Wieder Männer

Bild von Olena auf Pixabay

Wieder und wieder
stehen sie da,
mächtige
Männer,

die mit ihren Fingern
an Landkarten zerren,

Grenzen verschieben
wie Spielsteine,
als ginge es
um nichts weiter
als ein Brettspiel
an einem verregneten Nachmittag.

Wieder und wieder
sind es diese
mächtigen Männer,
die Kriege anzetteln,

als wären sie Funken,
die man leichtfertig
in trockenes Gras wirft.

Doch brennen
tun andere.

Nicht sie.
Nie sie
!

Es sind die Unschuldigen,
deren Blut

in den Straßen versickert,
deren Namen
in Listen verschwinden,
deren Kinder
nachts aufschrecken

und niemanden mehr haben,
der sie hält.

Es sind die Alten,
die nicht mehr fliehen können,

die Mütter,
die ihre Söhne begraben,
die Väter,
die verstummen,

weil Worte
nicht mehr reichen
für das,
was ihnen genommen wurde.

Wieder und wieder
sind es
mächtige Männer,
die Kriege anzetteln
und sich selbst
vor jedem Funken
in Sicherheit bringen.

Sie sitzen
wohlbehütet
in Palästen,
in Bunkern,

in Konferenzräumen
mit schweren Türen,
spielen Golf
auf grünen Wiesen,

während anderswo
die Erde
von Bomben
aufgerissen wird.

Sie schicken andere
an die Front,
andere
in den Tod,
andere
in das namenlose Leid,
das sie selbst
nicht einmal
anzusehen wagen.

Bild von Lola Anamon auf Pixabay

Wieder und wieder
sind es
f e i g e
Männer,

die Stärke predigen
und Schwäche säen,
die Ehre beschwören
und Schande bringen,
die von Vaterland reden
und doch
die Kinder des Landes
opfern.

Und wir stehen da,
fassungslos,
ohnmächtig,
fragend,
warum die Welt
immer wieder
unter den gleichen
Schritten zerbricht.





Heilige Woche

Palmsonntag –

Ein Tag in einer Stadt voll Hitze.
Menschen strömen durch die Straßen Jerusalems,
und Jesus, der auf einem Esel sitzt,
wird von Jubel und Anerkennung getragen.
Kleider und Zweige liegen auf dem Pflaster –
eine einfache Einladung,
ein stiller Applaus für den, der anders ist.

Gründonnerstag –

Am Tisch, der mehr als nur Essen teilt,
versammelt sich eine Gruppe, die noch nicht weiß,
dass dies ein einmaliger Moment ist.
Brot, Wein und leise Worte werden zum Abschied,
das letzte gemeinsame Mahl mit den Vertrauten,
ohne zu ahnen, wie sehr sich alles verändern wird.

Karfreitag –

Dann kommt der Augenblick,
der alles in Bewegung setzt.
Ein Verrat, der in den Gesichtern
ein falsches Lächeln trägt,
und Jesus geht einen Weg,
den er längst vorhergesehen hat –
einen Weg voller Schmerzen
und Momenten voller Hohn
Leugnung und Tränen.

Unter den kritischen Blicken,
inmitten von Spott und Ablehnung,
sind da auch leise Akte der Menschlichkeit:
Frauen, die am Straßenrand weinen,
und Veronica,
die ihm ein Schweißtuch reicht,
als stumme Geste, als Versuch,
den Schmerz erträglicher zu machen.

Zum Schluss stehen nur die ganz Treuen:
Maria, die mütterlich schweigend aushält,
Maria von Magdala,
die mehr sieht als nur den Moment,
und Johannes,
dessen stille Nähe mehr sagt als Worte.
Und während das Leben an IHM zu zerbrechen scheint,
hallt leise ein Satz durch die Menge –
ein Soldat, der erkennt:
„Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn!“

Doch hier endet die Geschichte nicht.

Karsamstag –

der Tag der Grabesruhe,
ist kein leiser, endgültiger Abschied,
sondern das Versprechen eines neuen Anfangs.
Denn am Ende hat das Leben
das letzte Wort –
eine Auferstehung, die alle Schatten vertreibt,
ein Beweis,
dass das Licht
immer
über den Dunkelheit triumphiert.

© Gerd A. Wittka, 12.04.2025