Kairos

Foto: Gerd A. Wittka, 19.01.2026

Manchmal
braucht es den ‚richtigen Kairos‘,
den günstigen,
den entscheidenden,
den ‚richtigen‘
Augenblick.

Das lehrt mich dieses Situation,
die ich schnell im Bild festgehalten habe.

SEIN
Gesicht wird von der Sonne
fokussiert
angestrahlt.
Nur in diesem Augenblick
stehen die Ikone
und die Sonne
im richtigen Winkel,‘
um
SEIN Gesicht
zum leuchten zu bringen

… und in diesem
Moment
zieht diese Ikone
zieht ER
meine
Aufmerksamkeit
auf sich!

Und ich
antworte
entzünde eine Räucherkerze
IHM zu Ehren.

Es ist so,
als würde ER
mich lehren:

Alles zu seiner Zeit!
Hab‘ Geduld,
es kommt
der ‚richtige Kairos‘

(Gerd A. Wittka, 19.01.2026)




„Unser Status: ‚heilig‘!

Bild von ANDRI TEGAR MAHARDIKA auf Pixabay

Impuls zum 2. Sonntag im Jahreskreis – A – 2026

Fühlen Sie sich „heilig“?

Würden Sie von sich selbst sagen, dass Sie „heilig“ sind?

Für viele klingt diese Frage zunächst fremd oder sogar anmaßend.
Denn der Begriff „heilig“ ist in unserer katholischen Kirche stark besetzt. Wir verbinden ihn vor allem mit den großen Heiligen: mit Menschen, die als Glaubenszeugen verehrt werden und die uns durch ihre Heiligsprechung als Vorbilder empfohlen sind.

Und doch hören wir heute in der Lesung etwas Überraschendes.
Der Apostel Paulus spricht nicht einzelne herausragende Personen an, sondern die ganze Gemeinde von Korinth.
Er nennt sie „die Geheiligten in Christus Jesus, die berufenen Heiligen“.

Paulus macht also keinen Unterschied.
Für ihn sind alle Christinnen und Christen in Korinth heilig.

Das wirft Fragen auf.

• Gab es in dieser Gemeinde wirklich nur vorbildliche Menschen?
• Waren dort keine, die egoistisch lebten oder skrupellos handelten?
• Gab es keine Christinnen und Christen, deren Leben – auch nach damaligen Maßstäben – Anlass zur Kritik gegeben hätte?

Doch, davon dürfen wir ausgehen.
Und genau hier wird deutlich, was Paulus mit „heilig“ meint.
Heilig zu sein bedeutet für ihn nicht, tadellos zu sein.
Es heißt nicht, ohne Fehler, ohne Brüche oder ohne dunkle Seiten zu leben.

Das gilt übrigens auch für die Heiligen unserer Kirche.
Auch ihre Lebensgeschichten sind nicht makellos.
Sie sind nicht deshalb Vorbilder, weil sie perfekt gewesen wären, sondern weil sie in aller Menschlichkeit versucht haben, den Glauben zu leben: weil sie gerungen haben, weil sie gescheitert und wieder aufgestanden sind, weil sie im Glauben geblieben oder zu ihm zurückgekehrt sind, wenn er ins Wanken geraten war.

Mit diesem Verständnis von Heiligkeit steht Paulus ganz in der Tradition des Alten Testaments.
Schon dort wird das Volk Israel als „heilig“ bezeichnet.
Und das, obwohl die Bibel sehr offen auch von den dunklen Seiten dieses Volkes erzählt: von Untreue, von Abkehr von Gott, sogar von der Verehrung anderer Götter.
Mehr Bruch im Glauben geht kaum.

Und dennoch bleibt Israel heilig. Warum?
Nicht wegen seines Verhaltens, sondern weil Gott selbst heilig ist.
Israel ist heilig, weil es von Gott erwählt ist – und diese Erwählung ist unwiderruflich. Darum ist auch seine Heiligkeit nicht aufkündbar.

