menschen.fangen ?!

Impuls zu Matthäus 4,12-23

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„Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt
Und vom Himmel die bleiche Sichel des Mondes blinkt
Ziehen die Fischer mit ihren Booten aufs Meer hinaus
Und sie legen im weiten Bogen die Netze aus, ….“

Quelle: https://lyrics.lyricfind.com/lyrics/rudi-schuricke-capri-fischer

Ach ja – was für ein idyllisches Bild hier in diesem Evergreen gezeichnet wird.
Sonne, Sand, Strand und Meer.
Die Fischer, deren Haut von der Sonne gegerbt ist, machen sich auf den Weg zu ihrer Arbeit, während wir – die imaginären Urlauber – sie mit unseren Blicken sehnsuchtsvoll in die Ferne begleiten.
Ein Bild von Ursprünglichkeit und maritimer Atmosphäre.

Dazu ein anderes Szenario:
Fragt der Mann, der an einem Infekt erkrankt ist, seine Frau: „Du Schatz, meinst du, ich sollte zum Arzt gehen und mir ein Antibiotikum verschreiben lassen?“
Antwortet sie: „Ich weiß es nicht, aber warte erst mal ab, ich kaufe gleich Zuchtlachs aus Aquakultur….!“

Vielleicht braucht diese Pointe einen Moment.
Aber manche ahnen den Hintergrund:
Die moderne Fischerei hat mit der Capri-Idylle oft wenig zu tun.
Enge Becken, Medikamente, Antibiotika – all das gehört heute zur Realität.
Gleichzeitig wächst unser Bewusstsein für artgerechte Haltung und für die Frage: Muss es immer Fleisch oder Fisch sein?

Bild von falco auf Pixabay

Mit diesen Gedanken hören wir heute das Evangelium, in dem Jesus sagt:
„Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“

Ein starkes Bild – aber eines, das heute schwierig geworden ist.
Denn „Menschen fangen“ klingt für viele nach Vereinnahmung, nach Manipulation, nach Macht.
Wir kennen „Menschenfischer“, die andere ideologisch einfangen, abhängig machen oder buchstäblich gefangen nehmen.

Menschen im Netz – das ist heute kein harmloses Bild mehr.

Vielleicht brauchen wir nicht ein neues Bild, sondern mehrere.
Denn das, was Jesus will, ist vielschichtig.

Wichtig scheint mir:

Nicht fangen, sondern ermöglichen.
Nicht ziehen, sondern begleiten.
Nicht einengen, sondern befreien.

Also biete ich heute mal neue Bilder an, in dem Bewusstsein, dass sie nur ausschnitthaft bleiben können.

Da ist das Bild des Wegbegleiters:
Jesus ruft nicht in eine Gefangenschaft, sondern in eine Beziehung.
Christsein heißt, Menschen nicht zu packen, sondern mit ihnen unterwegs zu sein.
Siehe hierzu auch den kleinen Exkurs am Ende über die ‚Freundschaftsikone‘.

Oder das Bild der Hebammen des Lebens:
Hebammen machen kein Leben. Sie helfen, dass etwas zur Welt kommt, was längst angelegt ist.
Das ist ein zutiefst respektvolles Bild.
Glaube zwingt nichts auf, sondern hilft Menschen, sie selbst zu werden.

Dann die Umkehr des vertrauten Bildes mit dem Netz: Retter aus dem Netz.
Jesus befreit aus Angst, Schuld und Überforderung – er wirft keine neuen Netze aus, die uns zum Verhängnis werden sollen.

Auch das Bild der Übersetzerinnen und Übersetzer des Lebens hilft:
Viele Menschen machen Erfahrungen, finden aber keine Worte dafür.
Glaube hilft, das eigene Leben zu deuten – nicht, es zu überreden.
Das Evangelium eröffnet einen tieferen Horizont für das, was wir ohnehin erleben.

Und schließlich das Bild der Gastgeberinnen und Gastgeber am Tisch:
Einen Raum öffnen, in dem Platz ist.
Niemand wird gezwungen zu bleiben.
Essen verbindet, ohne zu belehren.

Vielleicht lässt sich all das in einem Satz bündeln:

„Jesus hat seine Jünger nicht zu Menschenfängern gemacht,
sondern zu Menschen, die Wege öffnen, Licht teilen
und andere dabei begleiten, frei zu werden.“

Können wir uns heute als seine Anhängerinnen und Anhänger diese Bilder zu eigen machen?


