Der Geist wird euren Leib lebendig machen

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Impuls zum 14. Sonntag – Lesejahr A – 2026 in Verbindung mit Röm 8, 9.11-13

Die heutige Lesung aus dem Römerbrief spricht eine große Zusage aus:
Der Geist Gottes, der Jesus von den Toten auferweckt hat, wohnt in uns.
Und dieser Geist schafft Leben – nicht erst am Ende der Zeiten, sondern schon jetzt.

Paulus beschreibt damit eine Hoffnung, die das Herz des christlichen Glaubens bildet:
• Gott lässt das Leben nicht im Tod enden.
• Er führt es zur Vollendung.
• Und er beginnt damit bereits hier, mitten im Alltag.

Diese Hoffnung kann man nicht einfach voraussetzen.
Viele Menschen stellen sich – bewusst oder leise – die Frage:
Was wäre, wenn es das Ewige Leben nicht gäbe?
Was bliebe dann vom Glauben?

Diese Frage ist kein Ausdruck von Unglauben.
Sie ist ein ehrlicher Versuch, den Glauben von innen her zu prüfen.
Der Theologe Hans Küng hat das einmal so formuliert:
„Selbst wenn ich die Wette, dass es Gott gibt, im Tod verlöre, hätte ich für mein Leben nichts verloren.“

Dieser Gedanke zeigt:
Der christliche Glaube ist nicht nur eine Hoffnung für das Jenseits.
Er ist eine Lebensform, die schon jetzt trägt.

Was schenkt dieser Glaube?
Er lehrt die Liebe – zu sich selbst und zum Nächsten.
Er erinnert daran, dass jeder Mensch Würde hat, unabhängig von Leistung.
Er eröffnet die Möglichkeit des Neubeginns, weil Fehler nicht das letzte Wort haben.
Er schafft Frieden durch Vergebung.
Er ruft zur Freiheit, die aus der inneren Würde kommt.
Und er verbindet uns mit der ganzen Schöpfung und weckt Verantwortung für sie.

All das ist Ausdruck des Geistes Gottes, der in uns wohnt.
Dieser Geist macht lebendig – auch in Situationen, die schwer sind, auch in Zeiten der Unsicherheit.

Darum ist die christliche Hoffnung mehr als eine Wette auf das Ewige Leben.
Sie ist eine Kraft, die das Leben verwandelt.

Und wer die Frage „Was wäre, wenn…?“ zulässt, kann entdecken:
Der Glaube ist sinnvoll.
Er trägt.
Er macht das Leben menschlicher.
Er öffnet Wege, die ohne ihn vielleicht verschlossen blieben.

Paulus sagt:
Gottes Geist macht lebendig.
Das ist die Zusage, die uns heute geschenkt wird.
Sie gilt für das Leben nach dem Tod – und sie gilt für das Leben davor.

Darum halten wir fest:
Dieser Glaube ist Hoffnung für die Zukunft und Kraft für die Gegenwart.
Er führt in die Freiheit der Kinder Gottes.




Erinnere dich …

… an das, was dich trägt

Impuls zum 11. Sonntag im Jahreskreis – A –

Das nachfolgende Lied von Peter Maffay und Noa erzählt von einem Menschen, der sich wie in einer inneren Wüste fühlt: erschöpft, ausgetrocknet, orientierungslos.
Er ruft Gott als seinen Retter an — den, der sich zu ihm verströmt und ihn trägt.
Und mitten in dieser Leere spricht Gott ein einziges Wort: „Erinnere dich.“
Erinnere dich an das Heilige, an die Quelle, die bleibt, auch wenn alles andere versiegt.

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Die Worte aus der heutigen Lesung sind eine solche Erinnerung.
Gott lässt durch Mose sein Volk zurückschauen: auf den Weg, den es gegangen ist, auf die Katastrophen, die es überstanden hat, und auf den, der es durch all das hindurchgeführt hat.
Gott hat einen Plan, und er weiß, was er will.
Er will dieses Volk als sein auserwähltes Volk, als einen heiligen Priesterstamm, damit ER in seiner Nähe lebt.

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Doch dieses Auserwähltsein, diese besondere Stellung in den Augen Gottes, kann im Alltag leicht verblassen.
Wenn Sorgen uns in Anspruch nehmen, wenn Ablenkungen uns zerstreuen, wenn wir uns selbst dabei ertappen, wie wir Zeit verlieren an Dinge, die uns eigentlich gar nicht guttun.

