Frohe Botschaft spüren

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Lesungstext: Lukas 15, 11-32


Wahrnehmungsübung:

Ich möchte Sie für einen kleinen Augenblick einladen, einmal kurz inne zu halten und in sich hinein zu spüren; Sie dürfen – wenn Sie mögen – auch einen Augenblick die Augen dabei schließen um ganz bei sich selber sein zu können.
Am Ende der kleinen Übung werde ich Sie anleiten, wie Sie gut diese kleine Übung beenden können.

Setzen Sie sich – wenn möglich – aufrecht auf Ihren Stuhl. Lehnen Sie sich mit dem Rücken gut an, damit Sie im Rücken guten Halt finden.
Mit beiden Füßen sollten Sie gut den Boden berühren. Die Hände können Sie auf den Oberschenkeln ablegen.
Spüren Sie, wie Sie vom Stuhl gut getragen werden.
Wenn Sie mögen, schließen Sie jetzt Ihre Augen und lassen sich etwas von mir durch diese Übung führen.

Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das Evangelium, das wir gerade gehört haben.
Erinnern Sie sich an Szenen, die Sie besonders angesprochen haben.
Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf die handelnden Personen.
• Da ist der Vater, der sein Erbe auszahlt.
• Da ist der jüngere Sohn, der seinen Erbteil nimmt und sich von zu Hause löst.
• Da ist der ältere Sohn, der ortstreu bleibt und sich an die Familientradition gebunden fühlt.

Spüren Sie einen Augenblick mal bitte in sich hinein und fragen Sie sich, welche Person Sie in diesem Evangelium besonders angesprochen hat?
Und welche Person behagt Ihnen gar nicht?
In welcher Person haben Sie sich persönlich am ehesten entdeckt?
Welche Person würden Sie gerne sein?

Bewerten Sie diese Feststellung nicht.
Nehmen Sie nur war, mit welcher Person Sie sich leichter einfühlen können?

Und jetzt versuchen Sie, mit Ihren Gefühlen in Kontakt zu kommen.
Zu den Gefühlen rechnen wir Angst, Ärger, Wut, Zorn, aber auch Freude, Dankbarkeit, Liebe, sich-geliebt-fühlen, …

Bewerten Sie die Gefühl nicht. Sie sind da und haben ihre Berechtigung.
Welche Gefühle nehmen Sie bei sich wahr, wenn Sie das heutige Gleichnis hören?

Oder spüren Sie sogar körperliche Empfinden, Befindlichkeiten oder Missempfindungen, wie innere Unruhe, Wärme und Entspannung im Bauchraum, aber vielleicht auch Anspannung oder Verspannung.
Wo nehmen Sie diese Empfindungen wahr? Im Kopfbereich, in der Brust oder in der Bauchgegend?
Auch diese Empfindungen bitte nicht bewerten, nur wohlwollend wahrnehmen.

Vielleicht können Sie auch im Moment gar nichts wahrnehmen.
Dann ist es auch nicht schlimm. Versuchen Sie, auch das nicht zu bewerten.

Bleiben Sie einen kurzen Augenblick bei dem, was gerade bei Ihnen ist.
Gönnen wir uns einen Augenblick der Stille ….

….

Nun möchte ich Sie anleiten, mit Ihrer Aufmerksamkeit wieder in diesen Raum zurück zu kehren. Lassen Sie noch die Augen geschlossen, wenn Sie sie geschlossen hatten.

Ballen Sie nun Ihre Hände zu Fäusten zusammen, auch gerne etwas kräftiger, damit Ihr Kreislauf wieder in Schwung kommt.
Ziehen nun langsam und kräftig ihre Fäuste und Unterarme an die Oberarme heran und Sie dürfen sich jetzt auch räkeln, wie wenn Sie morgens erwachen.
Dann öffnen Sie langsam wieder Ihre Augen und finden sich hier in der Kapelle wieder…


Vielleicht fragen Sie sich:
Was soll das alles?!

Ich möchte Sie ermutigen, das Evangelium nicht nur mit dem Verstand, sondern auch mit dem Herzen zu erleben.
Oft nähern wir uns solchen Texten nur sachlich und theologisch.
Aber Jesus erzählte Gleichnisse, um direkt unsere Gefühle anzusprechen – er wollte, dass wir mit unserem Herzen, also mit unseren Emotionen, berührt werden.
Obwohl er Rabbi genannt wurde, sah er sich nicht als einen rein akademischen Lehrer. Es tut uns also gut, wenn wir uns heute den Evangelien so nähern wie Jesus es tat.

Haben Sie beim Hören des Evangeliums gute, positive Gefühle empfunden?
Dann: Glückwunsch! Das Evangelium – die Frohe Botschaft – hat bei Ihnen bereits seine Wirkung entfaltet.

Falls Sie aber eher unangenehme Gefühle hatten, etwa weil Sie den älteren Sohn und seine Empfindung von Ungerechtigkeit verstehen, machen Sie sich keine Sorgen.
Genau solche Menschen wollte Jesus mit seinem Gleichnis ansprechen.

