Falsche Frömmigkeit

oder: wenn jemand die Religion für seine Macht missbraucht

Manche erinnern sich an das – für mich verstörende – Bild, wie Donald Trump sich vor der Kamera von über einen Dutzend evangelikaler AmtsträgerInnen ’segnen‘ ließ.
Wenige Tage später zieht Trump in den Krieg gegen den Iran, eigenmächtig, ohne sich mit Verbündeten aus EU und NATO zu besprechen, geschweige denn zu beraten.
Denn: nein, ein Donald Trump, selbstherrlich und egomanisch wie er nun mal zu sein scheint, hat das ja offenbar nicht nötig.

Dort heißt es in den Versen 28 und 29:

Und anschließend bezieht Jesus diesen Vergleich explizit auch auf die Absicht, in einen Krieg ziehen zu wollen.

Jetzt ist genau das geschehen:
zwar hinter vorgehaltener Hand, lacht man über Donald Trump, man verspottet ihn und nimmt ihn jetzt erst recht nicht mehr ernst.

Bild von Pascal auf Pixabay

Besonders profitiert dabei z.B. Putin über diesen irrsinnigen Krieg Trumps gegen den Iran.
Putin kann sich genüsslich zurück lehnen: Die Ukraine und sein völkerrechtwidriger Angriff gegen die Ukraine ist von den Schlagzeilen etwas verdrängt worden. Die Ölpreise steigen und Putin kann noch mehr Geld in seine Kriegskasse scheffeln.
Putin muss Trump nur machen lassen, denn Trump unterstützt – gewollt oder ungewollt – offensichtlich das miese Geschäft anderer Kriegstreiber und Verbrecher.

Erst gestern sprach ich mit ganz normalen Menschen, wie du und ich.
Sagte eine Frau zu mir: „Als ich von dem Angriff gegen den Iran hörte, schoss es mir gleich durch den Kopf: ‚die Straße von Hormus'“
Ganz normale Menschen wissen um die strategische immens wichtige Bedeutung der Straße von Hormus für den Iran.
Sollte der Präsident der USA nicht einmal um dieses strategische Basiswissen verfügen?
Wenn ja, dann ist er es nicht wert, Präsident einer solch großen Nation zu sein!
Und wenn er es weiß, dann stellt sich doch die Frage, ob nicht ganz andere persönliche Absichten hinter diesem irrwitzigen Tun stecken?

Auch seine vermeintliche ‚Kritik an NATO-Staaten‘:

Ist Trump wirklich so dumm, dass er nicht verstanden hat, was die NATO von ihrem Wesen her ist: Ein VERTEIDIGUNGSBÜNDNIS ?!
Die NATO ist keine Gemeinschaft von Staaten, die Angriffskriege unterstützen!

Sollte Trump wirklich so dumm sein, das nicht zu wissen oder zumindest so dumm sein, das zu ignorieren?!
Ist Trump wirklich nicht bewusst, dass sein Angriff auf den Iran völkerrechtlich mindestens fragwürdig, wenn nicht sogar völkerrechtswidrig ist?
Und wenn dieser Angriff völkerrechtswidrig ist, ist dann Trump nicht besser als Putin?

Man kann es drehen und wenden wie man will: der derzeitige Präsident der USA wird wohl in die Geschichte eingehen, als der unfähigste Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
Und seine Unfähigkeit und seine Fehler werden sich noch lange auf die Geschichte der USA, vielleicht auch vieler anderer Regionen der Erde auswirken.

Womit hat die Welt das verdient?
Und vor allem:

Warum lässt man diesen Präsidenten weiter gewähren?
Wo sind die vernünftigen und anständigen Menschen, auch unter den Republikanern in den USA?!

Ich denke:
Alle, die die Macht und den Einfluss haben, sich gegen Trump zu positionieren, es aber nicht tun, sind mitschuldig an dieser gegenwärtigen gefährlichen Situation, die vom Präsidenten der USA noch geschürt wird.




menschen.fangen ?!

