Pfingsten 2026

Fresco s.X. Iglesia de San Jakobus en Urschalling, Alta Baviera Alemania -Unbekannter Autor – Unknown author, Public domain, via Wikimedia Commons

Impuls: (Bezug – 2. Lesung vom Pfingstsonntag, 1 Kor 12ff)

Wir schreiben das Jahr 1 der Großpfarrei St. Clemens Oberhausen.
Heute feiern wir Pfingsten, das Fest, das oft als Geburtsfest der Kirche bezeichnet wird. Die Lesung, die wir gehört haben, macht deutlich, was Kirche im Kern ausmacht. Ohne diese Wesenszüge, so möchte ich behaupten, gibt es keine Kirche.

Christus als Mitte

Paulus nennt zuerst das Bekenntnis zu Jesus als dem Herrn.
Kirche entsteht dort, wo Menschen an Jesus Christus glauben und ihn als Herrn ihres Lebens bekennen.

Das heißt nicht nur, ein Gedanke oder eine Theorie zu teilen, sondern Christus den Mittelpunkt von Denken, Reden und Handeln werden zu lassen. Christus soll in unserem Leben groß werden dürfen.

Für uns hier in Oberhausen heißt das konkret: Bei allen Fragen, wie wir als Kirche vor Ort sichtbar sein wollen, müssen wir uns immer wieder vergewissern, ob Christus wirklich das Zentrum bleibt?

Diese Frage ist die wichtigste:
Was bedeutet es für uns hier in Oberhausen, an Christus zu glauben und allein ihn zu verkündigen?
Alles andere ist mindestens zweitrangig.

Kirche ist Vielfalt

Bild: Gerd Altmann auf www.pixabay.com

Paulus spricht von verschiedenen Gnadengaben, verschiedenen Diensten, verschiedenen Kräften. Vielfalt ist kein bloßes Schlagwort; sie fordert uns heraus.
Sind wir bereit, diese Vielfalt in unserem Gemeindeleben zu akzeptieren?
Oder lassen wir zu oft bestimmte Vorstellungen, Vorlieben einzelner Gruppen oder Gremien bestimmen, wie Gemeinde zu sein hat?

Ich erlebe, dass in manchen Zirkeln intensiv darüber nachgedacht wird, was in unserer Pfarrei geschehen kann und sollte. Gleichzeitig gibt es schon viele Initiativen und Formen des Glaubenslebens, die oft nicht ausreichend wahrgenommen oder gewürdigt werden. Vielfalt möglich zu machen, bedeutet Mut: den Mut, das Fremde zuzulassen und ihm eine Daseinsberechtigung zu geben.

Vielfalt heißt nicht Beliebigkeit. Ein zentrales Kriterium bleibt das Glaubensbekenntnis zu Jesus Christus. Alles, was wir tun, muss an diesem Maßstab gemessen werden.

Nutzen und Auferbauung der Gemeinde

unbekannter Autor – www.pixabay.com

Ein weiteres, für mich sehr wichtiges Kriterium ist: Alles, was die Gemeinde tut, muss anderen nützen. Diese Einsicht hat mich in meiner Studienzeit tief geprägt. Paulus betont, dass besonders Gottesdienste und alles Gemeindliche der Auferbauung der Gemeinde dienen sollen.
(vgl. 1.Korinther 14,12)

Das ist ein klares Prüfmaß: Dient eine Initiative, ein Angebot, ein Projekt dem Nutzen der anderen und der Stärkung unserer Gemeinschaft?
Wenn nicht, dann ist es nicht im Sinne des Paulus und nicht im Sinne des Heiligen Geistes. Der Geist weht, wo er will — nicht dort, wo wir ihn gerne hätten.

Für Oberhausen bedeutet das: Wir brauchen Kriterien, an denen wir messen, was wir fördern und was wir lassen.
Und wir brauchen den Mut, Neues wachsen zu lassen und seine Früchte abzuwarten.

Mut zur Förderung guter Früchte

Es reicht nicht, Initiativen nur zu dulden.
Wenn wir erkennen, dass etwas gute Früchte trägt, dann sind wir gefordert, diese Initiativen aktiv zu unterstützen und wertzuschätzen.
Das heißt: Entscheidungen treffen, die den Fortbestand fördern.
Nicht aus Besitzstandswahrung, sondern aus Sorge um das Gemeinwohl.

(vgl. Matthäus 7,16-20, https://www.bibleserver.com/EU/Matth%C3%A4us7%2C16-20 )

Gleichzeitig gilt:
Nichts in der Kirche ist für alle Ewigkeit unverändert festgeschrieben; das Zweite Vatikanische Konzil hat dies mit dem Grundsatz ‚ecclesia semper reformanda‚ bekräftigt: Die Kirche muss sich fortwährend an der Botschaft des Evangeliums messen und sich erneuern.
Erneuerung heißt auch, Vergangenes loszulassen, das seine Zeit gehabt hat; Reform ist kein passives Geschehen und darf nicht zum Selbstzweck werden.
Reformieren bedeutet nicht, Neues um des Neuen willen einzuführen, sondern dort lebendig Neues zu wagen, wo das Alte dem Leben nicht mehr dient, sondern nur noch sich selbst erhält — und solche Selbstzwecke gibt es in der Kirche noch genug.

