Frohe Botschaft spüren

Bild von Robert Simukonda auf Pixabay

Lesungstext: Lukas 15, 11-32


Wahrnehmungsübung:

Ich möchte Sie für einen kleinen Augenblick einladen, einmal kurz inne zu halten und in sich hinein zu spüren; Sie dürfen – wenn Sie mögen – auch einen Augenblick die Augen dabei schließen um ganz bei sich selber sein zu können.
Am Ende der kleinen Übung werde ich Sie anleiten, wie Sie gut diese kleine Übung beenden können.

Setzen Sie sich – wenn möglich – aufrecht auf Ihren Stuhl. Lehnen Sie sich mit dem Rücken gut an, damit Sie im Rücken guten Halt finden.
Mit beiden Füßen sollten Sie gut den Boden berühren. Die Hände können Sie auf den Oberschenkeln ablegen.
Spüren Sie, wie Sie vom Stuhl gut getragen werden.
Wenn Sie mögen, schließen Sie jetzt Ihre Augen und lassen sich etwas von mir durch diese Übung führen.

Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Evangelium, das wir gerade gehört haben.
Erinnern Sie sich an Szenen, die Sie besonders angesprochen haben.
Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die handelnden Personen.
• Da ist der Vater, der sein Erbe auszahlt.
• Da ist der jüngere Sohn, der seinen Erbteil nimmt und sich von zu Hause löst.
• Da ist der ältere Sohn, der ortstreu bleibt und sich an die Familientradition gebunden fühlt.

Spüren Sie einen Augenblick mal bitte in sich hinein und fragen Sie sich, welche Person Sie in diesem Evangelium besonders angesprochen hat?
Und welche Person behagt Ihnen gar nicht?
In welcher Person haben Sie sich persönlich am ehesten entdeckt?
Welche Person würden Sie gerne sein?

Bewerten Sie diese Feststellung nicht.
Nehmen Sie nur war, mit welcher Person Sie sich leichter einfühlen können?

Und jetzt versuchen Sie, mit Ihren Gefühlen in Kontakt zu kommen.
Zu den Gefühlen rechnen wir Angst, Ärger, Wut, Zorn, aber auch Freude, Dankbarkeit, Liebe, sich-geliebt-fühlen, …

Bewerten Sie die Gefühl nicht. Sie sind da und haben ihre Berechtigung.
Welche Gefühle nehmen Sie bei sich wahr, wenn Sie das heutige Gleichnis hören?

Oder spüren Sie sogar körperliche Empfinden, Befindlichkeiten oder Missempfindungen, wie innere Unruhe, Wärme und Entspannung im Bauchraum, aber vielleicht auch Anspannung oder Verspannung.
Wo nehmen Sie diese Empfindungen wahr? Im Kopfbereich, in der Brust oder in der Bauchgegend?
Auch diese Empfindungen bitte nicht bewerten, nur wohlwollend wahrnehmen.

Vielleicht können Sie auch im Moment gar nichts wahrnehmen.
Dann ist es auch nicht schlimm. Versuchen Sie, auch das nicht zu bewerten.

Bleiben Sie einen kurzen Augenblick bei dem, was gerade bei Ihnen ist.
Gönnen wir uns einen Augenblick der Stille ….

….

Nun möchte ich Sie anleiten, mit Ihrer Aufmerksamkeit wieder in diesen Raum zurück zu kehren. Lassen Sie noch die Augen geschlossen, wenn Sie sie geschlossen hatten.

Ballen Sie nun Ihre Hände zu Fäusten zusammen, auch gerne etwas kräftiger, damit Ihr Kreislauf wieder in Schwung kommt.
Ziehen nun langsam und kräftig ihre Fäuste und Unterarme an die Oberarme heran und Sie dürfen sich jetzt auch räkeln, wie wenn Sie morgens erwachen.
Dann öffnen Sie langsam wieder Ihre Augen und finden sich hier in der Kapelle wieder…


Vielleicht fragen Sie sich:
Was soll das alles?!

