Österl. Bußzeit und Ramadan


erstellt mit KI (copilot)

Christliche Fastenzeit und Ramadan

Es gibt Jahre, in denen der Kalender uns kleine Geschenke macht. Dieses Jahr gehört dazu: Christinnen und Christen beginnen heute mit dem Aschermittwoch ihre Fastenzeit – und gleichzeitig treten Musliminnen und Muslime in den heiligen Monat Ramadan ein. Zwei Traditionen, zwei Wege, zwei Rhythmen. Und doch: ein gemeinsamer Herzschlag.

Unterschiedliche Formen – ein gemeinsamer Geist

Die christliche Fastenzeit umfasst vierzig Tage, wobei die Sonntage ausgespart bleiben. Sie sind kleine Ostertage, Tage der Freude, an denen das Fasten bewusst unterbrochen wird. Der Ramadan hingegen dauert einen Mondmonat und kennt das tägliche Fastenbrechen nach Sonnenuntergang.

Doch jenseits dieser äußeren Unterschiede verbindet beide Traditionen etwas Tiefes:
Fasten ist nie nur Verzicht. Fasten ist ein Weg der Hinwendung – zu Gott, zu den Menschen, zu sich selbst. Werke der Barmherzigkeit, Nächstenliebe, innere Erneuerung: All das gehört untrennbar dazu.

Fasten ohne finsteres Gesicht

Wir Christinnen und Christen haben uns manchmal schwergetan mit dieser Freude. Zu oft stand das äußere Fasten im Vordergrund, manchmal mit einem Hauch von moralischem Ernst, der eher belastet als befreit. Dabei sagt Jesus selbst ganz klar, worauf es ankommt:

„Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht … salbe dein Haupt und wasche dein Gesicht.“

Fasten soll nicht zur Selbstdarstellung werden. Es soll nicht beschweren, sondern befreien. Es soll uns nicht enger machen, sondern weiter.

Benedikt: Fasten in der Freude des Heiligen Geistes

Der heilige Benedikt hat das wunderbar auf den Punkt gebracht. In seiner Regel lädt er dazu ein, in der Fastenzeit „in aller Lauterkeit auf unser Leben zu achten“ und Gott „in der Freude des Heiligen Geistes“ etwas darzubringen.
Nicht die Strenge steht im Mittelpunkt, sondern die geistliche Sehnsucht. Nicht der Verzicht, sondern die Beziehung. Nicht die Askese, sondern die Freude.

Beten, Lesen der Schrift, innere Sammlung – all das bekommt Vorrang vor dem rein körperlichen Fasten. Und genau darin liegt die Schönheit dieser Zeit.

Wenn die Natur aufblüht – und wir mit ihr

Die Fastenzeit fällt in jene Wochen, in denen die Natur langsam wieder erwacht. Knospen brechen auf, Licht kehrt zurück, Farben melden sich zurück. Warum nicht dieses äußere Aufblühen als Bild für unser Inneres nehmen?

Fasten kann ein Raum sein, in dem wir neu aufblühen:
in unserer Beziehung zu Gott,
in unserer Aufmerksamkeit für andere,
in unserer Dankbarkeit für das Leben.

Ein gemeinsamer Wunsch

Ich wünsche allen Menschen christlichen und muslimischen Glaubens eine gesegnete Fastenzeit und einen gesegneten Ramadan.
Mögen diese Wochen uns näher zu Gott führen – zu dem Gott Abrahams, der uns alle trägt.
Mögen sie uns inspirieren zu guten Taten, zu Frieden, zu Verständnis und zu einem liebevollen Umgang mit der ganzen Schöpfung.

Fastenzeit und Ramadan: zwei Wege, die uns einladen, leichter zu werden, freier zu werden, tiefer zu leben.
Vielleicht ist das das schönste Geschenk dieser besonderen Zeit.




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Impuls zum 5. Sonntag – A – 2026

Christlich leben – mittendrin.

