die mit ihren Fingern an Landkarten zerren, Grenzen verschieben wie Spielsteine, als ginge es um nichts weiter als ein Brettspiel an einem verregneten Nachmittag.
Wieder und wieder sind es diese mächtigen Männer, die Kriege anzetteln, als wären sie Funken, die man leichtfertig in trockenes Gras wirft.
Doch brennen tun andere.
Nicht sie. Nie sie!
Es sind die Unschuldigen, deren Blut in den Straßen versickert, deren Namen in Listen verschwinden, deren Kinder nachts aufschrecken und niemanden mehr haben, der sie hält.
Es sind die Alten, die nicht mehr fliehen können, die Mütter, die ihre Söhne begraben, die Väter, die verstummen, weil Worte nicht mehr reichen für das, was ihnen genommen wurde.
Wieder und wieder sind es mächtige Männer, die Kriege anzetteln und sich selbst vor jedem Funken in Sicherheit bringen.
Siesitzen wohlbehütet in Palästen, in Bunkern, in Konferenzräumen mit schweren Türen, spielen Golf auf grünen Wiesen, während anderswo die Erde von Bomben aufgerissen wird.
Sie schicken andere an die Front, andere in den Tod, andere in das namenlose Leid, das sie selbst nicht einmal anzusehen wagen.
Wieder und wieder sind es f e i g e Männer, die Stärke predigen und Schwäche säen, die Ehre beschwören und Schande bringen, die von Vaterland reden und doch die Kinder des Landes opfern.
Und wir stehen da, fassungslos, ohnmächtig, fragend, warum die Welt immer wieder unter den gleichen Schritten zerbricht.
„Wenn bei Capri die rote Sonne im Meer versinkt Und vom Himmel die bleiche Sichel des Mondes blinkt Ziehen die Fischer mit ihren Booten aufs Meer hinaus Und sie legen im weiten Bogen die Netze aus, ….“ Quelle: https://lyrics.lyricfind.com/lyrics/rudi-schuricke-capri-fischer
Ach ja – was für ein idyllisches Bild hier in diesem Evergreen gezeichnet wird. Sonne, Sand, Strand und Meer. Die Fischer, deren Haut von der Sonne gegerbt ist, machen sich auf den Weg zu ihrer Arbeit, während wir – die imaginären Urlauber – sie mit unseren Blicken sehnsuchtsvoll in die Ferne begleiten. Ein Bild von Ursprünglichkeit und maritimer Atmosphäre.
Dazu ein anderes Szenario: Fragt der Mann, der an einem Infekt erkrankt ist, seine Frau: „Du Schatz, meinst du, ich sollte zum Arzt gehen und mir ein Antibiotikum verschreiben lassen?“ Antwortet sie: „Ich weiß es nicht, aber warte erst mal ab, ich kaufe gleich Zuchtlachs aus Aquakultur….!“
Vielleicht braucht diese Pointe einen Moment. Aber manche ahnen den Hintergrund: Die moderne Fischerei hat mit der Capri-Idylle oft wenig zu tun. Enge Becken, Medikamente, Antibiotika – all das gehört heute zur Realität. Gleichzeitig wächst unser Bewusstsein für artgerechte Haltung und für die Frage: Muss es immer Fleisch oder Fisch sein?
Mit diesen Gedanken hören wir heute das Evangelium, in dem Jesus sagt: „Ich werde euch zu Menschenfischern machen.“
Ein starkes Bild – aber eines, das heute schwierig geworden ist. Denn „Menschen fangen“ klingt für viele nach Vereinnahmung, nach Manipulation, nach Macht. Wir kennen „Menschenfischer“, die andere ideologisch einfangen, abhängig machen oder buchstäblich gefangen nehmen.
Menschen im Netz – das ist heute kein harmloses Bild mehr.
Vielleicht brauchen wir nicht ein neues Bild, sondern mehrere. Denn das, was Jesus will, ist vielschichtig.
Wichtig scheint mir:
Nicht fangen, sondern ermöglichen. Nicht ziehen, sondern begleiten. Nicht einengen, sondern befreien.
Also biete ich heute mal neue Bilder an, in dem Bewusstsein, dass sie nur ausschnitthaft bleiben können.
