Prävention ist SO nötig!

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Erwiderung zu einem Kommentar von Pfr. Gereon Alter

Dieser Erwiderung liegt folgender Kommentar zugrunde:

https://www.kirche-und-leben.de/artikel/missbrauch-katholische-kirche-skandal-praevention-pfarreien-ehrenamt-auswuechse-kommentar-gereon-alter

Prävention bleibt unverzichtbar – eine fachliche Erwiderung

Der Kommentar von Pfarrer Gereon Alter zur Präventionsarbeit in der katholischen Kirche hat eine wichtige Diskussion angestoßen.

Da er seine Position öffentlich formuliert hat, erscheint es angemessen, einige seiner Aussagen ebenfalls öffentlich einzuordnen und zu ergänzen.

Ziel dieser Erwiderung ist es, die Bedeutung der Prävention aus fachlicher Perspektive zu verdeutlichen – nicht, eine Person zu kritisieren.

Persönlicher Hintergrund und Motivation

Ich kenne Gereon Alter seit unserer gemeinsamen Ausbildungszeit und schätze seine differenzierte und reflektierte Art. Gerade deshalb nehme ich seine Einwände ernst und möchte sie konstruktiv aufgreifen.

Meine eigene Motivation, mich zu Präventionsthemen zu äußern, ist biografisch geprägt.

Erst in den vergangenen Jahren wurde mir bewusst, dass es in meinem damaligen Umfeld Betroffene sexualisierter Gewalt gab – ohne dass ich dies als junger Mensch hätte erkennen können.
Dieses Wissen führt heute zu einem starken Verantwortungsgefühl gegenüber Opfern und Betroffenen und zu dem Anliegen, Prävention konsequent zu unterstützen.

Zur Frage der „reinen Weste“

Gereon Alter schreibt:
„Denn auch bei der Präventionsarbeit geht es zunehmend darum, die eigene Weste rein zu halten.“

Diese Wahrnehmung teile ich nicht.

In Gesprächen mit Verantwortlichen in Pfarreien erlebe ich ein hohes Maß an Sensibilität für die Perspektive der Betroffenen.

Präventionsmaßnahmen werden dort nicht als Selbstschutz der Institution verstanden, sondern als bewusste Fokussierung auf die Bedürfnisse und die Sicherheit derjenigen, die besonders verletzlich sind.

In der öffentlichen Debatte wird häufig über Täterinnen und Täter gesprochen – weniger über die Opfer.

Prävention setzt bewusst einen anderen Schwerpunkt: Sie stellt die Betroffenen in den Mittelpunkt.

Aus dieser Perspektive erscheint die Deutung, Prävention diene primär der institutionellen Absicherung, nicht ausreichend belegt.

Zum Beispiel der Sternsingerküche

Gereon Alter führt als Beispiel an, dass selbst Personen, die bei einer Sternsingeraktion kochen, eine dreistündige Präventionsschulung absolvieren sollen.
„… ob jemand für eine Sternsingeraktion kochen darf … wenn er nicht die … dreistündige Präventionsschulung absolviert hat.“

Das zugrunde liegende Präventionskonzept arbeitet bewusst mit abgestuften Anforderungen.

Es unterscheidet zwischen verschiedenen Rollen und Kontaktintensitäten.
Auch Personen in der Küche nehmen Kinder und Jugendliche wahr – ihre Stimmung, ihr Verhalten, mögliche Auffälligkeiten.
Sie sind Teil des sozialen Raums einer Veranstaltung.

Gerade deshalb ist eine kurze Basisschulung sinnvoll und verhältnismäßig.
Drei Stunden Schulung stehen in keinem Verhältnis zu dem Leid, das Betroffene erfahren, wenn frühe Warnsignale übersehen werden.

Zur Formulierung eines „Überwachungsapparates“

Besonders herausfordernd ist die Aussage:
„Das Ziel von Prävention ist doch nicht, einen möglichst perfekten Überwachungs- und Entschuldigungsapparat aufzubauen.“

Diese Formulierung kann – vermutlich unbeabsichtigt – Argumentationsmuster verstärken, die in Pfarreien häufig von Gegnerinnen und Gegnern der Präventionsarbeit genutzt werden. Dort wird Prävention mit Generalverdacht oder Kontrolle gleichgesetzt.

Fachlich betrachtet geht es jedoch nicht um Überwachung, sondern um Sensibilisierung, Schutzkonzepte und klare Verantwortlichkeiten.