Viele von uns, mich eingeschlossen, können sich in der Reaktion des älteren Sohnes wiedererkennen.
Er hielt sich immer an die Tradition, doch für ihn blieb das Fest der Freude aus. Das ist für ihn unverständlich! Wo bleibt da der Lohn der Treue und des Gehorsams?!

Nur: so geht es zu, auf dem Erlösungsweg Gottes!

Auch wenn wir den älteren Sohn verstehen, dürfen wir versuchen, uns zu freuen, denn Jesus hat dieses Gleichnis für uns gedacht.
Er möchte uns lehren, uns für die grenzenlose und bedingungslose Liebe und Fürsorge des Vaters zu öffnen.

Ich könnte noch viel mehr über das Evangelium sagen, aber eines möchte ich besonders betonen:

Erinnern Sie sich an die Worte des Vaters:
„… dieser, dein Bruder, war tot und lebt wieder; er war verloren und ist wiedergefunden worden…!“
Das ist der zentrale Satz dieses Evangeliums.

Heute feiern wir den Laetare-Sonntag – das bedeutet „Freue dich!“.
Der letzte Satz des heutigen Evangeliums gibt uns einen Hinweis auf Ostern, auf die Auferstehung.
In diesem Gleichnis hören wir von einer Auferstehungsgeschichte, die in den kommenden Wochen in anderen Formen immer wieder auftaucht.

Der Laetare-Sonntag ist der Übergang von dem Teil der Fastenzeit, in der wir über unsere Umkehr nachgedacht haben, zu den nächsten Wochen, in denen wir das Leiden Christi verstärkt betrachten.

Dieses Evangelium und dieser Sonntag erinnern uns daran:
Wenn in den nächsten Wochen viel über Leid gesprochen wird, ist das nur der Auftakt.
Christus blieb nicht am Kreuz – sein Leiden führte direkt zur Auferstehung.
In diesem Geist lade ich Sie ein, die kommenden Wochen in diesem Bewusstsein zu begehen, bis wir in großer Freude das Osterfest feiern können.






„… wie Schuppen von den Augen …“

Mein persönliches Emmauserlebnis

„Da fiel es ihnen wie Schuppen von den Augen, und sie erkannten ….“

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Das sind Worte aus dem Evangelium vom vergangenen Montag, dem Ostermontag.
Das sind Worte aus dem Evangelium von den Emmaus-Jüngern.

Die Begegnung und die Begleitung durch den Auferstandenen und das gemeinsame Brotbrechen öffnet ihre Augen für die Wahrheit der Auferstehung Christi.



Ein solches ‚Entschuppungserlebnis‘ hatte ich auch am vergangenen Donnerstag, als ich nämlich den geistlichen Impuls zum heutigen Evangelium in meinem Stundengebetbuch „Te Deum“ las.

Er stammt von der Benediktinerin Johanna Domek OSB, die in dem selben Kloster Ordensfrau ist wie meine erste geistliche Begleiterin zum Zeitpunkt meiner Priesterweihe.

Dieses Kloster in Köln-Raderberg ist ein Ort geistlicher Inspiration, so auch beim Lesen dieses Impulses.

Sr. Johanna Domek hat ihren Impuls unter dem Vorzeichen des heutigen Sonntags gesetzt, der traditionell „Weißer Sonntag“ genannt wird, aber durch Papst Johannes Paul II. zum „Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit“ ernannt wurde.

Und das hat Sr. Johanna Domek zum Anlass genommen, das heutige Evangelium unter dem Vorzeichen der „Göttlichen Barmherzigkeit“ zu lesen und zu interpretieren.

Dieses Evangelium erscheint auf dem ersten Blick als ein Konglomerat von Aussagen Jesu, die der Evangelist Johannes scheinbar am Ende seines Evangeliums noch ‚schnell unterbringen‘ wollte.

  • Da ist von Jünger:innen die Rede, die sich hinter verschlossenen Türen verkrochen haben
  • Da ist von Jesus Christus dem Auferstandenen die Rede, der ihnen erscheint.
  • Da ist von der Sendung des Heiligen Geistes die Rede
  • … und von Sündenvergebungsvollmacht und Sündenvergebung
  • da ist davon die Rede, dass auch der Letzte die Auferstehung Jesu Christi verstehen soll und kann, am Beispiel des heiligen Thomas

… und das alles in den letzten zwölf Versen des Johannes-Evangeliums.

Es ist schon auffällig, wie lang die Passion Christi bei Johannes ist und dann aber hier am Ende noch mal schnell einige wichtige Aussagen an den Schluss gesetzt werden sollen.

Sr. Johanna Domek hat es mit ihrem Impuls geschafft, unter der Lupe der „Göttlichen Barmherzigkeit“ diese letzten Verse zu betrachten und unter dieser Lupe den ‚roten Faden‘ dieser letzten Verse zu ent-decken.