Da ist das Bild des Wegbegleiters: Jesus ruft nicht in eine Gefangenschaft, sondern in eine Beziehung. Christsein heißt, Menschen nicht zu packen, sondern mit ihnen unterwegs zu sein. Siehe hierzu auch den kleinen Exkurs am Ende über die ‚Freundschaftsikone‘.
Oder das Bild der Hebammen des Lebens: Hebammen machen kein Leben. Sie helfen, dass etwas zur Welt kommt, was längst angelegt ist. Das ist ein zutiefst respektvolles Bild. Glaube zwingt nichts auf, sondern hilft Menschen, sie selbst zu werden.
Dann die Umkehr des vertrauten Bildes mit dem Netz: Retter aus dem Netz. Jesus befreit aus Angst, Schuld und Überforderung – er wirft keine neuen Netze aus, die uns zum Verhängnis werden sollen.
Auch das Bild der Übersetzerinnen und Übersetzer des Lebens hilft: Viele Menschen machen Erfahrungen, finden aber keine Worte dafür. Glaube hilft, das eigene Leben zu deuten – nicht, es zu überreden. Das Evangelium eröffnet einen tieferen Horizont für das, was wir ohnehin erleben.
Und schließlich das Bild der Gastgeberinnen und Gastgeber am Tisch: Einen Raum öffnen, in dem Platz ist. Niemand wird gezwungen zu bleiben. Essen verbindet, ohne zu belehren.
Vielleicht lässt sich all das in einem Satz bündeln:
„Jesus hat seine Jünger nicht zu Menschenfängern gemacht, sondern zu Menschen, die Wege öffnen, Licht teilen und andere dabei begleiten, frei zu werden.“
Können wir uns heute als seine Anhängerinnen und Anhänger diese Bilder zu eigen machen?
Exkurs: Die ‚Freundschaftsikone‘: Abt Menas und Christus
Von Anonymus – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86364408
Diese ‚Freundschaftsikone‘, die den Abt Menas an der Seite von Jesus Christus zeigt, hängt heute im Louvre in Paris. Sie ist ein Bild für die Beziehung, wie Christus sie mit uns pflegen möchte. Er nennt uns seine „Freunde“. So wie auf dieser Ikone möchte Christus an unserer Seite stehen und an unserer Seite gehen. Er sucht unsere Nähe, er ist uns nah und lädt uns ein, IHM nah zu sein. Beide Männer schauen in die selbe Richtung. Gehen sie gemeinsam auf einem Weg? – Es mag so scheinen. Nähe, Begleitung auf dem gemeinsamen weg und eine Verbindung, die nicht bindet, die nicht gefangen nimmt. Das sieht man sehr schön in der Geste, in der Jesus seinen rechten Arm über die Schulter von Abt Menas legt: ER, Jesus, klammert nicht, hält nicht fest. Er berührt, es ist quasi eine freundschaftliche Umarmung. Und sie ist von Respekt und Freiheit geprägt; denn nur mit einer leichten Rechtsdrehung könnte Abt Menas sich aus dieser Umarmung lösen. Jesus fängt also nicht ein, hält nicht fest, fesselt die Menschen nicht. Aber er ist auch nicht unverbindlich und unnahbar. ER schenkt uns das Angebot seiner Nähe und seiner Freundschaft und zugleich die Freiheit, ob wir dieses Angebot annehmen möchten?
Wir selber entscheiden, ob wir in SEINER Hand geboren sein wollen.
Sicherlich werden einige innerlich zusammenzucken, wenn sie den Titel dieses Beitrags lesen. Okay, zusammenzucken darf man, aber dann bitte sich auch die Gelegenheit nicht nehmen lassen, darüber in Ruhe mal nachzudenken.
Ich jedenfalls habe es getan, als ich heute Morgen folgendes Zitat fand:
„Ohne Gebet und Mystik wird Politik schnell unerbittlich und barbarisch …“ Edward Schillebeeckx (1914-2009), belgischer Dominikaner und römisch-katholischer Theologe, zitiert nach „TE DEUM“, Ausgabe Januar 2025, S. 113
Politik und Gebet
Betende Politiker:innen – sind sie uns bekannt? Nein, ich meine jetzt nicht jene heuchlerischen Politiker:innen, die sich gerne in Kirchen, Moscheen oder Synagogen ablichten lassen, womöglich noch bei einer Teilnahme an Gottesdiensten, aber zugleich menschenmordende Kriege beginnen und anderen Menschen, Völkern und Nationen ihr Existenzrecht absprechen. Ich meine jene Politiker:innen, die als solche aktiv und mitgestaltend tätig sind, aber zugleich in ihrem Leben, mitunter auch recht persönlich, das persönliche und/oder öffentliche Gebet pflegen.
