Erinnere dich …

… an das, was dich trägt

Impuls zum 11. Sonntag im Jahreskreis – A –

Das nachfolgende Lied von Peter Maffay und Noa erzählt von einem Menschen, der sich wie in einer inneren Wüste fühlt: erschöpft, ausgetrocknet, orientierungslos.
Er ruft Gott als seinen Retter an — den, der sich zu ihm verströmt und ihn trägt.
Und mitten in dieser Leere spricht Gott ein einziges Wort: „Erinnere dich.“
Erinnere dich an das Heilige, an die Quelle, die bleibt, auch wenn alles andere versiegt.

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Die Worte aus der heutigen Lesung sind eine solche Erinnerung.
Gott lässt durch Mose sein Volk zurückschauen: auf den Weg, den es gegangen ist, auf die Katastrophen, die es überstanden hat, und auf den, der es durch all das hindurchgeführt hat.
Gott hat einen Plan, und er weiß, was er will.
Er will dieses Volk als sein auserwähltes Volk, als einen heiligen Priesterstamm, damit ER in seiner Nähe lebt.

Bild von Roger Casco auf Pixabay

Doch dieses Auserwähltsein, diese besondere Stellung in den Augen Gottes, kann im Alltag leicht verblassen.
Wenn Sorgen uns in Anspruch nehmen, wenn Ablenkungen uns zerstreuen, wenn wir uns selbst dabei ertappen, wie wir Zeit verlieren an Dinge, die uns eigentlich gar nicht guttun.

Ich kenne das aus meinem eigenen Leben.
Ich nutze das Internet viel – beruflich, aber auch zur Unterhaltung.
Und nicht alles, was da aufploppt, ist harmlos.
Manches ist banal, manches nur darauf ausgelegt, mich festzuhalten, meine Aufmerksamkeit zu binden, um daraus Profit zu schlagen.
Und manchmal erschrecke ich richtig, wie schnell ich wieder hineingeraten bin.

Aber es gibt diese Ablenkungen nicht nur digital.
Auch im analogen Leben gibt es genug, was uns wegzieht von dem, was wirklich zählt.

Und manchmal, so empfinde ich es, ist es wie ein kleiner Stoß des Heiligen Geistes, wenn ich plötzlich merke, womit ich gerade wieder meine Lebenszeit vergeude.

Ich bin sicher, dass das früher nicht anders war.
Auch das Volk Israel war in Gefahr, Gott aus dem Blick zu verlieren – nicht nur wegen der widrigen Umstände, sondern auch wegen all der kleinen Dinge, die sich zwischen Gott und das Herz schieben können.
Und so wird Mose zum Erinnernden, fast wie eine Stimme, die ruft:
„Hallo… ich bin auch noch da! Ich war immer da. Und ich möchte nicht nur helfen und retten, sondern eine Beziehung mit euch leben.“

Gott hat es nicht leicht mit uns.
Immer wieder wirbt er um uns, um unser Vertrauen, um unser Herz.
Und wir?
Mitten im Alltag, mitten in unseren Beschäftigungen und Zerstreuungen – nehmen wir dieses Werben wahr?

Auch Jesus spürt später, dass die Menschen seiner Zeit Gott aus dem Blick verlieren.
Er verurteilt sie nicht.
Er sieht ihre Müdigkeit, ihre Erschöpfung, ihre Lasten.
Und er sieht auch ihre Sehnsucht.
Denn sonst wären sie nicht in solcher Zahl zu ihm gekommen, um ihn zu hören, um etwas von Gott zu spüren.

Und heute?
Wir kennen diese Müdigkeit.
Wir kennen die Erschöpfung.
Wir kennen die Ablenkungen, die uns wegziehen von dem, was uns eigentlich trägt.
Und wir sehen sie auch bei anderen.

Doch Jesus bleibt nicht bei der Diagnose stehen.
Er sendet seine Jüngerinnen und Jünger in genau diese Welt hinein – in die Müdigkeit, in die Erschöpfung, in die Zerstreuung.
Nicht als Moralapostel, nicht als Besserwisser, sondern als Menschen, die etwas von Gottes Nähe spürbar machen.
Als Menschen, die die Sehnsucht nach Gott wahrnehmen und behutsam wachhalten.

Bild von Ben auf Pixabay

Dafür braucht es nicht zuerst Hauptamtliche.
Dafür braucht es uns alle, die wir glauben.
Menschen, die sich selbst und andere daran erinnern, was Gott schon getan hat, wo er Halt war, wo er uns durchgetragen hat.
Menschen, die erzählen können, dass dieses Angebot Gottes allen gilt.

Und wenn wir im Evangelium hören, dass Jesus seine Jüngerinnen und Jünger zunächst nur „zu den verlorenen Schafen Israels“ sendet, dann wissen wir zugleich:
Er hat später erkannt, dass Gottes Liebe größer ist als jede Grenze.
Dass sie allen Menschen gilt.
Auch denen, die damals „Heiden“ genannt wurden.
Wäre das nicht so, säßen wir heute nicht hier.