Ich möchte Sie ermutigen, das Evangelium nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Herzen zu erleben.
Oft nähern wir uns solchen Texten nur sachlich und theologisch.
Aber Jesus erzählte Gleichnisse, um direkt unsere Gefühle anzusprechen – er wollte, dass wir mit unserem Herzen, also mit unseren Emotionen, berührt werden.
Obwohl er Rabbi genannt wurde, sah er sich nicht als einen rein akademischen Lehrer. Es tut uns also gut, wenn wir uns heute den Evangelien so nähern wie Jesus es tat.

Haben Sie beim Hören des Evangeliums gute, positive Gefühle empfunden?
Dann: Glückwunsch! Das Evangelium – die Frohe Botschaft – hat bei Ihnen bereits seine Wirkung entfaltet.

Falls Sie aber eher unangenehme Gefühle hatten, etwa weil Sie den älteren Sohn und seine Empfindung von Ungerechtigkeit verstehen, machen Sie sich keine Sorgen.
Genau solche Menschen wollte Jesus mit seinem Gleichnis ansprechen.

Viele von uns, mich eingeschlossen, können sich in der Reaktion des älteren Sohnes wiedererkennen.
Er hielt sich immer an die Tradition, doch für ihn blieb das Fest der Freude aus. Das ist für ihn unverständlich! Wo bleibt da der Lohn der Treue und des Gehorsams?!

Nur: so geht es zu, auf dem Erlösungsweg Gottes!

Auch wenn wir den älteren Sohn verstehen, dürfen wir versuchen, uns zu freuen, denn Jesus hat dieses Gleichnis für uns gedacht.
Er möchte uns lehren, uns für die grenzenlose und bedingungslose Liebe und Fürsorge des Vaters zu öffnen.

Ich könnte noch viel mehr über das Evangelium sagen, aber eines möchte ich besonders betonen:

Erinnern Sie sich an die Worte des Vaters:
„… dieser, dein Bruder, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden…!“
Das ist der zentrale Satz dieses Evangeliums.

Heute feiern wir den Laetare-Sonntag – das bedeutet „Freue dich!“.
Der letzte Satz des heutigen Evangeliums gibt uns einen Hinweis auf Ostern, auf die Auferstehung.
In diesem Gleichnis hören wir von einer Auferstehungsgeschichte, die in den kommenden Wochen in anderen Formen immer wieder auftaucht.

Der Laetare-Sonntag ist der Übergang von dem Teil der Fastenzeit, in der wir über unsere Umkehr nachgedacht haben, zu den nächsten Wochen, in denen wir das Leiden Christi verstärkt betrachten.

Dieses Evangelium und dieser Sonntag erinnern uns daran:
Wenn in den nächsten Wochen viel über Leid gesprochen wird, ist das nur der Auftakt.
Christus blieb nicht am Kreuz – sein Leiden führte direkt zur Auferstehung.
In diesem Geist lade ich Sie ein, die kommenden Wochen in diesem Bewusstsein zu begehen, bis wir in großer Freude das Osterfest feiern können.






Leben …

… im Bewusstsein des Kreuzes

Bild von Albrecht Fietz auf Pixabay

Impuls zur Lesung am 6. Sonntag im Jahreskreis – C – 2025: 1 Kor 15, 12.16-20

Ich erinnere mich, dass ich vor ein paar Monaten in einem kurzen Impuls gesagt habe, dass der Sinn unseres christlichen Glaubens nicht nur darin liegt, was nach dem Tod passiert, sondern auch, wie wir unsere Welt heute gestalten.

Für Christen darf die Frage nach dem Lebenssinn nicht nur darauf abzielen, was im Jenseits kommt.

Wir leben in dieser Welt und stehen täglich vor ihren Herausforderungen.
Nur so können Werte wie Nächstenliebe, Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und der Schutz der Schöpfung hier auf der Erde wirklich Bedeutung erlangen.
Heute weist Paulus in seiner Lesung genau auf einen anderen wichtigen Aspekt hin.