Prävention soll Menschen befähigen, achtsam und respektvoll miteinander umzugehen. Sie schafft Transparenz, nicht Misstrauen.

Einordnung

Die kirchliche Präventionsarbeit wird von vielen engagierten Fachkräften getragen, die sich intensiv mit Schutzkonzepten, Schulungen und Standards auseinandersetzen.

Vor diesem Hintergrund können einzelne Formulierungen – wie im Kommentar von Gereon Alter – den Eindruck erwecken, die Arbeit dieser Menschen werde nicht ausreichend gewürdigt oder missverständlich dargestellt.

Eine sachliche Diskussion über die Weiterentwicklung von Prävention ist notwendig und willkommen.

Gleichzeitig ist es wichtig, die Grundintention der Präventionsarbeit klar zu benennen: den Schutz von Kindern, Jugendlichen und schutzbefohlenen Erwachsenen.


Update:

Ich ergänze hier um ein Gebet, ein aufrichtiges Gebet für die Opfer dieser unsäglichen Gewalt und dieser Greueltaten:

Ein Gebet für die Opfer und Überlebenden von Missbrauch
herausgegeben vom Nationalen Dienst zum Schutz von Minderjährigen und schutzbedürftigen Erwachsenen der Italienischen Bischofskonferenz

Vater, Quelle des Lebens,
in Demut und Erdemut legen wir dir die Scham und die Reue dar
für das Leid, das wir den Kleinsten und Schwächsten der Menschheit zugefügt haben, und bitten dich um Vergebung. 

Herr Jesus, Sohn, der du gekommen bist, um die Barmherzigkeit des Vaters zu offenbaren,
wir vertrauen dir alle an, die
Machtmissbrauch erlitten haben – geistlichen und gewissensbezogenen, körperlichen und sexuellen –,
mögen ihre Wunden durch den Balsam deines und unseres Mitgefühls geheilt werden, mögen sie Aufnahme und brüderliche Hilfe finden, mögen ihre Herzen von Zärtlichkeit umhüllt und von Hoffnung erfüllt sein. 

Heiliger Geist, Feuer der Liebe,
wir bitten dich für unsere kirchlichen Gemeinschaften,
die dazu berufen sind, sich einer tiefgreifenden Selbstprüfung hinsichtlich ihrer Versäumnisse und Verfehlungen zu unterziehen,
dass sie einladende und sichere Häuser seien und dass das Engagement aller für den Schutz der Kleinsten und Schwächsten gestärkt werde. 

Heilige Dreifaltigkeit, Quelle der Gemeinschaft und der Zärtlichkeit,
hilf uns, die Ketten der Gewalt und der Schuld zu sprengen, durchbrich unser Schweigen und lass uns die Schmerzensschreie der Missbrauchsopfer und ihrer Familien hören,
hilf uns, sie zu begleiten und die Wahrheit bis zum Äußersten zu suchen
auf dem Weg der Gerechtigkeit und der Wiedergutmachung,
damit auch aus der Dunkelheit der Erde, die von der Sünde bedroht, aber vom Licht des Osterfestes umhüllt ist,
Samen der Heilung und der Wiedergeburt sprießen.

Amen. 

Übersetzung ins Deutsche mittels KI




HEUTE Priester sein …

Symbolbild: erstellt mit KI ‚copilot‘

Realitäten wahrnehmen – Konsequenzen tragen

Heute Priester zu sein,
bedeutet, in einer Wirklichkeit zu stehen,
die sich tiefgreifend verändert hat.
Viele Bilder, Erwartungen und Vorstellungen
stammen aus einer Zeit,
in der Kirche anders funktionierte,
in der mehr Menschen, mehr Ressourcen,
mehr Verfügbarkeit selbstverständlich waren.

Doch diese Zeit ist vorbei.
Die Welt hat sich gewandelt,
Kirche hat sich gewandelt,
und der priesterliche Dienst
steht mitten in diesem Wandel.
Die Zahl der Priester sinkt,
Aufgaben wachsen,
und die Grenzen des Machbaren
werden enger – nicht aus mangelndem Willen,
sondern aus schlichter Realität.

Trotzdem halten viele
an Bildern,
Vorstellungen und Erwartungen fest,
die längst nicht mehr tragen.

Theoretisch wird anerkannt,
dass sich vieles verändert hat.
Doch sobald es konkret wird,
sobald es das eigene Leben berührt,
scheint diese Einsicht zu verblassen.