Und diese Lupe benennt sich gleich am Anfang ihres Impulses:
„Gottes Liebe ist Barmherzigkeit“

Diese ‚Göttliche Barmherzigkeit‘ wird genährt von der Sehnsucht Gottes, einen Idealzustand herbei zu führen ohne die Freiheit und Verantwortlichkeit des Menschen aufzuheben.

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Für Gott ist es der Zustand vollendeter und allumfassender Liebe.
Aber Barmherzigkeit beinhaltet zugleich auch den realistischen Blick. Barmherzigkeit geht nicht über Realitäten hinweg, ignoriert sie nicht, sondern nimmt sie wahr, so wie sie sind.
Die Göttliche Barmherzigkeit nimmt unsere menschlichen Realitäten wahr mit all ihren Fassetten und in ihrer bruchstückhaften Unvollkommenheit.
Die Göttliche Barmherzigkeit nimmt diese Bruchstücke an und erkennt darin die Chance, daraus noch etwas zu machen, um den erstrebten Idealzustand herzustellen.
Diese Göttliche Barmherzigkeit erspart uns auch den ‚den Griff auf die heiße Herdplatte‘, wie ich es ausdrücken möchte. Sie erspart uns nicht die Schritte, die wir zu gehen haben, auch nicht die Schritte der Fehler und Schuld, die Schritte der Angst und Hoffnungslosigkeit, der Resignation und des Leidens.
Die Göttliche Barmherzigkeit kommt uns in all dem immer entgegen.

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Was hier von mir sehr abgehoben klingt, fasst Sr. Johanna Domek in anschauliche Beispiele.

Da sind die Jünger:innen, die in ihrer großen Angst sich eingeschlossen haben, die sich nicht trauen in ihrer Angst und Verzweiflung die schützenden Mauern zu verlassen.
Und der Auferstandene zerrt sie da nicht hinaus, der ‚zwingt sie nicht zu ihrem Glück‘, wie wir manchmal so sagen.
Sondern er kommt ihnen entgegen, macht sich auf den Weg in ihre Verschlossenheit, in ihr selbstgewähltes zeitliches Grab. Er, der aus dem Grab auferstanden ist, geht zu denen, die sich in ihr selbstgewähltes Grab quasi eingemauert haben. Er geht also wieder und wieder ‚ins Grab‘, um den Begrabenen dort entgegen zu kommen, damit sie frei werden können.

In ihrem selbstgewählten Verlies, verlässt der Auferstandene die Seinen nicht, sondern nimmt sie wahr und an mit ihren friedlosen Herzen, die keine Ruhe finden in ihrer Trauer.
Aber er verwandelt diese geistlose Friedlosigkeit, indem er ihnen seinen Geist einhaucht, der sie versöhnt mit der vergangenen Geschichte, der ihnen inneren Frieden und Freude schenkt, ihre Hoffnung stärkt und ihnen Perspektiven aufzeigt.
Was die Jünger:innen in sich selbst nicht finden können, aber was so Not tut, das schenkt die ‚Göttliche Barmherzigkeit‘ ihnen ‚von außen‘, vom
‚Himmel herab‘.

Christus ignoriert auch nicht ihre Verzagtheit, ihr Versäumnis und Versagen, sondern nimmt sie an, um sie zu wandeln durch das Wirken seines Geistes.

Mehr noch: diese Geisterfülltheit ermächtigt und befähigt seine Jünger:innen, selber Werkzeuge der ‚Göttlichen Barmherzigkeit‘ zu sein, indem sie das Werk der Versöhnung mitgestalten können und das Geschenk der eigenen Vergebung weiterzugeben.

Und am Beispiel des heiligen Thomas macht Jesus deutlich, dass er nicht den Zweifel und den Unglauben ignoriert.
Aber er entlässt Thomas auch nicht aus seiner eigenen Verantwortung und Möglichkeit, sich buchstäblich an diesen verlorenen Glauben wieder heranzutasten, indem Christus Thomas ermöglicht, sich ihm wieder zu nähern, ihn buchstäblich zu ertasten, zu erfahren.

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An diesem Sonntag der ‚Göttlichen Barmherzigkeit‘ sind mir – auch durch den Impuls von Sr. Johanna Domek – wieder ein Stück weit mehr die Augen geöffnet worden.
Ich habe gelernt, diesen Schrifttext unter einem neuen Vorzeichen zu lesen und zu verstehen, unter dem Vorzeichen der ‚Göttlichen Barmherzigkeit‘.

Die ‚Göttliche Barmherzigkeit‘ ignoriert nicht meine, nicht unsere Lebenswirklichkeit, sie nötigt uns nicht, aber sie nutzt unsere Lebenswirklichkeiten, um uns selber zu den notwendigen Schritten zu befähigen, die für uns heilsam sind.




Christliche Tugend: Barmherzigkeit

Was ist Barmherzigkeit?

