt mit dem Zuhören.“
Dieses Wort habe ich heute Morgen nach der Laudes gelesen.
Es traf mitten in meine Erfahrungen als Seelsorger in einer Psychiatrie.
Immer wieder erlebe ich, dass die Augenblicke, wo wir – beide Gesprächspartner – im Gespräch schweigen, keine leeren Augenblicke sind. Es ist ein Verweilen, ein Hineinhorchen bei dem, was die andere Person gesagt hat. Und in diesem Verweilen und Hineinhorchen geschieht auch etwas bei mir. Die gehörten Worte bewegen bestenfalls etwas in mir. Gedankliche Reaktionen, aber auch Gefühle und Bilder steigen in mir auf.
Das sind alles GESCHENKE, die mein Gegenüber mir durch seine Worte schenkt. Dieses Geschenk wertschätzend anzunehmen, das ist eine Übung, die manchmal nicht leicht ist, vor allem, wenn das Gehörte mich persönlich innerlich bewegt, erregt, verärgert. Und dieses Bewegung, Erregung und Verärgerung kommen nicht in erster Linie als Reaktion auf mein Gegenüber sondern als Reaktion auf das, was ich gehört habe. Solche Verärgerung ist bei mir nämlich oft auch empathische Solidarisierung mit dem, was ich von meinem Gesprächspartnern erfahren habe. Ihre Erzählungen, ihre Erfahrungen und Lebensgeschichte lassen mich nicht unberührt. Natürlich ergeben sich auch Augenblicke von solidarisierender Freude oder auch Traurigkeit.
All dieses Dinge dürfen bei mir sein – ich muss mich ihrer nur bewusst werden!
Denn diese Reaktionen, die ein Gespräch bei mir auslösen, müssen weiterhin hilfreich sein für unser Gespräch, für unsere Begegnung. Sie dürfen mich nicht blockieren, oder – wie Papst Franziskus es formuliert – zur „Sturheit“ führen.
Meine Aufgabe als Seelsorger ist es, dass das Gespräch und die Begegnung möglichst im Fluss bleiben kann. Und ja: das ist nicht immer einfach, manchmal sogar unmöglich. Auch das ist erst einmal nicht schlimm.
Schlimm wird es nur für das Gespräch und die Begegnung, wenn ich es als professioneller Seelsorger nicht merke.
Deshalb ist auch das Schweigen, von dem Franziskus spricht, in solchen Gesprächen existentiell wichtig. Denn das Schweigen ist nicht nur einfach eine Zäsur, sondern es gibt mir Zeit, von mir und meinen Reaktionen etwas Abstand zu nehmen, auf sie zu schauen, sie zu betrachten und zu reflektieren.
Die Kunst der Reflexion, besonders der Selbstreflexion, innerhalb eines Gespräches ist immens wichtig. Dafür bedarf es Gesprächspausen und auch gemeinsames Schweigen.
Es steckt – wenn man es recht bedenkt – ganz viel Wahrheit in dem Sprichwort:
Mit diesem Satz trifft Paulus einen Nerv – damals wie heute. Er erinnert uns daran, worum es im Kern unseres Christ*in-Seins geht: um Berufung.
Nicht um Zuständigkeiten, nicht um Rollen, nicht um Titel. Und schon gar nicht um die Unterscheidung zwischen „denen da vorne“ und „denen da hinten“, zwischen Haupt- und Ehrenamt, zwischen Klerus und Laien.
Paulus kennt diese Trennlinien nicht. Er kennt nur eines: Jede und jeder ist berufen.
Diese Berufung ist uns mit der Entscheidung für den Glauben anvertraut worden – in Taufe und Firmung. Und genau deshalb darf sie in all unseren Beratungen über die Zukunft von Kirche und Pfarreien nicht nachgeordnet sein. Sie ist der Ausgangspunkt. Nicht die Struktur, nicht die Finanzierung, nicht die Frage nach Gebäuden. All das ist wichtig – aber es ist Mittel, nicht Ziel. Mittel, um unserer Berufung gerecht zu werden. Nicht mehr und nicht weniger.
Darum braucht es in jeder Beratung, in jedem Strategiepapier, in jedem Reformprozess zuerst und immer wieder diese eine Frage: Wozu sind wir berufen – als Einzelne und als Pfarrei?
Paulus geht noch einen Schritt weiter.