Er sagt:
„Glauben wir nicht an die Auferstehung und werden Tote nicht auferweckt, dann ist auch nicht Christus auferweckt worden. Ist Christus aber nicht auferweckt worden, dann ist (der christliche) Glaube nutzlos.“

Damit meint Paulus:
Wenn alles, was wir als Christen tun, nur für unser irdisches Leben wichtig wäre, bräuchten wir uns nicht als Christen zu bezeichnen.
Dann wäre unser Glaube nur eine Form von Humanismus, der sich nur um das Menschliche in unserer Zeit kümmert und dabei seine tiefere Bedeutung verliert.

Ich freue mich über diese klaren Worte von Paulus.
Sie zeigen mir, dass wer sein Leben nach christlichen Werten ausrichten will, dies in der Spannung des Kreuzes tun muss.

Das will ich kurz erklären:

Man kann das Leben in der Spannung des Kreuzes so verstehen:

• Die waagerechte Seite steht für die Zeit – also Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.
Das bedeutet, dass wir unser Leben bewusst im Lauf der Zeit gestalten und dies durch die Werte Nächstenliebe, Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und der Schutz der Schöpfung, …

• Die senkrechte Seite symbolisiert, dass unser Leben nicht nur auf das Irdische beschränkt ist, sondern auch den Blick in den Himmel und auf die Ewigkeit richtet.

Zusammen zeigen beide Seiten, dass christliches Leben heißt:
bewusst in unserer Zeit zu handeln
und gleichzeitig an das zu glauben,
was über unser irdisches Leben hinausgeht.




Alle Seelen Gedenken

Bild von Goran Horvat auf Pixabay

In unserer Pfarrei bieten wir seit fast drei Jahren Trauergruppen an.

Mittlerweile ist die Nachfrage so groß geworden, dass wir zwei Gruppen parallel durchführen.

In einer Gruppe, die ich mit einer Gemeindereferentin leite, fragte in einer Gruppenstunde eine jüngere Teilnehmerin, ob wir uns nicht auch mal über unsere persönliche Hoffnung und Vorstellung austauschen könnten, über die Frage, was nach unserem irdischen Leben kommt und uns erwartet?

Wir haben uns auf diesen Austausch eingelassen, denn uns war bewusst, dass wir das Thema nicht so einfach abtun könnten, in dem wir darauf hinweisen, dass Christ:innen ja an eine Auferstehung von den Toten glauben.

Die Frage, was nach dem irdischen Leben kommt, ist einerseits für uns Christ:innen klar, aber andererseits ist der Glaube an die Auferstehung ja mehr eine Hoffnung auf Auferstehung.

In diesem Zusammenhang kam mir eine Passage aus dem Römerbrief des heiligen Paulus in den Sinn:

Römer 8, 18-25

Hier macht Paulus deutlich, dass unsere gläubige Hoffnung auf die Auferstehung auch immer etwas Ungewissheit beinhaltet.
Das liegt aber im Wesen der Hoffnung und unseres Glaubens und zeigt keinen mangelhaften christlichen Glauben an, wann immer wieder die Frage in uns auftaucht, ob es auch wirklich so kommt?

Foto: Gerd A. Wittka, 31.10.2024

Wenn ich – wie am vergangenen Donnerstag – am Grab meiner Mutter war, dann ertappe ich mich oft mit den Gedanken: „Ich wünsche dir, Mama, dass sich deine gläubige Hoffnung erfüllt hat!“

Dieser Satz macht mir deutlich, in welcher Spannung sich unser Glaube befindet, wenn wir bekennen, dass wir an die Auferstehung nach unserem irdischen Leben glauben, dies aber nur in der Hoffnung auf Auferstehung tun können.





Risen Christ

Bildbetrachtung

Ein nicht alltägliches ‚Bild‘ vom Auferstandenen.
Ein Bild das zumutet, mit Alt-Bekanntem in Kontrast gesetzt zu werden.

Lass uns dieses Bild betrachten.



Wir erkunden das Bild

Ein Mann, unbekleidet, nackt, mit einer sportlichen Statur.
Wahrscheinlich unteres mittleres Alter, Mitte 30.
Der Bewegung des Körper wirkt lebendig, dynamisch.