Vorbemerkungen zum besseren Verständnis der nachfolgenden Gedanken:

Alles, was ich hier schreibe, bezieht sich nicht auf eine konkrete Person (auch wenn ein konkreter Anlass diese Zeilen begründet), sondern auf den Umgang mit einer Thematik, die immer noch in Kirche und Gesellschaft tabuisiert und in der Breite nicht ernst genug genommen wird.



Und noch etwas Entscheidendes muss ich voran schicken, damit die nachfolgenden Ausführungen besser eingeordnet und verstanden werden können:

Grenzüberschreitungen sind niemals eine Bagatelle!

„Keinen Zutritt!“ – www.pixabay.com

Sie sind nicht harmlos, erst recht, wenn eine bestimmte Vertrauensbasis vorliegt oder sie sogar mit Machtmissbrauch verbunden ist, wie es zum Beispiel oft bei Schutzbefohlenen, Kindern und Jugendlichen der Fall ist.
Sie sind insbesondere dann noch gefährlicher, wenn sie mit körperlichen oder sexualisierten Grenzüberschreitungen einhergehen.

Denn so stellen sie zudem einen massiven Angriff auf die sexuelle Integrität eines Menschen dar, die dann ganz besonders brisant ist, wenn diese Menschen sich in einer Entwicklungsphase der eigenen sexuellen Identitätsfindung befinden, wie bei heranwachsenden Kindern und Jugendlichen rund um oder in der Phase ihrer Pubertät.

Die Suche zum ‚Ich‘ braucht umfassenden Schutz!

Seit Ende der 1990er Jahre beschäftige ich mich zwangsläufig, eher unfreiwillig und notwendigerweise, mit diesem ganzen Themenkomplex, der mir schon Ende der 1990er Jahre in einer kirchlichen Beratungsstelle für sexuell übertragbare Krankheiten begegnet ist.
Später wurde ich massiv als Gefängnisseelsorger mit der Thematik konfrontiert und bis zum heutigen Tage als Krankenhaus-Seelsorger in einer Psychiatrie.

Dazu kommt, dass ich selber – als heranwachsender Jugendlicher und sogar später als Priester – Opfer sexueller Grenzverletzung und Übergriffigkeit geworden bin.
Selbst mit Anfang meiner 40er Jahre habe ich in einer früheren Pfarrei durch eine deutlich älteren Frau in einer völlig unverfänglichen gottesdienstlichen Situation (Wohnungseinsegungsfeier!) körperlich-sexuelle Übergriffigkeit erfahren.
Für mich als erwachsener Mann, der seine sexuelle Integrität gefunden hat, war dies trotz allem sehr irritierend, verstörend und hat eine Flut unterschiedlichster Gefühle in mir ausgelöst wie Wut, Ohnmacht, Ekel und Abscheu. (Mein Gedanke damals: am liebsten hätte ich der Frau eine kräftige Ohrfeige geben! – Im Pott würde man sagen: „Eins in die Fresse gehauen!“)

Wenn ich mich dann frage, was solche oder ähnliche Erfahrungen bei Menschen auslösen kann, die ihre sexuelle Integrität noch finden müssen, liegt die berechtigte Vermutung nicht fern, dass bei ihnen massiver Schaden entstehen kann.

Ich kann somit für mich in Anspruch nehmen, in dieser Thematik ‚bewandert‘ zu sein.

Und ich sage auch:
Mir behagt es nicht, mich auch selber als Betroffener sexueller Übergriffigkeit zu outen.
Aber ich halte es im Hinblick auf andere mögliche Opfer für meine moralische Verantwortung, dieses jetzt und hier zu tun.
Zumal ich in den Diskussionen immer wieder erfahre, dass betroffene Menschen nicht ernst genommen werden, so als wäre das lediglich ein kleines Randthema.
Doch die Statistiken sprechen eine ganz andere Sprache.
Und ich habe immer wieder erfahren, dass Menschen, die in solchen Thematiken ihre berechtigten Sorgen und Ängste formulieren und in Protest ausdrücken, ebenfalls nicht ernst genommen werden. Mitunter unterstellt man ihnen sogar niedere Beweggründe.

Und wenn der Umstand, von meiner eigenen persönlichen Lebensgeschichte zu erzählen, die Sensibilität für dieses Thema erhöht und dadurch mehr Menschen vor solchen Taten bewahrt werden können, dann hat sich mein Outing schon gelohnt!

Komme ich aber nun zum eigentlichen Anlass dieses Beitrags.

Vor einigen Wochen konnten wir in unserer Pfarrei eine Situation erleben, die sich mit der Frage konfrontiert sah, ob ein Seelsorger – der in der Vergangenheit wegen zwischenmenschlichen Grenzüberschreitungen seine frühere Aufgabe in einer anderen Stadt aufgeben musste – nun in unserer Pfarrei als Priester und Seelsorger eingesetzt werden solle?

Wenn Schutzmauern zerbrechen oder zerbrochen werden – www.pixabay.com

Ohne näher auf diese Angelegenheit eingehen zu wollen, will ich kurz zwei „Lager“ skizzieren, wie ich sie persönlich wahrgenommen habe.

