Meine Wünsche dir zu deinen Lebzeiten: glückliches Leben gute Gesundheit Zufriedenheit … und ein langes Leben
und uns eine lange weitere Freundschaft mit vielen erfüllenden Begegnungen, Gesprächen, mit deinem Humor, deinem Fein- und Tiefsinn … und so vieles mehr …
Und jetzt?
Jetzt wünsche ich dir, dass dein Weg rund war, dass du im Frieden und Einklang mit dir selbst durch deine Tage gegangen bist.
Ich wünsche dir, dass die letzten Stunden nicht dunkel waren, dass keine Angst an deiner Seite stand, keine Schmerzen deinen Atem schwer machten.
Du warst allein, als du gegangen bist — möge dennoch Nähe bei dir gewesen sein.…
Und möge es einen Ort geben, an dem wir uns wiederfinden und das Ungesagte Worte bekommt …
die mit ihren Fingern an Landkarten zerren, Grenzen verschieben wie Spielsteine, als ginge es um nichts weiter als ein Brettspiel an einem verregneten Nachmittag.
Wieder und wieder sind es diese mächtigen Männer, die Kriege anzetteln, als wären sie Funken, die man leichtfertig in trockenes Gras wirft.
Doch brennen tun andere.
Nicht sie. Nie sie!
Es sind die Unschuldigen, deren Blut in den Straßen versickert, deren Namen in Listen verschwinden, deren Kinder nachts aufschrecken und niemanden mehr haben, der sie hält.
Es sind die Alten, die nicht mehr fliehen können, die Mütter, die ihre Söhne begraben, die Väter, die verstummen, weil Worte nicht mehr reichen für das, was ihnen genommen wurde.
Wieder und wieder sind es mächtige Männer, die Kriege anzetteln und sich selbst vor jedem Funken in Sicherheit bringen.
Siesitzen wohlbehütet in Palästen, in Bunkern, in Konferenzräumen mit schweren Türen, spielen Golf auf grünen Wiesen, während anderswo die Erde von Bomben aufgerissen wird.
Sie schicken andere an die Front, andere in den Tod, andere in das namenlose Leid, das sie selbst nicht einmal anzusehen wagen.
Wieder und wieder sind es f e i g e Männer, die Stärke predigen und Schwäche säen, die Ehre beschwören und Schande bringen, die von Vaterland reden und doch die Kinder des Landes opfern.
Und wir stehen da, fassungslos, ohnmächtig, fragend, warum die Welt immer wieder unter den gleichen Schritten zerbricht.
tod.bewusst.sein
Ich habe heute eine sehr interessante Äußerung von Ferdinand von Schirach gehört, die mich ins Nachdenken bringt:
Der Tod geht uns nichts an. Solange wir da sind, ist der Tod nicht da. Und wenn der Tod da ist, sind wir nicht mehr da. es ist nun einfach mal so, dass, wenn wir tot sind, unsere Persönlichkeit nicht mehr da ist. Was auch immer dann mit ihr passiert … ob sie noch weiter existiert, ob sie nicht mehr existiert … kein Mensch kann das sagen.
(Ferdinand von Schirach)
Ich will das jetzt erst mal einfach so stehen lassen und nachdenken.
Vielleicht hast du einen Gedanken dazu? Dann schreib ihn mir bitte in die Kommentare.
Eiskalte Traurigkeit
Zum Tod meines Freundes Rainer Dubberstein, Münster –
diese innere Traurigkeit, die emotionale Entwurzelung, das innere Zittern und eisige Kälte, die meine Herzwand berührt und den Schmerz verursacht, des Abschieds, des endgültigen….
Fast 50 Jahre war ich mit Rainer befreundet, wir lernten uns in unserer Berufausbildung 1978 kennen. Er war Auszubildender bei der Handwerkskammer Münster, ich bei der Kreishandwerkschaft Gelsenkirchen. Im Januar 1981 machten wir beide vorzeitig unsere Abschlussprüfung. Später arbeiteten wir oft zusammen und daraus entstand eine sehr persönliche Freundschaft, die bis zu seinem Tod Bestand hatte. Wir trafen uns, bis zum Beginn meines Long-Covid, mindestens ein Mal im Jahr, manchmal auch zwei Mal. Alle drei bis vier Monate führten wir lange, ausführliche Telefonat (selten unter 90 Minuten!). Rainer las auch regelmäßig meine Blog-Beiträge und teilte mir dazu auch seine Gedanken.
Obwohl in der (relativen) Ferne, waren wir uns persönlich immer sehr nah. Sein Tod erschüttert mich, denn ich hätte nie gedacht, dass er so früh stirbt. Er war sportlich, lief seit Jahren Marathon, in Münster, anderorts aber auch im Ausland. Er reiste gerne und liebte die Stadt Wien. In den letzten Jahren wuchs auch seine Liebe für Osteuropa, besonders auch für Polen. Mit ihm starb ein Teil meines eigenen Lebens und meiner Biographie. Ich bin unendlich traurig und bin zugleich so dankbar für das große Geschenk dieser langjährigen, sehr persönlichen Freundschaft.