Ich kenne das aus meinem eigenen Leben.
Ich nutze das Internet viel – beruflich, aber auch zur Unterhaltung.
Und nicht alles, was da aufploppt, ist harmlos.
Manches ist banal, manches nur darauf ausgelegt, mich festzuhalten, meine Aufmerksamkeit zu binden, um daraus Profit zu schlagen.
Und manchmal erschrecke ich richtig, wie schnell ich wieder hineingeraten bin.

Aber es gibt diese Ablenkungen nicht nur digital.
Auch im analogen Leben gibt es genug, was uns wegzieht von dem, was wirklich zählt.

Und manchmal, so empfinde ich es, ist es wie ein kleiner Stoß des Heiligen Geistes, wenn ich plötzlich merke, womit ich gerade wieder meine Lebenszeit vergeude.

Ich bin sicher, dass das früher nicht anders war.
Auch das Volk Israel war in Gefahr, Gott aus dem Blick zu verlieren – nicht nur wegen der widrigen Umstände, sondern auch wegen all der kleinen Dinge, die sich zwischen Gott und das Herz schieben können.
Und so wird Mose zum Erinnernden, fast wie eine Stimme, die ruft:
„Hallo… ich bin auch noch da! Ich war immer da. Und ich möchte nicht nur helfen und retten, sondern eine Beziehung mit euch leben.“

Gott hat es nicht leicht mit uns.
Immer wieder wirbt er um uns, um unser Vertrauen, um unser Herz.
Und wir?
Mitten im Alltag, mitten in unseren Beschäftigungen und Zerstreuungen – nehmen wir dieses Werben wahr?

Auch Jesus spürt später, dass die Menschen seiner Zeit Gott aus dem Blick verlieren.
Er verurteilt sie nicht.
Er sieht ihre Müdigkeit, ihre Erschöpfung, ihre Lasten.
Und er sieht auch ihre Sehnsucht.
Denn sonst wären sie nicht in solcher Zahl zu ihm gekommen, um ihn zu hören, um etwas von Gott zu spüren.

Und heute?
Wir kennen diese Müdigkeit.
Wir kennen die Erschöpfung.
Wir kennen die Ablenkungen, die uns wegziehen von dem, was uns eigentlich trägt.
Und wir sehen sie auch bei anderen.

Doch Jesus bleibt nicht bei der Diagnose stehen.
Er sendet seine Jüngerinnen und Jünger in genau diese Welt hinein – in die Müdigkeit, in die Erschöpfung, in die Zerstreuung.
Nicht als Moralapostel, nicht als Besserwisser, sondern als Menschen, die etwas von Gottes Nähe spürbar machen.
Als Menschen, die die Sehnsucht nach Gott wahrnehmen und behutsam wachhalten.

Bild von Ben auf Pixabay

Dafür braucht es nicht zuerst Hauptamtliche.
Dafür braucht es uns alle, die wir glauben.
Menschen, die sich selbst und andere daran erinnern, was Gott schon getan hat, wo er Halt war, wo er uns durchgetragen hat.
Menschen, die erzählen können, dass dieses Angebot Gottes allen gilt.

Und wenn wir im Evangelium hören, dass Jesus seine Jüngerinnen und Jünger zunächst nur „zu den verlorenen Schafen Israels“ sendet, dann wissen wir zugleich:
Er hat später erkannt, dass Gottes Liebe größer ist als jede Grenze.
Dass sie allen Menschen gilt.
Auch denen, die damals „Heiden“ genannt wurden.
Wäre das nicht so, säßen wir heute nicht hier.

Das ist die eigentliche Erinnerung dieses Sonntags:
dass Gott uns nicht aus den Augen verliert – auch dann nicht, wenn wir ihn aus den Augen verlieren.
Und dass er uns immer wieder anrührt, damit wir uns erinnern können.




Dreifaltigkeit

Eine Annäherung für unseren alltäglichen Glauben

Bildquelle: Autor/-in unbekanntUnknown author, Public domain, via Wikimedia Commons, Bildquelle!