Die eine Seite bewegte berechtigte Sorgen und Ängste, ob bei einem neuerlichen Einsatz solche Grenzüberschreitungen sicher vermeidbar wären?
Sie hatte berechtigte Fragen, auf der sie keine zufriedenstellenden Antworten bekommen haben.
Deshalb irritierte sie auch sehr stark der Prozess dieser Personalentscheidung.
Sie hatte die Courage und den Mut, diese offenen Fragen, ihre Sorgen, Ängste und Verunsicherungen zu artikulieren.
Nach allem, was wir über Grenzüberschreitungen und Missbrauch empirisch wissen, sind diese offenen Fragen und Sorgen berechtigt.

Da ist zum Beispiel die immens wichtige Frage, ob die damaligen Grenzverletzungen nicht auch eine Vorstufe zu weiteren Handlungen hätten sein können? Wir wissen aus der wissenschaftlichen Forschung rund um Missbrauchsbiographien, dass Täter:innen mitunter – wenn auch nicht geplant – austesten, ‚wie weit sie ohne Widerstand gehen können‘.
Da ist die Frage erlaubt:
Wer ‚garantiert‘ keine Wiederholungsfälle?
Wer übernimmt persönlich die Verantwortung dafür, wenn sich ’so etwas wiederholt‘?
Und dann sind da die nicht unerheblichen Fragen und Unsicherheiten von Eltern und Erzieher:innen: „Woher bekommen wir die Sicherheit, unsere Kinder und Jugendlich der ‚Kirche‘ anvertrauen zu können, die – nach ihrer eigenen Wahrnehmung – nur so unzureichend auf den vorhersehbaren Widerstand vorbereitet war?“

Diese Fragen stehen im Raum und sie zu leugnen oder zu bagatellisieren, hieße, die Sorgen derer, die diese berechtigten Fragen stellen, nicht ernst zu nehmen.

Weil so viele essentielle Fragen und Anmerkungen unbefriedigend beantwortet wurden, deshalb war der Widerstand gegen diese Personalie – nach meinem Dafürhalten – auch so heftig.

Meine persönliche Meinung zu den Anfragen und Protesten: sie waren berechtigt, gut begründet und deshalb nötig!

Franz-Josef Overbeck, Bischof von Essen, in: TE DEUM, März 2024, S. 84

Und dann ist da die andere Seite.
Sie war geleitet von dem Gedanken, diesem Seelsorger ’noch einmal eine Chance zu geben‘.

Dies wurde mitunter damit begründet, dass ja weder ein strafrechtliches noch ein kirchenrechtliches Verfahren zu der Schlussfolgerung kam, dass hier strafbares Handeln vorläge.
Diese Seite zieht damit einen rein formaljuristischen Umstand als Begründung heran.
Dem entgegnete aber jemand, dass mit einem schärferen Strafrecht (wie es es in anderen Ländern gibt) diese Beurteilung auch ganz anders hätte aussehen können. Insofern sei dieses ‚Argument‘ nicht objektiv hinsichtlich dessen, wie solche Taten bewertet werden können.

Diese ‚andere Seite‘ schien häufig über den konkreten Sachverhalt nicht hinreichend informiert zu sein.
Auf die kritische Nachfrage, ob sie sich mit der IPP-Studie des Bistums Essen beschäftigt hätten, wo dieser Sachverhalt auch explizit benannt wird, bekam man oft die Antwort, dass sie diese Studien und insbesondere den betreffenden Abschnitt gar nicht gelesen hätten.

Jemandem eine Chance geben zu wollen, wurde übrigens auch von Menschen gefordert, die im nächsten Satz zugaben, dass sie ‚ihr Kind aber nicht als Messdiener:in in die Kirche schicken würden, wenn besagter Priester bei ihnen eine Messe feiern würde‘.

Und dann tauchte auch das ‚Argument‘ „Barmherzigkeit“ auf.

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Es sei schließlich christliche Überzeugung, Barmherzigkeit zu üben.
Und in solchen Situationen würde sich zeigen, inwieweit wir es mit der christlichen Barmherzigkeit ernst nehmen würden.

Es waren übrigens zum Teil dieselben Personen, die Barmherzigkeit einforderten, die mit denen, die gegen diese Personalentscheidung aus den oben ausgeführten Gründen protestierten, recht unbarmherzig umgingen.
Man warf ihnen „Hexenjagd“ vor oder dass sie andere Menschen aufwiegeln würden, sich diesem Protest anzuschließen.

Gerade an diesem Punkt musste ich für mich erkennen, dass es bei der eingeforderten Barmherzigkeit also nicht um eine christliche Grundhaltung ging, sondern diese vermeintliche Forderung nach Barmherzigkeit eher zu einem populistischen Kampfbegriff verkam.

Und das ist für mich die unchristlichste Form mit Barmherzigkeit umzugehen.
Barmherzigkeit im christlichen Sinne ist nicht einseitig; Barmherzigkeit dürfen alle Seiten für sich einfordern.