Praktische Konsequenzen für Oberhausen

Was folgt daraus konkret für uns?

  • Zentrum klären: Immer wieder neu fragen, ob Christus das Zentrum unseres Handelns ist.
  • Vielfalt ermöglichen: Räume schaffen, in denen unterschiedliche Gaben und Dienste wachsen können.
  • Nützlichkeit prüfen: Angebote daran messen, ob sie der Auferbauung der Gemeinde dienen.
  • Fördern statt nur dulden: Gute Initiativen nicht nur zulassen, sondern aktiv unterstützen.
  • Bereit sein zu verändern: Altes loslassen, wenn es dem Evangelium nicht mehr dient.

Diese Schritte verlangen Entscheidungen, manchmal auch Unbequemes. Sie verlangen Mut, Geduld und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.

Ein persönliches Wort

Ich habe in meinem Leben oft erlebt, wie zarte Pflänzchen des Glaubens erst Zeit und Raum brauchten, um Früchte zu tragen. Manchmal genügte ein ermutigendes Wort, eine kleine finanzielle Unterstützung oder die Zusage, einen Raum zur Verfügung zu stellen. Solche Gesten sind keine großen politischen Manöver — sie sind Ausdruck der Sorge füreinander und der Bereitschaft, das Reich Gottes konkret werden zu lassen.

Wenn wir in Oberhausen Kirche sein wollen, dann nicht als Festung des Bewahrens, sondern als Feld, auf dem der Heilige Geist weht und Leben hervorbringt. Das verlangt, dass wir uns immer wieder fragen: Wem nützt das, was wir tun? Baut es die Gemeinde auf? Ehrt es Christus?

Schluss

Pfingsten erinnert uns daran: Kirche lebt vom Geist, von der Mitte in Christus, von der Vielfalt der Gaben und vom Dienst am Nächsten. Wenn wir diese Grundwahrheiten beherzigen, dann können wir mit Zuversicht in die Zukunft unserer Großpfarrei gehen.

Lassen wir den Heiligen Geist wehen.
Lassen wir Christus wachsen.
Und lassen wir die guten Früchte reifen, damit wir als Gemeinde in Oberhausen sichtbar und lebendig Zeugnis geben können.




Individuelle organische Vielfalt

Oder: von den „Wohnungen im Hause Gottes“ (vgl. Johannes-Evangelium 14, 1-12)

Impuls zum 5. Sonntag der Osterzeit – Lesejahr A – 2023

Wer in letzter Zeit eine Wohnung gesucht hat, weiß ein Lied davon zu singen:
Der Wohnungsmarkt ist hart umkämpft.
Bei der Suche nach einer geeigneten Wohnung, ob als Eigentum oder zur Miete, muss man viel Geduld mitbringen.
Angebracht ist es auch, keine zu konkreten Vorstellungen von seiner Traumwohnung zu haben.

Die Werbung verspricht nicht selten das „Blaue vom Himmel“ mit Zusätzen wie:

Wer sich auf die Suche nach einer Wohnung macht, die fast exakt auf die eigenen Vorstellungen und Bedürfnisse zugeschnitten ist, wird jedoch enttäuscht werden: entweder gibt es eine solche Wohnung nicht oder sie ist unbezahlbar.

Also bleibt einem kaum was anderes übrig, als sich einzuschränken, wenn man nicht gleich selber bauen will. Aber auch das ist bei den steigenden Zinsen für viele momentan kaum möglich.

Ist man dann in seiner Wohnung, wird man sich entweder mit den Zuständen arrangieren müssen oder man wird hier und da merken, dass es nicht so richtig passt.
Schnitt oder Größe sind nur suboptimal.

Da muss man doch bei Sätzen wir: „In meines Vaters Haus gibt es viele Wohnungen!“ „Ich gehe, um für euch einen Platz vorzubereiten!“ skeptisch werden!!!

Ein Bekannter vertritt im Hinblick auf Werbeaussagen oft den Standpunkt: „Es ist immer das Gegenteil von dem, was versprochen wird!“

Vielleicht ist dieser Standpunkt arg skeptisch oder pessimistisch. Aber die Erfahrungen lehren uns, dass diese Haltung nicht immer falsch ist.

Im heutigen Evangelium gibt es – ich drücke es mal flapsig aus – auch solche ‚Werbeaussagen‘ für zukünftige Immobilien.

Voranschicken muss ich zum besseren Verständnis, dass dieses Evangelium und seine Aussagen sehr oft zu einseitig verstanden werden.
Die Wohnungen, von denen da berichtet wird, bezieht sich nicht in erster Linie auf unsere Bleibe nach unserem irdischen Leben, auch wenn dieser Schrifttext gerne bei Beerdigungen benutzt wird.
Dieser Text möchte viel stärker einen Bezug auf das Hier und Jetzt legen.

Was ist also die Botschaft des heutigen Evangeliums?