Dann zählen oft nur noch
die eigenen Erwartungen,
die eigenen Vorstellungen,
die eigenen Maßstäbe.

Dabei wird selten gefragt,
ob diese Erwartungen realistisch sind,
ob sie den heutigen Möglichkeiten entsprechen,
ob sie einem Menschen gerecht werden können,
der seinen Dienst treu und ehrlich tut,
aber nicht allgegenwärtig sein kann.

Denn Priester sind Menschen.
Mit Grenzen,
mit Bedürfnissen,
mit Zeiten des Rückzugs,
mit Momenten der Erschöpfung.
Sie sind keine Maschinen,
keine Dienstleistungsautomaten,
keine Wesen, die rund um die Uhr
verfügbar sein können.

Selbst Jesus
war nicht immer erreichbar.
Er zog sich zurück,
er wählte aus,
er heilte nicht alle,
er war nicht überall.
Wenn ER als Mensch Grenzen hatte,
wie viel mehr gilt das
für jene, die in seinem Namen handeln.

Darum braucht es heute
mehr als nostalgische Bilder
und alte Erwartungen.

Es braucht die Bereitschaft,
Realitäten wahrzunehmen
und anzunehmen.

Es braucht die Einsicht,
dass Begrenzungen
kein Zeichen von Schwäche sind,
sondern Ausdruck von Menschlichkeit.

Und vielleicht auch die Offenheit,
dass die Begrenztheit eines Priesters
nicht gegen mich gerichtet ist,
sondern Teil einer gemeinsamen Wirklichkeit,
die uns alle betrifft –
heute und in Zukunft.




christlich.leben.mittendrin

„Seht auf eure Berufung, Geschwister!“ (1 Kor 1,26)

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Mit diesem Satz trifft Paulus einen Nerv – damals wie heute.
Er erinnert uns daran, worum es im Kern unseres Christ*in-Seins geht: um Berufung.

Nicht um Zuständigkeiten, nicht um Rollen, nicht um Titel.
Und schon gar nicht um die Unterscheidung zwischen „denen da vorne“ und „denen da hinten“, zwischen Haupt- und Ehrenamt, zwischen Klerus und Laien.

Paulus kennt diese Trennlinien nicht. Er kennt nur eines: Jede und jeder ist berufen.

Diese Berufung ist uns mit der Entscheidung für den Glauben anvertraut worden – in Taufe und Firmung.
Und genau deshalb darf sie in all unseren Beratungen über die Zukunft von Kirche und Pfarreien nicht nachgeordnet sein. Sie ist der Ausgangspunkt.
Nicht die Struktur, nicht die Finanzierung, nicht die Frage nach Gebäuden.
All das ist wichtig – aber es ist Mittel, nicht Ziel. Mittel, um unserer Berufung gerecht zu werden.
Nicht mehr und nicht weniger.

Darum braucht es in jeder Beratung, in jedem Strategiepapier, in jedem Reformprozess zuerst und immer wieder diese eine Frage:
Wozu sind wir berufen – als Einzelne und als Pfarrei?

Paulus geht noch einen Schritt weiter.

Er traut die Antwort auf diese Frage nicht allein den „Fachleuten“ zu.
Nicht nur denen, die rechnen können, verwalten, analysieren, theologisch argumentieren.
Er setzt bewusst einen Kontrapunkt und schreibt provozierend:
„Das Törichte in der Welt hat Gott erwählt … das Schwache … das Niedrige … das Verachtete.“

Warum diese Radikalität?
Weil genau diese Menschen oft näher dran sind am Wesentlichen.
Sie wissen, was es heißt, angewiesen zu sein – auf andere, auf Solidarität, auf Hoffnung.
Sie wissen, was ein gutes Leben wirklich braucht: nicht nur materiell, sondern menschlich, sozial, geistlich.
Und sie wissen – oft wortlos –, was der Mensch von Gott her braucht.

Wer das weiß, kann sich hineinversetzen in die Sehnsüchte anderer.
Und wer die Sehnsüchte anderer versteht, entdeckt leichter die eigene Berufung:
nämlich dazu beizutragen, dass Menschen leben können – anständig, erfüllt, menschenwürdig.
Sozial und caritativ.
Religiös und spirituell.
Mit Hoffnung, mit Sinn, mit Würde.