Wenn wir heute das Fest der Dreifaltigkeit feiern, stehen wir vor einem der größten Geheimnisse unseres Glaubens. Und vielleicht fragen Sie sich – wie ich auch immer wieder –: Was kann man darüber eigentlich sagen, ohne sich zu verrennen?

Wir glauben an einen Gott, der uns auf drei verschiedene Weisen begegnet:

– als Vater, der Himmel und Erde geschaffen hat, alles Sichtbare und Unsichtbare,

– als Sohn, der wirklich Mensch geworden ist und uns erlöst hat,

– und als Heilige Geistkraft, die uns begleitet, stärkt und führt.

Das klingt vertraut. Und doch spüren wir: Ganz fassen können wir dieses Geheimnis nicht.

Ein Bild aus der Natur – und ein kleines Wunder der Physik

Wir suchen oft nach Bildern, die uns helfen, der Dreifaltigkeit näherzukommen.

Eines davon ist das Wasser: Es kann fest sein wie Eis, flüssig wie Wasser und gasförmig wie Dampf. Drei Erscheinungsweisen – und doch bleibt es immer Wasser.

Als ich einmal mit einem befreundeten Professor und Naturwissenschaftler über das Thema ‚Dreifaltigkeit‘ sprach, erzählte er mir von einem faszinierenden Experiment:

Unter ganz bestimmten Bedingungen kann Wasser alle drei Aggregatzustände gleichzeitig haben. Eis, Wasser und Dampf – nebeneinander, im selben Augenblick. Die Physik nennt das den Tripelpunkt.

Das hat mich beeindruckt. Denn es zeigt:

Manchmal gibt es in dieser Welt Dinge, die gleichzeitig verschieden und doch eins sind. Dinge, die wir nicht erklären müssen, um sie staunend wahrzunehmen.

Vielleicht hilft uns dieses Bild, wenn wir weiter über die Dreifaltigkeit nachdenken.

Ein Gott der Beziehung

    In den Evangelien der letzten Wochen haben wir gehört, wie eng Vater, Sohn und Geist miteinander verbunden sind. Jesus sagt:

    – „Ich und der Vater sind eins.“

    – „Wer mich sieht, sieht den Vater.“

    – „Ich lasse euch nicht allein – ich sende euch den Beistand.“

    Unser Gott ist ein Gott der Beziehung.

    Die drei Personen sind miteinander verbunden – und jede von ihnen sucht Beziehung zu uns.

    Unser Glaube an die Dreifaltigkeit zeigt sich also nicht darin, dass wir alles erklären können, sondern darin, wie wir mit Gott leben.

    Augustinus am Strand – und die Grenzen unseres Verstandes

      Denn eine Legende aus dem Leben des heiligen Augustinus macht mir etwas deutlich:

      Eines Tages spazierte Augustinus am Strand entlang, während er mitten in den Vorbereitungen für sein Buch über die Heilige Dreifaltigkeit stand. Plötzlich entdeckte er einen Jungen, der mit einem Löffel immer wieder Meerwasser in ein kleines, selbst-gegrabenes Loch schaufelte.

      Neugierig hielt Augustinus an und fragte den Knaben, was er da tue. Der Junge erklärte, er wolle das Meer austrocknen, indem er es in dieses Loch gieße.

      Amüsiert und ein wenig mitleidig lächelnd, wies Augustinus darauf hin, dass das Meer dafür viel zu groß sei. Doch der Junge konterte: „Wahrscheinlicher wirst du das Meer auf diese Weise leer bekommen, als du mit deinem Verstand das Geheimnis der Dreifaltigkeit auch nur annähernd ergründen kannst. Es ist einfach zu groß.“

      Dabei verglich der Knabe das Meer mit der Dreifaltigkeit, sein Loch, das er aushob, mit Augustinus’ entstehendem Buch und den Löffel mit dessen Verstand.

      Diese Geschichte zeigt:

      Wir können Gott nicht in unser kleines Denk-Loch schaufeln.

      Und das ist völlig in Ordnung.

      Was bedeutet die Dreifaltigkeit für mein Leben?

        Ich habe im Studium die Trinitätslehre nie vollständig verstanden.

        Aber ich habe etwas anderes verstanden:

        Die Dreifaltigkeit hat mit meinem Leben zu tun. Mit meiner Beziehung zu Gott.

        Ich glaube an Gott, den Vater.