Dieses Leitwort begleitet die Veränderungen in unserer Kirche hier in Oberhausen und im ganzen Bistum Essen.
Es ist ein schönes Wort. Und zugleich ein anspruchsvolles.

Denn „mittendrin“ heißt: nicht am Rand stehen.
Nicht zuschauen.
Sondern leben – in einer Welt, die sich spürbar verändert.

Vieles, was früher selbstverständlich war, trägt nicht mehr.
Sicherheiten bröckeln.
Routinen lösen sich auf.
Das gilt für die große Weltpolitik ebenso wie für das Leben vor Ort – hier bei uns im Pott.
Alles ist in Bewegung.
Und wir sind es auch.

Alles Leben ist Veränderung.
Und wir stehen nicht außerhalb davon.
Wir stehen mittendrin.

Da stellt sich ganz automatisch eine Frage:
Was ist meine Berufung – heute?

Paulus hat uns am letzten Sonntag eingeladen, auf unsere Berufung zu schauen.
Nicht im Sinne eines einmaligen Moments, der irgendwann abgeschlossen wäre.
Sondern als etwas Lebendiges.
Als etwas, das sich mit unserem Leben mitentwickelt.

Ich merke das sehr deutlich in meinem eigenen priesterlichen Dienst.
Als ich mich Ende der 1980er Jahre entschied, Theologie zu studieren und Priester zu werden, hatte ich ein Bild vor Augen.
Ein Bild davon, wie meine Berufung aussehen könnte.
Wie Kirche für mich war und wie ich mir meinen Dienst in ihr vorgestellt habe.
Heute, viele Jahre später, schaue ich auf mein damaliges Bild zurück, mit der Erkenntnis, dass Berufung wachsen darf und sich mit dem Leben verändert.

Heute weiß ich:
Berufung erschöpft sich nicht in einer Entscheidung von damals.
Ich musste und muss immer wieder neu hinschauen.
Immer wieder neu fragen:
Was hat Gott jetzt mit mir vor?
In dieser Zeit.
Mit diesen Erfahrungen.
Mit diesen Grenzen.


[Heute, am 10.02.2026, möchte ich noch eine Ergänzung hinzufügen:
Mir sind heute noch mal wieder Menschen in Erinnerung gekommen, die eine frühere Entscheidung zu einer bestimmten Form der Berufung im kirchlichen Dienst revidiert haben.
Manchmal denke ich auch bei mir: es hätte so viele Stellen gegeben in meiner Biographie, wo meine frühere Berufungsentscheidung angefragt wurde, wo ich selber mich gefragt habe:
‚Kannst du noch bleiben? – Ist das System Kirche wirklich dein Ort, wo du deinen Dienst glaubwürdig verrichten kannst?‘ –
Das meine ich damit, wenn ich oben geschrieben habe, dass ich immer wieder neu „Ja“ sagen können muss, auch wenn es manche Gründe dagegen gibt.
Und ich kann es immer nur wiederholen, was mir hilft, zu dieser gewählten Entscheidung auch heute noch ‚Ja‘ sagen zu können:
Es ist der HERR und meine tiefste Überzeugung, dass ER mich ruft.
Und so, wie damals die Berufung seiner Jünger nicht an einem Ort stattgefunden hat, an dem die Jünger verweilt haben, gleichsam eine ’stabilitas loci‘ aufgebaut haben, sondern mit dem Herrn mit gezogen sind, unterwegs waren und später auch allein oder zu zweit unterwegs waren, so ist auch mein Weg der Berufung und Nachfolge geprägt von dem ständigen Unterwegssein.
Ich spüre für mich: ich kann nicht Berufen sein, ohne zugleich auch immer wieder unterwegs zu sein.
Dazu gehört, mich ständig an neuen Orten oder in neuen Umständen meines Dienstes zu sehen und auch den Mut und die Bereitschaft zu haben, mich darauf einzulassen – auch wenn es oft Kraft und Nerven kostet.
Doch: ER ist es mir wert!]