Rainer war – wie ich ihm häufiger persönlich bekannte – eine durch und durch „treue Seele“.
Nun ist er Ende August von uns gegangen.
Lieber Rainer, ich werde dich nie vergessen, die gemeinsamen Unternehmungen, die vielen tiefgehenden Gespräche und die ellenlangen Telefonate, die wir mehrmals im Jahr geführt haben.
Mir bleibt nur ein stilles und schmerzlich-trauriges: „Adieu!“
Du, treue Seele, guter Freund, fast fünfzig Jahre lang …! Dein Lebensbuch schloss sich zu früh! Adieu! Ich weine um dich!
Ein Tag in einer Stadt voll Hitze. Menschen strömen durch die Straßen Jerusalems, und Jesus, der auf einem Esel sitzt, wird von Jubel und Anerkennung getragen. Kleider und Zweige liegen auf dem Pflaster – eine einfache Einladung, ein stiller Applaus für den, der anders ist.
Gründonnerstag –
Am Tisch, der mehr als nur Essen teilt, versammelt sich eine Gruppe, die noch nicht weiß, dass dies ein einmaliger Moment ist. Brot, Wein und leise Worte werden zum Abschied, das letzte gemeinsame Mahl mit den Vertrauten, ohne zu ahnen, wie sehr sich alles verändern wird.
Karfreitag –
Dann kommt der Augenblick, der alles in Bewegung setzt. Ein Verrat, der in den Gesichtern ein falsches Lächeln trägt, und Jesus geht einen Weg, den er längst vorhergesehen hat – einen Weg voller Schmerzen und Momenten voller Hohn Leugnung und Tränen.
Unter den kritischen Blicken, inmitten von Spott und Ablehnung, sind da auch leise Akte der Menschlichkeit: Frauen, die am Straßenrand weinen, und Veronica, die ihm ein Schweißtuch reicht, als stumme Geste, als Versuch, den Schmerz erträglicher zu machen.
Zum Schluss stehen nur die ganz Treuen: Maria, die mütterlich schweigend aushält, Maria von Magdala, die mehr sieht als nur den Moment, und Johannes, dessen stille Nähe mehr sagt als Worte. Und während das Leben an IHM zu zerbrechen scheint, hallt leise ein Satz durch die Menge – ein Soldat, der erkennt: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn!“
Doch hier endet die Geschichte nicht.
Karsamstag –
der Tag der Grabesruhe, ist kein leiser, endgültiger Abschied, sondern das Versprechen eines neuen Anfangs. Denn am Ende hat das Leben das letzte Wort – eine Auferstehung, die alle Schatten vertreibt, ein Beweis, dass das Licht immer über den Dunkelheit triumphiert.
In unserer Pfarrei bieten wir seit fast drei Jahren Trauergruppen an.
Mittlerweile ist die Nachfrage so groß geworden, dass wir zwei Gruppen parallel durchführen.
In einer Gruppe, die ich mit einer Gemeindereferentin leite, fragte in einer Gruppenstunde eine jüngere Teilnehmerin, ob wir uns nicht auch mal über unsere persönliche Hoffnung und Vorstellung austauschen könnten, über die Frage, was nach unserem irdischen Leben kommt und uns erwartet?
Wir haben uns auf diesen Austausch eingelassen, denn uns war bewusst, dass wir das Thema nicht so einfach abtun könnten, in dem wir darauf hinweisen, dass Christ:innen ja an eine Auferstehung von den Toten glauben.
Die Frage, was nach dem irdischen Leben kommt, ist einerseits für uns Christ:innen klar, aber andererseits ist der Glaube an die Auferstehung ja mehr eine Hoffnung auf Auferstehung.
In diesem Zusammenhang kam mir eine Passage aus dem Römerbrief des heiligen Paulus in den Sinn:
Hier macht Paulus deutlich, dass unsere gläubige Hoffnung auf die Auferstehung auch immer etwas Ungewissheit beinhaltet. Das liegt aber im Wesen der Hoffnung und unseres Glaubens und zeigt keinen mangelhaften christlichen Glauben an, wann immer wieder die Frage in uns auftaucht, ob es auch wirklich so kommt?
Foto: Gerd A. Wittka, 31.10.2024
Wenn ich – wie am vergangenen Donnerstag – am Grab meiner Mutter war, dann ertappe ich mich oft mit den Gedanken: „Ich wünsche dir, Mama, dass sich deine gläubige Hoffnung erfüllt hat!“
Dieser Satz macht mir deutlich, in welcher Spannung sich unser Glaube befindet, wenn wir bekennen, dass wir an die Auferstehung nach unserem irdischen Leben glauben, dies aber nur in der Hoffnung auf Auferstehung tun können.