Ganz ähnlich verhält es sich mit uns Christinnen und Christen.
Durch die Taufe sind wir mit Christus verbunden. Paulus sagt: Wir haben Christus in der Taufe „angezogen“.

Dieses Bild ist wichtig.
Christus ist kein Kleid, das man irgendwann ablegt, weil es nicht mehr passt oder weil es alt geworden ist.
Durch die Taufe ist dieses „Kleid Christi“ so etwas wie eine zweite Haut geworden.
Man kann sie verdecken, man kann sie überlagern mit vielem, was von außen schöner aussieht – aber man kann sie nicht abstreifen.

Vielleicht ist das ein gutes Bild für die Gnade der Taufe.
Sie lässt sich nicht rückgängig machen.
Getauft bleibt man Christ – unabhängig davon, wie nah oder fern man sich der Kirche oder der Glaubensgemeinschaft fühlt.

Eine Formulierung aus dem heutigen Evangelium unterstreicht diese Beständigkeit. Johannes der Täufer berichtet von einer Vision, die Gott ihm geschenkt hat. In dieser Vision sagt Gott zu Johannes über Jesus:

„Auf wen du den Geist herabkommen und auf ihm bleiben siehst, der ist es, der mit dem Heiligen Geist tauft.“

Mir ist dabei ein Wort besonders wichtig: „und auf ihm bleiben“.
An anderer Stelle heißt es: „Der Geist ruhte auf ihm.“

Der Heilige Geist ist keine vorübergehende Erscheinung.
Er kommt nicht nur für einen Moment und verschwindet dann wieder.
Er bleibt.
Er ruht.

Einmal gesandt, lässt sich der Heilige Geist nicht abschütteln.
Er macht es sich bei uns gewissermaßen bequem – so, dass man wirklich sagen kann: Er ruht auf uns.

In einem neuen geistlichen Lied meiner Kindheit heißt es:

„Du Herr, gabst uns dein festes Wort.
Gib uns allen deinen Geist.
Du gehst nie wieder von uns fort.
Gib uns allen deinen Geist.“

zitiert nach: https://active-words.livejournal.com/51992.html

Der Gedanke dahinter ist schön, aber streng genommen ist er theologisch nicht ganz präzise.
Denn wir müssen Gott nicht immer neu um seinen Geist bitten, als könnte er sich verflüchtigen wie Alkohol, der an der Luft verdunstet.

Der Heilige Geist bleibt.
Auch dann, wenn wir ihn ignorieren.
Auch dann, wenn unser Glaube oberflächlich geworden ist oder vernachlässigt wird.

Vielleicht sollten wir deshalb anders beten:

Das meint Heiligkeit – mitten im Alltag.


Segen: – (aus Psalm 121)

Der Herr ist dein Hüter, der Herr gibt dir Schatten;
er steht dir zur Seite.
Bei Tag wird dir die Sonne nicht schaden
noch der Mond in der Nacht.
Der Herr behüte dich vor allem Bösen,
er behüte dein Leben.
Der Herr behüte dich,
wenn du fortgehst und wiederkommst,
von nun an bis in Ewigkeit.




Vortasten

Bild: randomhh – Pixabay

Trauern

ist das
behutsame
Vortasten
an eine Wirklichkeit

die unabänderlich
einen Schlusspunkt
in
meinem Leben
gesetzt hat

unbeantwortbare Fragen
bleiben stehen
in einem Raum
der
plötzlich
kalt und leer

und
nach und nach
mit Erinnerungen
gefüllt wird.

( Gerd A. Wittka, 13.01.2026)




Hinwendung – Beziehung – Freundschaft

Impuls zu „Taufe des Herren“ – 2026

Bild von Jeshuah auf Pixabay

Mit dem heutigen Fest „Taufe des Herrn“ endet die Weihnachtszeit.
Wir blicken ein letztes Mal auf die Krippe, aber unser Blick geht vor allem nach vorne: auf den Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu.

Dieses Fest stellt uns eine ganz persönliche Frage, die uns ein Leben lang begleitet:

Was bedeutet es eigentlich für mich, getauft zu sein?