Paulus bringt es in der heutigen Lesung auf den Punkt.
In aller Klarheit.
Fast schon ernüchternd einfach.
„Ich hatte mich entschlossen, nichts zu wissen außer Jesus Christus – und zwar den Gekreuzigten.“

Das ist der Kern jeder Berufung:
Jesus Christus immer im Blick.
Verwundbar.
Hingebend.
Ganz auf den Menschen hin.

Das Evangelium greift diesen Gedanken auf und führt ihn weiter.
„Ihr seid das Salz der Erde.“
„Ihr seid das Licht der Welt.“

Oder mit Angelus Silesius:
„Mensch, werde wesentlich.“

„Wesentlich“ hat im Deutschen zwei Bedeutungsebenen
Zum einen meint es das, was zum Wesen einer Sache gehört.
Das Unverzichtbare.
Das, ohne das alles andere seinen Sinn verliert.

Zum anderen ist es eine Steigerung:
Etwas ist „wesentlich“ spürbarer, wirksamer, bedeutsamer.

Beides passt gut zu diesem Evangelium.

Eine Kerze zum Beispiel.
Sie kann wunderschön sein.
Kunstvoll gestaltet.
Aber sie erfüllt ihren Sinn erst, wenn sie angezündet wird.
Wenn sie Licht gibt.
Wenn sie sich ein Stück weit verzehrt.
Bleibt sie nicht entzündet, bleibt sie un-wesentlich.

Oder denken wir an Salz.
Niemand isst es pur.
Es drängt sich nicht in den Vordergrund.
Aber fehlt es, merkt man es sofort.
Es macht den Unterschied – behutsam dosiert.

Dazu ein paar ganz konkrete Beispiel aus unserem möglichen Alltag:

Christen sind wesentlich,
wenn sie im Krankenhaus, im Pflegeheim oder zu Hause
Zeit schenken, wo Zeit knapp ist.
Nicht nur medizinisch korrekt.
Sondern menschlich, herzlich, aufmerksam.
Ein Blick.
Ein Name.
Ein: „Ich bin später noch einmal bei Ihnen.“

Christinnen und Christen sind wesentlich,
wenn sie im Verein, in der Schule oder im Stadtteil
nicht fragen: Was habe ich davon?
Sondern: Was wird hier gerade gebraucht?
Wenn jemand Verantwortung übernimmt,
obwohl es mühsam ist
und niemand dafür applaudiert.

Christen sind wesentlich,
wenn sie bei all den großen Krisen unserer Zeit
– Krieg, Klimawandel, soziale Spaltung –
nicht abstumpfen.
Wenn sie spenden, teilen, verzichten.
Nicht aus schlechtem Gewissen.
Sondern aus Überzeugung.

Und Christen sind wesentlich,
wenn sie in ihrer eigenen Verletzlichkeit ehrlich bleiben.
Wenn sie nicht so tun, als hätten sie alles im Griff.
Sondern sagen können:
Ich weiß es gerade auch nicht. Aber im Vertrauen auf Gott, mache ich weiter.

Das ist Salz.
Das ist Licht.
Das ist wesentliches Leben.

Christlich leben heißt nicht, alles im Griff zu haben.
Sondern sich immer wieder neu senden zu lassen.
Mitten in eine Welt im Wandel.
Mitten ins eigene Leben.

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„Seht auf eure Berufung, Geschwister!“ (1 Kor 1,26)

Bild von Tyli Jura auf Pixabay

Mit diesem Satz trifft Paulus einen Nerv – damals wie heute.
Er erinnert uns daran, worum es im Kern unseres Christ*in-Seins geht: um Berufung.

Nicht um Zuständigkeiten, nicht um Rollen, nicht um Titel.
Und schon gar nicht um die Unterscheidung zwischen „denen da vorne“ und „denen da hinten“, zwischen Haupt- und Ehrenamt, zwischen Klerus und Laien.