Es scheint so, als lohne es sich, anhand des oben genannten Sachverhalts das Gebot der Barmherzigkeit genauer zu beleuchten.
Dabei wird es sicherlich auch notwendig sein, andere Aspekte in den Blick zu nehmen, die zeigen werden, das Barmherzigkeit unter verschiedensten Blickwinkel betrachtet werden muss.

Da wäre die Barmherzigkeit gegenüber jenen Menschen die Fehler begangen haben.
Barmherzigkeit ist hier durchaus im umfassenden Sinne gemeint.
Welches Verhalten ist ihnen gegenüber wirklich barmherzig?
Kann es nicht auch ein Akt der Barmherzigkeit sein, Menschen, die Fehler begangen haben und neue Wege gehen wollen, nicht immer dem kritischen Blick auszuliefern, der da mit Argusaugen schaut, ob dieser Mensch nicht schon wieder denselben Fehler macht?
Was macht den Unterschied zwischen „Barmherzigkeit“ und ‚Schwamm drüber!‘?

Dann müssen wir auch die Barmherzigkeit in den Blick nehmen, die die Betroffenen im Hinblick auf ihre eigenen Erfahrungen von Grenzüberschreitungen und Missbrauch erwarten dürfen.
Ferner geht es um die vor- und fürsorgliche Barmherzigkeit potentieller Betroffenen und Opfern gegenüber. Es gibt also auch eine präventive Barmherzigkeit.

Und nicht zuletzt geht es auch um Barmherzigkeit denen gegenüber, die ihre Ängste, Sorgen, offenen Fragen beherzt in einem öffentlichen Protest zum Ausdruck gebracht haben.

Folgende Fragen bewegen mich in diesem Zusammenhang:

  • Was ist (mit) Empathie?
  • Welche Zuordnungen gibt es zwischen Empathie (für Täter und Opfer/Betroffene) und Barmherzigkeit (gegenüber Tätern und zugleich gegenüber – potentiellen – Opfern/Betroffenen)?
  • Welches Maß an Barmherzigkeit ist zumutbar?
  • Gibt es auch Grenzen von Barmherzigkeit?
  • In welcher Zuordnung stehen Barmherzigkeit, Vergebungsbereitschaft und Gottes-, Selbst- und Nächstenliebe sowie der Schutz und die Anwaltschaft für Opfer, Betroffene und Schutzbedürftige?

Indem ich diese Zeilen schreibe, merke ich, dass diese Fragen nicht alle auf einmal beantwortet werden können.
Ein Blogbeitrag und ein Tag reichen nicht aus, um diesem Thema gerecht zu werden, weil es einfach zu komplex wird und sich ‚einfache‘ Antworten bei einem so sensiblen Thema geradezu verbieten?!

Ich werde mich also in einem späteren Beitrag mich mit diesen oben genannten Fragen beschäftigen und meine Gedanken dazu niederschreiben.


Über konstruktive Kommentare, die bereit sind, auch in der Tiefe eine Begründung zu liefern würde ich mich sehr freuen!
Destruktive Kommentare oder gar Beschimpfungen werde ich nicht freigeben!




Paradigmenwechsel.heilsam

Heute lade ich Sie ein, sich erst einmal den Evangelientext des kommenden Sonntags (4. Fastensonntag – ‚Laetare‘) durch zu lesen.
Auch wenn Sie sehr schnell denken mögen: „Das Evangelium kenne ich doch schon.“ – versuchen Sie sich von diesem Gedanken frei zu machen und das Evangelium so zu lesen, als wäre es ganz neu für Sie!
Lukas 15, 11- 32:

Interessant für mich ist, dass dieser Bibeltext mit sehr unterschiedlichen Überschriften versehen wird.
„Der Vater und seine zwei Söhne“, „Der verlorene Sohn“, „Der barmherzige Vater“ …



Unter welchem Titel ist Ihnen dieser Text bekannt? – Und die viel spannendere Frage: Wenn Sie ganz frei wären, einen (eigenen) Titel zu vergeben; welchen würden Sie für dieses Gleichnis vergeben?
Lassen Sie sich etwas Zeit bei Ihrer Titel-Entscheidung …!