Ich meine jene, die nicht immer nur das sprichwörtliche „Herr, Herr, ….“ in den Mund nehmen, wie es schon Christus in Mt 7, 21 kritisiert:
„Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr! Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern wer den Willen meines Vaters im Himmel tut.“
Matthäus-Evangelium, Kapitel 7 Vers 21
Sondern ich meine jene Politiker:innen, die wirklich versuchen, aus ihrem Glauben her Politik zu gestalten, die ihr Leben und Handeln, sowohl das persönliche wie das politische Handeln, bereit sind, auf dem Hintergrund ihres Glaubens kritisch zu hinterfragen, zu gestalten und zu leben.
Kennst du solche Politiker:innen? Wenn du sie nicht kennst, ist das auch kein Indiz dafür, dass es sie nicht gibt. Denn diese Sorte von Politiker:innen machen häufig kein großes Aufheben um ihren Glauben. Man muss sie vielleicht schon persönlicher kennen, um zu wissen, welche Rolle ihr Glaube in ihrem Leben und ihrem politischen Wirken spielt.
Es ist die persönliche Offenheit, in ihrem Leben und persönlichen wie beruflichen Alltag die religiöse Frage mit einfließen zu lassen, ohne aber andere damit indoktrinieren zu wollen. Der Glaube wird für sie zu einem Entscheidungs- und Gestaltungsfaktors ihres Lebens, welches einher geht mit einer persönlichen Gottesbeziehung, die ihren Ausdruck im persönlichen wie öffentlichen Gebet findet.
Ich denke, an solche Menschen dachte Edward Schillebeeckx.
Die Ansichten solcher Menschen führen nicht zwangsläufig dazu, dass ihre Ansichten von allen oder zumindest vielen geteilt wird. Darum geht es auch nicht zu aller erst. Sondern es geht darum, dass diese Menschen sich und ihr ganzes Leben ins Verhältnis setzen können zu einer ‚höheren Macht‘, denen sie sich verbunden und verantwortlich fühlen und sie zugleich erkennen lässt, dass weltliche Macht begrenzt ist und auch begrenzt sein muss, damit sie wahrhaft human sein kann. Unbegrenzte Machtansprüche führen zum Beispiel zu Unerbitterlichkeit und Barbarei, wie es Schillebeeckx sicherlich gemeint hat. Und solche Politiker:innen kennen wir – Gott sei’s geklagt – leider auch in unserer Zeit zuhauf.
Wir dürfen uns – wie ich finde – glücklich schätzen, wenn wir jedoch auch Politiker:innen finden, vielleicht sogar kennen, für die Glaube, Spiritualität und persönliches wie öffentliches Gebet zu ihrem Leben dazu gehören und die aus diesem Bewusstsein zu leben und zu wirken versuchen.
Ich denke, einer von ihnen ist in diesen Tagen im hohen Alter verstorben: Jimmy Carter, ehemaliger Präsident der USA. Es gibt sie auch nicht so weit von uns entfernt, hier bei uns in Europa, in Deutschland, in NRW, im Ruhrgebiet, … in der Nachbarschaft und in den eigenen Familien- und Freundeskreisen.
Und dafür bin ich dankbar und es hilft mir, ihnen leichter meine politische Macht und Verantwortung als Staatsbürger dieses Landes durch Wahlen an sie zu übertragen.
Königtum Christ und Demokratie
Das Königtum Christi in Zeiten von Demokratie, Freiheit und Selbstbestimmung
Bild: (c) Gerd Wittka, erstellt mit Hilfe von KI
Die Herrschaft Christi in Zeiten von Demokratie und Freiheit
In einer Welt, in der Demokratie, Freiheit und Selbstbestimmung wichtig sind, klingt die Idee von „Christus als König“ zunächst altmodisch und fremd. Heute bestimmt in unserem Land das Volk, wer regiert, und jeder Mensch hat Rechte und Freiheiten. Deshalb fragen sich viele, was ein göttlicher König, dessen Reich „nicht von dieser Welt“ ist (Joh 18,36), für uns noch bedeuten kann. Diese Frage betrifft nicht nur den Glauben, sondern auch die Werte unserer modernen Gesellschaft.