Der Blick ist somit ‚zielstrebig‘ nach rechts oben gerichtet.
Das Ziel scheint nicht vor ihm, sondern über ihm zu sein.
Der Körper nimmt diese Zielstrebigkeit auf.
Die Beine stehen nicht fest, sondern in Bewegung.
Die Körperhaltung und -bewegung erinnert an die eines Sprinters in der letzten Phase des Wettkampfes, geradewegs auf das Ziel zu.
Ein flatterhaft wirkendes weißes Tuch ‚umhüllt‘ Teile des Körpers, berühren ihn aber kaum, so als würde das Tuch vom Körper wegstreben.
Hinter dem Kopf eine gold-leuchtende ‚Scheibe‘, die an eine Sonne erinnern mag.

Die Farbfelder im oberen Teil scheinen geradezu vom Körper weg zu explodieren.
Sie unterstreichen diesen dynamisch bewegten Körper.

In der oberen Bildhälfte dominieren die Farben gelb/gold und rot, die in die Vertikale drängen.
In der unteren Hälfte sind mehr grüne und blaue Felder, eher horizontal, zu erkennen, als im oberen Teil.
Die Farbfelder wirken unspezifisch, lassen keine bekannten Motive erkennen, so als wäre der Körper in einer anderen Sphäre, einer anderen ‚Dimension‘, die mit nichts ‚auf Erden‘ zu vergleichen ist.

Der expressionistische Stil des Bildes unterstreicht die Kraft, die diesem Bild innewohnt.

Ein Deutungsversuch: Ein Bild von Auferstehung

Dieses KI-gefertige Bild entspricht nicht den üblichen Darstellungen des Auferstandenen.
Dennoch ist es für mich ein Bild des Auferstandenen.
Das möchte ich an einzelnen Details erläutern.

Die Nacktheit

Wann ist der Mensch zum ersten Mal ’nackt‘ auf Erden? – Bei seiner Geburt.

Wir alle werden ’nackt‘ geboren.
Die Nacktheit eines neugeborenen Menschen wird oft als Ausdruck seiner Schutzlosigkeit und Hilfsbedürftigkeit verstanden.
So heißt es z.B. in dem Weihnachtslied „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich…“ (Gotteslob Nr. 247):
„Er kommt aus seines Vaters Schoß und wird ein Kindlein klein, er liegt dort elend, nackt und bloß in einem Krippelein…“
Bei den Weihnachtsliedern ist uns das Motiv der Nacktheit Christi vertraut.
Die Nacktheit bei der Geburt ist aber nicht nur Ausdruck von Schutzlosigkeit und Hilfsbedürftigkeit.
Die Nacktheit ist damit das Bild für den Eintritt in das Erdenleben.
So heißt es zum Beispiel im Alten Testament im Buch Hiob 1,21:
„Nackt bin ich zur Welt gekommen, und nackt verlasse ich sie wieder.“ (Übersetzung: Hoffnung für alle)

Mit Nichts kommen wir also zur Welt.

Dieses „Nichts“, diese Nacktheit steht damit auch für eine Art Ungebundenheit.
Zur Zeit der Geburt ist der Körper des Kindes noch nicht ‚gewickelt‘.

Das Wickeln des Säuglings war früher ein geläufiges Ritual, wie es u.a. der Wikipedia-Artikel zeigt: https://de.wikipedia.org/wiki/Wickeln_(Kind)
Manche Krippendarstellungen zeigen den neugeborenen Christus als ein ‚gewickeltes‘ Kind in der Krippe.
In dieser Wickel wirkt ein Säugling wie in einer Presswurst.
Es kann sich nicht bewegen, ist gebunden – ja bis zur Bewegungslosigkeit gefesselt.
Damit ist ein gewickelter Säugling genau das Gegenteil von dem, wie uns ein gerade geborenes Kind erscheint.

Dieses Bild der Wicklung kommt später wieder zum Zuge, nämlich nach dem Tod eines Menschen.
Die Bibel berichtet davon, dass Menschen nach ihrem Tod in Leinentücher gewickelt wurden.
So berichtet z.B. das Johannes-Evangelium im Kapitel 19 Vers 40: „Mit diesen wohlriechenden Salbölen wickelten sie den Leichnam von Jesus in Leinentücher ein. So war es beim Begräbnis von Juden üblich.“

Und in Johannes 20,5-7 wird berichtet, dass Jesus nach seiner Auferstehung nicht mehr in diesen Leinentüchern gewickelt gewesen war, weil diese nämlich noch im Grab gefunden wurden.
Wenn wir diesen Gedanken weiter spinnen, dann kommen wir zum Motiv des „nackten Auferstandenen“.