Das ist die eigentliche Erinnerung dieses Sonntags:
dass Gott uns nicht aus den Augen verliert – auch dann nicht, wenn wir ihn aus den Augen verlieren.
Und dass er uns immer wieder anrührt, damit wir uns erinnern können.




Nacht.Glaube.Gesang

Es ist Sonntag, der 17.5.2026, 4.30 Uhr.
Ich werde wach – werde geweckt …
vom Gesang einer einzelnen Amsel.
Draußen ist es still – mucksmäuschenstill …
und dunkel
dunkelste Nacht

… scheinbar

Bild von Rhea Yaw Ching auf Pixabay

Aber warum fängt die Amsel jetzt schon an zu singen?
Ahnt sie etwas vom anbrechenden Licht?
Ahnt sie etwas von der Wärme der Sonne, die bald über dem Horizont
ihre ersten Strahlen erhebt?

Oder singt sie an – gegen die Nacht?
Ist ihr die Nacht zu lang,
so dass sie mit ihrem ersten Gesang
mitten in der Dunkelheit
ihren liedhaften Protest gegen das Dunkel erhebt?
Ist ihr das Dunkel zu viel?
Singt ihr Lied von der Hoffnung auf das kommende Licht?

Alle Assoziationen sind erlaubt.
Erlaubt ist auch, dieses Bild
der singenden Amsel
mitten in der Nacht
und
scheinbar mitten in der Dunkelheit
auch als Bild des Glaubens
zu sehen.

So jedenfalls hat es
Rabindranath Tagore
einst wohl verstanden,
als er folgende Worte verfasste:

Glaube ist der Vogel, der singt,
wenn die Nacht noch dunkel ist.

Rabindranath Tagore (1861 – 1941), in Bengali. Ravindranath Thakur, indischer Dichter und Philosoph, Nobelpreisträger für Literatur 1913, Quelle: https://www.aphorismen.de/zitat/194964

Es gibt Menschen,
die durch ihren Glauben
und gestärkt im Glauben
mitten in der Dunkelheit der Welt

singen

den Gesang
der Hoffnung
der Sehnsucht
der tief empfundenen Überzeugung
dass nach dem Dunkel der Nacht
das Licht des neuen Tags
unser Leben erhellen wird.

Übrigens:
es wird wohl heute kein so sonniger
und warmer Tag werden,
eher kühl
und später auch
ziemlich
nass

und dennoch singt die Amsel
und TROTZ-dem singt die Amsel!

Was kann dieses Bild
dir und mir
über den Glauben
und die Hoffnung
sagen?


Nun ist es gerade 05.00 Uhr … und ich sehe am Horizon ein erstes bläulich schimmerndes Licht.

Hat die Amsel gegen 4.30 Uhr schon eher das heranbrechende Licht gesehen als ich?




Kairos

Foto: Gerd A. Wittka, 19.01.2026

Manchmal
braucht es den ‚richtigen Kairos‘,
den günstigen,
den entscheidenden,
den ‚richtigen‘
Augenblick.

Das lehrt mich dieses Situation,
die ich schnell im Bild festgehalten habe.

SEIN
Gesicht wird von der Sonne
fokussiert
angestrahlt.
Nur in diesem Augenblick
stehen die Ikone
und die Sonne
im richtigen Winkel,‘
um
SEIN Gesicht
zum leuchten zu bringen

… und in diesem
Moment
zieht diese Ikone
zieht ER
meine
Aufmerksamkeit
auf sich!

Und ich
antworte
entzünde eine Räucherkerze
IHM zu Ehren.

Es ist so,
als würde ER
mich lehren:

Alles zu seiner Zeit!
Hab‘ Geduld,
es kommt
der ‚richtige Kairos‘

(Gerd A. Wittka, 19.01.2026)




Ruhe und Frieden

www.pixabay.com

Ich sehne mich oft nach
Ruhe und Frieden
in meinem Leben,
in dem mich
Gedanken
und
Gefühle martern.

Ruhe und Frieden
sind
Gefühle
der
inneren
Freiheit

wo
nichts
und
niemand

mit das Leben schwer
macht

Starke Sehnsucht
nach dem
was erst
wohl mit dem letzten
Atemzug
zu haben wird

Und trotzdem
will ich noch
hier und jetzt
bleiben

Ruhe und Frieden
eine
Sehnsucht
die
sucht
und
sucht
und

(c) Gerd A. Wittka, 07.10.2024





Wie es sein könnte …


Einige Tage durfte ich wieder Urlaub machen in meinem Lieblingsurlaubsland Dänemark. Diesmal ging es auf die Insel Röm, nördlich von Sylt.
Wie schon im letzten Jahr, war dieser Urlaub aber wieder mit geprägt vom Angriffskrieg Putins gegen die Ukraine. In diesem Jahr beging ich hier den ersten Jahrestag des Kriegsausbruchs von 2022.

