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Papst Franziskus, zitiert nach: https://www.vaticannews.va/de/papst/news/2022-08/papst-franziskus-tweet-dialog-zuhoeren-schweigen-heilung-herz.html

Dieses Wort habe ich heute Morgen nach der Laudes gelesen.

Es traf mitten in meine Erfahrungen als Seelsorger in einer Psychiatrie.

Immer wieder erlebe ich, dass die Augenblicke, wo wir – beide Gesprächspartner – im Gespräch schweigen, keine leeren Augenblicke sind.
Es ist ein Verweilen, ein Hineinhorchen bei dem, was die andere Person gesagt hat.
Und in diesem Verweilen und Hineinhorchen geschieht auch etwas bei mir.
Die gehörten Worte bewegen bestenfalls etwas in mir.
Gedankliche Reaktionen, aber auch Gefühle und Bilder steigen in mir auf.

Das sind alles GESCHENKE, die mein Gegenüber mir durch seine Worte schenkt.
Dieses Geschenk wertschätzend anzunehmen, das ist eine Übung, die manchmal nicht leicht ist, vor allem, wenn das Gehörte mich persönlich innerlich bewegt, erregt, verärgert.
Und dieses Bewegung, Erregung und Verärgerung kommen nicht in erster Linie als Reaktion auf mein Gegenüber sondern als Reaktion auf das, was ich gehört habe.
Solche Verärgerung ist bei mir nämlich oft auch empathische Solidarisierung mit dem, was ich von meinem Gesprächspartnern erfahren habe.
Ihre Erzählungen, ihre Erfahrungen und Lebensgeschichte lassen mich nicht unberührt.
Natürlich ergeben sich auch Augenblicke von solidarisierender Freude oder auch Traurigkeit.

All dieses Dinge dürfen bei mir sein – ich muss mich ihrer nur bewusst werden!

Denn diese Reaktionen, die ein Gespräch bei mir auslösen, müssen weiterhin hilfreich sein für unser Gespräch, für unsere Begegnung.
Sie dürfen mich nicht blockieren, oder – wie Papst Franziskus es formuliert – zur „Sturheit“ führen.

Meine Aufgabe als Seelsorger ist es, dass das Gespräch und die Begegnung möglichst im Fluss bleiben kann.
Und ja: das ist nicht immer einfach, manchmal sogar unmöglich.
Auch das ist erst einmal nicht schlimm.

Schlimm wird es nur für das Gespräch und die Begegnung, wenn ich es als professioneller Seelsorger nicht merke.

Deshalb ist auch das Schweigen, von dem Franziskus spricht, in solchen Gesprächen existentiell wichtig.
Denn das Schweigen ist nicht nur einfach eine Zäsur, sondern es gibt mir Zeit, von mir und meinen Reaktionen etwas Abstand zu nehmen, auf sie zu schauen, sie zu betrachten und zu reflektieren.

Die Kunst der Reflexion, besonders der Selbstreflexion, innerhalb eines Gespräches ist immens wichtig.
Dafür bedarf es Gesprächspausen und auch gemeinsames Schweigen.

Es steckt – wenn man es recht bedenkt – ganz viel Wahrheit in dem Sprichwort:




Kairos

Foto: Gerd A. Wittka, 19.01.2026

Manchmal
braucht es den ‚richtigen Kairos‘,
den günstigen,
den entscheidenden,
den ‚richtigen‘
Augenblick.

Das lehrt mich dieses Situation,
die ich schnell im Bild festgehalten habe.

SEIN
Gesicht wird von der Sonne
fokussiert
angestrahlt.
Nur in diesem Augenblick
stehen die Ikone
und die Sonne
im richtigen Winkel,‘
um
SEIN Gesicht
zum leuchten zu bringen

… und in diesem
Moment
zieht diese Ikone
zieht ER
meine
Aufmerksamkeit
auf sich!

Und ich
antworte
entzünde eine Räucherkerze
IHM zu Ehren.

Es ist so,
als würde ER
mich lehren:

Alles zu seiner Zeit!
Hab‘ Geduld,
es kommt
der ‚richtige Kairos‘

(Gerd A. Wittka, 19.01.2026)




Kalter Stein …

auf der Brust



Manchmal, da bekomme ich es auch mit der Angst zu tun.
Wer kennt das nicht?

Manchmal bringen mich Umstände aus der Fassung, geben mir das Gefühl, einer Situation ausgeliefert zu sein.

Manchmal versagt meine Strategie, die Zügel in der Hand zu halten, eine Situation als berechenbar zu empfinden.
Manchmal habe ich das Gefühl, die Kontrolle zu verlieren und ohnmächtig zu sein gegenüber Zuständen und Situationen, die mich betreffen.

Und dann bekomme ich sie zu spüren, diese innere Unruhe, wie ein bebendes Kribbeln in meinem ganzen Körper.
Und sie schlägt mir auf Magen und Darm, dann habe keinen Appetit.

Manchmal würde ich mich verkriechen, doch auch dort ist diese Angst und Unruhe, der ich nicht ausweichen kann, als würde sie an mir kleben!

Ich hasse dieses Gefühl.
Ich hasse es, mich hilflos und ausgeliefert zu fühlen.
Ich hasse es, meine innere Stabilität und mein Ausgeglichenheit zu verlieren.

Und dann dieses bedrückende Gefühl auf der Brust, wie ein kalter Stein, der auf meiner nackten Brust liegt, sich hineindrückt Richtung Herz.

Das macht mich dann irgendwie kirre.

Vor einige Zeit fand ich diesen Stein am Strand. Ich nahm ihn auf und legte ihn in meine Hand …

(c) Gerd A. Wittka, 2024

Und wie ich ihn so in der Hand halte, merke ich auf einmal, dass er genau in meine Handinnenfläche passt, wie eine PC-Mouse, wie für MICH gemacht.
Da erinnerte ich mich an das Gefühl von dem kalten Stein auf meiner Brust und dieser Strandstein wurde für mich zum Symbol, dass ich diesen Stein in die Hand nehmen kann, ihn umfassen kann, ihn und meine Ängste ‚händeln‘ kann …

(c) Gerd A. Wittka, 2024

… dann verliert das Gefühl des ‚kalten Steins auf meiner Brust‘ seine Bedrohung für mich …

(c) Gerd A. Wittka, 2024

Seitdem begleitet er mich und irgendwie ist es gut für mich, dass es ihn gibt.


Übrigens:

Wenn die Ängste wieder im mir hoch steigen, versuche ich im Neuen Testament zu lesen, meine Aufmerksamkeit auf Gott und seine liebende Gegenwart zu lenken.
Ich bitte ihn dann, dass ER mich und meine Ängste annimmt, dass ER mich in der Angst und durch die Angst trägt.
Es klappt nicht immer sofort; ich brauche dafür Ausdauer und Geduld, Geduld, die manchmal auf eine große Probe gestellt wird.

Aber bis jetzt habe ich – wenn auch nach vielen Stunden – die bedrohliche Angst überwunden und meine innere Mitte gefunden.

Was hilft dir, mit deinen Ängsten besser umzugehen? Welche Strategien hast du? Auf welche Ressourcen kannst du zurück greifen?
Schreibe es gerne als Kommentar!