Dreifaltigkeit

Eine Annäherung für unseren alltäglichen Glauben

Bildquelle: Autor/-in unbekanntUnknown author, Public domain, via Wikimedia Commons, Bildquelle!

Wenn wir heute das Fest der Dreifaltigkeit feiern, stehen wir vor einem der größten Geheimnisse unseres Glaubens. Und vielleicht fragen Sie sich – wie ich auch immer wieder –: Was kann man darüber eigentlich sagen, ohne sich zu verrennen?

Wir glauben an einen Gott, der uns auf drei verschiedene Weisen begegnet:

– als Vater, der Himmel und Erde geschaffen hat, alles Sichtbare und Unsichtbare,

– als Sohn, der wirklich Mensch geworden ist und uns erlöst hat,

– und als Heilige Geistkraft, die uns begleitet, stärkt und führt.

Das klingt vertraut. Und doch spüren wir: Ganz fassen können wir dieses Geheimnis nicht.

Ein Bild aus der Natur – und ein kleines Wunder der Physik

Wir suchen oft nach Bildern, die uns helfen, der Dreifaltigkeit näherzukommen.

Eines davon ist das Wasser: Es kann fest sein wie Eis, flüssig wie Wasser und gasförmig wie Dampf. Drei Erscheinungsweisen – und doch bleibt es immer Wasser.

Als ich einmal mit einem befreundeten Professor und Naturwissenschaftler über das Thema ‚Dreifaltigkeit‘ sprach, erzählte er mir von einem faszinierenden Experiment:

Unter ganz bestimmten Bedingungen kann Wasser alle drei Aggregatzustände gleichzeitig haben. Eis, Wasser und Dampf – nebeneinander, im selben Augenblick. Die Physik nennt das den Tripelpunkt.

Das hat mich beeindruckt. Denn es zeigt:

Manchmal gibt es in dieser Welt Dinge, die gleichzeitig verschieden und doch eins sind. Dinge, die wir nicht erklären müssen, um sie staunend wahrzunehmen.

Vielleicht hilft uns dieses Bild, wenn wir weiter über die Dreifaltigkeit nachdenken.

Ein Gott der Beziehung

    In den Evangelien der letzten Wochen haben wir gehört, wie eng Vater, Sohn und Geist miteinander verbunden sind. Jesus sagt:

    – „Ich und der Vater sind eins.“

    – „Wer mich sieht, sieht den Vater.“

    – „Ich lasse euch nicht allein – ich sende euch den Beistand.“

    Unser Gott ist ein Gott der Beziehung.

    Die drei Personen sind miteinander verbunden – und jede von ihnen sucht Beziehung zu uns.

    Unser Glaube an die Dreifaltigkeit zeigt sich also nicht darin, dass wir alles erklären können, sondern darin, wie wir mit Gott leben.

    Augustinus am Strand – und die Grenzen unseres Verstandes

      Denn eine Legende aus dem Leben des heiligen Augustinus macht mir etwas deutlich:

      Eines Tages spazierte Augustinus am Strand entlang, während er mitten in den Vorbereitungen für sein Buch über die Heilige Dreifaltigkeit stand. Plötzlich entdeckte er einen Jungen, der mit einem Löffel immer wieder Meerwasser in ein kleines, selbst-gegrabenes Loch schaufelte.

      Neugierig hielt Augustinus an und fragte den Knaben, was er da tue. Der Junge erklärte, er wolle das Meer austrocknen, indem er es in dieses Loch gieße.

      Amüsiert und ein wenig mitleidig lächelnd, wies Augustinus darauf hin, dass das Meer dafür viel zu groß sei. Doch der Junge konterte: „Wahrscheinlicher wirst du das Meer auf diese Weise leer bekommen, als du mit deinem Verstand das Geheimnis der Dreifaltigkeit auch nur annähernd ergründen kannst. Es ist einfach zu groß.“

      Dabei verglich der Knabe das Meer mit der Dreifaltigkeit, sein Loch, das er aushob, mit Augustinus’ entstehendem Buch und den Löffel mit dessen Verstand.

      Diese Geschichte zeigt:

      Wir können Gott nicht in unser kleines Denk-Loch schaufeln.

      Und das ist völlig in Ordnung.

      Was bedeutet die Dreifaltigkeit für mein Leben?

        Ich habe im Studium die Trinitätslehre nie vollständig verstanden.

        Aber ich habe etwas anderes verstanden:

        Die Dreifaltigkeit hat mit meinem Leben zu tun. Mit meiner Beziehung zu Gott.

        Ich glaube an Gott, den Vater.

        Wenn ich staune über die Natur, über die Vielfalt des Lebens, über die Geheimnisse der Biologie, Physik und Chemie – dann spüre ich:

        Da ist ein Ursprung.

        Da ist einer, der uns geschaffen hat und uns Verantwortung für diese Welt anvertraut.

        Ich glaube an Gott, den Sohn.

        Jesus hat uns gezeigt, wie Gottes Liebe aussieht – menschlich, nahbar, verletzlich.

        Er kennt unsere Schwächen und unsere Schuld.

        Und er zeigt uns:

        Gottes Liebe lässt uns nicht fallen.

        Ich glaube an die Heilige Geistkraft.

        Sie ist die Kraft, die mich tröstet, wenn ich zweifle.

        Die mich stärkt, wenn ich müde bin.

        Die mich führt, wenn ich nicht weiß, wohin.

        Sie ist Gottes Nähe in meinem Alltag.

        So glaube ich an den dreifaltigen Gott

        An den Vater, der mich geschaffen hat.

        An den Sohn, der mich erlöst.

        An die Heilige Geistkraft, die mich begleitet.

        Ein Gott – drei Weisen, wie er mir begegnet.

        Ein Geheimnis – und doch ganz nah.

        Ein Gott, der mein Leben umgibt, vom Anfang bis zur Vollendung.

        Foto: Gerd A. Wittka, 2025