Die Wickeln, die ein Neugeborenes gebunden hatten und die Leinenbinden, mit denen der Verstorbene verbunden wurde, sie gab es nicht bei der Geburt und sie gibt es auch nicht mehr bei dem Auferstandenen.
Beim Eintritt ins Erdenleben ist der Mensch nackt.
Und auch der Auferstandene ist mit seiner Auferstehung wieder ’nackt‘, weil er in ein neues Leben eingetreten ist, quasi in ein neues Leben hineingeboren wurde.

Das ist ein Leben, dass alle irdischen Bindungen, Wicklungen und Fesseln abgelegt hat.

Daran erinnert uns auch Jesus Christus selber, wenn er den Schwestern seines Freundes Lazarus, Martha und Maria, nach der Auferweckung des Lazarus zuruft: „Löst ihm die Binden und lasst ihn weggehen!“ (Joh, 11,44)
Und in Johannes 20,17 sagt der Auferstandene zu Maria aus Magdala:
„… Halte mich nicht fest;…“

Frei werden wir in dieses Erdenleben hineingeboren und frei werden wir nach unserem irdischen Tod ins ewige Leben hineingeboren.
Auferstehung bedeutet: befreit werden zu einem neuen Leben.

Das Symbol der Nacktheit des Auferstandenen möchte diese Dimension und diese Wirklichkeit der Auferstehung buchstäblich ins Bild setzen.
Die flatternden weißen Binden auf dem Bild zeigen diese Befreiung in der Auferstehung.

Als weiteres Merkmal der Auferstehung ist die Dynamik der Bewegung des Christus.
Wir erkennen eine von links unten nach rechts oben aufstrebende Linienführung, die in der Bewegung des Körpers und der Haltung des Kopfes aufgenommen wird.
In der Ikonographie der Orthodoxie ist diese Diagonale von links unten nach rechts oben ebenfalls eine ikonische Darstellung von Auferstehung.
Das kann man sehr schön zeigen bei den Grablegungsszenen.
Darauf nimmt Jesus bei der Grablegung oft eine horizontale Lage ein. Es ist die Lage der Erdverbundenheit, der Gebundenheit an das irdische Leben. Dieses irdisch gebundene Leben ist durch den Tod zu Ende gegangen.
Doch die Auferstehungsikonen zeigen manchmal noch das Grab im Hintergrund.
Sehr schön anschaulich wird es bei dieser Ikone:
https://obitel-minsk.org/assets/img/content/2022/deutsch/inside/klostermaus/Ikone-der-Salben-Myron-tragenden-Frauen.jpg

Hier sieht man die buchstäblich verlassenen Leichenbinden, sie liegen da wir ein leerer Kokon eines neu erwachten Schmetterlings (weshalb auch der Schmetterling ein Symbol für Auferstehung ist!).
Bei seiner Auferstehung wird Christus oft geradezu vertikal, aufstrebend in den Himmel gezeigt.
Und die Grabplatte, wie hier bei diesem Bild unterstreicht diese Aufwärtsbewegung durch ihre von links unten nach rechts oben aufstrebende Richtung ‚gen Himmel‘.

In diesem Bild hier bei uns nimmt Jesus selber diese aufstrebende Richtung mit dem eigenen Körper ein.
Während orthodoxe oder klassische Auferstehungsbilder immer wieder noch das leere Grab zeigen – damit wir wirklich glauben können, was wir da sehen – hat dieses Bild das Grab ganz hinter sich gelassen.

Manche mögen es noch ganz vage angedeutet sehen im Bild unten rechts die beiden aufstrebenden Farbbalken von rot und dunkelgrünblau, so als würde Christus auch noch sein rechtes Bein aus dem Grab erheben.
Doch die Bilder des Todes sind hier allenfalls nur angedeutet, wenn nicht sogar nicht mehr buchstäblich ‚im Bild‘.
Das Grab und somit der irdische Tod ist bedeutungslos geworden.