Wenn wir also ernsthaft an einer Kirche der Zukunft bauen wollen, dann sollten wir den Mut haben, unsere Perspektive zu wechseln.
Die Sichtweise der vermeintlich „Törichten“, „Schwachen“ und „Niedrigen“ nicht nur anzuhören, sondern zu unserer eigenen zu machen.

Denn erst von dort aus wird klar, wofür wir Strukturen brauchen, warum wir Immobilien erhalten oder aufgeben und wohin unsere finanziellen Mittel fließen sollen.

Nicht um Kirche zu verwalten –
sondern um unserer Berufung treu zu bleiben:
christlich.leben.mittendrin.




Werde wesentlich …

Ansprache zum Impuls: „… macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle …“ (Joh 2, 13–22)

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Wunderbar passt das heutige Evangelium zu dem Wochenende, an dem in unseren Pfarreien die Wahlen zum Pfarrgemeinderat und zum Kirchenvorstand stattfinden.

Diese Szene aus dem Johannesevangelium ist eine der eindrücklichsten im ganzen Neuen Testament: Jesus, der mit Nachdruck die Händler und Geldwechsler aus dem Tempel vertreibt. Es ist eine heftige, fast verstörende Geste – und zugleich eine zutiefst prophetische. Sie rüttelt auf, sie stellt in Frage, sie legt den Finger in eine Wunde.

Denn das, was damals geschah, ist auch heute aktuell: Das Haus Gottes wird kommerzialisiert. Orte, die eigentlich dazu bestimmt sind, Innerlichkeit und Gottesbezug zu fördern, werden nicht selten zum Schauplatz geschäftiger Betriebsamkeit. Da werden Devotionalien, die oft kaum mehr als billiger Ramsch sind, zu überhöhten Preisen verkauft. Und noch größer ist der Markt der Esoterik und des vermeintlich Spirituellen – ein riesiger Markt der Sehnsucht, auf dem fragwürdige Produkte und Praktiken Hoffnung und Heil versprechen. Die Sehnsucht nach dem Heiligen wird kommerzialisiert.
Stattdessen müssten wir uns fragen, wie wir unsere Gottesdienste und Kirchen wieder mehr zu Orten der Gotteserfahrung, zu geistlichen, zu wahrhaft ‚heiligen‘ Orten werden lassen können.

Denn Jesus sagt: „Macht das Haus meines Vaters nicht zu einer Markthalle!“

Und dieses Wort lässt sich nicht nur auf Kirchengebäude anwenden.

Paulus erinnert uns: „Euer Leib ist der Tempel des Heiligen Geistes.“ (vgl. 1 Kor 6, 19)
Das bedeutet: Auch wir selbst sind Wohnstätten Gottes.
Und so dürfen wir uns fragen:

Wo haben wir aus uns selbst eine Räuberhöhle gemacht?
Wo ist das Heilige, das Spirituelle, das Gebet, die Andacht an den Rand gedrängt worden?
Wo lassen wir Gott keinen Raum mehr, Wohnung in uns zu nehmen?

In der Orthodoxie gibt es ein wunderbares Gebet an den Heiligen Geist, das genau das in den Blick nimmt:
„Himmlischer König,
Tröster, Geist der Wahrheit,
Allgegenwärtiger und alles Erfüllender,
Schatz der Güter und Lebenspender,

komm und nimm Wohnung in uns,
reinige uns von aller Befleckung

und errette, Gütiger, unsere Seelen.“

Was für ein starkes und zugleich inniges Gebet. Es erinnert uns daran, dass der Heilige Geist Raum braucht – in uns, in unseren Gemeinden, in unserer Kirche.

Doch wie oft scheint es, als wären andere Dinge wichtiger: Geld, Gebäude, Strukturen.
Wir erleben massive Umbrüche in unseren Kirchen – vielerorts wird beraten, debattiert, gerungen:

• Wie geht es weiter? 
• Was ist zu erhalten? 
• Was muss sich ändern? 

Und wenn man genau hinschaut, dann stehen oft zuerst Finanzen und Immobilien auf der Tagesordnung.
Erst viel später kommen Themen wie Seelsorge, Glaubensvertiefung, Gebet, Caritas, das lebendige Zeugnis unseres Glaubens.

Aber christliches Leben wird auf den Kopf gestellt, wenn wir zuerst über Geld, Steine und Strukturen sprechen – und nicht zuerst über den Glauben.
Denn dieser Glaube ist es, der uns trägt, der uns Sinn und Halt gibt in all den Fragen und Herausforderungen des Lebens.