Wie gerne würde ich diese Gedanken alle abstreifen, doch in der Ruhe und Idylle dieses Urlaubs geht das nicht.
Einer meiner Brüder fragte mich dieser Tage: „Kannst du nicht einfach mal Urlaub machen?“ – Auf diese wohlgemeinte Intervention antwortete ich – auch mit ein wenig Humor: „Kann man im Urlaub das Denken aussetzen?! – Das machen doch schon zu viele – auch außerhalb des Urlaubs…!“

Und so saß ich dort – umgeben von friedlichster Stimmung. Die Rinder, die hier vor unserer Terrasse regelmäßig vorbei gingen, gingen buchstäblich zu mir auf Tuchfühlung. Ich konnte sie streicheln. Ein Rind schleckte mir mit seiner dunklen, rauhen Zunge die Hand ab. Es hatte so viel friedliches und Einklang mit der Natur.

So kommen mir natürlich auch in solchen Situationen Gedanken:

Warum kann es nicht immer so friedlich sein? Es wäre doch alles so einfach!
Und ich frage mich: Kennen Menschen, wie Putin denn auch solche Situationen? Oder sind sie in ihrer ideologischen Gedankenwelt so gefesselt, dass sie gar nicht mehr wissen, was Frieden ist und um die wertvolle Dimension für unser aller Leben?

Manchmal denke ich, Putin hat noch nie wirklich die Frage an sich herangelassen, wieviel Leid und Unheil er angerichtet hat und wofür er verantwortlich ist!

Es braucht Orte und Zeiten zum Nachdenken! – Foto: (c) Gerd Wittka, Februar 2023

Ich denke in meiner abgeschiedenen friedlichen Urlaubswelt an die Menschen in der Ukraine. Ich stelle mir konkret ihre Lebenssituation vor; nehme einen fiktiven ukrainischen Menschen in Gedanken in den Blick, wie er jetzt friert, nicht das Nötigste zum Leben hat, ängstlich in die kommende Nacht schaut und von ferne das Dröhnen der Bomben hört. Und immer wieder das Geheul der Sirenen.
Ich denke an die Soldaten in ihren Gefechtsstationen, die einerseits im Bewusstsein kämpfen, das sie sich verteidigen dürfen und müssen und sich zugleich zurück sehnen nach zuhause. Ich denke an sie, die in diesem Augenblick bei geliebten Menschen sein könnten. Und ich denke, wie oft auch bei ihnen die Angst hochkommt, sie würden an der Front sterben – das junge Leben beenden müssen, das doch noch so viel Potential hätte.

Je mehr ich darüber nachdenke, kommt mir die Frage in den Sinn: „Wie kann man nur?!“ oder konkreter: „Wie kannst du nur, Wladimir Putin, all das zulassen?“ – „Wie glaubst du, vor dem Gericht der Geschichte und dem Gericht des Ewigen bestehen zu können?!“

Und in meiner Einfalt und Naivität wünsche ich mir, dass Gott genau diese meine Fragen in sein Herz pflanzen möge. Ich wünsche mir, dass Putin selbst mal innehalten und Abstand nehmen würde und einfach mal nur ganz als Mensch und voller Empathie sich hineinversetzen würde in das je eigene Schicksal der Menschen, über die er so viel Leid, Not und Tod bringt.
Ich wünsche mir, dass ihm dies dann solche Gewissensqualen bescheren würde und er den Weg der Umkehr zu Frieden und Gerechtigkeit, zur Liebe und Menschenfreundlichkeit finden würde.

Ja, das wünsche ich mir, angesichts des eigenen Erlebens von friedvollen Tagen, in denen mir das Leiden der Menschen in Krieg und Not nicht gleich sein kann und ich auch gedanklich besonders herausgefordert bin, weil ich diese große Diskrepanz spüre, jetzt dieses Privileg friedlicher Zeit in Dänemark erlebt zu haben und zugleich von Krieg, Not und Tod in anderen Teilen der Erde zu wissen.




Geistliche Friedenslieder

Gegen das Gedröhn der Bomben

Bild von Hans auf Pixabay

Ich erinnere mich an meine eigene Jugend. Es muss Ende der 1970er Jahre gewesen sein und ich sang im Jugendchor.
Damals standen Lieder von Peter Janssens hoch im Kurs. Unsere Generation wird sich an das Werk von ihm „Ave Eva“ erinnern.



Damals, unter dem Einfluss der atomaren Bedrohung sind Teile dieses Werkes sicherlich zu erklären. Und sie sind auch heute wieder von aktueller Bedeutung. Ein Lied aus diesem Werk kommt mir in diesen Tagen in den Sinn: „Ich will gegen das Geläut der Leute“, nach einem Text von Wilhelm Willms.

Dieses Lied habe ich heute bei youtube gefunden und möchte gerne mit einem Link darauf aufmerksam machen:

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Gerne verweise ich auf den Peter Janssens Musikverlag, der heute von seinem Sohn Lukas Janssens geführt wird. Dort bekommt man viele Noten und auch einige Tonaufnahmen der Musik von Peter Janssens: peter janssens musik verlag (pjmv.de). Sie sind in Inhalt und Musik so wertvoll, dass diese Musik nicht in Vergessenheit geraten sollte.