        Wenn ich staune über die Natur, über die Vielfalt des Lebens, über die Geheimnisse der Biologie, Physik und Chemie – dann spüre ich:

        Da ist ein Ursprung.

        Da ist einer, der uns geschaffen hat und uns Verantwortung für diese Welt anvertraut.

        Ich glaube an Gott, den Sohn.

        Jesus hat uns gezeigt, wie Gottes Liebe aussieht – menschlich, nahbar, verletzlich.

        Er kennt unsere Schwächen und unsere Schuld.

        Und er zeigt uns:

        Gottes Liebe lässt uns nicht fallen.

        Ich glaube an die Heilige Geistkraft.

        Sie ist die Kraft, die mich tröstet, wenn ich zweifle.

        Die mich stärkt, wenn ich müde bin.

        Die mich führt, wenn ich nicht weiß, wohin.

        Sie ist Gottes Nähe in meinem Alltag.

        So glaube ich an den dreifaltigen Gott

        An den Vater, der mich geschaffen hat.

        An den Sohn, der mich erlöst.

        An die Heilige Geistkraft, die mich begleitet.

        Ein Gott – drei Weisen, wie er mir begegnet.

        Ein Geheimnis – und doch ganz nah.

        Ein Gott, der mein Leben umgibt, vom Anfang bis zur Vollendung.

        Foto: Gerd A. Wittka, 2025



        Pfingsten 2026

        Fresco s.X. Iglesia de San Jakobus en Urschalling, Alta Baviera Alemania -Unbekannter Autor – Unknown author, Public domain, via Wikimedia Commons

        Impuls: (Bezug – 2. Lesung vom Pfingstsonntag, 1 Kor 12ff)

        Wir schreiben das Jahr 1 der Großpfarrei St. Clemens Oberhausen.
        Heute feiern wir Pfingsten, das Fest, das oft als Geburtsfest der Kirche bezeichnet wird. Die Lesung, die wir gehört haben, macht deutlich, was Kirche im Kern ausmacht. Ohne diese Wesenszüge, so möchte ich behaupten, gibt es keine Kirche.

        Christus als Mitte

        Paulus nennt zuerst das Bekenntnis zu Jesus als dem Herrn.
        Kirche entsteht dort, wo Menschen an Jesus Christus glauben und ihn als Herrn ihres Lebens bekennen.

        Das heißt nicht nur, ein Gedanke oder eine Theorie zu teilen, sondern Christus den Mittelpunkt von Denken, Reden und Handeln werden zu lassen. Christus soll in unserem Leben groß werden dürfen.

        Für uns hier in Oberhausen heißt das konkret: Bei allen Fragen, wie wir als Kirche vor Ort sichtbar sein wollen, müssen wir uns immer wieder vergewissern, ob Christus wirklich das Zentrum bleibt?

        Diese Frage ist die wichtigste:
        Was bedeutet es für uns hier in Oberhausen, an Christus zu glauben und allein ihn zu verkündigen?
        Alles andere ist mindestens zweitrangig.

        Kirche ist Vielfalt

        Bild: Gerd Altmann auf www.pixabay.com

        Paulus spricht von verschiedenen Gnadengaben, verschiedenen Diensten, verschiedenen Kräften. Vielfalt ist kein bloßes Schlagwort; sie fordert uns heraus.
        Sind wir bereit, diese Vielfalt in unserem Gemeindeleben zu akzeptieren?
        Oder lassen wir zu oft bestimmte Vorstellungen, Vorlieben einzelner Gruppen oder Gremien bestimmen, wie Gemeinde zu sein hat?

        Ich erlebe, dass in manchen Zirkeln intensiv darüber nachgedacht wird, was in unserer Pfarrei geschehen kann und sollte. Gleichzeitig gibt es schon viele Initiativen und Formen des Glaubenslebens, die oft nicht ausreichend wahrgenommen oder gewürdigt werden. Vielfalt möglich zu machen, bedeutet Mut: den Mut, das Fremde zuzulassen und ihm eine Daseinsberechtigung zu geben.

        Vielfalt heißt nicht Beliebigkeit. Ein zentrales Kriterium bleibt das Glaubensbekenntnis zu Jesus Christus. Alles, was wir tun, muss an diesem Maßstab gemessen werden.