Die meisten von uns haben diese Entscheidung nicht selbst getroffen. Damals waren wir klein; unsere Eltern haben stellvertretend „Ja“ gesagt, weil sie sich für uns den Segen und die Gemeinschaft der Kirche wünschten. Seitdem sind Jahrzehnte vergangen. Wir sind mit diesem Glauben durch das Leben gegangen und haben dabei eigene Erfahrungen gemacht.

Da gab es die hellen Momente:
Augenblicke, in denen der Glaube uns Hoffnung gab und uns durch schwere Zeiten trug.
Wir haben Gemeinschaft erlebt – in Jugendgruppen, Chören oder im Ehrenamt – und gespürt, wie gut Solidarität tut.

Aber zur Wahrheit gehört auch:
Viele von uns haben die Schattenseiten erlebt.
Vielleicht standen Sie vor Herausforderungen, bei denen Ihr Glaube an seine Grenzen stieß.
Vielleicht ließen schwere Schicksalsschläge Sie an Gottes Güte zweifeln.
Und vielleicht haben Sie Enttäuschung in der Kirche erlebt und sich gerade dann allein gelassen gefühlt, als Sie Beistand am nötigsten hatten.
Es ist kein Wunder, dass sich heute viele abwenden und sagen: „Der Glaube hält nicht, was er verspricht.“

Ich möchte heute niemanden schelten, der geht oder zweifelt.
Aber wir müssen ehrlich sein:
Der christliche Glaube hat uns nie einen „Rosengarten“ versprochen, in dem alles mühelos blüht.
Schon das Neue Testament berichtet von harten Anfechtungen. Sogar die ersten Apostel wie Paulus und Barnabas hatten so heftige Differenzen, dass sich ihre Wege trennten.

Wenn wir unser Christsein allein auf die Institution oder nur auf die zwischenmenschliche Gemeinschaft stützen, werden wir früher oder später enttäuscht.
Menschen sind fehlbar.
Gemeinschaften können versagen.

Was also ist das Tragende?

Was ist der Urgrund, auf dem wir heute – als Erwachsene – unser „Ja“ zur Taufe erneuern können?

Die Antwort finden wir bei Johannes dem Täufer. Er schaute nie auf sich selbst, sondern wies immer auf Jesus Christus hin. Er wusste: Das Fundament ist die eigene, ganz persönliche Christus-Hinwendung.

Bild von Roger Casco auf Pixabay

Im Johannesevangelium sagt Jesus einen Satz, der alles verändert:

„Ich nenne euch nicht mehr Knechte, sondern Freunde.“ (Joh 15,15)

Das ist der Dreh- und Angelpunkt:
Christsein ist zuallererst Beziehung.
Eine Freundschaft zu Gott, der uns in Jesus ein menschliches Gesicht geschenkt hat. Vielen ist Gott oft zu abstrakt oder fern.
Doch Jesus lädt uns ein, ihm einen konkreten Platz als Freund in unserem Leben zu geben.

Diese Freundschaft können wir auf zwei Wegen pflegen:

  1. Im Mitmenschen: Wie der heilige Martin, der im Bettler Christus erkannte. Solidarität ist gelebte Christus-Beziehung.
  2. In der Stille: Im Gebet oder im vertrauten „Du“, mit dem wir Gott ansprechen.

Ich werbe heute für diese persönliche Beziehung, weil sie das Einzige ist, was wirklich trägt.

Vielleicht kennen Sie das Gefühl: Die schlechten Nachrichten nehmen kein Ende – ein Anruf vom Arzt, ein Streit, der alles infrage stellt, oder die Erkenntnis, dass man sich in der eigenen Gemeinde fremd fühlt.
Man fühlt sich dann wie Petrus auf dem See Gennesaret:
Der sicher geglaubte Boden gibt nach.
Das Wasser ist kalt, und die Wellen der Angst schlagen über einem zusammen.
In solchen Momenten nützen kluge Bücher oder theologische Erklärungen gar nichts.
Auch die anderen im Boot sind weit weg – sie kämpfen mit ihren eigenen Stürmen.

