Für gesunde Menschen ist das ein netter Wochenendausflug. Für mich ist es eher ein kleiner Strategie‑Gipfel mit Windkraft‑Gegnern.
Erste Erkenntnis: Ohne E‑Bike? Keine Chance. Mit E‑Bike? Möglich – aber nur, wenn der Motor nicht schon beim ersten Windstoß beleidigt aufgibt.
Darum habe ich mir dieses Jahr ein E‑Bike mit einem Akku gegönnt, der gefühlt auch ein kleines Dorf beleuchten könnte: 800 Watt.
Gesunde Menschen würden damit vermutlich quer durch Europa fahren. Ich dagegen freue mich, wenn ich damit einfach mal auf „Sport“ oder – an besonders anspruchsvollen Tagen – sogar auf „Turbo“ schalten kann, ohne dass mein Post‑Covid mich sofort in die Knie zwingt.
Und siehe da: Die Tour hat geklappt. Ja, ich habe sie danach deutlich gespürt. Ja, heute ist Ruhetag. Aber ich war draußen, ich habe Natur gesehen, Wind gerochen, Wolken beobachtet – und mich ein kleines Stück frei gefühlt.
Mir ist wichtig, trotz Post‑Covid Wege zu finden, die mir Teilhabe ermöglichen. Dinge, die für Gesunde ein Klacks sind, sind für mich manchmal kleine Expeditionen. Aber genau deshalb bin ich dankbar für Technik, die mich unterstützt, statt mich auszubremsen.
Dem E‑Bike sei Dank – mein persönlicher kleiner Superheld auf zwei Rädern.
Meine Wünsche dir zu deinen Lebzeiten: glückliches Leben gute Gesundheit Zufriedenheit … und ein langes Leben
und uns eine lange weitere Freundschaft mit vielen erfüllenden Begegnungen, Gesprächen, mit deinem Humor, deinem Fein- und Tiefsinn … und so vieles mehr …
Und jetzt?
Jetzt wünsche ich dir, dass dein Weg rund war, dass du im Frieden und Einklang mit dir selbst durch deine Tage gegangen bist.
Ich wünsche dir, dass die letzten Stunden nicht dunkel waren, dass keine Angst an deiner Seite stand, keine Schmerzen deinen Atem schwer machten.
Du warst allein, als du gegangen bist — möge dennoch Nähe bei dir gewesen sein.…
Und möge es einen Ort geben, an dem wir uns wiederfinden und das Ungesagte Worte bekommt …
(c) Gerd Wittka, 11.09.2026
Stille Nacht
Bewegender Tag
Um 16.00 Uhr begann heute in unserer Krankenhaus-Kapelle die Christmette. Ich war bereits gegen 14.15 Uhr in der Kapelle, um nach dem Rechten zu sehen und erste Vorbereitungen zu treffen. Alte Plakate, die für die Adventszeit galten, mussten entfernt werden, neue Plakate z.B. über die Gottesdienstzeiten in der Weihnachtszeit usw. wurden aufgehängt. Der Florist sagte sich gegen 14.00 – 14.30 Uhr an, um die Altarblumen zu liefern. Auch er hat sicherlich Hochzeiten und war etwas in Verzug geraten. Die Begegnung mit der Mitarbeiterin an der Info war sehr nett. Als nächstes stellte ich die LED-Strahler auf, die unsere Kapelle zu bestimmten und geprägten Zeiten in eine angenehme Atmosphäre bringen. Ich habe den Eindruck, dass die Gottesdienstteilnehmer:innen das auch mögen. Es ist schon schön, wie man mit Licht für diesen Tag angemessene besinnliche Atmosphäre schaffen kann, in der auch die Krippe, der Altar und der Christbaum gut zur Geltung kommen.
Liturgie, so habe ich mal an der Universität gelernt, ist ein „heiliges Spiel“ (Prof. A. Gerhards), wobei das Spiel nicht das Wesentliche ist, aber den Teilnehmenden helfen soll, das, was wir im Gottesdienst feiern, innerlich und spirituell leichter nachvollziehen zu können. Liturgie hat also in diesem Sinne ‚dienende‘ Funktion.