Die Macht des Lebens besiegt die Macht des Todes!

Dieses Bild ’strahlt‘ buchstäblich viel Kraft aus.
Die Bewegung des Körpers, die verlängerten Strahlen, die aus dem Nimbus (Heiligenschein) Christi sich weiter fortsetzen und nach außen drängen, wie die Strahlen eines Blitzes.
Sie symbolisieren die unbändige Macht der Auferstehung, der keine Macht auf Erden widerstehen kann, selbst die Macht des irdischen Todes wird durch die Auferstehung überwunden.
Im Exsulet, dem Osterlob in der Osternacht hören wir: „… dies ist die Nacht, in der Christus die Ketten des Todes zerbrach …“

Um Ketten zu zerbrechen, braucht es eine unbändige Kraft und Stärke. Diese Kraft und Stärke über den Tod soll ebenfalls in diesem Bild ausgedrückt werden.

Ostern – Himmelfahrt – Pfingsten

Wir feiern zwar insgesamt 50 Tage bis zum Pfingstfest das österliche Geheimnis.
Nach meinem Verständnis fallen aber Ostern, Himmelfahr und Pfingsten in eins.
Dies soll ebenfalls dieses Auferstehungsbild andeuten, in dem es auch die Geschehnisse der Himmelfahrt und das Pfingstfest andeutet.

Die aufstrebende Bewegung Christi ‚gen Himmel‘ unterstreicht den Himmelfahrtsbezug.
Mit einiger Phantasie kann man sogar schon etwas von der „Geistsendung“ erkennen, in dem roten Blockstreifen der hinter dem rechten Arm Christi gen Erde gerichtet ist.
Das Rot ist die Farbe der Liebe und die Farbe von Pfingsten.
Denn schon bei seinen Abschiedsreden in Joh 14 versichert Jesus seinen Jüngern: „Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen,“, sondern er wird uns die Heilige Geistkraft „vom Vater aus senden“. (vgl. Joh 14,16)


Bei diesen Gedanken zu diesem Bild will ich es belassen.
Ich wünsche dir ein frohes und befreiendes Osterfest!

Vielleicht inspiriert dich dieses Bild für eigene ‚Oster‘-Gedanken.
Dann würde ich mich freuen, wenn du deine Ostergedanken mir als Kommentar schickst.
Gerne veröffentliche ich ihn dann auch hier.




OSTERN.GEGEN.MACHT

Bild: KI

Wie werden Sie dieses Jahr Ostern feiern?
Ist es für Sie eine Art Frühlingsfest, auch wenn es in diesem Jahr noch kalt sein könnte?
Feiern Sie Ostern mit seinem christlichen Hintergrund als das Fest der Auferstehung?
Denken Sie, dass Auferstehung nur etwas mit dem Leben nach dem Tod zu tun hat?



Ich habe für mich in den letzten Jahren gefunden, dass Ostern eine wichtige Botschaft für dieses irdische Leben bereit hält, nicht erst jenseits unserer irdischen Lebens.
Denn wie wollte ich an eine christliche Botschaft der Auferstehung glauben, wenn diese nicht schon hier stattfinden kann und wird?!

Auferstehung von den Toten hat für mich viel mit meinem Glauben an Erlösung zu tun:
Erlösung von all dem, wodurch mein Leben gefährdet ist, was meine Lebendigkeit behindert oder sie sogar bedroht ist bis hin zum Gefühl, dass ‚das Leben an mir vorbei geht‘.

Ostern ist für mich der Aufbruch ins Leben, manchmal auch in ein ganz anderes, neues Leben – jenseits meiner bisherigen Vorstellungskraft; jenseits dessen, was ich mir bisher an Lebensmöglichkeiten zu denken und zu leben versagt habe.
Ostern ist für mich die Ermutigung in ein Leben, dass uns wirklich lebendig sein lässt.

Somit ist die Botschaft von Ostern auch eine Botschaft gegen die eigene vermeintliche Ohnmacht.
Es ist eine Botschaft, die mir neue Möglichkeiten eröffnen will.