Welchen Titel würden Sie für dieses Bild vergeben?
Quelle: www.pixabay.com
  • [Sollten Sie ein belastendes Bild von ‚Vater‘ haben oder massive belastende Gefühle bei dieser kleinen Übung empfinden, brechen Sie diese Übung lieber ab. Wenn es Ihnen damit nicht gut geht, wenden Sie sich bitte an eine Person Ihres Vertrauens oder an eine/n geeignete/n Seelsorger:in!]
  • Versuchen Sie jetzt einmal, einen Augenblick darüber nachzudenken, warum Sie gerade ihren ‚eigenen‘ Titel vergeben haben, auch dann, wenn Sie auf einen bereits bekannten Titel zurück gegriffen haben.
  • Denken Sie dann auch mal darüber nach, warum Sie ausgerechnet ‚ihren‘ Titel gewählt haben?
  • Sie dürfen gerne auch mal darüber nachdenken, welches ‚Vater-Bild‘ Sie haben, das vielleicht sogar viel mit Ihrem eigenen Leben und Erleben zu tun hat.
  • Seien Sie sich dabei bewusst, dass ‚Ihr‘ Vaterbild – sei es positiv, negativ oder neutral – auch etwas mit Ihrer eigenen Lebenserfahrung zu tun hat. Es könnte aber auch Ausdruck einer Sehnsucht sein, wie Sie sich einen ‚Vater‘ wünschen…
  • Das ‚Vaterbild‘ aus dem heutigen Gleichnis wird oft auch auf das (eigene) Gottesbild übertragen. Gelingt Ihnen das, oder spüren Sie einen inneren Widerstand?
  • Welches Gottesbild ist für Sie hilfreich, um eine ‚gute Beziehung‘ zu Gott aufbauen zu können?

Unser Vaterbild ist oft geprägt von den eigenen Erfahrungen, wie wir unseren Vater oder andere Väter, ja sogar Großväter erlebt haben.
Das erklärt unter anderem auch, warum dieses Gleichnis mit so verschiedenen Titeln belegt wurde.
Die Titel sind ein Hinweis darauf, mit welcher eigenen Sicht wir auf dieses Gleichnis schauen.

Quelle: www.pixabay.com

Als Seelsorger geht es mir immer darum, das Frohmachende und das Befreiende, das Beglückende und Hilfreiche aus der biblischen Botschaft für das konkrete Leben der Menschen auf zu decken, damit diese Botschaft auch wirklich in unser konkretes Leben hineinwirken kann.

Daher ist es überhaupt nicht falsch, sondern gut und richtig, wenn Sie einen Titel finden, der zu Ihnen, Ihren eigenen Verfahrungen aber auch zu Ihren eigenen Sehnsüchten passt.

Die biblischen Texte sprechen auch immer wieder (noch nicht erfüllte) Sehnsüchte an, die nach Befreiung und Erlösung streben.

Sie können jetzt noch einmal überlegen, ob Sie bei Ihrem Titel für dieses Gleichnis bleiben wollen oder ob Sie vielleicht sogar noch einen anderen Titel für passend halten!

Auch in meinem Leben habe ich verschiedene Titel für dieses Gleichnis bevorzugt und habe jetzt einen Titel gefunden, mit dem ich seit vielen Jahren ‚gut leben kann‘.

Wenn Sie sich darüber mit mir austauschen wollen, schreiben Sie mir gerne.

Ihnen einen gesegneten ‚Laetare‘-Sonntag!

Ihr
Gerd Wittka




‚Füllhorn‘ der Gnade

Quelle: Bild von OpenClipart-Vectors auf Pixabay

Zu den schönsten Augenblicken in meinem Dienst als Krankenhaus-Seelsorger gehört ohne Zweifel die Spendung der verschiedenen Sakramente (Eucharistie, Feier der Versöhnung, Krankensalbung, …)

Besonders bewegend finde ich es, wenn ich zu einer Krankensalbung gerufen werde, wo akute Lebensgefahr besteht oder der/die Patient:in sich bereits in der Sterbephase befindet.
Immer häufiger sind dann auch engste Angehörige und/oder Freund:innen dabei.



Im Kreis der Lieben diese Sakramente zu empfangen, empfinde ich als sehr wichtig und auch hilfreich für den Menschen, dem diese Sakramente gespendet werden.

Besteht akute Lebensgefahr oder befindet sich der Mensch in der Sterbephase und kann sich selber nicht mehr äußern, spende ich die Krankensalbung und erteile eigentlich immer auch die sogenannte ‚Generalabsolution‘. Diese ist den Situationen vorbehalten, wo das Leben eines Menschen bedroht ist und er nicht mehr die Möglichkeit zum persönlichen Bekenntnis hat.

In diesen Situationen bietet die Kirche eine Generalabsolution ohne vorausgegangenem Beichtgespräch an.

Mir ist diese Form sehr wichtig, denn ich weiß, dass manche Menschen am Ende ihres Lebens von Schuldgedanken geplagt werden.

Damit sie aber gut und mit innerem Frieden diese Welt verlassen können – in dem Bewusstsein, dass nichts mehr zwischen ihnen und Gott steht – empfinde ich diese Form der Lossprechung als großes Geschenk.

Um es mit meinen – vielleicht etwas naiv anmutenden – Worten auszudrücken:
Jesus Christus hat uns ein ‚Füllhorn der Gnade‘ anvertraut, aus dem ER reichlich geben will.
Wir als SEINE Werkzeuge in dieser Welt, dürfen davon mit vollen Händen austeilen.

DAS ist für mich eines der größten und erfüllensten Momente in meinem Dienst als Krankenhaus-Seelsorger.