Gegen 15.00 Uhr kamen dann die ehrenamtlichen Helfer:innen, die in der Sakristei aber auch bei den verschiedenen Diensten, wie Lektorendienst und Kommunionhelferdienst, helfen. Ich kann mich auf diese Personen verlassen. Sie sind zeitig da, um zum Beispiel an solchen Tagen auch zu schauen, ob und dass alle Teilnehmenden einen guten Platz finden. Dabei müssen wir natürlich auch auf sicherheitsrelevante Aspekte schauen, wie z.B. das Freihalten von Fluchtwegen. Das funktioniert aber ganz gut und wir sind ein eingespieltes Team. Deshalb bin ich sehr dankbar für diese Menschen. Sie machen mir meinen Dienst leichter. Und es ist wichtig, dass wir in der Kirche solche Menschen haben. Wir sollten mehr auf sie bauen und auf sie vertrauen. Sie geben mir manchmal auch gute und hilfreiche Ratschläge, auch inhaltlicher Art. Dankbar bin ich aber auch meinem Kollegen, Johannes Schoenen, der heute leider nicht dabei war, aber aus sehr guten und nachvollziehbaren familiären Gründen. Er hatte dafür gesorgt, dass der Christbaum und auch die Krippe wieder einen guten Platz gefunden haben. Vollständig wurde dieser Gottesdienst natürlich durch die passende und einfühlsame musikalische Gestaltung und Begleitung von Steven Beck – auch auf ihn ist Verlass, und das ist sooo gut ….!
Übrigens: Der Christbaum wurde in diesem Jahr wieder von einer Familie gespendet, da wir von der Krankenhaus-Seelsorge nicht genügend Geld haben und für diese Kosten selber aufkommen müssen. Das ist eine gute Gelegenheit, hier einmal öffentlich „DANKE!“ zu sagen für all die Menschen, die unsere Gottesdienste finanziell unterstützen und damit mitfinanieren! Denn für die Finanzierung z.B. von Blumenschmuck und Kirchenmusiker und andere Ausgaben für die Liturgie müssen wir als Krankenhaus-Seelsorger selber sorgen!
Und allmählich kamen die ersten Gottesdienstteilnehmer:innen, gut 45 Minuten vor Beginn der Christmette. Viele vertraute Menschen und ’neue Gesichter‘ gesellten sich heute zu uns. Es wird offenbar in unserer Pfarrei mehr und mehr bekannt, dass man auch in dieser Krankenhauskapelle gut Gottesdienste feiern kann.
Es wurden also Menschen placiert, manche mit Rollatoren, manche mit Rollstühlen. Sie alle sollten einen guten und sicheren Platz bekommen. Patient:innen aus dem Krankenhaus kamen dazu. Insgesamt waren wir dann im Gottesdienst etwas über 80 Personen.
War anfangs die Kapelle noch etwas kühl, wurde sie mit den Menschen immer wärmer – oder war es die heimelige Atmosphäre, die auch von den Menschen ausging? Natürlich wurden einige Fenster geöffnet, denn auch wenn wir Corona halbwegs gut händeln können, lege ich immer noch großen Wert darauf, dass wir bei solchen Gottesdiensten für eine gute Luft sorgen. Wir haben ja schließlich aus der Corona-Pandemie gelernt, nicht wahr?
Der Gottesdienst lief dann – meines Erachtens – sehr gut ab. Dabei meine ich nicht den formalen Ablauf, sondern besonders die Stimmung. Es war andächtig und festlich, und zuweilen heiter: so wie es angemessen ist, wenn wir die Geburt Jesu Christi feiern.
In unsere Gebete haben wir all die Menschen auf der ganzen Welt einbezogen, die keine fröhliche Weihnacht feiern können.
Und für mich ist es auch schon liebgewordene Tradition, dass ich in diesem Gottesdienst besonders für die Patient:innen und Mitarbeiter:innen im Krankenhaus bete, aber nicht nur für sie, sondern für alle kranken und pflegebedürftigen Menschen und für alle Menschen, die sie pflegen, ob in Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen oder auch oft außerhalb unserer Wahrnehmung in der häuslichen Pflege.
