Osterimpuls 2026

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Manchmal hat ein Tag einen eigenen Klang.
Der Karsamstag zum Beispiel – der klingt wie ein leerer Raum.
Fast nichts ist zu hören. Nur dieses Schweigen, wenn man nicht weiß, wie es weitergeht.

Und dann kommt die Osternacht.
Ganz leise zuerst.
Und plötzlich ist da ein anderer Ton:
Leben. Licht. Hoffnung.
Und – erstaunlich genug – Lachen.

Das Osterlachen – ein alter Brauch
Früher erzählten Prediger in der Osternacht einen Witz.
Nicht zur Unterhaltung, sondern als mutiges Zeichen:
Wir lachen dem Tod ins Gesicht.

Der Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti sagt:
Lachen heißt nicht, den Tod zu leugnen.
Es heißt: Du, Tod, hast nicht das letzte Wort.

Darum heute ein kleiner Osterwitz:

Zwei Theologen stehen am Ostermorgen vor dem leeren Grab.
Sagt der eine: „Der Tod hat wirklich nicht das letzte Wort.“
Der andere: „Eigentlich logisch. Das letzte Wort hat immer der, der wieder aufsteht.“

Ostern macht uns nicht unverwundbar


Wir wissen: Der Glaube schützt uns nicht vor Krankheit, Angst oder Verlust.
Und manchmal fragt man sich: Wo ist Gott jetzt? Warum fühlt sich Hoffnung so weit weg an?

Gerade dann ist dieses Osterlachen wichtig.
Es ist kein Weglaufen.
Es ist ein Dagegenhalten.
Ein kleines Aufatmen mitten im Ernst.
Ein Moment, der sagt: Ich bin dem Dunkel nicht ausgeliefert.

Vielleicht kennen Sie das nach einem Begräbnis:
Man sitzt zusammen, das Herz schwer –
und plötzlich erzählt jemand eine liebevolle, schräge Erinnerung.
Und auf einmal lacht der ganze Tisch.
Nicht, weil die Trauer weg wäre.
Sondern weil das Leben sich meldet und sagt: Ich bin auch noch da.

Das ist für mich eine österliche Haltung:
mit Tränen in den Augen lachen zu können.
mit Wunden am Herzen trotzdem aufzustehen.
dem Tod nicht das letzte Wort zu geben – im Großen wie im Kleinen.

Vielleicht klingt Ostern genau so:
„Ich bin traurig – aber ich gebe die Hoffnung nicht her.“
„Ich habe Angst – aber ich lasse mir das Lachen nicht nehmen.“
„Ich bin gefallen – aber ich will nicht liegen bleiben.“

Nicht, weil wir so stark wären.
Sondern weil Gott das Leben gewählt hat.
Und dieses Leben findet seinen Weg –
durch verschlossene Türen, durch schwere Tage,
manchmal sogar durch unser Schweigen hindurch.

Bild von Pexels auf Pixabay

Deshalb ist es heute Nacht gut und richtig,
dass wir uns das Lachen erlauben – gerade im Ostergottesdienst.
Einfühlsam und sensibel, aber echt.
Ein Lachen, das sagt: Es geht weiter.
Das Leben hat noch etwas vor mit uns.

Frohe und gesegnete Ostern uns allen.