Impuls zu Matthäus 4,12-23

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„Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt
Und vom Himmel die bleiche Sichel des Mondes blinkt
Ziehen die Fischer mit ihren Booten aufs Meer hinaus
Und sie legen im weiten Bogen die Netze aus, ….“

Quelle: https://lyrics.lyricfind.com/lyrics/rudi-schuricke-capri-fischer

Ach ja – was für ein idyllisches Bild hier in diesem Evergreen gezeichnet wird.
Sonne, Sand, Strand und Meer.
Die Fischer, deren Haut von der Sonne gegerbt ist, machen sich auf den Weg zu ihrer Arbeit, während wir – die imaginären Urlauber – sie mit unseren Blicken sehnsuchtsvoll in die Ferne begleiten.
Ein Bild von Ursprünglichkeit und maritimer Atmosphäre.

Dazu ein anderes Szenario:
Fragt der Mann, der an einem Infekt erkrankt ist, seine Frau: „Du Schatz, meinst du, ich sollte zum Arzt gehen und mir ein Antibiotikum verschreiben lassen?“
Antwortet sie: „Ich weiß es nicht, aber warte erst mal ab, ich kaufe gleich Zuchtlachs aus Aquakultur….!“

Vielleicht braucht diese Pointe einen Moment.
Aber manche ahnen den Hintergrund:
Die moderne Fischerei hat mit der Capri-Idylle oft wenig zu tun.
Enge Becken, Medikamente, Antibiotika – all das gehört heute zur Realität.
Gleichzeitig wächst unser Bewusstsein für artgerechte Haltung und für die Frage: Muss es immer Fleisch oder Fisch sein?

Bild von falco auf Pixabay

Mit diesen Gedanken hören wir heute das Evangelium, in dem Jesus sagt:
„Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“

Ein starkes Bild – aber eines, das heute schwierig geworden ist.
Denn „Menschen fangen“ klingt für viele nach Vereinnahmung, nach Manipulation, nach Macht.
Wir kennen „Menschenfischer“, die andere ideologisch einfangen, abhängig machen oder buchstäblich gefangen nehmen.

Menschen im Netz – das ist heute kein harmloses Bild mehr.

Vielleicht brauchen wir nicht ein neues Bild, sondern mehrere.
Denn das, was Jesus will, ist vielschichtig.

Wichtig scheint mir:

Nicht fangen, sondern ermöglichen.
Nicht ziehen, sondern begleiten.
Nicht einengen, sondern befreien.

Also biete ich heute mal neue Bilder an, in dem Bewusstsein, dass sie nur ausschnitthaft bleiben können.

Da ist das Bild des Wegbegleiters:
Jesus ruft nicht in eine Gefangenschaft, sondern in eine Beziehung.
Christsein heißt, Menschen nicht zu packen, sondern mit ihnen unterwegs zu sein.
Siehe hierzu auch den kleinen Exkurs am Ende über die ‚Freundschaftsikone‘.

Oder das Bild der Hebammen des Lebens:
Hebammen machen kein Leben. Sie helfen, dass etwas zur Welt kommt, was längst angelegt ist.
Das ist ein zutiefst respektvolles Bild.
Glaube zwingt nichts auf, sondern hilft Menschen, sie selbst zu werden.

Dann die Umkehr des vertrauten Bildes mit dem Netz: Retter aus dem Netz.
Jesus befreit aus Angst, Schuld und Überforderung – er wirft keine neuen Netze aus, die uns zum Verhängnis werden sollen.

Auch das Bild der Übersetzerinnen und Übersetzer des Lebens hilft:
Viele Menschen machen Erfahrungen, finden aber keine Worte dafür.
Glaube hilft, das eigene Leben zu deuten – nicht, es zu überreden.
Das Evangelium eröffnet einen tieferen Horizont für das, was wir ohnehin erleben.

Und schließlich das Bild der Gastgeberinnen und Gastgeber am Tisch:
Einen Raum öffnen, in dem Platz ist.
Niemand wird gezwungen zu bleiben.
Essen verbindet, ohne zu belehren.

Vielleicht lässt sich all das in einem Satz bündeln:

„Jesus hat seine Jünger nicht zu Menschenfängern gemacht,
sondern zu Menschen, die Wege öffnen, Licht teilen
und andere dabei begleiten, frei zu werden.“

Können wir uns heute als seine Anhängerinnen und Anhänger diese Bilder zu eigen machen?