Hinterlässt unser Glaube auch einen ‚Fingerabdruck‘? – Bild von Gordon Johnson auf Pixabay

Dieser Glaube, der uns im wahrsten Sinn des Wortes beseelt, sollte auch in der Gestaltung und Atmosphäre unserer Gottesdienste spürbar werden.
Kirchen sind nicht allein Erfahrungsräume und Kulissen für spirituelle Erlebnisse.
Doch gerade Kirchen und gottesdienstliche Räume, wie unsere Kapelle hier, dürfen nie aufhören, Orte zu sein, an denen die Begegnung mit Gott möglich bleibt – Orte lebendiger Gottesbeziehung, die Herz und Seele berühren.

Vor einigen Wochen hatte ich ein sehr interessantes Gespräch.
Da erzählte mir jemand, dass er regelmäßig Gottesdienste ganz unterschiedlicher Konfessionen und Gemeinden besucht – immer auf der Suche nach einem Ort, an dem seine Seele zur Ruhe kommen kann.
Ein Ort, an dem er geistliche Gemeinschaft erfährt und sich in vertraute Rituale fallen lassen kann; eine Atmosphäre, die ihm hilft, innerlich aufzutanken, geistlich zu werden, spirituell zu sein.
Er sucht nach einer Quelle, aus der er schöpfen kann – um dann gestärkt und neu gesammelt wieder in den Alltag zurückzukehren.

Denn, auch das gehört dazu:
Unser praktizierte Glaube öffnet Fenster und Türen, damit wir nicht in uns selbst kreisen, sondern hinausgehen in die Welt – als ‚Salz der Erde‘ und ‚Licht der Welt‘.

Unsere Welt dürstet nach Sinn, nach Tiefe, nach Orientierung – nach etwas, das über all die Krisen, Konflikte und Veränderungen hinausweist. Nach einer Hoffnung, die trägt und die, wie der Morgenstern uns den Weg in der Dunkelheit zeigt.

Am Weihetag der Lateranbasilika, der „Mutter aller Kirchen Roms“, dürfen wir uns neu fragen, was Kirche heute wirklich ausmacht?!

Denn darum geht es in unserem Glauben: nicht um den Erhalt von toten Steinen oder vergänglichem Geld, sondern um die lebendige Beziehung zu Gott, um das Hören auf seine befreiende Botschaft, damit die Kraft des Heiligen Geistes in uns und unter uns wirken kann, die uns verwandelt – und die Welt mit uns.

Die deutlichen Worte der Tempelreinigung sind keine Drohung, sondern eine Einladung – eine Einladung zur Erneuerung.

Die Zukunft unserer Kirche hängt daran, worauf wir unser Fundament bauen:
auf toten Stein – oder auf den lebendigen Glauben,
auf vergängliches Geld – oder auf die unvergängliche Beziehung zu Gott im Heiligen Geist?!




Ehrenamt – Verantwortung – Professionalität

Kolleg:innen, Bild von Oleksandr Pidvalnyi auf Pixabay

Seit Anfang der 1990er Jahre beschäftigt mich das Thema: „Ehrenamt und Verantwortung“ sehr.
Es wurde damals angestoßen, als ich selber ehrenamtlich in der kirchlichen AIDS-Arbeit tätig war und dann später auch eine Ehrenamtlichen-Gruppe in der kirchlichen AIDS-Arbeit geleitet habe.
Schon damals habe ich mich z.B. dafür eingesetzt, dass man nicht mehr salopp über „die Ehrenamtlichen“ gesprochen hat, sondern auch andere Begrifflichkeiten nutzt, wie „ehrenamtliche Mitarbeiter:innen“ oder „ehrenamtliche Kolleg:innen“.
So konnte besser auch deren Kompetenz und Mit-Verantwortung deutlich werden.
In den letzten Jahren ist für mich der Aspekt der Professionalität in der ehrenamtlichen Arbeit (in der Kirche und Seelsorge) dazu gekommen.

Daraus ist in den letzten Monaten eine kleine Abhandlung entstanden, die nun fertig ist und die ich uns zur Verfügung stellen möchte.

Vielleicht bereichert es unsere Überlegungen auch in der Frage nach der Zukunft unserer Kirche(n) und ihren seelsorglichen Herausforderungen.


Wegen der besseren Lesbarkeit und auch der Berücksichtigung der Quellen, veröffentliche ich diese Abhandlung hier als .pdf-Dokument, das hier heruntergeladen werden kann.