        Nutzen und Auferbauung der Gemeinde

        unbekannter Autor – www.pixabay.com

        Ein weiteres, für mich sehr wichtiges Kriterium ist: Alles, was die Gemeinde tut, muss anderen nützen. Diese Einsicht hat mich in meiner Studienzeit tief geprägt. Paulus betont, dass besonders Gottesdienste und alles Gemeindliche der Auferbauung der Gemeinde dienen sollen.
        (vgl. 1.Korinther 14,12)

        Das ist ein klares Prüfmaß: Dient eine Initiative, ein Angebot, ein Projekt dem Nutzen der anderen und der Stärkung unserer Gemeinschaft?
        Wenn nicht, dann ist es nicht im Sinne des Paulus und nicht im Sinne des Heiligen Geistes. Der Geist weht, wo er will — nicht dort, wo wir ihn gerne hätten.

        Für Oberhausen bedeutet das: Wir brauchen Kriterien, an denen wir messen, was wir fördern und was wir lassen.
        Und wir brauchen den Mut, Neues wachsen zu lassen und seine Früchte abzuwarten.

        Mut zur Förderung guter Früchte

        Es reicht nicht, Initiativen nur zu dulden.
        Wenn wir erkennen, dass etwas gute Früchte trägt, dann sind wir gefordert, diese Initiativen aktiv zu unterstützen und wertzuschätzen.
        Das heißt: Entscheidungen treffen, die den Fortbestand fördern.
        Nicht aus Besitzstandswahrung, sondern aus Sorge um das Gemeinwohl.

        (vgl. Matthäus 7,16-20, https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us7%2C16-20 )

        Gleichzeitig gilt:
        Nichts in der Kirche ist für alle Ewigkeit unverändert festgeschrieben; das Zweite Vatikanische Konzil hat dies mit dem Grundsatz ‚ecclesia semper reformanda‚ bekräftigt: Die Kirche muss sich fortwährend an der Botschaft des Evangeliums messen und sich erneuern.
        Erneuerung heißt auch, Vergangenes loszulassen, das seine Zeit gehabt hat; Reform ist kein passives Geschehen und darf nicht zum Selbstzweck werden.
        Reformieren bedeutet nicht, Neues um des Neuen willen einzuführen, sondern dort lebendig Neues zu wagen, wo das Alte dem Leben nicht mehr dient, sondern nur noch sich selbst erhält — und solche Selbstzwecke gibt es in der Kirche noch genug.

        Praktische Konsequenzen für Oberhausen

        Was folgt daraus konkret für uns?

        • Zentrum klären: Immer wieder neu fragen, ob Christus das Zentrum unseres Handelns ist.
        • Vielfalt ermöglichen: Räume schaffen, in denen unterschiedliche Gaben und Dienste wachsen können.
        • Nützlichkeit prüfen: Angebote daran messen, ob sie der Auferbauung der Gemeinde dienen.
        • Fördern statt nur dulden: Gute Initiativen nicht nur zulassen, sondern aktiv unterstützen.
        • Bereit sein zu verändern: Altes loslassen, wenn es dem Evangelium nicht mehr dient.

        Diese Schritte verlangen Entscheidungen, manchmal auch Unbequemes. Sie verlangen Mut, Geduld und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

        Ein persönliches Wort

        Ich habe in meinem Leben oft erlebt, wie zarte Pflänzchen des Glaubens erst Zeit und Raum brauchten, um Früchte zu tragen. Manchmal genügte ein ermutigendes Wort, eine kleine finanzielle Unterstützung oder die Zusage, einen Raum zur Verfügung zu stellen. Solche Gesten sind keine großen politischen Manöver — sie sind Ausdruck der Sorge füreinander und der Bereitschaft, das Reich Gottes konkret werden zu lassen.

        Wenn wir in Oberhausen Kirche sein wollen, dann nicht als Festung des Bewahrens, sondern als Feld, auf dem der Heilige Geist weht und Leben hervorbringt. Das verlangt, dass wir uns immer wieder fragen: Wem nützt das, was wir tun? Baut es die Gemeinde auf? Ehrt es Christus?

        Schluss

        Pfingsten erinnert uns daran: Kirche lebt vom Geist, von der Mitte in Christus, von der Vielfalt der Gaben und vom Dienst am Nächsten. Wenn wir diese Grundwahrheiten beherzigen, dann können wir mit Zuversicht in die Zukunft unserer Großpfarrei gehen.