Und da darf jede/r von uns schauen, nach welchen neuen Möglichkeiten unser eigenes Leben drängt.
Doch damit das neue Leben beginnen kann, muss das ‚alte‘ = bisherige Leben vielleicht erst ‚sterben‘ und sterben können und dürfen.

Dieser Glaube ist aber nicht in jedermanns Sinne.
Denn: Ostern ist zugleich ‚gefährlich‘!
Ostern kann nämlich den Mächtigen Angst machen, weil an Ostern Christus „die Ketten des Todes zerbrach“, wie es im ‚Exsultet‘ der Osternacht gesungen wird.
Da, wo andere unsere Lebendigkeit wie in einem Grab zumauern wollen, bricht Ostern dieses Grab auf, so dass wir wieder ins Leben treten können.

Auferstehung und Himmelfahrt*, Bild: Gerd Wittka mittels KI , März 2024

Ostern hält für uns die Botschaft der Freiheit bereit in allen Fällen, wo wir eingeschränkt, begrenzt oder unfrei sind oder gemacht werden sollen.
Die Wirkung von Ostern kann sein, dass wir aus Mitläufer:innen zu Selbstläufer:innen werden, weil wir unsere Freiheit und Selbständigkeit erkennen und annehmen.

Ostern geschieht nicht nur im Jenseits, sondern bereits Jetzt, wenn wir es nur glauben und es zulassen, unser neues Leben, unseren Aufbruch in eine neue Lebendigkeit!

Stellen Sie sich einmal vor, das hätte Jesus Christus mit seiner Auferstehung für uns auch erreicht?! – Was wäre das ein mächtiges Fest!

Der Auferstandene hält Mahl mit seinen Jüngern, Bild: KI

In diesem Sinne wünsche ich uns allen ein gesegnetes und wirkmächtiges Ostern 2024!
*Bildbetrachtung zu diesem österlichen Bild: in Arbeit




Nicht sehen und doch glauben?!

Impuls zum 2. Ostersonntag – A – 2023

Bibeltext: Johannes 19, 20-31

Bild von falco auf Pixabay

Das heutige Evangelium ist uns, die wir regelmäßig die Gottesdienste besuchen vertraut. Da sind die Jünger hinter verschlossenen Türen, plötzlich kommt der Auferstandene in ihre Mitte, sagt ihnen zwei mal den Frieden zu und dazwischen empfangen sie auch noch den Heiligen Geist.

Thomas, der nicht dabei war, bekommt von seinen Kollegen erzählt, dass sie dem Auferstandenen begegnet seien; dass ER bei ihnen war.
Doch Thomas scheinen sie so leicht nicht überzeugen zu können.
Er, der der ‚Zweifler‘ genannt wird, fordert Beweise! „Beweise, Watson, Beweise!“ – wie der Meisterdetektiv Sherlock Holmes immer zu sagen pflegte.



Eigentlich ist er doch sehr vernünftig, dieser Thomas!
Wie oft schon haben wir gehört, dass Menschen Opfer von Fake-News geworden sind, weil sie ‚leichtgläubig‘ anderen auf dem Leim gegangen sind und Lügen als vermeintliche Wahrheiten verkauft wurden.

Ich persönliche halte es da doch lieber mit dem Thomas und begegne solchen Aussagen auch kritisch.

Später, als Thomas dabei ist und der Auferstandene sich ihnen wieder offenbart bekommt Thomas die ‚Beweise‘ und er erkennt den Auferstandenen.
Was für ein Glück! – Das haben wir nicht heute!
Und dann das mittlerweile „geflügelte Wort“ Jesu: „Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“

Auch dieses Wort Jesu dürfen wir etwas kritischer unter die Lupe nehmen, nämlich dann, wenn wir auf die Gotteserfahrungen heutiger Menschen schauen.
Nein, ich will jetzt hier nicht die pauschale Klage über den vermeintlichen Unglauben heutiger Zeit erheben oder darin mit einstimmen.
Und nein, ich will jene nicht tadeln, die sich – vielleicht nur augenscheinlich – nicht um ihren Glauben kümmern.