In dieser absoluten Einsamkeit des Sturms gibt es nur noch zwei Dinge:
mich und IHN.

Petrus hält keine lange Rede.
Er betet keinen formelhaften Text.
Er schreit nur: „Herr, rette mich!“

Genau das ist der Kern der Christusfreundschaft:
Es ist die Hand, die im Dunkeln zupackt, noch bevor wir wissen, ob wir schwimmen können.
Es ist das Wissen: Da ist jemand, der mich nicht untergehen lässt, selbst wenn ich an mir selbst zweifle.
Dieser „Rettungsring“ ist kein theoretisches Konzept – es ist das Vertrauen, dass am Ende des Schreiens nicht die Leere kommt, sondern ein Gegenüber, das mich hält.

Um uns so sehr auf diesen Jesus von Nazareth einzulassen, braucht es eine aktive Christushinwendung.

Bild von Ayaz Ahmed auf Pixabay

Denn: Christusbeziehung ist Christusfreundschaft ist Christusliebe.
Lassen Sie uns den Mut aufbringen, alles auf diese eine Karte zu setzen.

An diesem Festtag bin ich fast geneigt, Ihnen zuzurufen:

Stoßen wir an!
Auf die Freundschaft mit IHM, der uns bedingungslos die Treue hält.





Jahre.Wechseln

Impuls zur Jahresschlussmesse 2025

Bild von Robert Balog auf Pixabay

Sie halten eine kleine Zeichnung in der Hand: es zeigt ein Buch und eine brennende Kerze.
Zwei einfache Objekte – und doch erzählen sie viel über uns und über diesen besonderen Moment am Ende eines Jahres.

Wenn wir ein Buch aufschlagen, sehen wir Seiten voller Worte, voller Spuren.
So ist es auch mit dem Jahr, das hinter uns liegt.
Wir tragen seine Zeilen in uns: helle und dunkle, leichte und schwere.
Da sind Begegnungen, die uns froh gemacht haben, Augenblicke, die uns gestärkt haben.
Und da sind andere Seiten – mit Schmerz, Enttäuschung, Verlust.
Nichts davon lässt sich ausradieren.
Und nichts davon müssen wir verleugnen.

Das vergangene Jahr ist wie ein Buch, das wir jetzt – ganz behutsam – schließen.
Nicht, weil es uns egal wäre, sondern weil seine Zeit erfüllt ist.
Es gehört zu unserer Geschichte, aber es liegt nicht mehr in unserer Hand. Wir können es nicht noch einmal leben, nicht verändern, nicht festhalten. Aber wir können es segnen.
Wir können sagen: „Ja, so war mein Jahr.“
Und wir dürfen es Gott zurückgeben – Seite für Seite, so wie es ist.


Und dann ist da die Kerze. Sie brennt im Jetzt.
Ihr Licht ist warm und ruhig. Es erzählt von dem einzigen Moment, der uns wirklich gehört: dem Augenblick.

Nicht gestern, nicht morgen – nur dieser kleine Abschnitt Zeit im Hier und Jetzt, den wir gerade durchschreiten.
Wir stehen an einer Schwelle, und an Schwellen der Zeit wird das Leben still.
Da ist Raum zum Atmen, zum Rückschauen, zum Loslassen.

Die Kerze erinnert uns: Gott ist nicht nur der Gott unserer Geschichte, er ist auch der Gott dieses einen Moments.
Er hält das Vergangene in seiner Hand, und er trägt das Kommende.
Aber der Augenblick – den erfüllt er mit seiner Gegenwart.
Hier und jetzt.


So lade ich Sie ein, in diesem Moment drei kleine Gedankengänge zu wagen:

Das Vergangene loslassen.
Nicht verdrängen – aber in Gottes Hände legen.
Alles, was gelungen ist, und alles, was schmerzt.
Gott nimmt es auf, und er hält es fest.