Paulus kennt diese Trennlinien nicht. Er kennt nur eines: Jede und jeder ist berufen.

Diese Berufung ist uns mit der Entscheidung für den Glauben anvertraut worden – in Taufe und Firmung.
Und genau deshalb darf sie in all unseren Beratungen über die Zukunft von Kirche und Pfarreien nicht nachgeordnet sein. Sie ist der Ausgangspunkt.
Nicht die Struktur, nicht die Finanzierung, nicht die Frage nach Gebäuden.
All das ist wichtig – aber es ist Mittel, nicht Ziel. Mittel, um unserer Berufung gerecht zu werden.
Nicht mehr und nicht weniger.

Darum braucht es in jeder Beratung, in jedem Strategiepapier, in jedem Reformprozess zuerst und immer wieder diese eine Frage:
Wozu sind wir berufen – als Einzelne und als Pfarrei?

Paulus geht noch einen Schritt weiter.

Er traut die Antwort auf diese Frage nicht allein den „Fachleuten“ zu.
Nicht nur denen, die rechnen können, verwalten, analysieren, theologisch argumentieren.
Er setzt bewusst einen Kontrapunkt und schreibt provozierend:
„Das Törichte in der Welt hat Gott erwählt … das Schwache … das Niedrige … das Verachtete.“

Warum diese Radikalität?
Weil genau diese Menschen oft näher dran sind am Wesentlichen.
Sie wissen, was es heißt, angewiesen zu sein – auf andere, auf Solidarität, auf Hoffnung.
Sie wissen, was ein gutes Leben wirklich braucht: nicht nur materiell, sondern menschlich, sozial, geistlich.
Und sie wissen – oft wortlos –, was der Mensch von Gott her braucht.

Wer das weiß, kann sich hineinversetzen in die Sehnsüchte anderer.
Und wer die Sehnsüchte anderer versteht, entdeckt leichter die eigene Berufung:
nämlich dazu beizutragen, dass Menschen leben können – anständig, erfüllt, menschenwürdig.
Sozial und caritativ.
Religiös und spirituell.
Mit Hoffnung, mit Sinn, mit Würde.

Wenn wir also ernsthaft an einer Kirche der Zukunft bauen wollen, dann sollten wir den Mut haben, unsere Perspektive zu wechseln.
Die Sichtweise der vermeintlich „Törichten“, „Schwachen“ und „Niedrigen“ nicht nur anzuhören, sondern zu unserer eigenen zu machen.

Denn erst von dort aus wird klar, wofür wir Strukturen brauchen, warum wir Immobilien erhalten oder aufgeben und wohin unsere finanziellen Mittel fließen sollen.

Nicht um Kirche zu verwalten –
sondern um unserer Berufung treu zu bleiben:
christlich.leben.mittendrin.




menschen.fangen ?!

Impuls zu Matthäus 4,12-23

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„Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt
Und vom Himmel die bleiche Sichel des Mondes blinkt
Ziehen die Fischer mit ihren Booten aufs Meer hinaus
Und sie legen im weiten Bogen die Netze aus, ….“

Quelle: https://lyrics.lyricfind.com/lyrics/rudi-schuricke-capri-fischer

Ach ja – was für ein idyllisches Bild hier in diesem Evergreen gezeichnet wird.
Sonne, Sand, Strand und Meer.
Die Fischer, deren Haut von der Sonne gegerbt ist, machen sich auf den Weg zu ihrer Arbeit, während wir – die imaginären Urlauber – sie mit unseren Blicken sehnsuchtsvoll in die Ferne begleiten.
Ein Bild von Ursprünglichkeit und maritimer Atmosphäre.