Er traut die Antwort auf diese Frage nicht allein den „Fachleuten“ zu. Nicht nur denen, die rechnen können, verwalten, analysieren, theologisch argumentieren. Er setzt bewusst einen Kontrapunkt und schreibt provozierend: „Das Törichte in der Welt hat Gott erwählt … das Schwache … das Niedrige … das Verachtete.“
Warum diese Radikalität? Weil genau diese Menschen oft näher dran sind am Wesentlichen. Sie wissen, was es heißt, angewiesen zu sein – auf andere, auf Solidarität, auf Hoffnung. Sie wissen, was ein gutes Leben wirklich braucht: nicht nur materiell, sondern menschlich, sozial, geistlich. Und sie wissen – oft wortlos –, was der Mensch von Gott her braucht.
Wer das weiß, kann sich hineinversetzen in die Sehnsüchte anderer. Und wer die Sehnsüchte anderer versteht, entdeckt leichter die eigene Berufung: nämlich dazu beizutragen, dass Menschen leben können – anständig, erfüllt, menschenwürdig. Sozial und caritativ. Religiös und spirituell. Mit Hoffnung, mit Sinn, mit Würde.
Wenn wir also ernsthaft an einer Kirche der Zukunft bauen wollen, dann sollten wir den Mut haben, unsere Perspektive zu wechseln. Die Sichtweise der vermeintlich „Törichten“, „Schwachen“ und „Niedrigen“ nicht nur anzuhören, sondern zu unserer eigenen zu machen.
Denn erst von dort aus wird klar, wofür wir Strukturen brauchen, warum wir Immobilien erhalten oder aufgeben und wohin unsere finanziellen Mittel fließen sollen.
Nicht um Kirche zu verwalten – sondern um unserer Berufung treu zu bleiben: christlich.leben.mittendrin.
Kairos
Foto: Gerd A. Wittka, 19.01.2026
Manchmal braucht es den ‚richtigen Kairos‘, den günstigen, den entscheidenden, den ‚richtigen‘ Augenblick.
Das lehrt mich dieses Situation, die ich schnell im Bild festgehalten habe.
SEIN Gesicht wird von der Sonne fokussiert angestrahlt. Nur in diesem Augenblick stehen die Ikone und die Sonne im richtigen Winkel,‘ um SEIN Gesicht zum leuchten zu bringen
… und in diesem Moment zieht diese Ikone zieht ER meine Aufmerksamkeit auf sich!
Und ich antworte entzünde eine Räucherkerze IHM zu Ehren.
Es ist so, als würde ER mich lehren:
Alles zu seiner Zeit! Hab‘ Geduld, es kommt der ‚richtige Kairos‘
Würden Sie von sich selbst sagen, dass Sie „heilig“ sind?
Für viele klingt diese Frage zunächst fremd oder sogar anmaßend. Denn der Begriff „heilig“ ist in unserer katholischen Kirche stark besetzt. Wir verbinden ihn vor allem mit den großen Heiligen: mit Menschen, die als Glaubenszeugen verehrt werden und die uns durch ihre Heiligsprechung als Vorbilder empfohlen sind.
Und doch hören wir heute in der Lesung etwas Überraschendes. Der Apostel Paulus spricht nicht einzelne herausragende Personen an, sondern die ganze Gemeinde von Korinth. Er nennt sie „die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen“.
Paulus macht also keinen Unterschied. Für ihn sind alle Christinnen und Christen in Korinth heilig.
Das wirft Fragen auf.
• Gab es in dieser Gemeinde wirklich nur vorbildliche Menschen?
• Waren dort keine, die egoistisch lebten oder skrupellos handelten?
• Gab es keine Christinnen und Christen, deren Leben – auch nach damaligen Maßstäben – Anlass zur Kritik gegeben hätte?
Doch, davon dürfen wir ausgehen. Und genau hier wird deutlich, was Paulus mit „heilig“ meint. Heilig zu sein bedeutet für ihn nicht, tadellos zu sein. Es heißt nicht, ohne Fehler, ohne Brüche oder ohne dunkle Seiten zu leben.
Das gilt übrigens auch für die Heiligen unserer Kirche. Auch ihre Lebensgeschichten sind nicht makellos. Sie sind nicht deshalb Vorbilder, weil sie perfekt gewesen wären, sondern weil sie in aller Menschlichkeit versucht haben, den Glauben zu leben: weil sie gerungen haben, weil sie gescheitert und wieder aufgestanden sind, weil sie im Glauben geblieben oder zu ihm zurückgekehrt sind, wenn er ins Wanken geraten war.