Dem Kommenden vertrauen.
Wir wissen nicht, was das neue Jahr bringen wird – Herausforderungen, Geschenke, Überraschungen.
Aber wir gehen nicht in etwas dunkles Unbekanntes.
Wir gehen mit dem, der „Jahr und Ewigkeit gemacht hat“.

Den Augenblick hüten.
Diesen Moment hier.
Er ist wie eine Kerze, die brennt.
Er ist das kleine Licht, das uns zeigt: Gott ist da. Jetzt und auch in 2026.

Vielleicht war dieses Jahr für manche von Ihnen besonders schwer.
Vielleicht gibt es Wunden, die offen sind, Worte, die ungesagt blieben, Chancen, die verloren gingen.
Alles das dürfen Sie heute ablegen.
Nicht, um es wegzuschieben, sondern um es aufgehoben zu wissen.

Vielleicht tragen Sie auch Dank in sich: Menschen, die Ihnen gutgetan haben, Erfahrungen, die Sie getragen haben, Augenblicke der Freude.
Auch das hat Platz in Gottes Händen.

Wenn wir also das neue Jahr betreten, dann gehen wir nicht einfach weiter in eine neue Reihe von Tagen.
Wir gehen begleitet.
Wir gehen von Licht berührt.
Und wir gehen mit einem Gott, der auch unsere vergangene Geschichte kennt – und weiter-schreibt.

So lassen Sie das Bild noch einmal auf sich wirken:
Ein Buch, das geschlossen wird und einen Platz findet in Gottes Bibliothek.
Und eine Kerze, die brennt – für diesen Augenblick, der uns geschenkt ist.

Möge Gott unser neues Jahr mit seinem Licht erfüllen.
Möge ER unsere Wege segnen, unsere Wunden heilen, unsere Hoffnung stärken.
Und möge ER Seite für Seite mit uns beschreiben – heute, morgen, und jederzeit, wie es auch kommen mag.

Gott hält auch unser Buch des Lebens 2025 in SEINEN Händen –
Bild von StockSnap auf Pixabay



Weihnachten.Leuchten.Sterne

Bild von Hello Cdd20 auf Pixabay

Ein Stern für unseren Alltag

Es ist Weihnachten.
Eine Nacht, in der wir innehalten dürfen.
Draußen ist es dunkel, die Welt kommt zur Ruhe, und irgendwo leuchtet ein Stern.
Vielleicht über einer Krippe. Vielleicht am Fenster eines Hauses.
Vielleicht auch nur in der Erinnerung.

Weihnachten erzählt von einem Licht, das nicht laut ist.
Kein blendender Glanz, kein Feuerwerk.
Ein Stern reicht.
Ein stilles Zeichen am Himmel, das sagt: Die Dunkelheit hat nicht das letzte Wort.

Dieser Stern von Bethlehem ist mehr als eine schöne Geschichte.
Er erzählt davon, dass Gott nicht auf Abstand bleibt.
Dass er sich nicht aus dem Leben heraushält, wenn es schwierig wird.
Im Gegenteil: Gott kommt mitten hinein.
In eine arme Familie. In einen Stall. In eine Nacht voller Unsicherheit.
Weihnachten heißt: Gott ist da – genau dort, wo das Leben zerbrechlich ist.

Vielleicht ist das der Grund, warum uns dieses Fest bis heute berührt.
Weil wir die Dunkelheit kennen.
Weil wir wissen, wie sich Müdigkeit anfühlt, Sorge, Angst vor dem Morgen.
Weil unser Alltag oft mehr fordert, als wir geben können.
Und weil wir uns danach sehnen, dass uns jemand begleitet.

Der Stern von Bethlehem war ein Wegweiser.
Er führte Menschen, die sich aufmachten, ohne den ganzen Weg zu kennen.
Die Weisen folgten ihm nicht, weil sie alles verstanden hatten,
sondern weil sie hofften.
Weihnachten beginnt mit diesem Vertrauen:
dass ein kleines Licht genügt, um weiterzugehen.