Mit vielen bekannten Weihnachtsliedern haben wir den Gottesdienst bereichert und am Ende durfte natürlich nicht das Lied fehlen, dass man eigentlich nur am Heiligen Abend singen kann: „Stille Nacht, heilige Nacht…“
Nach knapp 55 Minuten war unsere Christmette beendet und ich durfte die meisten Gottesdienstteilnehmer:innen an der Tür verabschieden; einige musste ich noch in der Kapelle abpassen, auf dem Weg zum Aufzug, z.B. diejenigen, die mit Rollatoren oder Rollstühlen zu uns gekommen waren.
Dann hieß es wieder: alles aufräumen und einpacken. Natürlich konnte ich dabei wieder auf meine Helfer:innen bauen. Doch die letzten Arbeiten, wie den Abbau der LED-Strahler habe ich dann allein gemacht. Nicht, dass man mir dabei nicht auch Hilfe angeboten hat. Aber ich mag es, dann noch mal ganz in der Stille, den Raum wahrzunehmen und beim Zusammenpacken noch einmal diesen Gottesdienst innerlich an mir vorbei ziehen zu lassen.
Plötzlich öffnete sich die Kapellentür und eine Patientin kam mit zwei weiteren jüngeren Menschen hinein. Sie meinte, dass ich mit Aufbau-Arbeit begänne, aber ich musste sie leider enttäuschen und ihr sagen, dass ich schon wieder abbaue und unsere Christmette schon vorbei sei. Ich habe sie aber dann zu unserem weihnachtlichen Gottesdienst am kommenden Samstag um 16.00 Uhr eingeladen, sofern sie noch im Hause sei. Wir haben dann noch ein paar Worte gewechselt, sie stellte eine Opferlichtkerze auf und ich konnte ihr noch das Bild, was ich während meines Impulses betrachtet hatte, mit einer kurzen Zusammenfassung in die Hand geben. Wir sprachen noch etwas über dieses Bild, bis sie dann wieder die Kapelle verließen.
Weihnachtliche Krankenhaus-Kapelle im AMEOS-Klinikum St. Clemens, Oberhausen-Sterkrade, Foto: Gerd A. Wittka, 24.12.2024
Nun war ich wieder allein in diesem Raum. Nachdem ich alle Arbeiten erledigt hatte, war auch ich ‚erledigt‘ und die Symptome meines Long-Covids schlugen wieder vollzu: Erschöpfung und Müdigkeit. Aber ich war selig und dankbar.
Ein paar Minuten setze ich mich noch in die absolut leere und stille Krankenhauskapelle und empfand nun für mich – mitten in dieser Stille – zum ersten Mal: ES IST WEIHNACHTEN!
Ich dankte Gott für diesen Nachmittag und der so schön verlaufen war und bekam eine Ahnung von dem, wenn es heißt:
„Stille Nacht, heilige Nacht!“
Alle Jahre wieder wünsche ich, dass von dem Weihnachtsfest die Stärkung der Sehnsucht der Menschen nach Frieden wachsen möge! Auch dieses Jahr wieder …
Danke
Heute, dem ersten Sonntag im Oktober begehen wir in der römisch-katholischen Kirche den Erntedank-Sonntag. Danke zu sagen – hat das Alltagskultur in unserem Leben?
Dieser Sonntag darf uns einladen, über die Dankbarkeit nachzudenken.
Dank der Schöpfung
Dank der Schöpfung leben wir, dank der Schöpfung gestalten wir sie mit – jede und jeder von uns – an jedem Tag.
Sind wir uns dessen bewusst? Alles was wir tun oder unterlassen, wirkt sich auf uns aus und auf unsere Umwelt, auf die gesamte Schöpfung, auch wenn wir zu unserer Entlastung meinen, das wir doch nur ein kleines Rädchen im Getriebe sind.
Aber auch das kleinste Rädchen, das seinen Dienst tut – oder auch nicht – leistet für das große Ganze einen Beitrag ob negativ ob positiv.
