Nacht.Glaube.Gesang

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Es ist Sonntag, der 17.5.2026, 4.30 Uhr.
Ich werde wach – werde geweckt …
vom Gesang einer einzelnen Amsel.
Draußen ist es still – mucksmäuschenstill …
und dunkel
dunkelste Nacht

… scheinbar

Bild von Rhea Yaw Ching auf Pixabay

Aber warum fängt die Amsel jetzt schon an zu singen?
Ahnt sie etwas vom anbrechenden Licht?
Ahnt sie etwas von der Wärme der Sonne, die bald über dem Horizont
ihre ersten Strahlen erhebt?

Oder singt sie an – gegen die Nacht?
Ist ihr die Nacht zu lang,
so dass sie mit ihrem ersten Gesang
mitten in der Dunkelheit
ihren liedhaften Protest gegen das Dunkel erhebt?
Ist ihr das Dunkel zu viel?
Singt ihr Lied von der Hoffnung auf das kommende Licht?

Alle Assoziationen sind erlaubt.
Erlaubt ist auch, dieses Bild
der singenden Amsel
mitten in der Nacht
und
scheinbar mitten in der Dunkelheit
auch als Bild des Glaubens
zu sehen.

So jedenfalls hat es
Rabindranath Tagore
einst wohl verstanden,
als er folgende Worte verfasste:

Glaube ist der Vogel, der singt,
wenn die Nacht noch dunkel ist.

Rabindranath Tagore (1861 – 1941), in Bengali. Ravindranath Thakur, indischer Dichter und Philosoph, Nobelpreisträger für Literatur 1913, Quelle: https://www.aphorismen.de/zitat/194964

Es gibt Menschen,
die durch ihren Glauben
und gestärkt im Glauben
mitten in der Dunkelheit der Welt

singen

den Gesang
der Hoffnung
der Sehnsucht
der tief empfundenen Überzeugung
dass nach dem Dunkel der Nacht
das Licht des neuen Tags
unser Leben erhellen wird.

Übrigens:
es wird wohl heute kein so sonniger
und warmer Tag werden,
eher kühl
und später auch
ziemlich
nass

und dennoch singt die Amsel
und TROTZ-dem singt die Amsel!

Was kann dieses Bild
dir und mir
über den Glauben
und die Hoffnung
sagen?


Nun ist es gerade 05.00 Uhr … und ich sehe am Horizon ein erstes bläulich schimmerndes Licht.

Hat die Amsel gegen 4.30 Uhr schon eher das heranbrechende Licht gesehen als ich?