        Lassen wir den Heiligen Geist wehen.
        Lassen wir Christus wachsen.
        Und lassen wir die guten Früchte reifen, damit wir als Gemeinde in Oberhausen sichtbar und lebendig Zeugnis geben können.




        Nacht.Glaube.Gesang

        Es ist Sonntag, der 17.5.2026, 4.30 Uhr.
        Ich werde wach – werde geweckt …
        vom Gesang einer einzelnen Amsel.
        Draußen ist es still – mucksmäuschenstill …
        und dunkel
        dunkelste Nacht

        … scheinbar

        Bild von Rhea Yaw Ching auf Pixabay

        Aber warum fängt die Amsel jetzt schon an zu singen?
        Ahnt sie etwas vom anbrechenden Licht?
        Ahnt sie etwas von der Wärme der Sonne, die bald über dem Horizont
        ihre ersten Strahlen erhebt?

        Oder singt sie an – gegen die Nacht?
        Ist ihr die Nacht zu lang,
        so dass sie mit ihrem ersten Gesang
        mitten in der Dunkelheit
        ihren liedhaften Protest gegen das Dunkel erhebt?
        Ist ihr das Dunkel zu viel?
        Singt ihr Lied von der Hoffnung auf das kommende Licht?

        Alle Assoziationen sind erlaubt.
        Erlaubt ist auch, dieses Bild
        der singenden Amsel
        mitten in der Nacht
        und
        scheinbar mitten in der Dunkelheit
        auch als Bild des Glaubens
        zu sehen.

        So jedenfalls hat es
        Rabindranath Tagore
        einst wohl verstanden,
        als er folgende Worte verfasste:

        Glaube ist der Vogel, der singt,
        wenn die Nacht noch dunkel ist.

        Rabindranath Tagore (1861 – 1941), in Bengali. Ravindranath Thakur, indischer Dichter und Philosoph, Nobelpreisträger für Literatur 1913, Quelle: https://www.aphorismen.de/zitat/194964

        Es gibt Menschen,
        die durch ihren Glauben
        und gestärkt im Glauben
        mitten in der Dunkelheit der Welt

        singen

        den Gesang
        der Hoffnung
        der Sehnsucht
        der tief empfundenen Überzeugung
        dass nach dem Dunkel der Nacht
        das Licht des neuen Tags
        unser Leben erhellen wird.

        Übrigens:
        es wird wohl heute kein so sonniger
        und warmer Tag werden,
        eher kühl
        und später auch
        ziemlich
        nass

        und dennoch singt die Amsel
        und TROTZ-dem singt die Amsel!

        Was kann dieses Bild
        dir und mir
        über den Glauben
        und die Hoffnung
        sagen?


        Nun ist es gerade 05.00 Uhr … und ich sehe am Horizon ein erstes bläulich schimmerndes Licht.

        Hat die Amsel gegen 4.30 Uhr schon eher das heranbrechende Licht gesehen als ich?




        „Herr, zeig uns den Vater.“

        Symbolbild, Bild von Chil Vera auf Pixabay

        Impuls zum 5. Sonntag der Osterzeit – 2026

        Schriftstelle: Johannes-Evangelium Kapitel 14, 1-12

        So tauchen wir ein, in die Szene, die uns heute in diesem Impuls beschäftigt.

        Philippus spricht diesen Satz – und mit ihm sprechen wir alle, die wir uns fragen: Wie können, dürfen, sollen wir uns Gott vorstellen?

        Manche Religionen verbieten Bilder von Gott, weil sie die Versuchung fürchten, Gott zu vergegenständlichen.

        Auch das Christentum kennt die Auseinandersetzung um Bilderkult und Bilderverbot.

        Und doch bleibt die Sehnsucht:

        Wir wollen Gott sehen, wir wollen ihn finden, wir wollen eine persönliche Beziehung zu ihm.

        Das ist kein abstraktes Problem.

        Viele Menschen heute ringen damit: Gott als „Vater“, und zugleich betonen immer mehr Menschen die mütterliche Seite Gottes – „sorgender Vater und liebende Mutter“.

        Gott als Schöpfer, als personaler Gott, und doch so unbegreiflich.