Wenn wir also heute für die Schöpfung danken, dann steht auf der anderen Seite der Medaille die Rechenschaft, die wir abzulegen haben, wie wir mit diesem Geschenk umgehen?
Danken wir Gott für die Schöpfung, dann sollten wir IHN auch immer demütig bitten, gut und verantwortlich mit ihr umzugehen.
Dank dem Leben
Dank dem Leben sind wir ins Dasein gesetzt
Dank dem Leben sind wir nicht allein leben in Beziehungen in Familien in Freundschaften
Dank dem Leben empfinden wir Freude am Leben lieben das Leben und macht uns Angst dieses Leben einst verlassen zu müssen.
Dank dem Leben schätzen wir das Leben den Augenblick die Liebe, die uns geschenkt wird und die wir schenken dürfen die Momente von Glück manchmal ganz klein nebensächlich im Alltag die Schönheit und die überwältigende Fülle an Chancen und Möglichkeiten die wir haben die Freiheit und unser Leben so gestalten zu dürfen wie es uns entspricht MEIN Leben zu leben.
Dank dem Leben tragen wir in uns eine Sehnsucht nach Leben Liebe Geborgenheit Freiheit Selbstbestimmung Selbstfindung
Dank dem Leben kämpfen wir für das Leben für die Liebe für die Freiheit
und gegen Hass Unterdrückung Diskriminierung Manipulation zur Abhängigkeit
Es gibt
so viel
zu
danken
(c) Gerd A. Wittka, 01.10.2023 Alle Bilder: www.pixabay.com
„Viel Glück …!“
Geburtstage sind für mich immer so eine Sache: da wird einmal im Jahr ein Datum besonders hervorgehoben, an dem z.B. ich das Licht der Welt erblickt haben soll. Nur weiß ich das nicht so genau, denn ich erinnere mich nicht daran. Vom Hörensagen und aus ‚amtlichen Dokumenten‘ soll ich es wissen. Warum also ein solches Bohei um einen vermeintlich bedeutsamen Tag …?
Wenn ich in diesen Tagen vermehrt auf meinen Geburtstag angesprochen werde, dann merke ich, wie mich das emotional recht wenig interessiert. Mir persönlich bedeutet jedenfalls mein persönlicher Geburtstag nicht viel. Es sei denn …?
Schönes Ritual aus der Jugendzeit
Ich erinnere mich, dass wir in meiner Jugendzeit einen Kaplan in meiner Heimatgemeinde hatten, der sehr regelmäßig Geburtstagsanrufe machte. Das war etwas ganz besonderes, denn er rief an ‚meinem‘ Geburtstag nicht nur mich an, um mir Gottes Segen zu wünschen, sondern er rief auch meine Mutter an (Vater ist ja schon seit Februar 1981 tot!). Unser Kaplan gratulierte dann sehr selbstverständlich meiner Mutter. Und das hat mir imponiert und auch mein Bewusstsein bis zum heutigen Tag über ‚meinen‘ Geburtstag geprägt.
An ‚meinem‘ Geburtstag erinnere ich mich gerne an meine Mutter, die 2018 starb. Sie hat mich ausgetragen und geboren. Meine Mutter hat das meiste zu meinem Geburtstag beigetragen als irgend ein anderer Mensch. Dafür bin ich dankbar, wenn der Kalender das Datum ‚meiner‘ Geburt aufruft.
Zu ihrem Lebzeiten habe ich meiner Mutter an ‚meinem‘ Geburtstag gratuliert; heute bleibt mir nur, ihr dankbar zu sein.
Jeder Tag ist Geburtstag – oder fast jeder Tag ist ‚Nicht-Geburtstag‘
Seit langem versuche ich, bewusst jeden Tag meines Lebens mit Dank zu beginnen, wenigstens einen kurzen Augenblick, zum Beispiel, wenn der Wecker schellt. Jeder Tag ist für mich ein Geschenk, an dem ich – hoffentlich – abends, wenn ich mich zur Ruhe begebe, auch dankbar sein kann.