Wenn man nicht sieht und gerne glauben würde …

Ich möchte jene Menschen unter uns in den Blick nehmen, denen solche Sätze aus dem Mund Jesu heute noch wie ein Schlag ins Gesicht vorkommen können!
Dabei denke ich an die Menschen, die von schweren Schicksalsschlägen getroffen wurden, die viel persönliche Not erfahren haben und bis dahin sich immer als Menschen verstanden haben, die – wenn auch irgendwie – an Gott glauben, für die Gott keine Randgestalt ihres Lebens ist – oder muss ich besser sagen: ‚war‘!

Denn Schicksalsschläge fechten nicht selten auch den Glauben an. Selbst Jesus schreit am Kreuz: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen!“?!
Die Erfahrung von Gottesferne teilen seit Jesus unzählige Menschen nach ihm.
Er, an den sie bislang geglaubt und an dem sie bislang festgehalten haben, hält sie scheinbar nicht mehr fest.
Ihr Vertrauen in dem, dem sie sich bisher anvertraut haben, scheint ihnen nun so fern.
Massenhaft machen Menschen heute noch diese Erfahrungen!
„Selig sind, die nicht sehen und doch glauben!“ steht der Erfahrung derer gegenüber, die sagen: „Ich sehe Gott nicht, will an ihn glauben, gerade jetzt in dieser Zeit, aber ich kann es einfach nicht!“

Was ist mit denen? Gilt denen die Seligpreisung Jesu aus dem heutigen Evangelium nicht!
Sind sie auch hier ‚Loser‘, die Verlierer?!

Die Qual, Gottes Hilfe zu brauchen, sie aber nicht zu spüren, nicht zu erfahren, ist das Schlimmste, was sonst gläubige Menschen erfahren können. Denn das, was ihnen Fundament sein und Halt geben sollte, worauf sie viele Jahre gehofft haben, dass gerade in Zeiten der Krise sie auf Gott vertrauen können, wird nicht in ihrem Leben erfahrbar.

Wenn wir solchen Menschen begegnen, sollten wir tunlichst solche wohlfeilen Worte, wie dieses aus dem heutigen Evangelium unterlassen.

Das heißt nicht, dass dieses Wort Jesu theologisch falsch ist – im Gegenteil.
Aber Theologie deckt sich oft nicht mit den subjektiven Wahrnehmen der Menschen.
Wenn wir solche Situationen bei anderen oder sogar vielleicht selber bei uns erleben, dann tut eines als Erstes Not: Diese Wahrnehmung ernst zu nehmen und nicht floskelhaft beschwichtigen zu wollen.
Denn der nahe Gott, der immer zugleich auch als der ferne Gott erfahren wird, ist schon seit der Bibel bekannt.
Welche Perspektiven haben dann jene, die ihn zur Zeit nicht erkennen, die den Auferstanden nicht erkennen, der auch sie zu einem neuen Leben führen will?!

Es mag abgedroschen klingen, aber ich finde, solche Menschen werden für uns zur Aufgabe.

Wenn wir immer noch das feste Vertrauen haben, dass der Auferstandene auch uns zum neuen Leben ruft und SEIN Frieden uns mit einschließt, dann können wir diesen Auferstanden nur selber durch unser eigene Nähe zu diesen Menschen zum Ausdruck bringen.
Die Geistessendung, von der wir heute im Evangelium gehört haben, kommt nämlich nicht von ungefähr.
Geist-Sendung macht uns selber zu Geist-Sender:innen!

Durch seine Jünger, beziehungsweise durch uns selber, will der Auferstandene erfahrbar werden, auch für jene, die nicht sehen, damit sie glauben und auch (weiterhin) glauben können.


„Selig sind,
die nicht sehen
und doch glauben!“

Ich kann das so nicht allein stehen lassen!

Ich ergänze:

Selig sind , die nicht sehen
und nicht glauben können,
obwohl sie es gerne möchten
und dennoch an Gott
nicht irre werden,
sondern auch in Zeiten
der Wüste
an IHM festhalten können!
Denn ihr
Vertrauen
ist ein
‚blindes Vertrauen‘
in Gott!

(Gerd Wittka, 15.4.2023)