        Manche tun sich schwer, eine persönliche Beziehung zu einem Gott aufzubauen, der zugleich so groß und so fern erscheint.

        Genau diese Spannung steckt in Philippus’ Bitte: Zeig uns den Vater.

        Mach ihn sichtbar, mach ihn erfahrbar.

        Jesus antwortet nicht mit einer theologischen Definition, sondern mit einer überraschend konkreten Aussage: „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen.“

        Das ist nicht nur ein Hinweis auf ein historisches Gesicht, das man einst gesehen hat.

        Es ist eine Einladung, Jesus zu erkennen – seine Haltung, seine Lebensweise, seine Zuwendung.

        Wer Jesus versteht, wer seine Art zu leben und zu handeln erkennt, der erkennt etwas vom Wesen Gottes.

        Wenn wir das genauer bedenken, wird klar:

        Jesus ist kein Bild, das man an die Wand hängt.

        Er ist das lebendige Abbild Gottes.

        In ihm sehen wir den Menschen, wie Gott ihn gedacht hat: frei, zugewandt, barmherzig, und doch nicht bloß ein Spiegel unserer Wünsche.

        In Jesus begegnet uns Gottes Zuwendung, Gottes Erbarmen, seine Souveränität gegenüber unseren Projektionen.

        Jesus zeigt, wie Gott handelt – nicht als Idee, sondern als gelebte Wirklichkeit.

        In Jesus sehen wir den Menschen, wie ihn Gott gedacht hat.

        Das heißt nicht, dass Jesus ein Idealbild ist, das wir nur bewundern sollen. Es heißt: In seinem Leben wird sichtbar, was möglich ist, wenn ein Mensch in Freiheit und in Liebe lebt, ohne sich von Gott zu lösen.

        Und das ist zugleich ein Bild davon, wie Gott ist: zugewandt, heilend, herausfordernd, und doch unabhängig von unseren Wunschträumen.

        Jesus geht noch einen Schritt weiter: Er verspricht, dass die, die an ihn glauben, die Werke vollbringen werden, die er vollbringt – und sogar größere.

        Das klingt groß und kann leicht überfordern.

        Vielleicht ist es hilfreich, das nicht als Leistungsauftrag zu lesen, sondern als Verheißung:

        Wenn wir in Beziehung zu Jesus treten, wenn wir seine Worte und Werke in unser Leben lassen, dann wirkt Gottes Kraft durch uns.

        Nicht weil wir stärker sind, sondern weil wir verbunden sind.

        Was heißt das konkret für unser Leben heute?

        Ich möchte drei einfache Wege vorschlagen, die aus deiner Überlegung folgen:

        – Schau auf Jesus. Nicht als historische Figur, die weit weg ist, sondern als Mensch, dessen Worte und Taten uns heute ansprechen. Lies seine Worte, hör auf seine Art zu handeln, achte auf seine Nähe zu den Ausgegrenzten, seine Geduld, seine Klarheit.

        Übe die Freundschaft mit Christus. Freundschaft wächst durch Zeit, durch kleine Gesten, durch Vertrauen. Das kann im Gebet sein, im Hören auf die Schrift, im Gespräch mit anderen, im Tun, das seinem Geist entspricht.

        Lass dich von seinen Werken prägen. Wenn Jesus heilt, versöhnt, tröstet, dann sind das keine abgeschlossenen Taten der Vergangenheit. Sie sind Muster, nach denen wir unser Handeln ausrichten können – nicht um zu beweisen, dass wir gut sind, sondern um Raum zu schaffen, in dem Gottes Liebe sichtbar wird.

        All das ist keine Garantie für einfache Antworten.

        Es bleibt ein Suchen, ein Fragen, ein Tasten, ein Ringen.

        Aber gerade dieses Suchen ist Teil des Glaubenslebens.

        Philippus’ Frage ist eine ehrliche Frage – und Jesus’ Antwort ist eine Einladung: Komm näher, schau hin, erkenne mich – und du wirst den Vater erkennen.

        So können wir Schritt für Schritt in eine tiefere, vertrautere Beziehung zu Christus hineinwachsen – und dadurch auch in die Beziehung zu dem Gott, der für Jesus „sorgender Vater und liebende Mutter“ ist.

        Es ist ein Weg, der Zeit braucht, der Geduld verlangt und der immer wieder neu beginnt.