Sein Kreuz aufnehmen …

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… und Christus nachfolgen

Impuls zum 22. Sonntag – A – 2026

Textstelle: Mt 16, 21–27

Foto: www.pixabay.com

Haben Sie schon einmal etwas wirklich Wichtiges verloren?

Nicht den Schlüsselbund – sondern etwas, das das eigene Leben erschüttert:
einen Arbeitsplatz, eine tiefe Freundschaft, die eigene Gesundheit, einen geliebten Menschen.

Solche Verluste stellen alles auf den Kopf.
Man braucht lange, um wieder Boden unter den Füßen zu finden.
Und niemand wünscht sich solche Situationen herbei.

Im heutigen Evangelium geht es um noch mehr:

Jesus spricht vom Verlust des Lebens – und davon, dass wir gerade darin das wahre Leben finden können, wenn wir es um seinetwillen verlieren.

Eine gewaltige Vision. Und eine Zumutung.

Wir kennen die Worte gut, aber spüren wir ihre Wucht?
„Wer sein Leben retten will, wird es verlieren; wer aber sein Leben um meinetwillen verliert, wird es finden.“

Heroische Selbstaufgabe ist nicht unser Alltag –
und Gott sei Dank geraten die wenigsten von uns in solche Extremsituationen.
Dennoch bleibt Jesu Wort stehen.
Und es fordert uns heraus.

Darum möchte ich drei Aspekte hervorheben:

„Wenn einer hinter mir her gehen will …“


Am Anfang steht der Wille.
Wer Jesus nachfolgen will, richtet seinen Blick weg von sich selbst hin zu Christus.
Dieser Perspektivwechsel ist bereits ein erster Schritt der Nachfolge.
Es ist mehr als ein Lippenbekenntnis:
Christus bekommt Gewicht im eigenen Leben.
Ich will mein Leben nach IHM ausrichten.


„… verleugne er sich selbst …“

Selbstverleugnung geschieht nicht auf einen Schlag.
Sie beginnt dort, wo wir anfangen uns – wie Johannes XXIII. – nicht mehr so wichtig zu nehmen, der einmal zu sich selber gesagt haben soll: „Giovanni, nimm dich nicht so wichtig!“
Wer den egozentrischen Blick löst und sich Christus zuwendet, ist bereits unterwegs.
Selbstverleugnung heißt:
Ich bin nicht der Mittelpunkt. Christus wird zum Bezugspunkt.


Foto: www.pixabay.com

„… nehme sein Kreuz auf sich …“


Wir schauen in jeder Kirche auf SEIN Kreuz.
Aber Jesus fordert uns nicht auf, sein Kreuz zu tragen.
Er sagt: „nehme sein eigenes Kreuz auf sich“.
Jede und jeder von uns hat ein eigenes Kreuz – die Lasten, Herausforderungen, Verletzungen, die das Leben mit sich bringt.
Wir müssen nicht versuchen, das Kreuz Christi auf uns zu nehmen. Das wäre wohl ein Irrtum!

Nachfolge Christi heißt vielmehr:
das eigene Kreuz anzunehmen und tragen lernen – nicht allein, sondern im Bewusstsein, dass Christus und bestenfalls auch andere Menschen mitgehen.
Und dieses Kreuz beinhaltet ja nicht nur Last, sondern ist verbunden mit Weisungen und Werten aus der Frohen Botschaft:
mit Liebe, Barmherzigkeit, Hoffnung, Freude und Zuversicht.

Das eigene Kreuz anzunehmen und es zu tragen, heißt also gerade nicht:
Freude, Glaube, Hoffnung und Liebe keinen Raum mehr zu geben.
Genau das Gegenteil ist vielmehr der Fall.
Das eigene Kreuz zu tragen und dabei oder trotzdem Raum für Freude, Glaube, Hoffnung und Liebe zu haben.

Manchmal wird gerade das zum Kreuz:
an Glaube, Hoffnung und Liebe festzuhalten, wenn durch andere Ereignisse unsere Vorstellungen vom eigenen Leben buchstäblich ‚durchkreuzt‘ werden oder wenn uns Lieblosigkeit, Gewalt, Hass oder Hetze entgegenschlagen.
Wenn wir am liebsten „mit gleicher Münze heimzahlen“ würden.
Wer dann dennoch Liebe und Frieden Raum geben möchte und es auch kann, weiß, wie anstrengend das ist – und wie sehr es Kreuz tragen bedeutet.

So verstanden lade ich ein, diesen Evangeliumstext neu zu lesen:
nicht als heroische Forderung, sondern als konkrete Einladung,
• im eigenen Leben die Spur der Nachfolge zu entdecken
– im Willen, Christus nachzugehen,
• im Loslassen des eigenen Mittelpunktes
• und im mutigen Annehmen des eigenen Kreuzes.