Dazu ein anderes Szenario:
Fragt der Mann, der an einem Infekt erkrankt ist, seine Frau: „Du Schatz, meinst du, ich sollte zum Arzt gehen und mir ein Antibiotikum verschreiben lassen?“
Antwortet sie: „Ich weiß es nicht, aber warte erst mal ab, ich kaufe gleich Zuchtlachs aus Aquakultur….!“

Vielleicht braucht diese Pointe einen Moment.
Aber manche ahnen den Hintergrund:
Die moderne Fischerei hat mit der Capri-Idylle oft wenig zu tun.
Enge Becken, Medikamente, Antibiotika – all das gehört heute zur Realität.
Gleichzeitig wächst unser Bewusstsein für artgerechte Haltung und für die Frage: Muss es immer Fleisch oder Fisch sein?

Bild von falco auf Pixabay

Mit diesen Gedanken hören wir heute das Evangelium, in dem Jesus sagt:
„Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“

Ein starkes Bild – aber eines, das heute schwierig geworden ist.
Denn „Menschen fangen“ klingt für viele nach Vereinnahmung, nach Manipulation, nach Macht.
Wir kennen „Menschenfischer“, die andere ideologisch einfangen, abhängig machen oder buchstäblich gefangen nehmen.

Menschen im Netz – das ist heute kein harmloses Bild mehr.

Vielleicht brauchen wir nicht ein neues Bild, sondern mehrere.
Denn das, was Jesus will, ist vielschichtig.

Wichtig scheint mir:

Nicht fangen, sondern ermöglichen.
Nicht ziehen, sondern begleiten.
Nicht einengen, sondern befreien.

Also biete ich heute mal neue Bilder an, in dem Bewusstsein, dass sie nur ausschnitthaft bleiben können.

Da ist das Bild des Wegbegleiters:
Jesus ruft nicht in eine Gefangenschaft, sondern in eine Beziehung.
Christsein heißt, Menschen nicht zu packen, sondern mit ihnen unterwegs zu sein.
Siehe hierzu auch den kleinen Exkurs am Ende über die ‚Freundschaftsikone‘.

Oder das Bild der Hebammen des Lebens:
Hebammen machen kein Leben. Sie helfen, dass etwas zur Welt kommt, was längst angelegt ist.
Das ist ein zutiefst respektvolles Bild.
Glaube zwingt nichts auf, sondern hilft Menschen, sie selbst zu werden.

Dann die Umkehr des vertrauten Bildes mit dem Netz: Retter aus dem Netz.
Jesus befreit aus Angst, Schuld und Überforderung – er wirft keine neuen Netze aus, die uns zum Verhängnis werden sollen.

Auch das Bild der Übersetzerinnen und Übersetzer des Lebens hilft:
Viele Menschen machen Erfahrungen, finden aber keine Worte dafür.
Glaube hilft, das eigene Leben zu deuten – nicht, es zu überreden.
Das Evangelium eröffnet einen tieferen Horizont für das, was wir ohnehin erleben.

Und schließlich das Bild der Gastgeberinnen und Gastgeber am Tisch:
Einen Raum öffnen, in dem Platz ist.
Niemand wird gezwungen zu bleiben.
Essen verbindet, ohne zu belehren.

Vielleicht lässt sich all das in einem Satz bündeln:

„Jesus hat seine Jünger nicht zu Menschenfängern gemacht,
sondern zu Menschen, die Wege öffnen, Licht teilen
und andere dabei begleiten, frei zu werden.“

Können wir uns heute als seine Anhängerinnen und Anhänger diese Bilder zu eigen machen?