Exkurs: Die ‚Freundschaftsikone‘: Abt Menas und Christus

Von Anonymus – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86364408

Diese ‚Freundschaftsikone‘, die den Abt Menas an der Seite von Jesus Christus zeigt, hängt heute im Louvre in Paris.
Sie ist ein Bild für die Beziehung, wie Christus sie mit uns pflegen möchte.
Er nennt uns seine „Freunde“.
So wie auf dieser Ikone möchte Christus an unserer Seite stehen und an unserer Seite gehen.
Er sucht unsere Nähe, er ist uns nah und lädt uns ein, IHM nah zu sein.
Beide Männer schauen in die selbe Richtung.
Gehen sie gemeinsam auf einem Weg? – Es mag so scheinen.
Nähe, Begleitung auf dem gemeinsamen weg und eine Verbindung, die nicht bindet, die nicht gefangen nimmt.
Das sieht man sehr schön in der Geste, in der Jesus seinen rechten Arm über die Schulter von Abt Menas legt:
ER, Jesus, klammert nicht, hält nicht fest.
Er berührt, es ist quasi eine freundschaftliche Umarmung.
Und sie ist von Respekt und Freiheit geprägt; denn nur mit einer leichten Rechtsdrehung könnte Abt Menas sich aus dieser Umarmung lösen.
Jesus fängt also nicht ein, hält nicht fest, fesselt die Menschen nicht.
Aber er ist auch nicht unverbindlich und unnahbar.
ER schenkt uns das Angebot seiner Nähe und seiner Freundschaft und zugleich die Freiheit, ob wir dieses Angebot annehmen möchten?

Wir selber entscheiden, ob wir in SEINER Hand geboren sein wollen.




Erschütternder Verdacht

Erster Bischof von Essen soll sich des Missbrauchs schuldig gemacht haben

Am 19. September informierte der derzeitige Bischof von Essen, Dr. Franz-Josef Overbeck, die Öffentlichkeit darüber, dass es ernst zu nehmende Hinweise gibt, dass Bischof Dr. Franz Hengsbach sexuellen Missbrauch begangen hat.

Erklärung des Bischofs von Essen zu den Vorwürfen gegen Franz Kardinal Hengsbach.

Heute, am 22. September, ging unser Bischof mit einem sehr persönlichen Brief an die Pfarreien und Gemeinden unseres Bistums an die Öffentlichkeit, in der er eigene Fehler aufzeigte und um Entschuldigung bat.

Diese Meldungen erschüttern nicht nur unser Bistum. Auch mich erschüttern sie.
Viele Gedanken und Fragen gehen mir durch den Kopf. Sie haben auch etwas damit zu tun, weil ich selber Bischof Hengsbach noch zu meinen Studienzeiten erlebt habe.
Er persönlich hatte mich damals ermutigt, das Abendgymnasium zu besuchen, um an einer Universität ein ordentliches Theologie-Studium zu absolvieren. Ich müsste seinen Brief an mich noch in meinen Dokumenten vorliegen haben.

Meine eigene persönliche und berufliche Biographie ist also in bestimmter Weise auch mit der Person von Bischof Hengsbach verbunden.

Deswegen lassen diese Nachrichten auch mich überhaupt nicht kalt.

Ich werde dazu vielleicht noch ausführlicher hier schreiben. – Ich will dieses Thema aber hier schon jetzt auch in meinem persönlichen Blog aufgreifen.

Denn:

Wir dürfen nicht schweigen!

Um der Opfer willen möchte ich auch hier diesem Thema Raum geben, denn ich selber habe immer noch das Gefühl, dass in unserer Kirche, auch in unseren Pfarreien, das Thema „sexualisierte Gewalt“ und „geistlicher Missbrauch“ noch lange nicht den Stellenwert erfährt, den diese Themen haben müssen!

Deshalb möchte ich zu guter Letzt auch die Opfer-Seite zu Wort kommen lassen, mit einem Beitrag der am 24.09.2023 im WDR ausgestrahlt wird:

Bistum Essen: Missbrauchsvorwurf gegen „Ruhrbischof“ Hengsbach WDR 5 Diesseits von Eden 24.09.2023 von Theodor Dierkes