Mit diesem Verständnis von Heiligkeit steht Paulus ganz in der Tradition des Alten Testaments. Schon dort wird das Volk Israel als „heilig“ bezeichnet. Und das, obwohl die Bibel sehr offen auch von den dunklen Seiten dieses Volkes erzählt: von Untreue, von Abkehr von Gott, sogar von der Verehrung anderer Götter. Mehr Bruch im Glauben geht kaum.
Und dennoch bleibt Israel heilig. Warum? Nicht wegen seines Verhaltens, sondern weil Gott selbst heilig ist. Israel ist heilig, weil es von Gott erwählt ist – und diese Erwählung ist unwiderruflich. Darum ist auch seine Heiligkeit nicht aufkündbar.
Ganz ähnlich verhält es sich mit uns Christinnen und Christen. Durch die Taufe sind wir mit Christus verbunden. Paulus sagt: Wir haben Christus in der Taufe „angezogen“.
Dieses Bild ist wichtig. Christus ist kein Kleid, das man irgendwann ablegt, weil es nicht mehr passt oder weil es alt geworden ist. Durch die Taufe ist dieses „Kleid Christi“ so etwas wie eine zweite Haut geworden. Man kann sie verdecken, man kann sie überlagern mit vielem, was von außen schöner aussieht – aber man kann sie nicht abstreifen.
Vielleicht ist das ein gutes Bild für die Gnade der Taufe. Sie lässt sich nicht rückgängig machen. Getauft bleibt man Christ – unabhängig davon, wie nah oder fern man sich der Kirche oder der Glaubensgemeinschaft fühlt.
Eine Formulierung aus dem heutigen Evangelium unterstreicht diese Beständigkeit. Johannes der Täufer berichtet von einer Vision, die Gott ihm geschenkt hat. In dieser Vision sagt Gott zu Johannes über Jesus:
„Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.“
Mir ist dabei ein Wort besonders wichtig: „und auf ihm bleiben“. An anderer Stelle heißt es: „Der Geist ruhte auf ihm.“
Der Heilige Geist ist keine vorübergehende Erscheinung. Er kommt nicht nur für einen Moment und verschwindet dann wieder. Er bleibt. Er ruht.
Einmal gesandt, lässt sich der Heilige Geist nicht abschütteln. Er macht es sich bei uns gewissermaßen bequem – so, dass man wirklich sagen kann: Er ruht auf uns.
In einem neuen geistlichen Lied meiner Kindheit heißt es:
„Du Herr, gabst uns dein festes Wort. Gib uns allen deinen Geist. Du gehst nie wieder von uns fort. Gib uns allen deinen Geist.“ zitiert nach: https://active-words.livejournal.com/51992.html
Der Gedanke dahinter ist schön, aber streng genommen ist er theologisch nicht ganz präzise. Denn wir müssen Gott nicht immer neu um seinen Geist bitten, als könnte er sich verflüchtigen wie Alkohol, der an der Luft verdunstet.
Der Heilige Geist bleibt. Auch dann, wenn wir ihn ignorieren. Auch dann, wenn unser Glaube oberflächlich geworden ist oder vernachlässigt wird.
Vielleicht sollten wir deshalb anders beten:
„Herr, lass deinen Geist in uns weiter wirken. Schenke uns die Bereitschaft, uns auf sein Wirken einzulassen. Hilf uns, nicht gegen ihn zu leben – im Denken, im Reden und im Tun.“ ( Gerd A. Wittka, 2026)
Wenn wir so aus dem Geist leben, dann wird unsere Heiligkeit sichtbar. Nicht als etwas Glänzendes oder Überhöhtes, sondern als ein Licht, das das Leben anderer Menschen heller macht. Ein Licht, das Orientierung geben kann. Ein Licht, das hilft, Leben gelingen zu lassen.
Das meint Heiligkeit – mitten im Alltag.
Segen: – (aus Psalm 121)
Der Herr ist dein Hüter, der Herr gibt dir Schatten; er steht dir zur Seite. Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden noch der Mond in der Nacht. Der Herr behüte dich vor allem Bösen, er behüte dein Leben. Der Herr behüte dich, wenn du fortgehst und wiederkommst, von nun an bis in Ewigkeit.