Exkurs: Die ‚Freundschaftsikone‘: Abt Menas und Christus

Von Anonymus – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86364408

Diese ‚Freundschaftsikone‘, die den Abt Menas an der Seite von Jesus Christus zeigt, hängt heute im Louvre in Paris.
Sie ist ein Bild für die Beziehung, wie Christus sie mit uns pflegen möchte.
Er nennt uns seine „Freunde“.
So wie auf dieser Ikone möchte Christus an unserer Seite stehen und an unserer Seite gehen.
Er sucht unsere Nähe, er ist uns nah und lädt uns ein, IHM nah zu sein.
Beide Männer schauen in die selbe Richtung.
Gehen sie gemeinsam auf einem Weg? – Es mag so scheinen.
Nähe, Begleitung auf dem gemeinsamen weg und eine Verbindung, die nicht bindet, die nicht gefangen nimmt.
Das sieht man sehr schön in der Geste, in der Jesus seinen rechten Arm über die Schulter von Abt Menas legt:
ER, Jesus, klammert nicht, hält nicht fest.
Er berührt, es ist quasi eine freundschaftliche Umarmung.
Und sie ist von Respekt und Freiheit geprägt; denn nur mit einer leichten Rechtsdrehung könnte Abt Menas sich aus dieser Umarmung lösen.
Jesus fängt also nicht ein, hält nicht fest, fesselt die Menschen nicht.
Aber er ist auch nicht unverbindlich und unnahbar.
ER schenkt uns das Angebot seiner Nähe und seiner Freundschaft und zugleich die Freiheit, ob wir dieses Angebot annehmen möchten?

Wir selber entscheiden, ob wir in SEINER Hand geboren sein wollen.




Kairos

Foto: Gerd A. Wittka, 19.01.2026

Manchmal
braucht es den ‚richtigen Kairos‘,
den günstigen,
den entscheidenden,
den ‚richtigen‘
Augenblick.

Das lehrt mich dieses Situation,
die ich schnell im Bild festgehalten habe.

SEIN
Gesicht wird von der Sonne
fokussiert
angestrahlt.
Nur in diesem Augenblick
stehen die Ikone
und die Sonne
im richtigen Winkel,‘
um
SEIN Gesicht
zum leuchten zu bringen

… und in diesem
Moment
zieht diese Ikone
zieht ER
meine
Aufmerksamkeit
auf sich!

Und ich
antworte
entzünde eine Räucherkerze
IHM zu Ehren.

Es ist so,
als würde ER
mich lehren:

Alles zu seiner Zeit!
Hab‘ Geduld,
es kommt
der ‚richtige Kairos‘

(Gerd A. Wittka, 19.01.2026)




„Unser Status: ‚heilig‘!

Bild von ANDRI TEGAR MAHARDIKA auf Pixabay

Impuls zum 2. Sonntag im Jahreskreis – A – 2026

Fühlen Sie sich „heilig“?

Würden Sie von sich selbst sagen, dass Sie „heilig“ sind?

Für viele klingt diese Frage zunächst fremd oder sogar anmaßend.
Denn der Begriff „heilig“ ist in unserer katholischen Kirche stark besetzt. Wir verbinden ihn vor allem mit den großen Heiligen: mit Menschen, die als Glaubenszeugen verehrt werden und die uns durch ihre Heiligsprechung als Vorbilder empfohlen sind.

Und doch hören wir heute in der Lesung etwas Überraschendes.
Der Apostel Paulus spricht nicht einzelne herausragende Personen an, sondern die ganze Gemeinde von Korinth.
Er nennt sie „die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen“.

Paulus macht also keinen Unterschied.
Für ihn sind alle Christinnen und Christen in Korinth heilig.

Das wirft Fragen auf.

• Gab es in dieser Gemeinde wirklich nur vorbildliche Menschen?
• Waren dort keine, die egoistisch lebten oder skrupellos handelten?
• Gab es keine Christinnen und Christen, deren Leben – auch nach damaligen Maßstäben – Anlass zur Kritik gegeben hätte?

Doch, davon dürfen wir ausgehen.
Und genau hier wird deutlich, was Paulus mit „heilig“ meint.
Heilig zu sein bedeutet für ihn nicht, tadellos zu sein.
Es heißt nicht, ohne Fehler, ohne Brüche oder ohne dunkle Seiten zu leben.

