Liturgie – unbedacht

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Wenn Musik den Blick verstellt

Manchmal nutze ich die Gelegenheit, den sonntäglichen Gottesdienst im Fernsehen mitzufeiern.
An diesem Sonntag wurde ein Gottesdienst aus einer Jesuitenkirche in Tirol übertragen.
Vieles war stimmig und sorgfältig gestaltet.

Dennoch blieb mir eine Szene besonders im Gedächtnis, weil sie für eine grundsätzliche Frage der Liturgie sensibilisiert.

Nach der Wandlung erhob der Priester die konsekrierte Hostie und sprach die Worte: „Seht das Lamm Gottes, das hinwegnimmt die Sünde der Welt.“

In diesem Augenblick richtet sich der Blick der Gemeinde auf Jesus Christus.
Die Gläubigen bereiten sich darauf vor, ihn in der heiligen Kommunion zu empfangen.
Kaum ein anderer Moment der Messe bringt so deutlich zum Ausdruck, wer nun im Mittelpunkt steht:
Christus selbst, gegenwärtig im Sakrament des Altares.

Umso mehr hat es mich überrascht, dass während der Kommunionausteilung ein Vokalensemble ein Marienlied sang.
So wertvoll und berechtigt die Marienverehrung auch ist, wirkte dieses Lied an dieser Stelle für mich deplatziert. Statt die Aufmerksamkeit musikalisch auf Christus und die eucharistische Gegenwart zu lenken, wurde der Fokus auf eine andere Gestalt des Glaubens gelenkt.

Gerade die Liturgie lebt von einer inneren Stimmigkeit.
Worte, Zeichen, Gesten, Räume und Musik bilden eine Einheit.
Wenn diese Elemente unterschiedliche Schwerpunkte setzen, kann die Symbolkraft eines liturgischen Moments an Klarheit verlieren.
Musik ist dabei weit mehr als eine schöne Umrahmung.
Sie deutet mit, vertieft und lenkt die Aufmerksamkeit der Feiernden.

Deshalb wünsche ich mir eine größere Sensibilität für die inhaltlichen Schwerpunkte der Liturgie.
Nicht nur Sprache, Gebärden und Rituale sollten aufeinander abgestimmt sein, sondern auch die Auswahl der Lieder.

Denn gute Liturgie zeichnet sich nicht allein durch feierliche Formen oder gepflegte Traditionen aus.
Sie hilft dabei, das Geheimnis sichtbar und erfahrbar werden zu lassen, das gerade gefeiert wird.
Und in der Kommunion ist dies vor allem eines: die Begegnung mit Jesus Christus.