So ist es auch mit dem Glauben im Alltag.
Er ist nicht immer stark.
Manchmal ist er brüchig wie ein alter Papierstern am Fenster.
Doch wenn es dunkel wird, beginnt er zu leuchten.
Nicht perfekt, aber tragend.

Weihnachten sagt uns:
Gott ist Immanuel – Gott mit uns.

Nicht über uns, nicht fern von unserem Leben,
sondern mitten in unseren Tagen, unseren Beziehungen, unseren Fragen.
Wir müssen nichts vorweisen, nichts leisten.
Wir kommen mit dem, was wir haben:
Liebe und Sehnsucht, Hoffnung und Schmerz.
Das ist genug.

Der Stern über der Krippe zeigt bis heute den Weg.
Nicht hinaus aus der Welt,
sondern hinein in unser Leben.
Er erinnert uns daran, dass Gott uns begleitet –
leise, treu und voller Licht.

Das ist der Zauber von Weihnachten.
Ein Stern.
Und die Zusage: Du bist nicht allein.

Und es geht noch weiter.
Denn das Schöne an Weihnachten ist auch:
Weihnachten endet nicht an der Krippe.
Der Stern bleibt nicht am Himmel stehen.
Er will unseren Weg berühren.

Denn wenn Gott in diese Welt kommt,
dann verändert das etwas.
Nicht auf einmal, nicht spektakulär.
Aber leise, von innen heraus.

Weihnachtlicher Glaube heißt zuerst:
Wir müssen die Dunkelheit nicht verdrängen.
Wir dürfen sie ansehen – und trotzdem hoffen.
Der Stern leuchtet nicht, weil alles gut ist,
sondern weil Gott mitten im Unfertigen da ist.
Das schenkt Vertrauen für den nächsten Schritt.

Und dieses Vertrauen bleibt nicht privat.
Wer unter dem Stern lebt, sieht die Welt anders.
Wir beginnen, Menschen wahrzunehmen:
die Müden, die Einsamen, die Übersehenen.
So wie Gott hinsieht – ohne Vorbehalt.

Weihnachten erinnert uns daran,
dass Gott klein geworden ist.
Verletzlich. Angewiesen auf Nähe.
Darum zeigt sich christlicher Glaube nicht zuerst in großen Worten,
sondern in offenen Augen und offenen Händen.
Im Zuhören. Im Teilen. Im Dableiben.

Der Stern weist auch heute Wege des Friedens.
Nicht den schnellen Frieden,
sondern den geduldigen.
Den, der im Kleinen beginnt:
wenn wir nicht zurückschlagen,
wenn wir versöhnen statt verhärten,
wenn wir den Mut haben, Brücken zu bauen.
Weihnachtliche Hoffnung glaubt: Frieden wächst dort,
wo Menschen sich vom Licht leiten lassen.

Und der Stern leuchtet über die ganze Schöpfung.
Über Felder und Tiere, über Himmel und Erde.
Das Kind in der Krippe liegt nicht fern von der Natur,
sondern mitten in ihr.
Weihnachten sagt uns: Diese Welt ist Gott nicht egal.

Darum tragen wir Verantwortung für das,
was lebt, in dem wir dafür dankbar sind
und es achtsam bewahren.

Christlich leben heißt dann:
Spuren des Sterns im Alltag hinterlassen,
damit auch die Dunkelheit woanders
durch das Licht unseres Sterns etwas heller wird.

Wir können die Welt nicht retten.
Aber wir können leuchten.
Nicht grell, nicht perfekt –
sondern wie ein Stern:
still, beständig, hoffnungsvoll.

So wird Weihnachten mehr als ein Fest.
Es wird eine Haltung.
Ein Vertrauen, das trägt.
Ein Licht, das wir weitergeben.

Und vielleicht ist das das Schönste:
Dass Gott uns zutraut,
selbst ein wenig Stern zu sein –
für andere.
Für diese Welt.


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