Das gilt übrigens auch für die Heiligen unserer Kirche.
Auch ihre Lebensgeschichten sind nicht makellos.
Sie sind nicht deshalb Vorbilder, weil sie perfekt gewesen wären, sondern weil sie in aller Menschlichkeit versucht haben, den Glauben zu leben: weil sie gerungen haben, weil sie gescheitert und wieder aufgestanden sind, weil sie im Glauben geblieben oder zu ihm zurückgekehrt sind, wenn er ins Wanken geraten war.

Mit diesem Verständnis von Heiligkeit steht Paulus ganz in der Tradition des Alten Testaments.
Schon dort wird das Volk Israel als „heilig“ bezeichnet.
Und das, obwohl die Bibel sehr offen auch von den dunklen Seiten dieses Volkes erzählt: von Untreue, von Abkehr von Gott, sogar von der Verehrung anderer Götter.
Mehr Bruch im Glauben geht kaum.

Und dennoch bleibt Israel heilig. Warum?
Nicht wegen seines Verhaltens, sondern weil Gott selbst heilig ist.
Israel ist heilig, weil es von Gott erwählt ist – und diese Erwählung ist unwiderruflich. Darum ist auch seine Heiligkeit nicht aufkündbar.

Ganz ähnlich verhält es sich mit uns Christinnen und Christen.
Durch die Taufe sind wir mit Christus verbunden. Paulus sagt: Wir haben Christus in der Taufe „angezogen“.

Dieses Bild ist wichtig.
Christus ist kein Kleid, das man irgendwann ablegt, weil es nicht mehr passt oder weil es alt geworden ist.
Durch die Taufe ist dieses „Kleid Christi“ so etwas wie eine zweite Haut geworden.
Man kann sie verdecken, man kann sie überlagern mit vielem, was von außen schöner aussieht – aber man kann sie nicht abstreifen.

Vielleicht ist das ein gutes Bild für die Gnade der Taufe.
Sie lässt sich nicht rückgängig machen.
Getauft bleibt man Christ – unabhängig davon, wie nah oder fern man sich der Kirche oder der Glaubensgemeinschaft fühlt.

Eine Formulierung aus dem heutigen Evangelium unterstreicht diese Beständigkeit. Johannes der Täufer berichtet von einer Vision, die Gott ihm geschenkt hat. In dieser Vision sagt Gott zu Johannes über Jesus:

„Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.“

Mir ist dabei ein Wort besonders wichtig: „und auf ihm bleiben“.
An anderer Stelle heißt es: „Der Geist ruhte auf ihm.“

Der Heilige Geist ist keine vorübergehende Erscheinung.
Er kommt nicht nur für einen Moment und verschwindet dann wieder.
Er bleibt.
Er ruht.

Einmal gesandt, lässt sich der Heilige Geist nicht abschütteln.
Er macht es sich bei uns gewissermaßen bequem – so, dass man wirklich sagen kann: Er ruht auf uns.

In einem neuen geistlichen Lied meiner Kindheit heißt es:

„Du Herr, gabst uns dein festes Wort.
Gib uns allen deinen Geist.
Du gehst nie wieder von uns fort.
Gib uns allen deinen Geist.“

zitiert nach: https://active-words.livejournal.com/51992.html

Der Gedanke dahinter ist schön, aber streng genommen ist er theologisch nicht ganz präzise.
Denn wir müssen Gott nicht immer neu um seinen Geist bitten, als könnte er sich verflüchtigen wie Alkohol, der an der Luft verdunstet.

Der Heilige Geist bleibt.
Auch dann, wenn wir ihn ignorieren.
Auch dann, wenn unser Glaube oberflächlich geworden ist oder vernachlässigt wird.

Vielleicht sollten wir deshalb anders beten:

Das meint Heiligkeit – mitten im Alltag.


Segen: – (aus Psalm 121)

Der Herr ist dein Hüter, der Herr gibt dir Schatten;
er steht dir zur Seite.
Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden
noch der Mond in der Nacht.
Der Herr behüte dich vor allem Bösen,
er behüte dein Leben.
Der Herr behüte dich,
wenn du fortgehst und wiederkommst,
von nun an bis in Ewigkeit.