Exkurs: Die ‚Freundschaftsikone‘: Abt Menas und Christus

Von Anonymus – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86364408

Diese ‚Freundschaftsikone‘, die den Abt Menas an der Seite von Jesus Christus zeigt, hängt heute im Louvre in Paris.
Sie ist ein Bild für die Beziehung, wie Christus sie mit uns pflegen möchte.
Er nennt uns seine „Freunde“.
So wie auf dieser Ikone möchte Christus an unserer Seite stehen und an unserer Seite gehen.
Er sucht unsere Nähe, er ist uns nah und lädt uns ein, IHM nah zu sein.
Beide Männer schauen in die selbe Richtung.
Gehen sie gemeinsam auf einem Weg? – Es mag so scheinen.
Nähe, Begleitung auf dem gemeinsamen weg und eine Verbindung, die nicht bindet, die nicht gefangen nimmt.
Das sieht man sehr schön in der Geste, in der Jesus seinen rechten Arm über die Schulter von Abt Menas legt:
ER, Jesus, klammert nicht, hält nicht fest.
Er berührt, es ist quasi eine freundschaftliche Umarmung.
Und sie ist von Respekt und Freiheit geprägt; denn nur mit einer leichten Rechtsdrehung könnte Abt Menas sich aus dieser Umarmung lösen.
Jesus fängt also nicht ein, hält nicht fest, fesselt die Menschen nicht.
Aber er ist auch nicht unverbindlich und unnahbar.
ER schenkt uns das Angebot seiner Nähe und seiner Freundschaft und zugleich die Freiheit, ob wir dieses Angebot annehmen möchten?

Wir selber entscheiden, ob wir in SEINER Hand geboren sein wollen.




Unterschied

Bei mir stehen

Respekt und Toleranz

an erster Stelle.

Bei der AfD

ist es Ideologie!




Rassismus?

Bild von Gordon Johnson auf Pixabay

Was ist politisch korrekt? – Welche Begrifflichkeiten können wir benutzen, ohne in den Verdacht zu geraten, rassistischen Sprachgebrauch zu verwenden?

Mit der zunehmenden – und sicherlich auch berechtigten – Diskussion über Rassismus, Diskriminierung, political correctness und populistische Hetze geht eine zunehmende Verunsicherung einher.
Auch mit diesem Beitrag weiß ich, dass ich einen schmalen Grat betreten habe.

Wer mich kennt, weiß aber auch, dass ich mir das Selberdenken und das Nach-Denken nicht verbieten lasse.
Und so lasse ich mich gerne konfrontieren mit neuen Aspekten und Überlegungen, Impulsen und Informationen, um meine eigene Sicht auf Themen zu überprüfen und weiter zu entwickeln.

Über ein heißes Eisen bin ich gestoßen, als ich ein Interview eines Restaurantbesitzers sah, der aus Nigeria kommt und in Kiel ein Restaurant führt, das den Namen trägt „Zum Mohrenkopf“.

Ohne jetzt weiter etwas dazu zu schreiben, möchte ich ihn, ANDREW ONUEGBU, selber zu Wort kommen lassen…



Dieses Video zeigt Ausschnitte eines Interviews aus dem Jahre 2020. Das vollständige Interview ist ebenfalls bei youtube zu finden.

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Quelle: https://youtu.be/nxQqeF0iT-Q

Wer sich noch intensiver mit dieser Thematik und seiner Sichtweise auseinandersetzen möchte, dem sei dieses Interview sehr empfohlen!

Auf der Suche nach richtigem, guten und respektvollen Verhaltens anderen gegenüber, lässt ANDREW ONUEGBU fast beiläufig einige Kriterien fallen, die mir für diese nötige Auseinandersetzung wichtig sind.

Dazu gehören:

  • (historisches) Hintergrundwissen
  • die Einbeziehung betroffener Menschen (nicht unautorisiert für sie sprechen, sondern sie selber für sich sprechen lassen und ihre Sichtweise wahrzunehmen; sie selber sprechen lassen)
  • die Akzeptanz ihrer Sicht und Empfindungen zum Thema
  • die Klärung der Intention, mit der bestimmte Begriffe oder Themen aufgegriffen und genutzt werden (geschieht das aus Liebe, Wertschätzung und Respekt oder aus Hass und Hetze…?)
  • der offene und immer respektvolle Umgang miteinander (Wertschätzung)

Andrew Onuegbu hat mir mit seinen Worten einige wertvolle Aspekte und Hinweise gegeben, wie wir mit schwierigen und problematischen Themen dennoch respektvoll und angemessen umgehen können und in einen wertschätzenden Diskurs kommen können, ohne die Themen für Ideologien zu missbrauchen.


Was denkst du über die Worte von Andrew Onuegbu? – Schreib es gerne in den Kommentaren!