Mit meinem fast vollendeten 60. Lebensjahr wurde ich auf ein Lied aufmerksam, dass ich so wunderbar treffend finde und mir ein Freund vorgespielt hat.
Ich möchte es deshalb heute hier zum Nachsehen, -hören und denken von youtube verlinken:
Ich finde diesen Song witzig und treffend, wenn es darum geht, jeden Tag neu als Geschenk anzunehmen … und das möchte ich gerne auch in Zukunft können.
Alle Bilder gefunden bei www.pixabay.com
Erschöpft und dankbar
Nun kann Weihnachten kommen
Die Wochen vor Weihnachten, die Adventszeit sind für mich als Krankenhaus-Seelsorger einer der Hochphasen meiner täglichen Arbeit. Und in dieser von Corona gezeichneten Zeit in ganz besonderer Weise, denn in den Krankenhäusern bestehen immer noch ziemlich strenge Vorgaben, was die Corona-Infektions-Vorsorge angeht.
Im Johanniter-Krankenhaus in Oberhausen, wo der Schwerpunkt meiner seelsorglichen Arbeit ist, dürfen wir in der Krankenhaus-Kapelle noch immer keine gemeinschaftlichen Präsenzgottesdienste feiern. Der Raum ist einfach zu klein. Seit 2020 gestalten wir von der evangelischen und katholischen Krankenhaus-Seelsorge deshalb die Kapelle als einen ‚geistlichen Erfahrungsraum‘ – und das bedarf einiger Vorbereitungen und auch einiges an konkretem Aufwand.
Ökumenische Geschwisterlichkeit
»Gott sei Dank!« – und das schreibe ich hier mal ganz bewusst – gibt es, seit dem ich in diesem Krankenhaus meinen Dienst tue, eine hervorragende ökumenische Zusammenarbeit. »Und alles war ihnen gemeinsam …«(vgl. Apg 4,32) ist ein Motto, was uneingeschränkt für die Ökumene in diesem Haus gilt. Meinem früheren evangelischen Kollegen, Pfarrer Falk Nerenz, und meiner jetzigen evangelischen Kollegin Melanie Gehrke-Marolt, bin ich dafür grenzenlos dankbar!
So war also auch die diesjährige Adventszeit und die Vorbereitung auf Weihnachten ganz und gar ökumenisch geprägt. Dabei laufen alle Aktivitäten und Vorbereitungen (über die ich jetzt nicht ausführlich berichten kann, weil sonst der Artikel zu lang würde), auf die Tage vor Weihnachten hinaus. Und am letzten Tag vor Heiligabend kommt dann die gemeinsame Aktion, wo wir alle Kraftanstrengungen noch einmal bündeln müssen: der Besuch auf den Stationen, bei den Mitarbeitenden und den Patient:innen des Hauses!
Ja, du hast richtig gelesen: Wir besuchen alle Patient:innen, die noch am 23.12. im Haus sind. Und in unserer Psychiatrie, die mittlerweile sechs Stationen umfasst, sind alle Stationen bis auf den letzten Platz gefüllt, so scheint es mir zumindest.
Das ist eine Mammut-Aufgabe, eine Kraftanstrengung, die ich mental und körperlich vorher gut vorbereitet haben muss. Denn am Ende – und das weiß ich aus Erfahrung – werde ich wieder ziemlich erschöpft sein.
Und so war es auch gestern wieder. In diesem Jahr konnten wir den Patient:innen ein kleines Geschenk machen, weil wir finanziell dafür den Rücken freigehalten bekommen haben (wofür wir sehr dankbar sind). Es gab für jede/n Patient:in einen kleinen Olivenholz-Anhänger, der die weihnachtliche Krippenszene darstellte. Wir haben nicht gezählt, wie vielen Patient:innen wir dabei begegnet sind, aber gefühlt waren es insgesamt gut 180 Personen, aufgeteilt auf zwei Seelsorgenden. Das sind pro Person gut 90 Begegnungen, die zwar kurz und knapp, aber deshalb nicht weniger intensiv waren.