  1. Viele Wohnungen = Platz für jeden, zumindest für viele? Es wird nicht an Wohnungen mangeln…!
  2. Einen Platz für euch vorzubereiten! – Bedeutet dass, dass das keine 08/15-Fertigbauweise, kein sozialistischer Plattenbau ist. Der Ort wird erst noch für mich geschaffen? Wird er dann meinen Bedürfnissen und Erfordernissen gerecht werden?
    Oder dürfen wir so nicht fragen?!

Heute, als ich auf dem Behandlungsstuhl beim Zahnarzt saß, kam mir ein Gedanke, den ich interessant fand:

Kennen Sie Häuser und andere Gebäude von Friedensreich Hundertwasser?! –
Genau dessen Gebäude kamen mir in den Sinn, als ich über das Evangelium nachdachte.


Die Häuser Hundertwassers sind nicht am Reißbrett entstanden. Man hat eher den Eindruck, sie sind aus dem Boden gewachsen.
Die organischen Formen, die vielen unterschiedlichen Fenster und Türen, kunstvolle Ornamente und Schmuckelemente, die ebenfalls wie gewachsen sind und alle Farben der Natur sind in vielen seiner Gebäude zu finden.
Es gibt quasi kaum lineale oder rechte WinkelFormen.

So, wie Hundertwasser Häuser gestaltet hat, so charakteristisch stelle ich mir die vielen Wohnungen vor, die Jesus für uns bereitet.

Für sich allein betrachtet, erscheint jede Wohnung und die Wände, Fenster und Türen darin ganz individuell. Damit werden die Wohnungen auch zum Sinnbild unserer gottgewollten Individualität. Gott möchte keine uniformen Menschen!

Jede Wohnung in den Hunderwasser-Häusern fällt nicht aus dem Rahmen und wirkt nicht störend!
Sondern die Vielfalt der verschiedensten Wohnungen in Form und Farbe ergeben in ihrer Gesamtheit ein harmonisch wirkendes Gebäude.
Man kann sich nicht sattsehen an der Fülle und Einzigartigkeit der verschiedenen Elemente!

Hundertwasser-Häuser können für mich deshalb ein Bild für die Kirche Jesu Christi bilden:

Kirche als ein Gebilde, das einen recht organischen Rahmen für die Gemeinschaft bildet.
Aber dieses Gebilde ist in der Gesamtheit nicht nach „Schema F“ erbaut, sondern sein Gesamtbild wird geprägt durch die einzelnen individuellen Wohnungen im Haus, sowohl außen wie innen.

Manchmal denke ich, dass Jesus mit seiner Vision von „Haus meines Vaters mit den vielen Wohnungen“ Inspirator für die Gestaltung der Hundertwasser-Häuser gewesen ist!

Denn genau so stelle ich mir Kirche vor: als eine bunte und individuelle Gemeinschaft von Individuen, die in der Summe ein recht spannendes, kreatives und inspirierendes Haus ergeben, dessen Schlussstein Jesus Christus selber ist, der alles zusammen hält.

Und wenn ich hier in die Runde schaue, dann finde ich, dass wir in unserer Gemeinschaft versuchen, ein solches Haus zu bilden.

Möge unsere Gemeinschaft auch in Zukunft zu einem Haus werden für jene, die ihre Individualität als Geschenk und als Reichtum der Gemeinschaft empfinden und sich hier geboren und angenommen wissen.




Trauer um Transmann Malte C.

Bild von Ulrike Leone auf Pixabay

Er wurde Opfer seiner Zivilcourage

Am Rande des Christopher-Street-Day Münster am 28. August 2022 zeigte der 25-jährige Trans-Mann Malte C. Zivilcourage, als drei Frauen homofeindlichen Angriffen ausgesetzt waren.

Dabei wurden Malte C. selber massive Kopfverletzungen zugefügt.
Nach mehreren Notoperationen lag er im Universitätsklinikum Münster im Koma und ist heute an seinen Verletzungen gestorben.



Mich erschüttert diese Nachricht sehr.

Noch beim ökumenischen Gottesdienst zum Ruhr-Pride Essen Anfang August haben wir auf die Vielfältigkeit (Diversität) von verschiedensten Sexualitäten aufmerksam machen wollen und sind für eine neue, achtsame und respektvolle Wahrnehmung eingetreten.

Wie wichtig dieser Einsatz ist, zeigt in tragischer und erschütternder Weise der Tod von Malte C.!

Als katholischer Seelsorger setze ich mich mit deutlicher Vehemenz für die Achtung und Anerkennung sexueller und geschlechtlicher Diversitäten ein!

Flags diverser Sexualitäten – Bild von Loke auf Pixabay

Viel zu lang leiden Menschen darunter, dass ihnen ihre eigene geschlechtliche Identität streitig gemacht wird und sie deshalb diskriminiert und verfolgt oder gar Opfer grausamer Gewalttaten werden!

Meine Mitgefühl und meine Solidarität gilt den Familienangehörigen und Zugehörigen und Freund:innen von Malte C.!

Bild von Kanenori auf Pixabay

Er hat seinen Weg über den Regenbogen getan. Möge er in Frieden ruhen!