Klarheit

Evangelium: Mt 5,17-37

Quelle: www.pixabay.com

Das Evangelium vom 6. Sonntag im Jahreskreis des Lesejahres A ist eine echte Herausforderung, besonders für eine Person, die darüber zu predigen hat.
Es ist die Klarheit und Eindeutigkeit und zugleich der hohe Anspruch, der in diesem Ausschnitt aus der Bergpredigt zu Tage tritt.
Dieser Text ist einer der neutestamentlichen Texte, die deutlich macht, dass christliche Ethik nicht die Ethik des Alten Testamentes aufhebt, sondern sie sogar nocht perfektioniert. Die Folge ist, dass christliche Ethik zum Beispiel nicht bei der Beachtung des Dekalogs (10 Gebote) stehen bleiben kann.
Christsein ist kein Zuckerschlecken …



„Schwört überhaupt nicht (…), eure Rede sei: Ja ja, nein nein;…“

Seit meinem Studium Ende der 1980er Jahre, als ich im kirchenrechtlichen Hauptseminar über die Praxis des Eides in der Kirche gearbeitet habe, sitzt dieses Wort in meinem Geist, wie ein Stachel im Fleisch. Denn allein die kirchliche Praxis mit z.B. ihrem Treueeid steht dem (scheinbar?) gegenüber. Aber das ist für meine seelsorgliche Arbeit heute eher nicht relevant.

Viel wichtiger erscheint mir die Haltung: „Eure Rede sei: Ja ja, nein nein; was darüber hinausgeht, stammt vom Bösen.“ in Alltag relevanter zu sein.

Dies ist nämlich eine Position der Klarheit und Eindeutigkeit, die Jesu von uns erwartet.
Aber der Alltag sieht oft anders aus: da wird herumgeredet, da bleibt man im ‚Ungefähren‘, da will man sich nicht festlegen und verschiebt Entscheidungen.

Solche Haltungen und Umgangsweisen sind auf Dauer destruktiv, weil sie Vertrauen zerstören und Unsicherheiten schüren.

In einer meiner früheren Gemeinden durfte ich einen Kollegen kennenlernen, der „kein Blatt vor dem Mund nahm“, wie man so sagt. Er war frei heraus und so eindeutig, dass es manchmal für die Menschen um ihn herum schmerzhaft war. Er war auch keineswegs immer ‚gefällig‘ und versuchte sich nicht anzubiedern.
So kam es, dass ich aus der Gemeinde auch hier und da Rückmeldungen bekam, die mit dieser Art nicht zurecht kamen.
Aber – wie Sie sich sicher denken können – war das nicht sein Problem, sondern ihr eigenes. Denn ihnen schien Indifferentismus lieber zu sein, als Klarheit.

Ich pflegte dann oft darauf zu entgegen, dass der Umgang mit meinem Kollegen nicht immer einfach sei. Aber was ich an ihm schätze ist seine Klarheit, die ohne Falschheit daher kommt. Bei ihm wisse ich immer, wo ich dran bin ….

Und es wundert nicht, dass ich genau das nämlich bei anderen Menschen nicht immer unbedingt weiß.

Glaubwürdigkeit und Klarheit

Zur Glaubwürdigkeit gehört für mich auch diese Klarheit. Mein o.g. Kollege hat mir in seiner Art imponiert. Ich selber spüre, dass mir diese Klarheit auch lieber ist, als das ganze Drumherumgerede.

Ich spüre aber auch, dass diese Klarheit, insbesondere wenn sie auf andere Auffassungen trifft, nicht gerade geschätzt wird.

Wer klar und eindeutig ist, der unterliegt auch einer größeren Gefahr, angefeindet zu werden.

Durch meine vielfältigen Lebens- und Berufserfahrungen habe ich für mich einen Wertekanon entdeckt, der sich – je älter ich werde – immer deutlicher und eindeutiger wird.

Diese Eindeutigkeit wird aber zugleich immer grundsätzlicher; sie verzettelt sich nicht im Klein-klein. Sie ist vielmehr geprägt vom dreifachen Liebesgebot ableitet, das sich im gegenseitigen Respekt, in Barmherzigkeit und Wohlwollen anderen gegenüber und der Anerkennung der menschlichen Freiheit als Gottes Geschenk ausdrückt.

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Sie ist geprägt vom Glauben an die Kraft des Heiligen Geistes, der mir die Möglichkeit gibt, offener und mit einem größeren Gottvertrauen in die Zukunft geht, weil ich weiß, dass ich weder die Welt, noch die Kirche noch den christlichen Glauben oder sonst was retten muss (und auch nicht kann!).

Ich weiß, dass ich damit gerade auch in konservativ-reaktionären Kreisen unserer Kirche auf wenig Gegenliebe bis Ablehnung stoße.
So what?! – Das muss ich wohl in Kauf nehmen.

Das heutige Evangelium jedenfalls ermutigt mich dazu, mich um eine gewisse Gradlinigkeit und Klarheit zu bemühen.