Für Rückmeldungen bin ich sehr dankbar; auch für öffentliche Rückmeldungen im Kommentarbereich.




Ist Christentum politisch?

Bezug: Lesungen vom 25. Sonntag im Jahreskreis – C – 2025

Buch Amos (AT): Am 8,4-7
Lukas-Evangelium (NT): Lk 16,10-13

Link zum Bild: https://www.eins.website/aktuelles/berichte-und-artikel/berichte-2025/1883-aktion-gegen-hass-und-rassismus

Die Bundestagspräsidentin Frau Julia Klöckner (CDU) hat in einem Interview im April diesen Jahres gegenüber ‚domradio‘ Köln gesagt, sie halte es nicht immer für richtig, wenn Kirchen sich wie eine NGO verhalten und zu allen möglichen politischen Themen Stellung nehmen.

Als Beispiel nannte sie das Tempolimit: Man könne ja für Tempo 130 sein, aber ob die Kirche dazu unbedingt etwas sagen müsse, sei fraglich.

Außerdem kritisierte sie, dass in der Corona-Zeit die Seelsorge zu wenig präsent gewesen sei.

Und sie sagte, gerade bei schwierigen Fragen rund um den Beginn und das Ende des Lebens wünsche sie sich, dass die Kirche klar Haltung zeigt – und nicht danach schaut, ob es dafür Beifall gibt oder nicht.

Solche Aussagen haben in Kirche und Gesellschaft für viele Diskussionen gesorgt.

Ich selbst würde mit Frau Klöckner gerne mal darüber streiten, ob sich die Kirche nicht auch zum Tempolimit äußern sollte.
Denn es gibt durchaus gute christliche Gründe dafür: den Schutz der Schöpfung und den Schutz des Lebens.

Außerdem war es in der Corona-Zeit die Politik selbst, die – aus Fürsorge, aber eben auch mit harten Regeln – die Arbeit der Kirchen stark eingeschränkt hat.

Manche Stimmen in der Diskussion haben Frau Klöckner unterstützt.

Sie sagten: Religion sei Privatsache, die Kirche solle sich auf das Seelenheil konzentrieren und sich nicht in die Politik einmischen.

Aber das greift zu kurz.

Denn die Bibel und die heutigen Lesungen machen klar: Glaube hat sehr wohl mit gerechten Lebensverhältnissen und somit mit Politik zu tun.

Glauben heißt nicht nur, an Gott zu glauben – sondern auch, den Glauben im Alltag zu leben.

Ein Christ oder eine Christin zeigt ihre Glaubwürdigkeit darin, wie sie handelt.

Und der Gott, an den wir glauben, ist ein Gott, der sich immer wieder auf die Seite der Schwachen, Benachteiligten und Ausgebeuteten stellt.

Schon in den Worten der Propheten, und auch in Jesus, seinem Sohn, hören wir den Ruf nach Gerechtigkeit.

Wer sich für Gerechtigkeit und für die Schwachen einsetzt, handelt damit immer auch politisch.

Das Reich Gottes ist nichts Abgeschlossenes neben der Gesellschaft, kein frommer Raum ohne Verbindung zur Welt.

Es zeigt sich mitten im Leben, mitten in den Fragen und Konflikten unserer Zeit.

Darum gehört es zum Wesen der Kirchen, dass sie für Gerechtigkeit, Frieden, Solidarität und die Bewahrung der Schöpfung eintreten.

Und zwar nicht nur mit allgemeinen Worten, sondern auch mit klaren und konkreten Aussagen, wie zum Beispiel zum Tempolimit.

Denn nur so wird sichtbar, dass der Glaube etwas mit unserem Alltag und alltäglichen Fragen zu tun hat.

Natürlich kann es dabei passieren, dass Politikerinnen und Politiker, Mächtige und Herrscher, Unternehmer und Reiche, Autoliebhaber:innen oder andere sich kritisiert fühlen.

Aber das muss die Kirche aushalten – ja, vielleicht ist es sogar nötig.

Denn unser Auftrag ist es, die frohe Botschaft Gottes zu verkünden: die Botschaft von einem Gott, der an der Seite der Schwachen steht und der allen beisteht, die Hilfe brauchen.


Den Artikel aus dem ‚domradio‘, auf den ich mich beziehe, kann hier nachgelesen werden:
https://www.domradio.de/artikel/bundestagspraesidentin-kloeckner-wuenscht-sich-starke-kirchliche-stimme