Krippen-Baumanhänger für Patient:innen, Foto: Gerd Wittka
Denn das bedeutete, in wenigen Augenblicken und mit wenigen Worten ein Geschenk und einen weihnachtlichen Gruß zu überreichen, der für die beschenkten Personen möglichst ein erhellender Augenblick in ihrem Klinikaufenthalt war.
Leuchtende Augen und frohe Gesichter
Auch wenn es sehr anstrengend war: Wir haben nicht nur ein kleines Geschenk und unsere Weihnachtswünsche ausgesprochen, sondern haben fast immer auch etwas zurückbekommen: leuchtende Augen, frohe Gesichter und das Gefühl, den Menschen eine kleine Freude bereitet zu haben. Und das ist immer aller Mühe wert.
Am Ende des Tages – und das weiß ich vorher – bin ich immer ziemlich erschöpft und muss mich erholen: für den heutigen Tag, an dem ich dann die Christmette feiern darf und anschließend noch Patient:innen im anderen Krankenhaus die weihnachtliche Kommunion bringen kann.
Diese Erholungsphase muss ich vorher sorgsam einplanen, sonst kann ich solche anstrengenden Phasen nicht gut überstehen.
Der Heiligabend am Morgen
Jetzt, am 24.12. um 08.00 Uhr morgens, merke ich immer noch die Anstrengungen in meinen Knochen. Aber ich bin glücklich und zufrieden. Glücklich und zufrieden, dass – bis auf ganz wenige Ausnahmen – wir ein so positives direktes feedback erhalten haben. Und ich bin glücklich und zufrieden, dass ich auch sorgsam diese Zeit vorbereitet hatte und auch mit mir selbst fürsorglich umgegangen bin.
Die Erfahrungen aus den vergangenen Jahren waren mir dabei eine große Hilfe.
Adventliche Gestaltung der anderen Krankenhaus-Kapelle, Foto: Gerd Wittka
Heute, für die Christmette im anderen Krankenhaus, ist schon seit letzte Woche alles gut vorbereitet gewesen. Der Gottesdienst stand schon am 4. Adventssonntag. Das ist wichtig, damit z. B. auch der Organist sich mit der Musik gut darauf vorbereiten kann. Etwa zwei Stunden vor dem Gottesdienst werde ich dann in der Kapelle sein, um auch diesen Gottesdienst vorzubereiten. Eine Lichtanlage zur Illuminierung des Altarraumes muss noch aufgebaut werden.
Mein Kollege vor Ort hat nun auch die Krippe und den Christbaum aufgebaut. Es ist wieder herrlich geworden. Und vielleicht werde ich davon auch noch Bilder präsentieren können. Etwa 45 Minuten vorher will ich alles vorbereitet haben, damit ich auch noch etwas Puffer wegen meines Reizdarmes habe, der mir natürlich auch noch immer wieder in die Quere kommen kann. Aber auch da bin ich kein Einzelkämpfer, sondern der katholische Seelsorger in diesem Haus und auch ein Herr, der ehrenamtlich dort bei den Vorbereitungen des Gottesdienstes (Küsterdienst) hilft, sind unverzichtbar für das Gelingen dieses Gottesdienstes.
Und wenn dann die Christmette vorbei ist und wir noch dem einen oder der anderen Patient:in auf der Station die weihnachtliche Kommunion gereicht haben, werde ich wohl wieder ‚erschöpft und dankbar‘ nach Hause zurückkehren. Und dann freue ich mich auf einen geruhsamen Abend an Heiligabend, den ich alleine verbringen werde. Diesen Abend alleine zu verbringen, ist aber etwas sehr Gutes und Schönes für mich. Und das nicht nur, weil ich mich dann etwas erholen kann, sondern weil ich mich selber an diesem Abend dem Geheimnis der heiligen Nacht stellen kann und darf. Ich freue mich darauf, wenn dann auch bei mir weihnachtlicher Friede einkehren kann und ich mit dankbarem Herzen die Geburt unseres Herrn und Erlösers Jesus Christus in aller Ruhe und Stille feiern darf!
Nachspann:
Hier die versprochenen Bilder aus der zweiten Krankenhaus-Kapelle.