Zärtliche Gefühle?!

image_pdfPDF-Ansichtimage_printBeitrag ausdrucken

Impuls zum 23. Sonntag – A – 2026, Schriftstelle: Röm 13, 8-10

Hier klicken, um den Inhalt von YouTube anzuzeigen.
Erfahre mehr in der Datenschutzerklärung von YouTube (öffnet in neuem Tab).

„Ich hab ein zärtliches Gefühl
Für jede Frau, für jeden Mann
Für jeden Menschen,
wenn er nur vollkommen wehrlos lieben kann.“

Quelle: https://www.songtexte.com/songtext/herman-van-veen/ich-hab-ein-zartliches-gefuhl-5bc7cb08.ht

Das ganze Lied: https://youtu.be/ccE5CgL50LU?si=hBz_Dqzsj_e5RI2T

Kennen Sie diese Zeilen noch?
Dieses Lied, das so mutig von einer Haltung spricht, die Menschen mit Wärme betrachtet?

Mir kommt dieses Lied oft in den Sinn, wenn ich mich frage, wie manche Menschen so sensibel über andere sprechen oder singen können, die sie gar nicht kennen.
Sie müssen doch eine zutiefst liebevolle Grundhaltung haben, denke ich dann.
Menschen, die mit sich und der Welt im Einklang sind.

Und unweigerlich frage ich mich:
„Und? Wie sieht es bei dir aus?“
Könnte ich solche Worte benutzen wie Herman van Veen?

Wie sähe unsere Welt aus, wenn wir – oder wenigstens viele von uns – mit einer solchen Grundhaltung aufeinander zugingen?
Vielleicht würden wir andere Worte wählen, aber es geht um die innere Bewegung: ob wir es „zärtliches Gefühl“ nennen oder „jedermann herzlich zugetan sein“.
Christlich gesprochen: Nächstenliebe.

Bild: www.pixabay.com

Doch es ist schwer, jedem Menschen so zu begegnen.
Wir sind „verbranntes Kind“, haben Verletzungen erlebt oder Angstbilder übernommen, die sich tief festgesetzt haben.

Ein kleines Beispiel:
Mit welcher Haltung gehen wir an Menschen vorbei, die bettelnd am Straßenrand sitzen?
Spüren wir zuerst die mögliche Not?
Oder denken wir zuerst an Bandenkriminalität und Ausbeutung?

Ich gestehe: Je nach Tagesform denke ich manchmal zuerst Letzteres.
Und es tut mir leid, weil ich den Menschen übersehe und nur ein System sehe.
Vielleicht meldet sich dann das Gewissen, weil wir – bewusst oder unbewusst – die Worte des Paulus kennen:
„Niemandem bleibt etwas schuldig, außer der gegenseitigen Liebe.“

Eigentlich ist es ein Glück, wenn sich das Gewissen meldet.
Und wir finden viele Situationen, in denen wir im zweiten Atemzug erschrecken, dass wir kein gutes Wort oder keinen guten Gedanken für jemanden hatten.

Ich kann es niemandem unterstellen, aber ich gestehe: Bei manchen Menschen kommen mir sofort schlechte Gedanken – im nahen Umfeld wie auch bei fernen Despoten und Kriegstreibern.

Vielleicht deshalb greift Paulus die Worte Jesu auf:

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“

Wir wissen:
Manche „Nächsten“ machen es uns nicht leicht.
Doch die Lösung beginnt immer bei mir selbst.
Wenn ich mich nicht liebe, wie soll ich andere lieben?

Bild: www.pixabay.com

Das Leben ist unsere Lehrmeisterin, vor allem dort, wo wir echte, bedingungslose Zuneigung erfahren haben.
Unser größter Lehrer ist Jesus Christus.
Er war fest in Gott verwurzelt und hat sich selbst als geliebtes Kind angenommen gespürt – daraus erwuchs seine Fähigkeit, andere zu lieben, auch uns, die so viel später leben.

Verstehen wir diese Aufforderung nicht als Mahnung, sondern als liebevolle Erinnerung:
Jesus und Paulus wussten, wie schwer dieses Gebot ist.

Ich persönlich möchte mich jedenfalls von der Bosheit der Welt nicht abbringen lassen, die Nächstenliebe zu suchen und zu leben – auch wenn es immer wieder schwer fällt.

Ich bin sicher:

Wir werden erleben, wie das Leben in uns und um uns herum wärmer wird – vielleicht nicht dauerhaft, aber immer wieder.
Und wir wissen:

Unsere Liebe wird nie ausreichen, um die Welt insgesamt zu verwandeln.


Aber sie reicht, um einen Blick zu erhellen, einer Begegnung Herzlichkeit einzuhauchen, ein Stück Glück und Liebe zu teilen.