Was Jesu Herrschaft bedeutet Die Bibel zeigt, dass Jesu Herrschaft anders ist als die der politischen Führer. Er sagt, sein Reich ist „nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36). Das bedeutet, seine Macht basiert nicht auf Gewalt oder Gesetzen, sondern auf Liebe, Wahrheit und Gerechtigkeit. Jesus ist kein König in einem Palast, sondern sein Reich beginnt in den Herzen der Menschen.
In Demokratien, wo die Macht vom Volk ausgeht und Freiheit wichtig ist, fällt es schwer, sich so eine Herrschaft vorzustellen. Aber das Königtum Christi lädt uns ein, anders zu denken: Wahre Freiheit könnte darin bestehen, sich freiwillig Gottes Liebe und Wahrheit anzuvertrauen.
Was Freiheit bei Jesus bedeutet Für viele Menschen bedeutet Freiheit, selbst zu entscheiden, was sie tun wollen. Doch Jesus beschreibt Freiheit anders. Er sagt, Freiheit entsteht durch die Beziehung zu Gott und zu anderen Menschen. Er fordert uns auf, „das Kreuz auf uns zu nehmen“ (Mt 16,24). Das heißt, Freiheit besteht darin, eigene Wünsche zurückzustellen, anderen zu helfen und Gottes Willen zu folgen.
Freiheit bei Jesus bedeutet nicht, nur das eigene Glück zu suchen, sondern sich für das Wohl aller einzusetzen. Es geht nicht darum, sich von Autoritäten zu lösen, sondern sich von Gottes Wahrheit und Liebe leiten zu lassen.
Herausforderung für unsere Zeit Im heutigen Deutschland und vielen anderen Ländern, die von Demokratie und Wirschaftsliberalismus geprägt sind, wirkt die Idee eines göttlichen Königs ungewohnt. Aber gerade in einer Zeit, in der politische Systeme oft scheitern und Egoismus dominiert, könnte Jesu Botschaft wieder wichtig werden. Sein Königtum erinnert uns daran, dass es Werte gibt, die über Politik und persönliche Interessen hinausgehen – wie Gerechtigkeit, Mitgefühl und Wahrheit.
Jesu Vorbild in einer vielfältigen Welt Heute gibt es viele verschiedene Religionen und Weltanschauungen. Das Bild von Christus als König könnte dabei in den Hintergrund treten.
Doch Jesu Herrschaft richtet sich an alle Menschen. Sein Reich ist nicht an ein Land oder eine Kultur gebunden, sondern an universelle Werte. Es fordert uns auf, über unsere eigenen Interessen hinauszuschauen und Verantwortung für die Gemeinschaft und die Schöpfung zu übernehmen.
Fazit: Eine Herrschaft, die uns frei macht Das Königtum Christi mag in einer Welt, die Demokratie und Selbstbestimmung schätzt, ungewohnt erscheinen. Doch es zeigt uns, dass wahre Freiheit in der Liebe und im Vertrauen auf Gott liegt. Jesu Herrschaft ist eine Herrschaft der Wahrheit und der Gerechtigkeit. Sie fordert uns auf, nicht nur an uns selbst zu denken, sondern ein Leben im Dienst an Gott und den Mitmenschen zu führen.
Sein Reich ist zwar nicht von dieser Welt, aber es beginnt in uns und wird in der Welt spürbar.
Weisheiten der Woche …
Ich würde lügen, würde ich behaupten, sie wären alle aus nicht-dienstlichen Zusammenhängen heraus entstanden… 😉
Macht
… und die Macht wird mit DIR sein …
Wenn dich jemand oder etwas ärgert, dann entziehe du ihm die Macht: entziehe ihm/ihr/es deine Aufmerksamkeit! Und wenn es eine Person ist, dann wird sie es sehr deutlich spüren, dass sie DEIN Leben nicht vergällen kann!